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Twisted Electrons hapiNES L Test

Praxis

Sound

Die Klangerzeugung des hapiNES L besteht aus vier monophonen Chiptune-Parts, deren Sounds vom RP2A07-Chip der Nintendo NES-Spielekonsole inspiriert sind: Drums, eine Dreieckswelle und zwei Rechteckwellen mit variabler Pulsweite: Damit lassen sich schon stilechte ‚Achziger-Jahre-Videospielsoundtracks‘ programmieren. Die 60 Drumsounds sind keine Samples, sondern werden vom Chip generiert. Sie klingen digital und rau und oft braucht es Phantasie, um einen Sound als Schlagzeug zu identifizieren. Da jede Stimme des hapiNES L monophon ist, kann nur ein Sound des Drumtracks zeitgleich erklingen.
Weil diese Eigenart sowieso die stilistische Ästhetik von Chiptune-Drums ist, stellt dieser Umstand nicht notwendigerweise eine Einschränkung dar. Die Modulationsmöglichkeiten sind Decay und eine Art Bitcrusher, der mit dem Pulsewidth-Poti geregelt wird. Die Dreieckswelle ist für den Gebrauch als Bass-Synth prädestiniert und nur im Decay regelbar. Die beiden Rechteckwellen bieten deutlich mehr Möglichkeiten für Modulationen und eignen sich insbesondere für Melodien und Effektsounds. Das Ausklingverhalten (Decay), die Modulation der Pulswelle, zwei Videogame-typische Arpeggio-Parameter und die Vibratotiefe lassen etwas Soundgestaltung zu. Aber natürlich machen auch die Square-Waves einen sehr schönen Bass-Sound, wie die Audiobeispiele zeigen.

Audio Samples
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Jam-Session Billy Bonedo Billy Bonedo Drums R&B-hapiNES R&B-hapiNES-Drums Electro-Bass Rechteck, moduliert Electro-Bass Rechteck, 11 Oktaven Electro-Bass Dreieck, 11 Oktaven Techno-Bass Rechteck, moduliert Techno-Bass Dreieck, moduliert Arpeggios Rechteck, moduliert Alle Drumsounds

Programmierung

Programmiert wird pro Step oder per Live-Spiel auf den kleinen Tasten. 16 Pattern mit bis zu 16 Steps stehen zur Verfügung, wobei sich die Schrittlängen einer Sequenz verkürzen lassen. Mit der Ratchet-Funktion können pro Step bis zu vier weitere Impulse gesetzt werden. Auch Slides lassen sich programmieren. Sogar eine Swing-Funktion für shuffelnde Grooves gibt es. Dafür gibt’s keinen Song-Modus, aber hapiNES L kann sich Transponierungen merken, die live eingespielt und global ausgeführt werden. Die Informationen für Transpose und auch für Pattern-Chaining werden in einem zusätzlichen Speicher über die Sequenz gelegt. Pattern oder einzelne Tracks können kopiert werden.
Die Pattern verbleiben in einem nichtflüchtigen Speicher, stehen also auch beim nächsten Einschalten zur Verfügung. Im späteren Video zeige ich das Ausprobieren einiger Riffs auf der Tastatur und das Schalten in den Record-Modus zum aufnehmen. Dabei fällt ein kleiner Bug auf: Die Oktavlage wird verstellt und muss korrigiert werden. Ein Umstand, der hoffentlich im nächsten Update behoben wird. Wo wir gerade dabei sind: Firmware-Updates sind sehr einfach über eine Google Chrome basierte Website möglich.

Fotostrecke: 4 Bilder „Run“ heißt „Start“. (Foto: Christine Mangels)
Fotostrecke

hapiNES L und DAW

Für den Test habe ich das Ableton-Arrangement aufgerufen, dass ich schon vor einem Jahr bei meinem Test des ursprünglichen hapiNES verwendet habe, und siehe da: Ableton erkennt auch den großen Bruder sofort in den MIDI-Preferences. Der Dreiecksbass wird über MIDI-Kanal 1 angesteuert, die beiden Rechteckswellen über die Kanäle 2 und 3, die Drums liegen auf 4. Via MIDI haben wir dann auch alle 60 Drumsounds spielbereit über die Tastatur verteilt, der Letzte ist ein sich ständig verändernder Random-Sound. Für die Kommunikation mit der DAW via USB steht auf der Produktwebsite ein eigenes Plug-In zum kostenlosen Download bereit. 
Das AU/component-Plug-In für Mac und das VST für Windows erlaubt die Kontrolle der hapiNES L-Soundparameter per Mausclick. Aufzeichnen lassen sich die Modulationen leider nicht, dafür können sämtliche Parameter per MIDI CC Controllern ferngesteuert werden. Vor allem aber kann jede der vier Spuren über einen separaten MIDI-Kanal angesteuert und programmiert werden. Wie schon beim kleinen hapiNES fand ich es am ergiebigsten, die Sequenzen entweder in der Hardware selbst oder per MIDI-Noten in der DAW zu programmieren und die Ergebnisse dann live moduliert als einzelne Audiospuren aufzunehmen und mit den vielfältigen Möglichkeiten von Ableton zu bearbeiten. hapiNES L liefert frische Sounds und Ideen, die mit ähnlich klingenden nativen Plug-Ins wie QuadraSID nicht so spontan zu erzielen sind. 

Twisted Electrons bietet für beide hapiNES-Varianten ein kostenloses AU-Plugin an. (Foto: Christine Mangels)
Twisted Electrons bietet für beide hapiNES-Varianten ein kostenloses AU-Plugin an. (Foto: Christine Mangels)

Synchronisation

Das Tempo des hapiNES L kann nur eingetappt werden, es ist nicht möglich, den internen Sequenzer gezielt langsamer oder schneller zu regeln. Schon deswegen gefällt mir der hapiNES L als MIDI-Slave in einem Synchronverbund besser. Wahrscheinlich hat Twisted Electrons darum auch auf eine MIDI-Out-Buchse verzichtet. Im Gegensatz zum Platinen-hapiNES hat die Large-Version allerdings einen MIDI-In und macht daher im Zusammenspiel mit einer Drummachine, oder einer Hardware-DAW eine gute Figur. Zu einer Software-DAW wird die kleine Chiptune-Groovebox typischerweise über USB synchronsiert. Dank der Sync Ein- und Ausgänge können Trigger-Clock-Signale zu entsprechend ausgestatteten Sequenzern oder Modularsystemen gesendet, oder empfangen werden.

Die Synchronisation mit der Aussenwelt erfolgt via USB, MIDI oder Trigger-Clock. (Foto: Christine Mangels)
Die Synchronisation mit der Aussenwelt erfolgt via USB, MIDI oder Trigger-Clock. (Foto: Christine Mangels)

Unterschiede hapiNES und hapiNES L

Auf der Twisted Electrons-Website finden sich für fast jedes Produkt sehr geradlinige Video-Tutorials zu den Grundfunktionen der Geräte. Als Video für den hapiNES L wird das vom kleinen Platinen-hapiNES verwendet, warum auch nicht, die grundsätzliche Bedienweise und auch die Sounds sind absolut identisch. hapiNES L punktet vor allem durch sein vertrauenserweckendes Metallgehäuse, größere griffige Potiknöpfe, die schon vom acid8 bekannten länglichen Schalt-Buttons und weitere Anschlüsse. Das Ausgangssignal ist lauter, und ja, es rauscht, aber deutlich weniger. Insgesamt macht hapiNES L einen so viel robusteren Eindruck als die zerbrechlich wirkende Platine. Die ist andererseits für den kleinen Spaß zwischendurch für unter 100 Euro erhältlich. Diese Summe passt in jedes Weihnachtsbudget und sorgt für 8-Bit-Freude unterm Christbaum. Wer sich die L-Variante leistet, braucht also richtig ‚L‘-ust auf Chiptunes, braucht es ‚L‘-arge zum Schrauben und Programmieren und gönnt sich den ‚L‘-uxus des dreimal höheren Kaufpreises. Bei meiner nächsten Japan-Livetour wird der hapiNES L auf jeden Fall mit dabei sein.

Fotostrecke: 2 Bilder hapi family: Die beiden hapiNES-Modelle im Größenvergleich. (Foto: Christine Mangels)
Fotostrecke

Twisted Electrons hapiNES L Sound Demo (no talking)

Im Video zeigt unser Bonedo-Autor das Live-Programmieren und Mute-Arrangieren, und wie man alleine mit hapiNES L schon sehr vielseitig jammen kann. 

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