Tutorial: Antares Auto-Tune Pro X – Auto Mode & Graph Mode Workshop

Tutorial Antares Auto-Tune Pro X – Auto Mode und Graph Mode im Workshop: Antares Auto-Tune gilt seit den späten 90er Jahren als Vorreiter der Gesangskorrektur und außerdem als plakatives Tool zur Kreation stilbildender Vocal-Sounds für kommerzielle Popmusik. Das runderneuerte Auto-Tune Pro X erschien im neuen (GUI-)Gewand und mit einigen neuen Features.

Auto-Tune Tutorial

Unser Workshop versorgt euch mit den wichtigsten Infos und Tipps, die euch dabei helfen sollen, eure Vocals mit dem Plugin produktionsfertig zu verfeinern oder zu verfremden! Auf der ersten Seite dieses Workshops widmen wir uns dem AUTO MODE , im zweiten Teil dann dem GRAPH MODE, welcher der ARBEIT mit MELODYNE sehr nahe kommt!

DETAILS + PRAXIS

Antares Auto-Tune Pro X – Auto Mode

Dass man mithilfe von Auto-Tune auf zwei unterschiedliche Arten an produktionsfertige Vocals gelangen kann, ist nicht neu. Neben dem wahrscheinlich viel populäreren Auto Mode (in Echtzeit) setzte das Programm von Anfang an auch auf den Graph Mode.

Auto-Tune Pro X: Graph and Auto Mode
Der AUTO MODE (links) und GRAPH MODE von Auto Tune Pro X

Mit ihm konnte man die Tonhöhe graphisch bearbeiten – und zwar schon vor Erscheinen des späteren Konkurrenzprodukts Melodyne, wenn ich mich recht erinnere. Bisher führte der Graph Mode (nach meiner Einschätzung) aber eher ein Schattendasein in der beliebten Software, was sich aufgrund verschiedener Verbesserung der neuen Pro X-Variante aber ändern könnte. 

Workflow-Tipp: 

Wer aus eigener Erfahrung einen der beiden Modi bevorzugt, legt in den Preferences fest, welcher Modus beim Öffnen des Plugins erscheinen soll. Selbstverständlich kann der Modus auch danach noch jederzeit gewechselt werden.

Einstellungen Start-Up
Antares Auto-Tune Pro X – General Preferences: Hier legt ihr fest, wie Auto-Tune beim ersten Start aussehen soll!

In erstem Teil unseres Workshops widmen wir uns dem Auto Mode. Als Hostprogramm nutzen wir Apple Logic Pro X 10.7.4. Eine ARA-Version von Auto-Tune Pro ist übrigens bereits angekündigt, zum Zeitpunkt dieses Workshops aber noch nicht verfügbar.

Inhalte
  1. Antares Auto-Tune Pro X – Auto Mode
  2. Auto Mode – Basics
  3. Auto Mode – Advanced
  4. Auto Mode – MIDI
  5. Antares Auto-Tune Pro XGraph Mode
  6. Multi-View Instance List
  7. Graph Mode – Import
  8. Graph Mode – Tools

Auto Mode – Basics

Anmerkung: Viele der nachfolgend erläuterten Parameter und Features trefft ihr ebenfalls im Graph Mode an.

Auto-Tune Pro X Auto Mode Basics – Tonart

Der Auto Mode ermöglicht die automatische Tonhöhenkorrektur monophoner Gesangs- oder Instrumentenspuren in Echtzeit. Diese vollkommen unkomplizierte Vorgehensweise erfordert in der Regel nur wenige Handgriffe: Nachdem man das Plugin in der zu bearbeitenden Spur insertiert hat, raten wir euch, eine entsprechende Tonskala („Scale“) einzustellen, damit das Plugin „weiß“, welche Töne wohin korrigiert werden müssen. 

Bei Bedarf kann man dazu das „Hilfs-Plugin“ Auto-Key (in Auto-Tune Lizenz enthalten) nutzen. Es ermittelt die Tonart automatisch und überträgt diese Information an die Auto-Tune Instanzen, in denen ihr den Auto-Key-Button aktiviert habt. Per Keyboard (GUI) könnt ihr Töne entfernen (Remove), die ihr nicht hören wollt, und außerdem ausgewählte Skalentöne der Manipulation durch Auto-Tune entziehen (Bypass).

Auto Tune Skalen
Fotostrecke: 3 Bilder Viele Tonskalen stehen zur Auswahl.

Auto-Tune Pro X Auto Mode Basics – Input Type

Handelt es sich um ein Instrument oder eine Gesangsstimme? Der Parameter „Input Type“ lässt die Wahl aus verschiedenen Varianten, die dem Plugin helfen, optimal zu arbeiten. Neuerdings hat die Learn-Funktion auch eine automatische Erkennung in petto, falls man sich unsicher sein sollte, welche Einstellung das beste Ergebnis liefert. Hierzu empfiehlt das Manual, eine repräsentative  Gesangsphrase abzuspielen, die das Plugin für fünf Sekunden analysiert.

Auto Tune Input Einstellungen
Fünf Input-Type-Optionen

Auto-Tune Pro X Auto Mode Basics – Classic-Parameter

Die übrigen Parameter legen fest, auf welche Weise die einkommende Gesangsstimme bearbeitet wird. Zunächst müsst ihr euch für einen der Modi „Classic“ oder „Modern“ entscheiden! Die Einstellung Classic arbeitet mit dem älteren und berühmt-berüchtigten Auto-Tune-Algorithmus, der für den sogenannten Cher-Effekt verantwortlich war. Modern hingegen begünstigt natürlich klingende Bearbeitungsresultate und bringt einige zusätzliche Parameter ins Spiel. 

Doch auch der Classic Mode muss nicht zwingend unnatürlich klingen! Folgende Parameter gibt es:

  1. Retune Speed: Legt fest, wie schnell tonale Abweichungen korrigiert werden (in ms). Höhere Werte begünstigen in der Regel die Natürlichkeit (und umgekehrt).
  2. Tracking: Dieser Parameter dient der korrekten Erkennung der gesungenen Tonhöhe. Der Default-Wert 50 sollte in den meisten Fällen optimale Ergebnisse liefern. Bei hauchigem Gesang sollte man den Wert erhöhen, bei unerwünschten Artefakten empfehlen wir, ihn zu verringern.
  3. Natural Vibrato: Positive Werte verstärken das natürlich Vibrato, negative bewirken das Gegenteil.
  4. Humanize: Humanize verlängert die ggf. schnell eingestellte Retune Speed  bei längeren Noten für ein natürlicher klingendes Resultat. Er ist auch vorteilhaft zur Korrektur kurzer Noten.  
  5. Detune: Offsets, je nach Voreinstellung in Hz oder Cents, ändern die Referenztonhöhe der gewählten Skala.  
  6. Mix: Dieser neue Regler ist in allen Auto-Tune-Modes verfügbar und ermöglicht einen Dry/ Wet-Mix zur Erzeugung von Effekten. 
Auto-Tune Pro X - Classic Mode vs. Modern Mode
Classic Mode: Rot markierte Parameter sind erst im Modern Mode verfügbar.

Im folgenden Video hört und seht ihr Antares Auto-Tune Pro X im Classic Mode:

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Auto-Tune Pro X Auto Mode Basics – Modern-Parameter

Der Modern Mode verfügt über die folgenden zusätzlichen Parameter:

  1. Formant Correction / Throat Control: Diese beiden Parameter erscheinen im GUI als On/ Off-Button plus Poti mit 100 als Mittelstellung. Während der aktivierte Button eine automatische Formantkorrektur bewirkt, löst man per Poti quasi ein Offset der Halslänge aus, was zu einer Formantverschiebung führt.  
  2. Flex-Tune: Beim Minimalwert 0 korrigiert die Software jede Eingangstonhöhe ihrer Abweichung entsprechend. Höhere Einstellungswerte korrigieren nur Töne in der Nähe von Skalenwerten und interpretieren/tolerieren „entferntere“ tonale Abweichungen als künstlerischen Ausdruck. 
  3. Transpose: Das Ausgangssignal kann um ± zwei Oktaven transponiert werden.
Formant Correction und Throat Control 
Hier im Dark Mode des GUI: Formant Correction und Throat Control 

Im folgenden Video hört und seht ihr Antares Auto-Tune Pro X im Modern Mode:

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Auto Mode – Advanced

Ein Klick auf den Advanced-Button gibt Zugriff auf die Schaltfläche „Advanced“ und öffnet das Submenü mit erweiterten Einstellungen. Während das Scale-Fenster eine erweiterte und übersichtliche Skaleneditierung ermöglicht – unter anderem per MIDI, eröffnet das Vibrato-Fenster diverse Optionen zur Erzeugung eines künstlichen Vibratos

Diesen stilbildenden Effekt hört man in diversen Chart-Produktionen sowohl in Kombination als auch als Verfeinerung des weit verbreiteten Auto-Tune-Effekts. Dank seiner vielfältigen Einstellmöglichkeiten dient das künstliche Vibrato aber auch zur Optimierung von natürlich erscheinenden Gesangsstimmen und (zu monoton gespielten) Soloinstrumenten. 

Da die meisten Parameter selbsterklärend sein sollten, belasse ich es bei den folgenden beiden Einstellungsoptionen:

Onset Rate: Hier stellt ihr ein, wie viel Zeit  (0 – 1500 ms) das Vibrato vom Einsatz bis hin zur maximalen Intensität benötigt.

Variation: Dieser Regler erlaubt ein stufenloses „Humanizing“ des Vibrato-Effekts, was natürlichere Resultate begünstigt.

Tipp: Der Button „Ignore Vibrato“ versteckt sich im Gegensatz zu früheren Auto-Tune-Versionen im Scale-Fenster – etwas unpassend, wie ich finde. Ihn zu aktivieren ist sinnvoll, wenn einzelne korrigierte Noten ungewollt zwischen mehreren Tönen hin und her flattern, weil das Plugin ein starkes Vibrato als getrennte Noten interpretiert. 

Vibrato Einstellungen Auto Tune
Fotostrecke: 3 Bilder Parameter und Wellenformen des künstlichen Vibratos

Auto Mode – MIDI

Die MIDI-Steuerung von Antares Auto-Tune kann sich von DAW zu DAW unterscheiden. Bei Apple Logic müsst ihr das Plugin in einer Software-Instrumentenspur als AU MIDI-gesteuerten Effekt öffnen. Die Zuweisung einer Audiospur mit Gesangs-/Instrumenten-Takes erfolgt dann per Side Chain in Auto-Tune. Einige Hostprogramme lösen die Einbindung intuitiver. 

Neben der Skalenbearbeitung per MIDI-Keyboard, die aus meiner Sicht keine schlachtentscheidende Workflow-Verbesserung darstellt, ist die musikalische Performance die eigentliche Attraktion!

Der folgende Screenshot veranschaulicht die erforderlichen Schritte, die ihr zur Aufnahme einer Realtime-Performance mit Live-Gesang und Notensteuerung per MIDI-Keyboard in Logic Pro X gehen müsst: 

  • Rot: Input des Mikrofons am Audiointerface einstellen 
  • Gelb: „To Notes“-Button (Advanced / Scale) aktivieren 
  • Pink: Output des MIDI-gesteuerten Effekts auf einen Bus der entsprechenden Aufnahmespur routen
Alle Einstellungen Logic Pro X und Auto Tune Pro X
Signalfluss einer Real-Time-Performance

Optional kann man natürlich den Gesang einer vorhandenen Audiospur verwenden und sie im Side Chain von Auto-Tune anwählen. Das Gleiche gilt für bereits vorhandene MIDI-Daten in der Instrumentenspur mit dem Antares Plugin. Die Aktivierung des Buttons „Use Low Latency“ gewährleistet eine praktikable Latenz beim Performen. 

Im folgenden Video hört und seht ihr Antares Auto-Tune Pro X als MIDI-gesteuerten Effekt in Apple Logic Pro:

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Auf der nächsten Seite erklären wir euch dann die Arbeitsweise im Graph Mode von Antares Auto-Tune Pro X! 

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