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Line 6 MM4 Modulation Modeler Test

PRAXIS

Es geht gleich mit dem knallharten AB-Vergleich los. Denn, wer behauptet, das Original nachzubilden, der darf eine direkte Gegenüberstellung natürlich nicht scheuen. Eines muss man aber zur Entlastung des Testkandidaten vorwegnehmen: Die Originale klingen auch nicht immer gleich. Es handelt sich halt um analoge Geräte. Da kann es schon mal vorkommen, dass beispielsweise ein Phase 90 im Vergleich zu einem anderen Modell aus einem späteren Jahrgang leichte Klangunterschiede aufweist. Ich habe den MM4 hier einem aktuell erhältlichen MXR Phase 90 gegenübergestellt. Mit der folgenden Einstellung erhält man laut Hersteller den Sound des Originals:

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StratPhaser12177717

Nun zu den Audios: Zuerst der MXR Phase 90 mit Speed Regler auf 12 Uhr, danach der MM4.

Audio Samples
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MXR Phaser MM4 Phaser

Nicht schlecht! Der Charakter ist prinzipiell getroffen, es klingt beim MM4 nur noch etwas verhaltener, der Phase 90 hat minimal mehr Pegel und „eiert“ etwas besser, wenn man es mal so ausdrücken möchte. Er hat einfach einen lebendigeren Sound. Im Gegensatz zum Original kann man beim MM4 aber intensiveren Einfluss auf den Sound nehmen – und dann wird es auch hier lebhafter.
In unserem Audio standen Tweak und Tweez noch auf Minimalwert. Dreht man zum Beispiel Tweak (zuständig für die Rückkopplung des Effekts) voll auf, bekommen wir noch einen Schuss mehr „Geeiere“.

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StratPhaser121717717
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MM4 Phaser 2

Jetzt ist die nächste Legende dran, der Boss Chorus CE-1. Auch hier wieder der Direktvergleich zwischen dem MM4 und meinem alten CE-1 aus den frühen 80ern.

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StratAnalog Chorus121771217
Audio Samples
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Boss Chorus MM4 Analog Chorus

Hier hat in meinen Ohren ebenfalls das Original die Nase vorn. Er klingt etwas wärmer und intensiver als der  MM4. Dennoch kann man die Nachbildung aber als absolut gelungen bezeichnen. Und noch etwas: Für den CE-1 habe ich 250,- Euro bezahlt… für nur unwesentlich mehr Taler geht der MM4 über die Ladentheke – und bietet dann gleich 16 unterschiedliche Pedal-Sounds!
Mit den 16 verschiedenen Pedal-Modelings ist der MM4 extrem gut ausgestattet. Und wie man bereits beim Vergleich mit den Originalen hören konnte, kann er auch klanglich überzeugen. Zeit, einen kleinen Rundgang durch das Sound-Angebot zu starten.
Für „Opto Tremolo“ stand die Tremolo-Einheit eines 65er Fender Deluxe Reverb Amps Modell. Der Klang ist sehr weich und dezent, kann aber bei erhöhten Depth- und Tweak-Werten recht heftig und stotternd eingestellt werden. Hier ist erst mal die entspannte Version.

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Les PaulOpto Tremolo12147717
Audio Samples
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MM4 Opto Tremolo

In der illustren Runde der Modulationslegenden darf das legendäre Uni-Vibe natürlich nicht fehlen. Beim Original, das ja bekannterweise gerne von Jimi Hendrix benutzt wurde, lässt sich die Effektgeschwindigkeit in Echtzeit mit einem Pedal steuern. Das kann man beim MM4 mit einem zusätzlich angeschlossenen Expression-Pedal erledigen – und zwar zur vollsten Zufriedenheit. Beim nachfolgenden Beispiel habe ich im ersten Durchgang ein langsames Tempo gewählt, im zweiten Durchgang gebe ich direkt Vollgas, um den Effekt beim ausklingenden Akkord mit Hilfe des Pedals langsam wieder zurückzunehmen.

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Les PaulUni-Vibe17147712
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MM4 Uni-Vibe

Der MM4 bietet gleich zwei unterschiedliche Rotary-Sounds, einmal die Nachbildung des Fender Vibratone und dann das Original Leslie Cabinet mit zwei Lautsprechern. Dabei können Bass und Hochtonhorn getrennt voneinander geregelt werden. Und das ist ein gutes Stichwort, denn der MM4 bietet die Möglichkeit, die Sounds sehr feinfühlig einzustellen. Ein gutes Beispiel hierfür ist besagter Rotary-Sound (hier die Nachbildung des Vibratones), bei dem sich die Intensität des Effekts mit dem Mix-Regler effektiv  beeinflussen lässt. Beim Original ist das nicht so leicht zu erledigen. Wie gut das Ganze funktioniert, hört ihr im folgenden Audio. Hier steht der Mix-Regler zuerst auf 7, dann auf 10, 14 und schließlich 17 Uhr.

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StratRotary Drum13171377-10-14-17
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MM4 Rotary Drum

Das ist ein großer Vorteil des MM4: Dank der fünf Regler lässt es sich wirklich sehr komfortabel bedienen. Besonders herauszuheben sind dabei  Tweak und Tweez, die je nach angewähltem Effekt-Model eine andere Funktion erfüllen und so zum Teil mehr bieten als das jeweils gemodelte Original. Auf diese Weise sind natürlich noch mehr Soundspielereien und Klangfarben möglich. Es empfiehlt sich aber auf jeden Fall einen Blick in das Pilotenhandbuch zu werfen, denn erst dann versteht man, was passiert, wenn man an den beiden Reglern dreht.
Als Nächstes ist der Flanger an der Reihe. Auch hier gibt es zwei verschiedene Modelle, einmal den Nachbau des MXR Flangers, den Mr. Van Halen gerne eingesetzt hat, und dann noch die Version Jet Flange, angelehnt an den A/DA Flanger. Den typischen Jet-Effekt mit verzerrten Powerchords habe ich mit der MXR Simulation besser hinbekommen. Hört selbst:

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Les PaulAnalog Flange9,515171517
Audio Samples
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MM$ Analog Flange

Richtig kranke Sounds kann man mit dem Ring-Modulator erzeugen. Auch hier sind die Einstellmöglichkeiten sehr komfortabel, die modulierte Tonhöhe wird mit Speed ausgewählt, Wellenform und Modulationstyp können mit Tweak und Tweez detailliert justiert werden. Somit steht eine große Bandbreite „außerirdischer Sounds“ zur Verfügung, die sich mithilfe des Mix-Reglers fein dosiert dem Gitarrensignal hinzugemischt lassen. Mein Favorit: Ein Clavinet-artiger Klang.

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TeleRing Modulator1715171716
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MM4 Ring Modulator

Bei einigen Effekten kann die Geschwindigkeit auch per Anschlagstärke gesteuert werden. Die Eingangsempfindlichkeit hierfür wird mit dem Tweez-Regler eingestellt. Hier ein Beispiel mit dem Pitch Vibrato.

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TelePitch Vibrato71571317
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MM4 Pitch Vibrato 1

Es geht aber auch „ganz normal“. Ich betreibe das Pedal jetzt übrigens in Stereo. Dabei habe ich das Signal an zwei identisch eingestellte Amps geschickt. Das Ergebnis ist ein sehr schöner, breiter Sound – logisch, die Modulationseffekte kommen im Stereo-Modus meistens wesentlich besser zur Geltung.
Dennoch ist die Diskrepanz zwischen Mono- und Stereo-Betrieb nicht so groß. Man hat nicht das Gefühl, dass man sich unbedingt einen zweiten Amp zulegen muss, um das Pedal in voller Güte auszufahren. Hier noch mal ein Beispiel zum Pitch Vibrato Effekt, den man mit dem Depth-Regler einstellen kann – von angenehm dezent bis „out of tune“. Ihr hört drei unterschiedliche Einstellungen des Depth-Reglers, erst 9, dann 12 und schließlich 15 Uhr.

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TelePitch Vibrato109-12-157717
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MM4 Pitch Vibrato 2

Ein Modus ist allerdings mehr oder weniger Mono-unkompatibel, der Panner. Hier wird ein Tremolo-Effekt in Stereo von links nach rechts geschickt. Mono angeschlossen arbeitet das Teil wie ein normaler Tremolo mit Lautstärke-Verschiebung. Richtig zur Geltung kommt das Ganze aber natürlich erst in Stereo. Auch hier besteht übrigens die Möglichkeit, die Geschwindigkeit über die Anschlagsdynamik zu steuern, was ich allerdings im Hörbeispiel nicht gemacht habe.

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TelePanner141712717
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MM4 Panner
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Profilbild von Anonymous Coward

Anonymous Coward sagt:

#1 - 01.07.2011 um 23:18 Uhr

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Sorry, das Teil mag ja ganz nett sein, aber mit gerade mal vier Speicherplätzen bei so extrem vielen möglichen Modulationssounds komme ich noch nicht mal im Proberaum aus. Vierzig wäre da schon eher angemessen, hundert auch ok, zumal Speicher heute nix mehr kostet. Midi fehlt auch. Also muss man sich für echte Flexibilität doch eher bei TC oder Eventide umsehen. Da sind dann auch gleich stabile Bedienelemente mit dabei...

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