Korg Kaossilator Pro+ (Plus) Test

Praxis

Die Auswahl und Vielfältigkeit an Presets ist solide, aber auch deutlich an die junge Dancefloor-orientierte Zielgruppe gerichtet, was dennoch gut ist. Frei von unnötiger Redundanz macht die kleine Kiste als „schneller“ Soundlieferant sogar im Studio eine gute Figur, wenn man vorzugsweise in der Kategorie „Future-Disco“ unterwegs ist. Filigrane Streichersätze auf dem kleinen Pad zu spielen, hat aber auch sicherlich niemand ernsthaft vorgehabt, oder?

Die Möglichkeiten des Loopers sind relativ begrenzt. Artefakte, die entstehen, wenn man nicht ganz genau im Takt die Aufnahmen beendet bzw. wieder in den Loop-Anfang hinein aufnimmt, sind deutlich hörbar. Das ist für jemanden wie mich, der Ableton Live gewöhnt ist, zumindest erst mal etwas fremd – sollte auf der Bühne, ehrlich gesagt, aber auch nicht wirklich jemanden interessieren.

Audio Samples
0:00
Loop 1 Loop 2

„Undo“ funktioniert hier Prinzip-bedingt natürlich ebenfalls nicht, aber auch das ist gar nicht schlimm, denn wer nicht wagt, der nicht gewinnt, oder? Die gebotenen Möglichkeiten reichen definitiv aus, um nach etwas Übung auch allein mit dem Kaossilator eine überzeugende Live-Show darbieten zu können. Dennoch sehe ich die Looper-Funktion eher als nette Effekt-Zugabe neben dem Hauptverwendungszweck „Sounds-Abfeuern“, um mal eine persönliche Gewichtung der Features vorzunehmen. Hier ein paar weitere Audiobeispiele, wo ich unter anderem auch das Arp/Gate mit seinen beiden unterschiedlichen Betriebsmodi ausprobiere.

Audio Samples
0:00
B057 – X vs. Y B057 – Gate Arp Time Mode B057 – Gate Arp Speed Mode Wobbel Drums Pattern Other
Ähnlich verhält es sich mit den verhältnismäßig wenigen Effekten, von den Vocodern einmal abgesehen. Auch wenn der Kaossilator grundsätzliche „Eingänge“ hat und fünf coole Insert-Effekte bietet, in erster Linie handelt es sich hier doch um eine Art „Rompler“ für Elemente moderner Dance-Produktionen, die darüber hinaus so einfach wie möglich spielbar sind. Die Melodien sind entsprechend simpel und die Sounds recht plakativ, aber wie gesagt, das ist in diesen Fall nur positiv zu bewerten. 
Audio Samples
0:00
Vocoder 1 Vocoder 1 – Gated Vocoder 3 Vocoder 4 Vocoder 5 Vocoder 6
Witzig finde ich die zusätzliche, „ausgeschriebene“ Anzeige der Preset-Namen in der Pad-Matrix, allerdings hilft das meiner Meinung nach auch nicht wirklich, schneller zu navigieren. Apropos, ein „VST-Fernbedinungs-PlugIn“ hätte den Nutzwert der Kiste sicherlich auch erhöht, aber so etwas gibt es bei Korg im Jahr 2013 eben noch nicht, wie auch bereits mein Kollege Peter Westermeier beim Test des Korg KaossPad 3+ feststellte. Den Buchstaben-Vorsatz im Display finde ich hingegen für eine grobe Orientierung schon hilfreicher, sprich „L“ für Lead, „A“ für Acoustic, „B“ für Bass, „C“ für Chords, etc. Ebenfalls gut ist, dass man mit den Programm Memory Tastern 1-8 auch direkt in diese Kategorien springen kann, wenn man einmal all seine Lieblingssounds gefunden hat.
Der Kopfhörerausgang ist laut, allerdings gibt es keine Funktion zum Vorhören. Das ist aber auch nicht so schlimm, da man das Pad in der Praxis sicherlich an ein Mischpult anschließen wird, und hier ohne Probleme das Vorhören realisieren kann. Etwas enttäuscht bin ich jedoch von der Qualität des Mikrofon-Vorverstärkers. Erstens können hier Mikros nur unsymmetrisch und mit Klinke angeschlossen werden, und zweitens klingt der Vorverstärker wirklich nicht besonders. Sicherlich liegt der Hauptverwendungszweck eines solchen Gerätes nicht bei Vocal-Studioaufnahmen, allerdings ist die kleine Kiste auch nicht gerade ein Schnäppchen, sodass man hier ruhig etwas mehr erwarten könnte.

Kommentieren
Schreibe den ersten Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.