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Hammond Workshop #4: Vibrato und Percussion

Folge 4 unseres Hammond-Workshops beschäftigt sich mit den wichtigen Klanggestaltern des Hammond-Sounds. Dem Vibrato und der Percussion.

Hammond Workshop #4: Vibrato und Percussion
Hammond Workshop #4: Vibrato und Percussion
Hammond Workshop #4: Vibrato und Percussion

In der vierten Folge unseres Hammond-Workshops dreht sich alles um das Thema Leben in den Orgelsound bringen. Ihn zu animieren und mit Akzenten zu versehen, ob mit oder ohne ein angeschlossenes Leslie-Kabinett. Bereits in der Basis sind Hammond-Orgeln mit zwei wichtigen Funktionen ausgestattet. Diese erlauben es einerseits den Klang zu modulieren, andererseits dem Sound den Nachdruck zu verleihen, um für solistisches Spiel dominant im Vordergrund zu stehen. Die Rede ist von dem Vibrato/Chorus-Effekt und der Percussion. Beide nützliche Helfer in der Gestaltung des Orgelsounds. Warum diese beiden ‚Effekte‘ so wichtig sind, welche besondere Eigenschaften sie haben und wie man sie sinnvoll einsetzt, erklären wir in dieser Folge. Natürlich lassen sich diese Eigenschaften auch mit einem Hammond-Klon nachvollziehen.

Hammond B3 - Orgelsound mit Finesse (Foto. Hammond.eu)
Hammond B3 – Orgelsound mit Finesse (Foto. Hammond.eu)

Inhalte

  1. Vibrato und Chorus
  2. Scanner-Vibrato ersetzt zweiten Chorus-Generator
  3. Unterschiedliche Vibrato-Varianten
  4. Einsatz des Vibratos (V)
  5. Einsatz des Chorus-Vibratos (C)
  6. Percussion
  7. Besondere Eigenschaften der Percussion
  8. Alles zusammen
  9. Zum Schluss

Vibrato und Chorus

Schon damals hatte Laurens Hammond daran gedacht, eine wichtige Charaktereigenschaft von Klängen – die Modulation – auch in seine Entwicklungen mitzuintegrieren. Hier das Vibrato und den besonderen Chorus-Effekt, beides Effekte um die Statik aus dem starren Orgelklang zu nehmen. Dazu wurden aufwendige Mechanismen nötig, welche das charakteristische Klangerlebnis bis heute konservieren.

Der Chorus-Effekt der Hammond-Orgel ist der eindrucksvollste und klanglich eine besondere Art der Modulation. Von unzähligen Organisten eingesetzt und in etlichen Genres der Musik als klarer Favorit gegenüber dem Vibrato geschätzt. In den Jahren um 1940 wurden Vibrato und Chorus-Effekte noch mittels eines zweiten Tongenerators, dem Chorus-Generator erzeugt. Dieser war gegenüber dem Hauptgenerator auch leicht verstimmt. So ausgestattete Orgeln zeigten sich in puncto Gewicht sehr schwer, sodass man dazu überging, Scanner-Vibratos zu verwenden.

Scanner-Vibrato der Hammond-Orgel
Scanner-Vibrato der Hammond-Orgel (Quelle: Archiv)

Scanner-Vibrato ersetzt zweiten Chorus-Generator

Das Scanner-Vibrato sitzt direkt auf der Antriebswelle des Tonradgenerators, deren Rotationsgeschwindigkeit auch die des Vibratos sowie des Choruseffekts bestimmt. Welche Art der Modulation aufgerufen wird, regelt man z. B. bei der B3 über einen Drehknopf. Mit diesem wählt man jeweils drei Stärkegrade des Vibratos sowie des Chorus-Effekts (V1 – C1 – V2 – C2 – V3 – C3).

Hammond B3: Vibrato/Chorus Sektion
Links die Schalter für die getrennte Nutzung des Vibrato/Chorus-Effekts auf den beiden Manualen, und rechts der Drehregler zur Anwahl der unterschiedlichen Stärkegrade des Vibrato- und des Chorus-Effekts. (Foto: Michael Geisel)

Unterschiedliche Vibrato-Varianten

In seiner Funktionsweise greift das Scannervibrato das Audiosignal der Orgel über eine Kette an Kondensatoren ab. Dadurch entsteht eine Phasenverschiebung beim abgegriffenen Signal. Wird dieses Signal dem Originalsignal zugemischt, entsteht der typische Effekt des Chorus, aber ein Vibrato, wenn das phasenverschobene Signal ohne das Originalsignal wiedergegeben wird. Beide Modulationsvarianten unterscheiden sich klanglich deutlich, wodurch sie sich für unterschiedliche Stilistiken eignen. Gerade beim gleichzeitigen Einsatz eines Leslies mit langsamer Rotorgeschwindigkeit wirkt das Vibrato klanglich eher ‚eiernd‘. Der Chorus-Effekt hingegen erzeugt ein angenehmes ‘Flirren’, ein Stilmittel, das auf unzähligen Aufnahmen hörbar ist.

Das folgende Video zeigt die klanglichen Unterschiede zwischen Vibrato und Chorus und visualisiert die Verwendung des Vibrato/Chorus Drehreglers. Hörbar ist ein gehaltener Akkord, zunächst ohne, dann mit den Vibrato-Typen V1, V2 und V3, gefolgt von denselben Settings, jedoch mit den Chorus-Varianten C1, C2 und C3.

Zum getrennten Anhören der Vibrato/Chorus-Effekte noch zwei Audiobeispiele zur Verdeutlichung der beiden Modulations-Typen der Hammond-Orgel.

Audio Samples
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Hammond Vibrato: Trocken – V1 – V2 – V3 Hammond Chorus: Trocken – C1 – C2 – C3

Einsatz des Vibratos (V)

Die Einsatzgebiete beider Modulationseffekte sind enorm. Gerade in den 1950er und 60er Jahren, als die Hammond-Orgel auch ohne Leslie im Jazz, Kino und den Bereichen der Unterhaltungsmusik eingesetzt wurde, griffen Künstler auf die integrierte Scanner-Vibrato/Chorus Sektion zurück. Und dabei gerne auf das Vibrato, denn dieser Effekt bietet gerade den typischen Sound, wofür die Hammond in diesen Jahren berühmt war. Einer von ihnen war beispielsweise der deutsche Organist Klaus Wunderlich, der mit diesem Sound berühmt wurde. Wie das klingt, zeigen die beiden folgenden Audiobeispiele: einmal Orgel pur, zum anderen die Orgel mit Band-Begleitung.

Audio Samples
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Hammond der 1960er Jahre mit Scanner-Vibrato Hammond der 1960er Jahre mit Scanner-Vibrato und Band

Einsatz des Chorus-Vibratos (C)

Der Chorus-Effekt der Hammond wirkt alles andere als antiquiert und verleiht dem Grundsound eine gewisse Dominanz bzw. Aggressivität. Gerade wegen dieser Eigenschaften findet er seinen Einsatz in Pop, Rock, Jazz, Indie …, es wird eine lange Liste. Der britische Fusion- und Rockorganist Brian Auger verschmäht Leslies und spielt seine Hammond vorwiegend mit dem Chorus C3 und Percussion im 3rd Harmonics (2 2/3′) Setting, … und das eigentlich schon immer. Wie das klingt, zeigt das folgende Audiobeispiel.

Audio Samples
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Hammond mit Chorus C3 und Percussion 3rd Harmonics im Brian-Auger-Style

Wie dieselbe Phrase mit Leslie wirkt, hören wir im nächsten Audiobeispiel. Stilistisch klingt sie völlig anders … nicht nach Brian Auger.

Audio Samples
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Hammond mit Chorus C3 und Percussion 3rd Harmonics im Brian-Auger-Style mit Leslie

Gerade beim gleichzeitigen Einsatz eines Leslies und insbesondere der Verwendung der langsamen Rotorgeschwindigkeit wirkt das Vibrato (V1, V2 und V3) klanglich eher ‚eiernd‘, während der Chorus-Effekt ein angenehmes ‘Flirren’ erzeugt. Ein Stilmittel, das auf unzähligen Aufnahmen hörbar ist. Es folgen zwei Audiobeispiele, welche getrennt hörbar machen, wie der Vibrato- sowie der Chorus-Effekt gleichzeitig mit einem Leslie eingesetzt werden. Beim Hören bitte zunächst das Augenmerk auf den jeweils ersten Part der beiden Audios achten, bei denen die beiden Effekte mit der langsamen Rotorgeschwindigkeit (Chorale) eingesetzt werden. Gerade dort sticht das Vibrato hörbar ‚eiernd‘ hervor, während Chorus einen flirrenden Effekt vermittelt. 

Audio Samples
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Hammond Vibrato und Leslie Hammond Chorus und Leslie

Percussion

Die Percussion gibt dem Orgelsound den gewissen Akzent, die Betonung, welche insbesondere bei solistischem Spiel sehr nützlich ist. Klanglich zeigt sich die Percussion mit hartem Toneinsatz und dem Abklingen der beiden zur Verfügung stehenden Fußlagen 4′ und 2 2⁄3′. Diese tragen die Bezeichnungen ‘Second’ (4′) und ‘Third’ (2 2⁄3′) Harmonic. Da der Orgelton bei gedrückter Taste naturgemäß so lange steht, bis die Taste wieder losgelassen wird, ist die Percussion durch ihr Abklingverhalten ein besonderer Effekt. Die Abklingzeit kann in den beiden Stufen ‘Fast’ (ca. 250 ms) und ‘Slow’ (ca. 900 ms) gewählt werden. Außerdem wird das Volumen der Percussion in zwei Stufen ‘Normal’ und ‘Soft’ über einen Kippschalter eingestellt, um dem Effekt mehr oder weniger Nachdruck zu verleihen.

Hammond Percussions-Sektion
Die Percussions-Sektion der Hammond B3: Links der Schalter zum Aktivieren der Percussion, daneben der Schalter zum Wählen des Percussions-Volumens, gefolgt von der Wählbarkeit der Abklingzeit sowie der beiden Percussions-Fußlagen ‘Third’ (2 2/3′) und ‘Second’ (4′) Harmonic. (Foto: Michael Geisel)

Besondere Eigenschaften der Percussion

Ein interessantes Phänomen bei Einsatz der Percussion in der Stellung ‘Normal’ ist die Reduktion der Lautstärke der weiteren verwendeten Zugriegel um einen geringen Betrag. Diese Eigenschaft rückt den Effekt deutlicher in den Vordergrund. Wichtig zu wissen ist, dass das Percussions-Register lediglich auf dem Obermanual und dort auch nur mit einem der beiden Zugriegelsätze verfügbar ist. Zudem ist bei eingeschalteter Percussion der 1′ Zugriegel nicht verwendbar und somit stumm. Das hat seinen Grund, denn für die Steuerung der Percussion wird der 1′ Tastenkontakt verwendet. Eine weitere Eigenschaft der Percussion ist, dass sie nicht bei jedem Tastendruck erklingt, sondern nur dann, wenn zuvor alle Tasten losgelassen wurden.

Die nächsten beiden Audiobeispiele zeigen die Wirkungsweise der Percussionen 2nd Harmonic (4′) und Third Harmonic (2 2/3′) mit den Drawbar-Settings “820000000“.

Audio Samples
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Hammond Percussion Second Harmonic (4′) Hammond Percussion Third Harmonic (2 2/3′)

Die Percussion der Hammond ist ein enorm wichtiges Klanggestaltungselement. Gerade dann, wenn es darauf ankommt Präsenz zu zeigen und gezielt Akzente zu setzen.

Alles zusammen

Vibrato/Chorus und die Percussion in 4‘ und 2 2/3‘ sind die Klanggestalter der Hammond-Orgel schlechthin, neben dem Dynamik erzeugenden Volumen-Pedal. Letzteres fällt in der Erwähnung schnell hinten herunterfällt, denn es liegt bereits optisch nicht sofort im Fokus des Spielers. Alle Klang beeinflussenden Parts der Orgel wie Drawbars sowie die Klang gestaltenden Elemente  Vibrato/Chorus, die Percussion und das Leslie sinnvoll eingesetzt, machen aus der simpel erscheinenden Orgel ein echtes Powertool, das sich charakterstark überall behaupten kann. Ob solo gespielt oder im Kontext der Band, die Hammond-Orgel ist ein Instrument mit vielen Gesichtern und Einsatzzwecken.

Zum Finale noch ein paar Audiobeispiele, welche alle eben beschriebenen Features des Instruments und die Eigenschaften des Leslies im Wechsel zum Einsatz bringen. Im ersten Beispiel hören wir die Hammond ‘solo’ auf zwei Manualen und dem Basspedal gespielt. Das zweite Audio präsentiert alle beschriebenen Features im Kontext eines Trios, bestehend aus Hammond, Bass und Drums.

Audio Samples
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Hammond solo: Upper Man., Lower Man. & Pedal Hammond & Band

Zum Schluss

Die Hammond-Orgel ist ein Instrument, das viel mehr bietet, als es zunächst den Anschein macht. Ihr Einsatz auf unzähligen Tonträgern über viele Jahre hinweg beweist, dass sie als echtes Evergreen in vielen Musikrichtungen zu Hause ist und auch bleibt. Wer hätte gedacht, dass ein Konzept aus den frühen 1930er Jahren so dauerhaft im Einsatz ist und mit seiner Langlebigkeit Musiker bis zum heutigen Tag begeistert.

Weitere Folgen dieser Serie:

Hammond Workshop #1: Drawbars Artikelbild

Hammond Workshop #1: Drawbars

Die erste Folge unseres Video-Workshops zeigt, wie man die Zugriegel bzw. Drawbars einer Hammond-Orgel oder eines Hammond-Klons einsetzt.

09.06.2022
Leserbewertung 5,0 / 5
Produktbewertung 3,0 / 5
Kommentare vorhanden 12
Hammond Workshop #2: Leslie Artikelbild

Hammond Workshop #2: Leslie

Die zweite Folge unseres Hammond-Videoworkshops zeigt, wie man den Leslie-Effekt dynamisch einsetzt, um eine Performance zu unterstützen.

09.11.2021
Leserbewertung 4,9 / 5
Produktbewertung 3,0 / 5
Kommentare vorhanden 1
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von Michael Geisel

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