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Sean Reinert ist tot: Rückblick auf ein Leben zwischen Fusion und Metal

Sean Reinert ist tot. Bekannt wurde der Kalifornier als Drummer der Metalband Death, für die er im Jahre 1991 das wegweisende Album „Human“ einspielte und Touren absolvierte. Sein leichtfüßiges, dabei aber äußerst komplexes und dynamisches Drumming beeinflusste eine ganze Generation von Schlagzeugern. Obwohl die Musik und die Ästhetik der Band zweifellos dem harten Metal zuzuordnen sind, betrachtete sich Sean nie als reinen Metaldrummer, im Gegenteil. Das zeigte sich zwei Jahre später auch beim Debütalbum der Formation Cynic, welche er zusammen mit Paul Masvidal gegründet hatte. Einflüsse aus Jazz, Fusion und viele experimentelle Elemente verbanden sich hier zu einem ganz neuen, anspruchsvollen Genre. Neben den teilweise äußerst vertrackten und dieser Form bisher kaum gehörten Drumparts steuerte Sean auch große Teile zum Songwriting der Band bei. Später war er Teil der Bands Gordian Knot, AEon Spoke, zuletzt spielte er bei Perfect Beings.

Foto: Shadowgate, Sean Reinert of Cynic, 2007 CC-BY-2.0
Foto: Shadowgate, Sean Reinert of Cynic, 2007 CC-BY-2.0

 
Als musikalisch talentiertes Kind bekam er bereits früh Klavierunterricht, bei welchem der Lehrer auch sein ausgeprägtes rhythmisches Talent erkannte und seine Mutter dazu veranlasste, ihm eine Snaredrum und kurz darauf ein komplettes Drumset zu kaufen. Sein Drang zu üben und sich auch mit der Theorie zu befassen, führte dazu, dass er bereits in sehr jungen Jahren über beachtliche technische und musikalische Fähigkeiten verfügte.  
Interview bei Drumtalk: 

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Von „The New Breed“ zum technischen Death Metal

Gary Chester’s Standardwerk „The New Breed“ hat Sean als das wichtigste Lehrbuch seiner Jugend bezeichnet, die hier vorgestellten Koordinationskonzepte legten auch die Grundlage für die vielschichtigen Grooves, die er nahtlos in die Musik seiner Bands einbaute. Obwohl extrem schnell auch auf der Doublebass, war Geschwindigkeit laut eigener Aussage nie das primäre Übungsziel von Sean Reinert. Songdienliches Spiel war ihm immer wichtiger, der im Metal oft praktizierte Speed-Wettbewerb war seine Sache nicht. Auffällig ist sein Einsatz von Dynamik und Ghostnotes auch im harten Metalkontext, wodurch die Songs eine besondere Tiefe erhielten. 
Drum Playthrough „Evolutionary Sleeper“ von Cynic:

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Eher Fusion als Metal: Sean’s Drumsets und Sounds

Bei Death verwendete Sean noch ein großes Doublebassdrum-Kit mit fünf bis sechs Toms. Später wechselte er jedoch wieder auf ein Set mit nur einer Bassdrum, wobei er auf Metal-untypische, kleine Toms ab acht Zoll Größe setzte. Auch sein Snare- und Beckensound erinnerte immer mehr an die integrierteren Fusionklänge denn an die eher aggressiven Metaldrumsounds. Zuletzt war er Endorser für Tama Drums und Sabian Cymbals. Ende 2019 veröffentliche die Firma Toontrack eine Sample Library mit Sean Reinert. Er starb in der Nacht vom 23. auf den 24. Januar, sein Ehemann fand ihn leblos im gemeinsamen Haus. Er wurde nur 48 Jahre alt.

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Foto: Shadowgate, Sean Reinert of Cynic, 2007 CC-BY-2.0

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von Max Gebhardt

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