Wer Autotune nutzt, ist kein Musiker!

Was haben Autotune, Vocalign und Quantisierungsprogramme gemeinsam? Sie genießen einen schlechten Ruf unter Musikern. Gleichzeitig kommt heutzutage kaum eine professionelle Produktion ohne diese Helferlein aus. Besonders der Einsatz von Programmen zur automatischen Tonhöhenkorrektur ist mittlerweile gang und gäbe. Trotz dieses Umstands lehnen viele Künstler den Einsatz von Melodyne und Co. grundsätzlich ab. Selbst Superstars gehen teils auf die Barrikaden. So veröffentlichte Jay Z beispielsweise 2009 den „Song D.O.A.“ (Death of Autotune). 

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Kreativwerkzeuge sind bei Musikern weitverbreitet. Effektgeräte wie Verzerrer, Delay und Pitchshifter, Gerätschaften wie Kompressoren und EQs, alle haben ein Ziel: ein besonderes Soundbild zu erschaffen und das Beste aus dem jeweiligen Instrument herauszuholen. Und seien wir mal ehrlich, ein Verzerrer oder gut eingesetzter Delay-Effekt kaschiert auch den ein oder anderen Spielfehler. Das ist halb so wild, denn meist überzeugen Musiker nicht nur durch ihr Können, sondern eben auch durch ihre spezielle Art und Weise, Emotionen zu transportieren. 
Doch wieso schlägt Nutzern von Autotune und Co. ein so großer Hass entgegen? Das Hauptargument gegen den Einsatz von Plugins zur automatischen Tonhöhenkorrektur ist, dass Künstler, die auf diese Tools zurückgreifen, keine guten Sänger oder Sängerinnen sind. Im gleichen Atemzug wird besagten Softwareanwendungen oft die Fähigkeit unterstellt, selbst dem schlechtesten Sängern zu einer guten Stimme zu verhelfen. Beide Argumente treffen jedoch nur bedingt zu. 
Das folgende Video zeigt, was sich wohl viele Menschen unter dem Autotune-Effekt vorstellen:

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„Wer Autotune nutzt, ist kein guter Sänger!“

Eine gute Stimme zu definieren ist schwierig, da sich Geschmäcker bekanntlich unterscheiden. Während der eine rockige Stimmen à la Bon Jovi und Kurt Cobain bevorzugt, rümpft jemand anderes die Nase und verweist auf klassische Sänger wie Andrea Bocelli. Doch egal, ob düstere Death-Metall-Klänge oder die Vocal-Range einer Mariah Carey, das Wichtigste für die meisten Musikkonsumierenden sind die ausgelösten Emotionen, die die Musik beim Hören erzeugt. 
Wenn ich in den folgenden Absätzen von schlechten Stimmen spreche, gehe ich von krummen und schiefen Klängen aus und unterstelle wenig Taktgefühl und Emotionen. Denn nur anhand eines solchen Beispiels lässt sich erkennen, wieso Plugins zur automatischen Tonhöhenkorrektur eben keine guten Sänger herbeizaubern können.

Zu einer guten Stimme gehört weit mehr als „nur“ jeden Ton zu treffen. Das Transportieren von Emotionen steht bei den meisten Musikern an erster Stelle. (Shutterstock / Sahacha Nilkumhang)
Zu einer guten Stimme gehört weit mehr als „nur“ jeden Ton zu treffen. Das Transportieren von Emotionen steht bei den meisten Musikern an erster Stelle. (Shutterstock / Sahacha Nilkumhang)

Eines vorweg: Auch nach einer langen Internetrecherche konnte ich kein Beispielvideo finden, das zeigt, wie schlechte Stimmen durch den Einsatz von Autotune und Co. wirklich gut wurden. Das hat auch einen ganz einfachen Grund: Entgegen der vorherrschenden Meinung, Autotune mache jeden Menschen zu einem guten Sänger, sorgt das Programm lediglich dafür, dass Passagen, die sich „out of tune“ befinden, im Nachhinein bzw. in Echtzeit gestimmt werden können. 

Studiozeit ist teuer 

Der Einsatz von Melodyne und Autotune ist mittlerweile genauso ein fester Bestandteil der professionellen Musikproduktion wie Hallgeräte, Kompressoren und EQs. Oft werden Studiotermine weit im Voraus gebucht und Aufnahmesessions akribisch geplant. Jeder Studiotag kostet Geld und nicht alle Musiker kommen mit dem Druck, der dadurch auf den Schultern lastet und gleichzeitig die Erwartungen schürt, zurecht.

Mit Programmen wie Autotune und Melodyne können Musiker bares Geld sparen. So wird die Anzahl der Takes minimiert, das anschließende Editing vereinfacht und selbst Backing-Vocals können im Nachhinein angepasst oder hinzugefügt werden. Auch Performances, die die Emotionalität eines Songs transportieren, aber den ein oder anderen schiefen Ton enthalten, sind dank dieser Tools kein Fall für die Tonne mehr.

Arbeitsschritte in der Postproduktion, wie beispielsweise das Vocal-Editing, können durch Tools wie Autotune und Melodyne vereinfacht werden. (Shutterstock / PrinceOfLove)
Arbeitsschritte in der Postproduktion, wie beispielsweise das Vocal-Editing, können durch Tools wie Autotune und Melodyne vereinfacht werden. (Shutterstock / PrinceOfLove)

Autotune und Co. als Kreativtool

Vor allem der sogenannte Autotune-Effekt ist mittlerweile in vielen Musikrichtungen weitverbreitet. Hierbei wird die Geschwindigkeit der automatischen Tonhöhenkorrektur erhöht und je nachdem, wie sehr der Effekt hörbar gemacht werden soll, angepasst. Ich persönlich würde empfehlen, direkt mit Autotune aufzunehmen, da das Tool auf diese Weise bereits kreativ eingesetzt werden kann. Geübte Autotune-Nutzer können den Effekt wie ein Instrument nutzen.

Fazit

Autotune und Meoldyne gehören bei vielen Engineers und Produzenten zu den wichtigsten Tools im Werkzeugkasten. Egal, ob als Effekt, zur Korrektur einzelner schiefer Töne oder um nachträglich Backing-Vocals zu erstellen bzw. Melodielinien zu verändern – diese Plugins sind nützlicher als ihr Ruf es vermuten lässt. Mittlerweile verfügen viele DAWs über Funktionen, die Melodyne bzw. Autotune sehr nahekommen. Wir hoffen, wir konnten euch diesen Effekt näherbringen und wünschen euch viel Spaß beim Kreativsein.

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von Stefan Hofmann

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