Für Bob Moog war ein Synthesizer in erster Linie eine expressive Einzelstimme – Polyphonie hielt er für überflüssig. Trotzdem gab es immer wieder Versuche, den ikonischen Minimoog-Sound mehrstimmig umzusetzen. Problemlos gelang das allerdings nie.

Warum der Memorymoog legendär war
Der Memorymoog gilt als absoluter Meilenstein der Synthesizer-Geschichte und zählt für viele bis heute zu den fünf wichtigsten Poly-Synths überhaupt. Im Kern vereint er sechs Minimoog-Stimmen in einem vergleichsweise transportablen Instrument mit fünf Oktaven Tastatur. Besonders die Speicherbarkeit der Sounds sowie die Möglichkeit, sämtliche Wellenformen gleichzeitig zu nutzen, machten das Instrument begehrt. Hinzu kamen Funktionen wie freie PWM, die den Synth klanglich weit flexibler machten als einen Minimoog Model D.
Gleichzeitig sorgten der andere interne Aufbau, das abweichende Stimmen-Summing sowie die CPU-gesteuerte Voice-Allocation dafür, dass der Memorymoog etwas kontrollierter, glatter und „zahmer“ klang als der oft unberechenbare und aggressivere Minimoog Model D.
Live war das Gerät allerdings berüchtigt: 18 analoge Oszillatoren neigen nun einmal stärker zu Drift, als einem lieb ist. Extreme Verstimmungen, instabile Stimmen und Voice-Ausfälle gehörten beinahe zum Alltag. Hinzu kamen enorme Hitzeentwicklung sowie zahlreiche Folgeprobleme, die letztlich auf das extrem ambitionierte Design zurückzuführen waren: riesige diskrete Schaltungen und dazu die typischen Kinderkrankheiten früher mikrocontrollergesteuerter Analogmonster.
Trotzdem wurde der Sound legendär. Wenn der Memorymoog gut gelaunt war, erzeugte er einen gewaltig-breiten „Wall of Sound“, den bis heute kaum ein anderer Poly-Synth erreicht. Entsprechend hielten nur extrem leidensfähige Studio-Nerds das wartungsintensive Monster jahrzehntelang entgegen jeder Vernunft am Leben. Mit Arturia Memory V liefert Arturianun eine angenehm moderne und weitgehend leidensfreie Software-Interpretation dieses Kultsynths.
- breiter und monumentaler Moog-Poly-Sound
- starke Preset-Library inklusive originaler Factory-Presets
- umfangreiche Effektsektion mit vier frei belegbaren Slots
- sehr flexible Drag’n’Drop-Modulation, vier unabhängige Arpeggiatoren
- (kein Split-Mode)
DETAILS
Warum das Arturia Memory V Plugin besonders spannend ist
Der Arturia Memory V wird aktuell einzeln verkauft und dürfte künftig Bestandteil der nächsten Arturia V Collection werden. Technisch handelt es sich um eine virtuelle Interpretation des legendären Memorymoog, die massiv um moderne Effekte, Modulationsmöglichkeiten und Spielhilfen erweitert wurde.

Zunächst wurde die ursprüngliche Polyphonie von sechs auf bis zu zwölf Stimmen erweitert und ein unkomplizierter Voice-Spread für Unison integriert. Darüber hinaus spendiert Arturia dem Arturia Memory V einen weiteren OSC Sync von “1 to 3“, was dem ohnehin mächtigen Grundsound weitere aggressive Klangfarben entlockt.
Auch beim Drive wurde nachgelegt, denn gerade der berühmte Mixer-Crunch vor dem Filter gehörte zu den stilprägenden Eigenschaften des historischen Memorymoog. Entsprechend kräftig darf das Plugin heute sättigen und schmatzen.
Ebenfalls gelungen ist die Integration der Arturia-Controller: Selbst mit einem kleinen MicroLab lassen sich Presets komfortabel durchsteppen oder die Library direkt durchsuchen. NKS und MPE werden aber auch unterstützt.
Wie praktisch alle aktuellen Arturia-Instrumente bietet auch Memory V eine ausgereifte Preset-Verwaltung, gut kuratierte Sounds sowie zahlreiche sinnvoll gewählte Makros für schnelles Feintuning. Natürlich darf auch tiefer geschraubt werden – zwingend nötig ist das dank der enormen Preset-Auswahl allerdings keineswegs.
Hervorragendes Drumherum
Ferner finden sich zahlreiche Standard-Kategorien innerhalb der Library, sinnvollerweise liegt der Fokus aber klar auf den klassischen Stärken des Memorymoog: epische Brass-Sounds, breite Unison-Flächen, mächtige Leads und extrem dicke Poly-Sounds. Selbst die ursprünglichen 100 Factory-Presets wurden übernommen und um rund 200 modernere Sounds der Sounddesigner von Arturia ergänzt.

Besonders umfangreich ist auch der Arpeggiator des Arturia Memory V, welcher gleich vier unabhängige Arpeggiatoren bereitstellt, die sich parallel mit unterschiedlichen Rhythmen, Oktavlagen oder Pattern betreiben lassen, sodass extrem dichte, ineinandergreifende Sequenzen sowie komplexe polyrhythmische Moog-Lines entstehen.
Flinke Zuweisungen, sehr viel Modulation
Ebenfalls sehr funktional gelungen: Sämtliche Performance-Befehle wie Mod-Wheel, Velocity, Release-Velocity, MPE Slide, Aftertouch oder Key-Tracking lassen sich extrem schnell und unkompliziert per Drag’n’Drop zuweisen und in der Intensität anpassen.
Gleiches gilt für sämtliche Modulationsquellen, darunter die vier Arpeggiatoren, zusätzliche Envelopes, ein Function-Generator, Voice- und Modulations-Sequencer sowie ein Randomizer. Besonders praktisch: Die Modulatoren dürfen frei kombiniert werden, drei entsprechende Slots stehen dafür neben den Effekt- und Arpeggiator-Sektionen bereit.




Auch bei den Effekten wurde geklotzt statt gekleckert: Reverb, Delay, Tape Echo, Pitch Delay, Kompressoren, Filter, EQs sowie Distortion und Bitcrusher lassen sich frei auf vier FX-Slots verteilen.
Dazu kommen spezielle Modulationseffekte wie Trance-Gate, Phaser, Panner, Flanger und Chorus – inklusive Juno-6-Chorus und BL-20-Flanger.
Sämtliche Effekte können zudem ebenfalls unkompliziert moduliert werden. Mehr Ausstattung geht derzeit kaum – zumal Arturia das Ganze erfreulich intuitiv bedienbar und übersichtlich gestaltet hat.

