Lo-Fi – kurz für „Low Fidelity“ – steht für bewusst eingesetzte Imperfektion. Bandrauschen, Knistern, leichte Tonhöhenschwankungen und andere analoge Artefakte verleihen dem Genre seinen warmen, nostalgischen Charakter. Diese klanglichen Unsauberkeiten gezielt musikalisch einzusetzen, gilt längst als eigene Kunstform. Heute lässt sich der typische Lo-Fi-Sound jedoch erstaunlich authentisch mit Software nachbilden.

Lo-Fi lebt von knisternden Texturen und organischen Loops. Doch nicht jeder möchte auf vorgefertigte Sample-Packs zurückgreifen. Wer seine Parts lieber selbst einspielt, findet inzwischen eine Vielzahl hochwertiger Instrumente und Libraries mit echtem Lo-Fi-Charakter. Welche davon besonders überzeugen, zeigen wir in unserem Überblick.
Inhaltsverzeichnis
- Spectrasonics Omnisphere 3 – mit der Sonic Extension Unclean Machine
- Arturia Pure Lo-Fi – der Spezialist aus der V-Collection
- e-instruments Slower – ambienter Genuss
- Heavyocity Mosaic Tape – bewegte Lo-Fi-Sounds
- EastWest LO-FI – Alternative ohne Klischees
- Output Arcade – flexibler Loop-Player
- Effekt-Plugins für den Lo-Fi-Sound
- Noch mehr Presets und Loops
- So klingt Lo-Fi – unsere Hörbeispiele
- Fazit : Lo-Fi Sound für die DAW – Kaufberater
Spectrasonics Omnisphere 3 – mit der Sonic Extension Unclean Machine
Der Big Player unter den Software-Synthesizern kommt für LoFi wie gerufen. Spectrasonics Omnisphere 3 liefert mit Oscillator-Drift und Circuit-Modeled-Saturation bereits auf der tiefsten Ebene einen warmen, analogen Vintage-Charakter.
In der riesigen Bibliothek findet man sofort die passenden Kategorien: Retro Vibes, Warm Tones oder Electronic Production. Bei Zeitmangel sucht man einfach im Preset-Browser nach „LoFi“ – und schon erscheinen viele geeignete Patches.
Noch besser wird es mit der Sonic Extension „Unclean Machine“. Rund 150 US-Dollar zusätzlich sind kein Schnapper, für Power User rentieren sie sich aber langfristig. Jedes Patch kommt mit acht Soundvarianten, während der Arpeggiator zusätzlich inspiriert.

Preis: 399 Euro (Omnisphere 3) plus 149 US-Dollar (Extension Unclean Machine)
Arturia Pure Lo-Fi – der Spezialist aus der V-Collection
Mit der V-Collection 11 Pro präsentiert Arturia sein erstes ein Lo-Fi-Instrument. Arturia Pure LoFi basiert auf drei unterschiedlichen Engines: Multisamples, Sampler und Lo-Fi-Oszillator. Die Filter und Effekte sorgen für den richtigen Lo-Fi-Vibe, während eine spezielle Noise-Engine mit 190 Samples den atmosphärische Klangschmutz noch veredelt.

Die Arturia V-Collection 11 umfasst ganze 45 Instrumente – von Soft-Synths über Vintage-Klassiker bis hin zu Sample-Instrumenten für Streicher und Co. Was gibt es Neues ?
In der Factory Library befinden sich mindestes 250 Presets, die sich auf übliche Sparten wie Keys, Pad, Lead, Strings oder Sound Effect verteilen. Hippe Loops mit musikalischer Arpeggiator-Unterstützung sind nicht vorhanden. Die Presets lassen sich aber gut auf dem Keyboard spielen und relativ einfach bearbeiten.
e-instruments Slower – ambienter Genuss
Entschleunigung mit edler Klangnote: Slower von e-instruments ist eine hochwertige Library für NI Kontakt. Hier gibt es über 230 musikalische Tape/Lo-Fi-Sounds mit guter Spielbarkeit. Im Gesamten bietet Slower 65 Multisample-Instrumente und vier Tape-Machine-Effekte.

Hinter e-instruments Slower verbirg sich eine seriöse Kontakt-Library. Sie fokussiert sich auf LoFi für anspruchsvolle Player. Hier im Test!
Die allermeisten Klänge sind instrumental – darunter Pianos, Strings, Brass und vor allem viele gelungene Synthesizer-Patches. Drums, Field Recordings oder Vocals fehlen leider. Letztlich ist der Name Programm: Slower empfiehlt sich vor allem für langsamere Stücke mit Ambient-Charakter.
Heavyocity Mosaic Tape – bewegte Lo-Fi-Sounds
Bei Heavyocity gibt es innerhalb der Mosaic-Serie auch eine Ausgabe für Lo-Fi-Producer: Mosaic Tape beruht auf 113 verschiedenen Klangquellen: 23 Orchestersounds, 30 Keys, 12 Choirs/Vocals, 36 Noises und 14 Attacks – alle sofort anspielbar mit über 100 Presets. Erfreulicherweise gibt es per Arpeggiator auch rhythmische Phrasen.

Heavyocitys Mosaic-Serie folgt der Idee, bekannte Klangquellen (Mosaic Voice, Mosaic Keys) durch den Wolf zu drehen, um ihnen so unbekannte Facetten zu entlocken. Nun veröffentlicht Heavyocity den nächsten Teil dieser Serie: Mosaic Tape.
Heavyocity übertreibt es mit dem Tape/Flutter-Effekt aber nicht – und so präsentiert sich die Kontakt-Library weniger Lo-Fi-lastig als andere Sammlungen. Wie die meisten Instrumente des Herstellers ist auch Mosaic Tape für hybride, cineastische Arrangements sehr empfehlenswert – für pures Lo-Fi allerdings eher ein Add-on. Preis: 199 Euro

EastWest LO-FI – Alternative ohne Klischees
EastWest LO-FI läuft auf dem Opus Player der US-Firma und serviert über 350 Presets in vielen Sparten – dazu gehören Bässe, Drums, Keys, Vocals, Orchester und Texturen. Die Sounds lassen sich inklusive der internen Effekte abwandeln und per XY-Pad performen.
Stilistisch bietet EastWest LO-FI eher Rock/Pop-Mainstream – auf dirty und rough getrimmt. Doch genau das macht hier den speziellen Reiz aus und bringt außerdem etwas Abwechslung in pure Lo-Fi-Produktion. Für weit unter 100 Euro lohnt sich diese Library definitiv.

Output Arcade – flexibler Loop-Player
Der kalifornische Hersteller Output lockt Lo-Fi-Producer mit Arcade – einem Player mit Cloud-Anbindung als Abo-Modell. Er bietet elastische Audio-Phrases und per Tastatur spielbare Presets – alles ziemlich up to date. In erster Linie geht es hier um die schnelle musikalische Inspiration für den nächsten Song.

Output Arcade 2 ist ein ungewöhnliches, aber praktisches Software-Instrument auf Abo-Basis. Es versorgt Producer mit überwiegend trendigen Sounds und Loops aus der Cloud.
Man wählt eines der vielen Construction Kits aus und befindet sich schon nach wenigen Klicks mitten in der Produktion. Der Content zeigt sich üppig und wächst ständig weiter. Unter den Lines gibt es einige Lo-Fi-kompatible Phrases – zum Beispiel bei Tape, Downtime, Poolside oder auch Dark Pop. Unbedingt die siebentägige Demo-Version probieren! Preis: Ab 13 US-Dollar monatlich (Abo)
Effekt-Plugins für den Lo-Fi-Sound
Mit den richtigen Effekt-Plugins lässt sich praktisch jede Audio- und Instrumentenspur auf Lo-Fi trimmen. Dabei sind die meisten FX-Plugins erschwinglich und dabei auch noch leicht zu bedienen. Baby Audio Super VHS verhilft mit dem Multieffekt Super VHS schnell zum Soundcharakter der 80er-Jahre.

Ein Kauftipp ist auch der XLN Audio RC-20, der für die universelle Retro-Färbung sorgt. Spezieller sind das Bandsimulations-Plugin u-he Satin und der gute Bit-Crusher D16 Group Decimort2. Daneben existieren aber natürlich noch viele weitere Lo-Fi-Effekt-Plugins – inzwischen auch als Bestandteil der DAW.
Noch mehr Presets und Loops
Instrumente und Effekte allein machen kein Release. Erst mit dem Beat wird der Lo-Fi-Track perfekt. Für dieses wichtige Element bieten sich verschiedene Sample Packs an. Noch praktischer als Audio-Files sind dabei Plugins, die MIDI-Noten und Samples kombinieren. Eines dieser Software-Instrumente ist XLN Audio XO. Es lässt sich mit vielen Expansion Packs erweitern und macht das Beat-Programming erfrischend einfach.
Lo-Fi-kompatibel sind auch Klänge aus dem Mellotron. In unserem Feature Die besten Mellotron VSTs – Software-Instrumente im Vergleich stellen wir euch empfehlenswerte Plugins dafür vor.
Orchesterklänge mit minimalem Mellotron-Touch gibt es wiederum bei Spitfire Audio Aperture Cassette Symphony. Eine gute Quelle sind außerdem ROM-Sample-Synthesizer der 90er-Jahre. Sehr angesagt war damals der Roland JV-1080 – mittlerweile in der Roland Cloud zu finden. Aber natürlich gibt es noch weitere Synthesizer der 90er, die man kennen sollte.
Bevor ihr euch ein neues Plugin gönnt, solltet ihr erst einmal gründlich das Soundware-Angebot studieren. Immer mehr Packs widmen sich dem Lo-Fi-Genre – so etwa auch das Preset Pack Lo-Fi & Chill Plucks für NI Massive X.
So klingt Lo-Fi – unsere Hörbeispiele
Selbstverständlich haben wir uns wie immer durch eine Auswahl an Presets gespielt: Die ersten fünf Audio-Demos präsentieren Patches der Instrumenten-Plugins. Anschließend hört ihr ein Beispiel mit dem Effekteinsatz des XLN Audio RC-20, gefolgt von drei Beats aus XLN Audio XO unter Verwendung des LoFi Packs. Zum Abschluss gibt’s noch ein Construction Kit aus Output Arcade auf die Ohren.
Fazit: Lo-Fi Sound für die DAW – Kaufberater
Es gibt natürlich noch weitere Tools, die den Lo-Fi-Sound bereichern. Am Ende zählt aber vor allem eins: mehr Zeit fürs Produzieren übrig zu haben. Mit dem Software-Setup, das wir hier vorgestellt haben, sind Lo-Fi-Tracks ganz entspannt gebaut. Dabei sollte man das typische Lo-Fi-Tuning allerdings mit Bedacht einsetzen – schließlich handelt es sich eher um einen „akustischen Kunstgriff“. Ein überzeugender Track lebt von der Balance zwischen rauem Lo-Fi-Charakter und klaren, brillanten Elementen mit Punch und Transparenz. In diesem Sinne: viel Spaß beim Produzieren!
























