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the t.bone GM 55 Test

Praxis

Spiegeloberfläche: Geschmackssache

Meine erste Amtshandlung im Praxistest des t.bone GM 55 war, die Schraube der Neigungsvorrichtung festzuziehen. Die Verbindung war nicht ganz so schlabberig wie beim Superlux WH5, doch bei allen Shures war über den gesamten Testzeitraum nichts zu verändern. Aber gut, es geht natürlich nicht um derartige Kleinigkeiten. Wie dem auch sein, es ist ein Hinweis auf die Güte der gesamten Verarbeitung. Es zeigt sich: Das gesamte Gehäuse ist nicht so fein und edel verarbeitet, wie man es sich wünschen könnte, allerdings wird das im Bühnenbetrieb kaum auffallen. Ob man die spiegelglatte Oberfläche schön findet, ist eine Sache des persönlichen Geschmacks. Nichts gegen Chromoptik, aber bei Mikrofonen gefällt mir eine Mattierung eigentlich immer recht gut. In den Schalter habe ich zugegebenermaßen nicht allzu viel Vertrauen, einmal ganz generell, bei dem des GM 55 ganz besonders. Bei Mikros mit Schalter, wie dem Shure 545SD, weiß ich genau, wozu Gaffa-Tape erfunden wurde. Oder der Lötkolben, um die potenzielle Defekt- und Fehlerquelle zu umgehen…

Optisch und klanglich ganz klar an der Vergangenheit orientiert: "Elvis"-Mikro von t.bone.
Optisch und klanglich ganz klar an der Vergangenheit orientiert: “Elvis”-Mikro von t.bone.

Sound: typisch Elvis

An einen Preamp angeschlossen, zeigt sich das preiswerte Mikrofon von einer überraschend guten Seite. Dass das Mikrofon so viel kostet wie zwei oder drei Vinyl-Re-Issues von Elvis-Alben, bedeutet nicht, dass man irgendwelche übertriebenen Einbußen hinnehmen müsste. Sicher, alleine die Korpusform sorgt für Einflüsse auf das Klangbild, die man bei typischen Eistüten-Mikrofonen nicht hat. So wird ab dem Präsenzbereich aufwärts eine phasige Komponente deutlich, die aber gleichzeitig als klarer Vintage-Aspekt fungiert. Nicht ungewöhnlich für ein Mikrofon dieser Bauart ist der ordentliche Pegeleinbruch unterhalb von 1000 Hz, der jedoch zum Bass hin bei naher Besprechung durch den Proximitiy-Effekt wieder aufgefangen wird: Diese Nahbesprechungseffekt sorgt bei den meisten Mikrofonen für eine Tiefenanhebung. Schön ist, dass der Sound nicht allzu blechern und resonierend ist. Vorsichtig sollte man mit Griffgeräuschen sein, denn die Kapsel könnte durchaus besser entkoppelt sein. 

Audio Samples
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30 cm, axial 30 cm, 45 Grad 2 cm im Kontext

Poppempfindlichkeit

Sogar bezüglich der Dynamik kann man mit dem t.bone GM 55 durchaus zufrieden sein. Hohe Pegel sind kein Problem, schnelle Pegelanstiege werden angemessen übertragen, das Rauschen ist nicht höher als bei den vielen anderen Tauchspulenmikrofonen. Die Poppempfindlichkeit hält sich in Grenzen und ist mit der des Shure 55SH II vergleichbar. Allerdings wirkt das Signal nicht sonderlich detailliert. Das ist im Normalbetrieb nicht sehr problematisch und wird erst dann deutlich, wenn man dem Signal mit Equalizer und starker Dynamikbearbeitung zu Leibe rückt.

Feedback: wie üblich

Obwohl eine für den Bühnengebrauch etwas praktischere Richtcharakteristik mit stärkerer rückseitiger Dämpfung in den Daten steht als beim Vorbild, ist der Unterschied im Betrieb nicht besonders stark zu spüren. Derartige Mikrofone koppeln nun mal stärker als jene im heutigen Handheld-Design, deren Entwicklung deutlich jünger ist und somit die aufkommenden Monitoringsysteme mit den immer höheren Pegeln berücksichtigen konnte. Vielleicht wird man das GM 55 aber auch auf dem mitgelieferten Tischstativ betreiben. Da dann wahrscheinlich eher mit Kopfhörern denn mit Lautsprechermonitoring gearbeitet werden wird, hätte sich das Problem dann auch erledigt. Und als Sprecher-/Podcast-Mikrofon macht das t.bone durchaus eine gute Figur. 

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