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Jimmy Cobb ist tot: Der legendäre Drummer von Miles Davis stirbt mit 91 Jahren in New York

Nur wenige Musiker haben die Fähigkeiten und das Glück, genau dann zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, wenn Musikgeschichte geschrieben wird. Jimmy Cobb, der als James Wilbur Cobb 1929 in Washington zur Welt kam, gehörte zweifellos zu ihnen. Kaum ein Drummer hat mit so vielen wegweisenden Künstlern gespielt wie er. Bevor er im Jahre 1959 von Adderly Cannonball für die Band eines aufstrebenden Trompeters namens Miles Davis empfohlen wurde, spielte er bereits mit einigen Musikern zusammen, die ebenfalls Jazzgeschichte geschrieben haben. 

Bild: Jimmy Cobb mit dem Nat Adderley Quintett, 25.02.1993, Braunschweig | CC BY-SA 3.0 | Fotograf: Krajazz
Bild: Jimmy Cobb mit dem Nat Adderley Quintett, 25.02.1993, Braunschweig | CC BY-SA 3.0 | Fotograf: Krajazz


Dabei war Jimmy Cobb kein studierter Musiker, im Gegenteil. In der Zeit der Großen Depression aufgewachsen, war Unterricht oder eine Musikhochschule für seine Eltern finanziell nicht zu bewerkstelligen. Die Inspiration, die er durch das Hören von Bigband-Konzerten im Radio erhalten hatte, konnte er erst umsetzen, nachdem er lange auf ein eigenes Schlagzeug gespart hatte. Nach kurzer Zeit war klar, dass er nicht nur großes trommlerisches Talent besaß, sondern auch den Willen, sich als Berufsmusiker durchzuschlagen. 

Ein Theater in Philadelphia wurde zu seiner wichtigsten Schule

Die professionelle Karriere von Jimmy begann Ende der Vierzigerjahre. Wie damals üblich, wurden Musiker oder Gruppen von Musikern von Barbetreibern, Restaurants oder auch Theatern für wöchentliche oder sogar tägliche Auftritte gebucht. Jimmy verkehrte zu dieser Zeit bereits in einem Kreis technisch und musikalisch hochbegabter Kollegen, die sich – je nach Anforderung – zu kleinen Ensembles zusammen fanden. Eine dieser Bands spielte tägliche Gigs in einem Theater in Philadelphia. Jimmy war da kaum 25 Jahre alt, die Bühne teilte er mit Charlie Parker, Milton Jackson und Toots Thielemans. Auch mit Dinah Washington, mit der er später kurz verheiratet war, spielte er zu dieser Zeit. 
Ein paar Jahre später stieg Jimmy in die Band von Bandleader Cannonball Adderly ein, der wiederum mit dem bekannten Trompeter Miles Davis zusammen gearbeitet hatte. Kurz vor einem Auftritt verließ Drummer Philly Joe Jones die Band von Miles Davis abrupt, als spontanen Ersatz empfahl Adderly den talentierten Jimmy Cobb. Dieser machte sich sofort von New York auf den Weg nach Boston, sein Drumset baute er auf, während die Band schon spielte. Fortan war er der Drummer der Miles Davis Group, der später als „First Great Sextet“ genannten Formation. Im Jahre 1959 nahm diese Band mit „Kind of Blue“ das kommerziell erfolgreichste Jazzalbum aller Zeiten auf. Anders als damals üblich, vertraute Miles Davis auf offene, improvisatorische Arrangements, welche Jimmy viele Freiheiten ließen, seine spielerische Persönlichkeit einzubringen. Dazu gehörte eine extrem feinfühlige und gleichzeitig treibende Besen- und Ridebeckenarbeit, welche er auch auf einem anderen, legendären Album des Jahres 1959 zeigt: Auf John Coltrane’s „Giant Steps“ steuert Jimmy den Schlagzeugpart des Songs Naima bei.

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Nach den Jahren mit Miles Davis spielte Jimmy mit Wynton Kelly und Paul Chambers, auch Wes Montgomery war Teil des Ensembles. In den Siebzigerjahren gehörte er zur Band von Sarah Vaughan, einer der bedeutendsten Jazzsängerinnen des Jahrhunderts. Dass er immer wieder von Sängerinnen engagiert wurde, erklärte er in Interviews mit seiner Fähigkeit, sich sensibel auf das musikalische Geschehen einlassen zu können.  
Auch im Alter hat er noch ständig Musik gemacht, sich aber zunehmend als Komponist betätigt. Noch im Jahre 2019 kam sein Werk „This I dig of you“ heraus. Aber auch auch als Lehrer und Mentor war er aktiv. Die Förderung junger Talente war ihm wichtig, aus einigen von ihnen wurden selbst berühmte Musiker. Brad Mehldau ist eines von ihnen, mit ihm nahm Jimmy im Jahre 2014 das Album The Original Mob auf. 
Wirklich reich ist Jimmy wohl mit seiner Arbeit wohl nie geworden. Für seine Arbeit auf „Kind of Blue“ bekam er laut Erzählungen 100 Dollar nach Tarif, Tantiemen hat er nie erhalten. Nach seiner einzigartigen musikalischen Karriere befragt, hat in Interviews aber immer wieder das große Glück betont, dass er die richtigen Leute kennen gelernt hat und immer wieder empfohlen wurde. Jimmy Cobb starb am 24. Mai in seinem Haus in Manhattan an Lungenkrebs.  

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Weitere Anspieltipps:
Cannonball Adderly Quintet in Chicago Mit Brad Mehldau, Jimmy Cobb’s The Original Mob

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von Max Gebhardt

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