Anzeige

Wie lange dauert es, bis man Gitarre spielen kann?

Wann kann ich endlich richtig Gitarre spielen? So seltsam diese Frage klingen mag, sie ist mir schon oft gestellt worden und wie man sich vorstellen kann, ist sie nicht ganz einfach zu beantworten. Allerdings ist es dennoch möglich, wenn man zuerst einmal klärt, was “Gitarre spielen können” für den Schüler oder die Schülerin überhaupt bedeutet. Zum anderen gehört dazu auch die Frage, wie viel Zeitaufwand der Aspirant bereit ist, in sein Hobby zu investieren.

(Bild: © shutterstock / Von: Dmytro Zinkevych)
(Bild: © shutterstock / Von: Dmytro Zinkevych)

Inhalte

  1. Wie viel Zeit muss man fürs Gitarre-Lernen aufwenden?
  2. Gitarre lernen mit oder ohne Lehrer?
  3. Warum sollte man sich Ziele setzen?
  4. Wie lange muss ich üben, bis ich ein guter Gitarrist bin?


Wie ihr seht, gibt es keine simplen Antworten auf komplexe Fragen wie diese und daher wollen wir hier versuchen, uns diesem Thema etwas differenzierter zu nähern. So viel sei jetzt schon verraten, dass die Antwort lauten muss: “Kommt drauf an!”

Vom ersten Akkord bis zum Rockstar – Quick Facts 

Üben ist nicht gleich Üben
Fortschritte beim Üben hängen nicht nur von der Zeit ab, die man investiert, sondern auch von der Ernsthaftigkeit und dem Hinarbeiten auf ein Ziel. Wer plant, mit der Gitarre seinen Lebensunterhalt zu verdienen, muss erheblich mehr und fokussierter üben als der zukünftige Hobby-Gitarrist.
Gitarre lernen mit Lehrer oder autodidaktisch?
Die Gitarre ist eines der Instrumente, die man sich auch ohne Lehrer bis zu einem gewissen Grad erarbeiten kann. Allerdings schleichen sich ohne Anleitung fast immer falsche Körper- und Spielhaltungen ein, die den Fortschritt bremsen und die nur sehr schwierig zu korrigieren sind.
Wie wichtig ist Talent?
Natürlich ist es von Vorteil, wenn die Voraussetzungen zum Musikmachen schon in der Wiege lagen, aber ohne Schweiß wird auch der talentierteste Gitarrenschüler nichts reißen. Andererseits gibt es nahezu keine Grenzen für diejenigen, die sich mit Disziplin und Fleiß der Gitarre widmen.

1. Wie viel Zeit muss man fürs Gitarre-Lernen aufwenden?

Die primäre Frage, die man sich stellen sollte, lautet: Wie viel Zeit bin ich bereit, bzw. steht mir organisatorisch zur Verfügung, mich mit meinem Instrument zu beschäftigen? Hierbei zählt nicht nur die Dauer, sondern auch die Qualität und die Kontinuität der Übe-Einheiten.
Wer nicht mindestens an fünf Tagen pro Woche bereit ist, runde 20 Minuten an sich zu arbeiten, wird nur schwerlich Fortschritte erzielen. Regelmäßiges, über die Woche verteiltes Üben, ist dabei sicherlich auch effektiver als einmal pro Woche eine Stunde zu üben und dann die restlichen Tage das Instrument nicht anzufassen. Auch die Form des Übens sollte gut strukturiert und ergebnisorientiert ausfallen, also das, was man in der Fachsprache “deliberate practice” nennt, sprich, zielgerichtetes Üben.
Gerade am Anfang kursiert immer wieder der Talentbegriff durch die Köpfe, der oft leider wie ein Gegengewicht zum Üben gehandelt wird. In aller Kürze: Richtiges Üben wird immer über Talent siegen, falls es so etwas überhaupt gibt.
Mehr zu diesem Thema findet ihr hier:

2. Gitarre lernen mit oder ohne Lehrer?

Wer noch nie ein Instrument gespielt hat und auch sonst mit der Musikpraxis wenig Berührungspunkt hatte, sollte nicht davor scheuen, einen Instrumentallehrer zu wählen, um maximale Fortschritte zu erzielen. Hier lernt man zum einen das korrekte Üben, man erhält direktes Feedback und das Wichtigste: Der Stoff wird in verdauungsgerechte Happen portioniert, die vom Schüler gut gemeistert werden können und ihn dabei weder über- noch unterfordern.
Wer bereits ein Instrument spielt, wird möglicherweise auch ohne permanenten Unterricht auskommen, sollte jedoch zumindest am Anfang ein paar Stunden nehmen, um die optimale Körper- und Handhaltung zu erlernen, denn eine falsche Technik kann den Fortschritt extrem verlangsamen und das Umlernen wird später um so mühsamer.

3. Warum sollte man sich Ziele setzen?

Bevor ihr beschließt, ein Instrument zu lernen, solltet ihr euch fragen: Was will ich eigentlich? Geht es euch darum, am Lagerfeuer ein paar Songs zu spielen? Wollt ihr eine eigene Band gründen? Wollt ihr nur für euch spielen? Wollt ihr auf semiprofessionellem oder sogar professionellem Niveau spielen?
Auch wenn das Erlernen der Gitarre für jeden dieser Bereiche zu Beginn noch identisch aussieht, wird der Lagerfeuergitarrist sicherlich mit weniger Aufwand sein Ziel erreichen als der angehende Profi, und auch die Inhalte werden ab einem gewissen Punkt differieren.
Früher oder später solltet ihr euch darüber im Klaren sein, wohin der Zug gehen soll, denn dann setzt ihr eure Prioritäten anders und könnt auch für euch eine höhere Motivation aus euren Zielen ziehen.

4. Wie lange muss ich üben, bis ich ein guter Gitarrist bin?

Fragt man jeden halbwegs fortgeschrittenen Musiker, wie lange es dauert, bis man sein Instrument beherrscht, wird er antworten: ein Leben lang!
So spricht Malcolm Gladwell in seinem Buch “Outliers”, basierend auf einer Untersuchung von Anders Ericsson, von der 10.000 Stunden Regel, die besagt, dass dieser Zeitaufwand an Übung notwendig ist, bis man es zum wirklichen “Meister” einer jeden Disziplin bringt. Das sind 2 h 45 min an jedem Tag, und zwar zehn Jahre lang!
Exakte Prognosen sind offensichtlich immer schwer, dennoch ist es möglich, gewisse Zwischenstationen halbwegs konkret festzumachen, vorausgesetzt, der empfohlene Übe-Aufwand wird eingehalten.
Hier sind ein paar sehr grobe Richtwerte, die für Jugendliche bis Erwachsene gelten könnten, wenn man mit akustischer Gitarre anfängt und auf E-Gitarre wechseln will (große individuelle Unterschiede sind natürlich denkbar):

  • 1-3 Monate:
    • Erste Liedbegleitung mit einer Handvoll Akkorde ist möglich; erste Strumming- und Pickingpattern stellen keine Probleme mehr dar.
  • 6 Monate:
    • Die meisten Akkorde dürften erlernt sein und auch die Barrée-Varianten beginnen allmählich zu klingen; die Auswahl an spielbaren Songs steigert sich immens.
  • 1 Jahr:
    • Alle Akkorde, inklusive Barréeformen, sitzen; verschiedene Begleitformen stehen zur Verfügung, alle “Lagerfeuersongs” sind problemlos umsetzbar; Wechsel zur E-Gitarre ist möglich.
  • 2 Jahre:
    • Improvisation in der Pentatonik ist kein Problem mehr; E-Gitarrentechniken wurden rudimentär erlernt, das Spielen in einer Band ist denkbar.
  • Ab 5 Jahre:
    • Die gängigen Tonleitern sitzen; ein solides Fundament an Technik, Theorie und Gehörbildung wurde geschaffen; die meisten Songs sind spielbar.

Verwandte Inhalte

Hot or Not
?
(Bild: © shutterstock / Von: Dmytro Zinkevych)

Wie heiß findest Du diesen Artikel?

flame icon flame icon flame icon flame icon flame icon
Your browser does not support SVG files

von Haiko Heinz

Kommentieren
Kommentare vorhanden
Schreibe den ersten Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Für dich ausgesucht

5 Geschwindigkeitsübungen für die E-Gitarre - endlich schneller spielen

Gitarre / Workshop

Schnelle Solos und Licks auf der E-Gitarre sind nicht unbedingt immer angesagt, aber wer sie beherrscht, der setzt damit Akzente für ein abwechslungsreiches Spiel.

5 Geschwindigkeitsübungen für die E-Gitarre - endlich schneller spielen Artikelbild

Der Begriff "Geschwindigkeit" ist im Zusammenhang mit dem Solieren auf der E-Gitarre unter Umständen etwas negativ besetzt. Zu oft wurde in der Vergangenheit der Mittelpunkt des Spiels in der technischen Virtuosität gesucht, sodass man sich schnell den Vorwurf des "Fuddlers" gefallen lassen musste, sobald man über eine solide Technik verfügte. Dennoch sollte man nicht vergessen, dass schnelles Spiel eine Form des musikalischen Ausdrucks und auch des Soloaufbaus sein kann und sich auch langsamere oder mittelschnelle Passagen oftmals viel entspannter anhören, wenn der Gitarrist noch etwas "technischen Headroom" besitzt.

John Petrucci's Guitar Tech Maddi zeigt, wie man Gitarren einstellt

Gitarre / News

Maddi, der Gitarrentechniker von John Petrucci zeigt in einem Video detailliert, wie er John's Gitarren einstellt - vom Saitenwechsel über Halskrümmung hin zur Saitenlage etc.. Absolut sehenswert!

John Petrucci's Guitar Tech Maddi zeigt, wie man Gitarren einstellt Artikelbild

Wenn ihr wissen möchtet, wie ein professioneller Guitar Tech die Instrumente eines Profigitarristen in Schuss hält, dann solltet ihr euch unbedingt das unten verlinkte Video anschauen! 

Wie man 8 Modulationseffekte aus einem Flangerpedal gewinnt

Workshop

Unser Autor zeigt, dass ein Flanger nicht nur flangen kann. Mit einigen Kniffen gelingen auch Modulationssounds, die eigentlich Chorus, Phaser und Co. gehören.

Wie man 8 Modulationseffekte aus einem Flangerpedal gewinnt Artikelbild

Der Flanger ist ein traditionsreicher und uralter Effekt, dessen Ursprünge bereits in den 40er-Jahren zu finden sind. Als eigenständiger Sound startete er seinen Siegeszug durch die Musikgeschichte mit Legenden wie Les Paul, den Beatles oder Jimi Hendrix und prägte die Sounds unzähliger weiterer Künstler, darunter Andy Summers, Eddie Van Halen oder "Rage against the Machine“.

Kaufberatung Welche Gitarre braucht man als Anfänger?

Gitarre / Feature

Welche Gitarre ist die richtige für Anfänger? Eine traditionelle Konzertgitarre, eine Westerngitarre mit Stahlsaiten oder eine E-Gitarre? Wir wissen Rat.

Kaufberatung Welche Gitarre braucht man als Anfänger? Artikelbild

Die richtige Gitarre für Anfänger entscheidet oft darüber, ob man mit Begeisterung bei der Sache ist oder schon bald frustriert aufgibt. Beim Gitarren-Kauf spielt es dabei keine Rolle, ob das Instrument der Wahl eine klassische Gitarre, eine Westerngitarre oder eine E-Gitarre ist: Sie muss zum Spieler passen.

Bonedo YouTube
  • Nux Tape Echo - Sound Demo (no talking)
  • How to get 5 typical Drive Sounds from only one Overdrive plus EQ Pedal - Comparison (no talking)
  • Harley Benton R-446 - Sound Demo (no talking)