Der Lewitt LW6 sollte eigentlich nicht verwundern. Es ist fast ein Naturgesetz, dass bei Mikrofonherstellern irgendwann auch Kopfhörer im Produktsortiment erscheinen. Aufgrund der tatsächlichen technischen Nähe von Mikrofon und Kopfhörer ist dies allerdings ein naheliegender Umstand. Der im Jahre 2009 in Österreich gegründete Mikrofonspezialist präsentiert mit dem LW6 sein Debüt in dieser Produktkategorie. Dabei beschränkt man sich nicht auf einen ordinären Studiokopfhörer, sondern möchte mit einem Paukenschlag auffallen. So ist der Lewitt LW6 laut Hersteller der „erste kabellose Kopfhörer für professionelle Studioanwendungen“. Das haben wir natürlich für euch unter die Lupe genommen!

- innovatives Konzept
- kabelloses Monitoring mit geringer Latenz
- exzellente & anpassbare Wiedergabeeigenschaften
- überdurchschnittliche passive Dämmung
- konfigurierbare Bedienelemente am Kopfhörer
- „Loudness Guard“ gegen gehörschädigende Pegelspitzen
- Monitorsimulation nicht überzeugend
- (rudimentäre Auswahl an Bluetooth-Codecs / nur bedingt studiorelevant)
Konzept und Merkmale des Lewitt LW6
Der Lewitt LW6 richtet sich an professionelle Anwender zum Mixing, Mastering, Monitoring und Recording, quasi alle denkbaren Einsatzszenarien eines geschlossenen Allround Kopfhörers für das Studio. Der Clou: Lewitt verspricht, dass die Verwendung bei Bedarf mithilfe des zugehörigen Transmitters auch kabellos und mit einer praxistauglichen Latenz von weniger als 6 ms erfolgt. Alternativ hierzu ist die Audioübertragung per Bluetooth, USB-C und auch analog möglich.
Unabhängig der gewählten Audioverbindung können Klanganpassungen erfolgen und im Studio gängige Monitoring-Optionen per DSP-Unterstützung genutzt werden. Da die DSPs (wie auch bei einigen aktuell angesagten Studiomonitoren) im Gerät verbaut sind, werden keine DAW-Plugins oder sonstige den Workflow hemmenden Software Anwendungen benötigt. Ob und wie gut das Konzept funktioniert, folgt im Praxisteil dieses Reviews.

Trotz aller Innovationen lässt sich der Lewitt LW6 aber auch wie ein herkömmlicher Studiokopfhörer verwenden. Mit dynamischen Wandlern und seiner im Analogbetrieb geringen Impedanz von 32 Ohm performt er an jeglichen Outputs. Weitere technische Daten findet ihr am Ende unseres Testberichts.
Verarbeitung und Design
Passend zum innovativen Konzept: Der Lewitt LW6 führt die futuristische Designsprache fort, die mir bereits von meinem Review des Audiointerface Lewitt Connect 6 bekannt ist. Der in China gefertigte Kopfhörer sowie auch der nicht einmal zigarettenschachtelgroße Transmitter wirken solide verarbeitet und robust. Auffällig sind die lamellenartigen Antennen zur kabellosen „RealSound“-Übertragung an der Vorderseite beider Ohrmuscheln. Weiterhin befinden sich an den Ohrmuscheln Bedienelemente und Anschlussbuchsen, die während des Tests zuverlässig funktionierten.

Das Bezugsmaterial der Memory Foam-Ohrpolster wirkt optisch wie haptisch derart hochwertig, dass ich mich genötigt sah, beim Hersteller nachzufragen, ob es sich um echtes Leder handelt. Doch Veganer können aufatmen: Es handelt sich um Kunstleder, während das Kopfband aus weichem Silikon gefertigt wurde. Die Kopfpolster kann man austauschen und nachkaufn, das Kopfband nicht.
Ausstattung des Lewitt LW6
Entsprechend der Verbindungsoptionen ist der Lieferumfang des LW6 recht üppig. Zwei USB-C-Kabel (1,5 / 3 m) sowie zwei Miniklinkenkabel der selben Längenmaße liegen bei. Auch an die notwendigen Adapter wurde gedacht. Nun sind simple Steckadapter von 3,5mm-Klinke auf 6,35 mm nicht der ultimative Profistandard, dafür gibt es aber einen Adapter für jedes einzelne Kabel und eine analoge Verkabelung des LW6 Kopfhörers ist offensichtlich nicht als primäre Verbindungsoption angedacht. Für beide USB-C-Kabel befindet sich insgesamt ein Adapter auf USB-A im Lieferumfang, was ich als vollkommen ausreichend bewerte.

Weiterhin gibt es einen Transport-/Aufbewahrungsbeutel und last but not least: Den Transmitter. Dieser lässt sich sowohl per USB-C- und Audiokabel speisen, außerdem verfügt er über einen zusätzlichen analogen Stereoausgang (3,5 mm), mit dem sich beispielsweise ein zweiter Kopfhörer anschließen lässt. Hierbei wird der Input ohne jegliche Software-Bearbeitung durchgeschliffen. An der Unterseite befindet sich übrigens ein Montagegewinde, was zur Positionierung des Transmitters, der sich zur kabellosen Audioübertragung im „Blickfeld“ des Kopfhörers befinden muss, hilfreich sein kann.
Bluetooth-Codecs
Möchte man den Lewitt LW6 nicht nur im Studio, sondern auch als Mobilkopfhörer verwenden, könnte man die Bluetooth-Ausstattung (AAC, SBC) preisbezogen vielleicht als etwas mager bewerten. Im Studiobetrieb sollte die Audioübertragung per Bluetooth eine eher untergeordnete Rolle spielen, daher wurde dieser Kritikpunkt in der finalen Bewertung in Klammern gesetzt. Bluetooth dient nach meiner Einschätzung im Studiobetrieb in erster Linie der Verbindung zur Headphone Software.








