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Synchro Arts RePitch Test 

Der Softwarehersteller Synchro Arts ist durch Produkte wie VocAlign, VocAlign Ultra und Revoice Pro seit vielen Jahren ein etablierter Name für Tools zur Gesangsbearbeitung. Bisher koexistierte man weitgehend friedlich neben dem deutschen Hersteller Celemony, da beide Firmen bisher jeweils eine Nische der Vocal-Production bedient haben – was sich nun mit Synchro Arts RePitch ändert!

Synchro Arts RePitch Test 

Das neue Plugin namens RePitch steht in unmittelbarer Konkurrenz zum vermutlichen Branchenprimus Melodyne. Wir haben RePitch für euch getestet, um herauszufinden, wo die Stärken, Unterschiede und vielleicht auch Schwächen liegen. Ist das neue Plugin eine interessante Alternative zur starken Konkurrenz? 

Details & Praxis

Konzept und GUI

Das Grundkonzept von RePitch entspricht dem von Melodyne etablierten Prinzip, das mittlerweile auch von anderen Softwareherstellern übernommen wurde. Logic Pro stellt einen vor die Wahl, RePitch entweder als herkömmliches oder als ARA2-Plugin zu öffnen. Nach dem Import (Echtzeit oder „ARA-automatisch“) stellt die Software das Audiomaterial nach vertrauter Art in Notenblöcken inklusive entsprechender Tonhöhe, Position und Länge dar. Die Bearbeitung erfolgt mithilfe verschiedener Tools oder auch automatisch („Pre Processing“), sofern man das per Macro-Setting, bestehend aus Tonskala und Bearbeitungsintensität, vorher festlegt hat.

Konzept und GUI – RePitch GUI
Das Splitten tonaler (blau) und atonaler Bereiche (grün) erfolgt automatisch.

Selbstverständlich kann man das Material mit den Tools auf Wunsch auch noch feiner bearbeiten oder die Steps rückgängig machen. Positiv bewerte ich auf jeden Fall, dass RePitch tonale und atonale Bestandteile wie Atmer oder Konsonanten sinnvoll automatisch splittet. Genau wie bei neueren Melodyne-Versionen bleiben diese bei Tonhöhenkorrekturen hingegen unbearbeitet. Schon nach kurzer Einarbeitung findet man sich mit den Tools und Bearbeitungsoptionen im übersichtlich strukturierten GUI gut zurecht.

Besonderheiten von RePitch 

Wozu braucht die Welt noch ein weiteres melodyne-ähnliches Tool? Vielleicht wegen SynchroLink – so nennt sich das sehr praktische Feature zur Kopplung mit dem wirklichen genialen Synchro-Arts-Produkt VocAlign Ultra. Zur Erinnerung: VocAlign Ultra ermöglicht eine beispiellos effiziente Bearbeitung von Dopplungsspuren, was in der Musikproduktion vorher ein unangenehm zeitraubender Arbeitsschritt war. Sind beide Plugins gekoppelt, passt die Dopplungsspur(en) sich unmittelbar an die Änderungen im RePitch Plugin an, ohne dass man die Guide-Spur extra rendern muss. Das ist tatsächlich ein klasse Workflow-Vorteil für VocAlign-User! Wohl aus diesem Grund gibt’s beide Plugins auch als Bundle und als Crossgrade.

Ein mächtiges Duo: RePitch und VocAlign Ultra im SynchroLink

Pros und Cons von RePitch

Weitere kleine Besonderheiten von RePitch verstecken sich in Details, wie beispielsweise den Tools und ihrer Handhabung. Sehr gut gefällt mir beispielsweise das Draw-Werkzeug, mit dem sich tonale Glitches im Handumdrehen wegzeichnen lassen – und zwar ohne unnatürliche Artefakte! Allerdings gibt es das zur Timing-Korrektur aus meiner Sicht sehr wichtige Taktraster nur in den ARA-Versionen des Plugins.

Die Formantenbearbeitung lässt sich ausschließlich global und nicht auf einzelne Noten anwenden, was aus meiner Sicht auch ein Manko ist. Dies schränkt beispielsweise die Möglichkeit etwas ein, gezielt partielle Vocal-Effekte zu erzeugen, wie es mit Melodyne möglich ist. Bei beiden Kritikpunkten kann es natürlich sein, dass sie in kommenden Updates des noch ziemlich jungen Plugins behoben werden. 

Sound von RePitch

Synchro Arts bewirbt RePitch als „Super-natural vocal editing“. Die folgenden Hörbeispiele belegen diesen Anspruch, da die Natürlichkeit selbst bei Transponierungen von mehreren Halbtönen erstaunlich wenig in Mitleidenschaft gezogen wird. Bei Abwärtstransponierungen beginnt es ab einem gewissen Grad etwas nasal zu klingen. Hier ist mir aber kein Konkurrenzprodukt bekannt, das bessere Ergebnisse liefert. RePitch zählt damit sowohl zu den Top-Produkten zur Korrektur als auch zur Erzeugung virtueller Harmoniestimmen. Bei letzterem verschwinden eventuell auftretende unnatürliche Färbungen meist komplett im musikalischen Kontext. 

Dass RePitch kein stilprägender (Hard-)Auto-Tune-Ersatz ist, hört man im letzten Audiobeispiel. Während Melodyne in der Lage ist, den populär-plakativen Effekt weitgehend nachzuahmen, gelingt das mit RePitch allenfalls ansatzweise. Im besagten Hörbeispiel sind alle Noten auf exakt null Prozent Abweichung korrigiert, während sämtliche Vibratos manuell eliminiert wurden. Hierdurch erhält der Vocal-Take vielleicht einen leichten Hauch von Unnatürlichkeit und klingt „modern“ im Sinne zeitgemäßer Pop-Produktionen. Möglicherweise lassen sich mit dem Draw-Tool auch extremere Effekte erzielen, auch wenn das kein wirklich praktikabler Workflow ist. Fazit: Synchro Arts setzt seinen Fokus auf natürlich klingende Bearbeitungsergebnisse – und das absolut überzeugend! 

Audio Samples
0:00
Vocal unbearbeitet Vocal transponiert +1/+2 Halbtöne Vocal transponiert +3/+4 Halbtöne Vocal transponiert -1/-2 Halbtöne Vocal transponiert -3/-4 Halbtöne Vocal Pitch Correction 100% / less Modulation
Pegelbearbeitung mit RePitch

Selbstverständlich gibt es auch ein Tool zur Pegelbearbeitung.

Sonstiges

Während des insgesamt problemlosen Testlaufs auf meinem iMac Pro (Big Sur) ist mir ein „Mini-Bug“ aufgefallen, der vermutlich in Kürze behoben sein wird: Bei Select-All-Bearbeitungen kam es schon mal vor, dass eine oder mehrere Noten vom Plugin „übersehen“ wurden. Derartige Kinderkrankheiten sind nichts wirklich Ungewöhnliches bei neuen Software-Releases und aus meiner Sicht eher ein Punkt für das Protokoll als ein Kritikpunkt. 

Fazit

RePitch ist mehr als nur irgendeine Melodyne-Kopie! Klanglich liefert es die herausragende Profiqualität, die man von Synchro Arts gewohnt ist, und auch die Bedienung kann man als hervorragend bezeichnen. Neben pfiffigen Details wie dem Draw-Tool sticht der effiziente Workflow in Verbindung mit VocAlign Ultra hervor. Synchro Arts RePitch ist eine ernstzunehmende Alternative zur Gesangsbearbeitung!  

Unser Fazit:
Sternbewertung 4,5 / 5
Pro
  • Hervorragende Audioqualität
  • Durchdachtes Handling und Navigation
  • Praktisches Draw-Tool
  • Top Workflow im Verbund mit VocAlign (SynchroLink)
  • ARA2-kompatibel
Contra
  • Timing-Raster nur in ARA-Version des Plugins
  • Keine selektive Formantenbearbeitung
Artikelbild
Synchro Arts RePitch Test 
Für 159,00€ bei

Features

  • Tonhöhenkorrektur-Plugin
  • Musikalische Tonhöhenanalyse
  • Automatische und manuelle Pitch- und Timing-Korrektur
  • Formantenkorrektur
  • Automatische Erkennung von Sibilanten und Atmern
  • ARA2-kompatibel
  • Stufenlos Skalierbares GUI
  • Zwei Aktivierungen je Lizenz
  • iLok-Lizenz wahlweise auf Rechner, Dongle oder Cloud
  • SynchroLink zur Kopplung mit VocAlign Ultra
  • Software-Anforderungen
  • AAX-/AU-/VST3-kompatibles Hostprogramm
  • Mac: macOS 10.11.6+ (Intel und Apple Silicon)
  • Windows: Windows 10
  • Unterstützte Apple-DAWs („include“):
  • Pro Tools 2020.5 – 2022.6
  • Logic Pro 10.7.3 – 10.7.4
  • Ableton Live 11.1.1
  • Studio One Professional 5.4 – 5.5.0.85116
  • Cubase Pro 12.0.40
  • Luna 1.2.11.2684
  • Reaper 6.5.1 – 6.66
  • Nuendo 12.0.40
  • Unterstützte Windows-DAWs („include“):
  • Pro Tools 2022.6
  • Ableton Live 10.1.35 – 11.1
  • Studio One Professional 5.4.0.66465
  • FL Studio 20.9.2.2963
  • Cubase Pro 12.0.40
  • Reaper 6.51
  • Preis: € 159,– (Straßenpreis am 11.10.2022)
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von Peter Könemann

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