Hersteller_Yamaha DP_Digitalpiano DP_Kompakt DP_LeichtGewichtet
Test
3
20.07.2012

PRAXIS

Klang

Dass ein so günstiges Instrument wie das NP-31 nicht die gleichen hochauflösenden und aufwändig gesampelten Klänge wie die Spitzenmodelle bieten kann, ist klar. Auch mit den erweiterten Features moderner Klavier-Sample-Libraries wie Release-Samples, Saitenresonanzen und Pedal- und Dämpfergeräuschen rechnet man in dieser Preisklasse erst gar nicht. Allerdings ist der reine Preis für Speicherplatz heutzutage kein Hinderungsgrund mehr, sodass man durchaus darauf bauen darf, dass die Klänge ein gewisses Maß an Realismus bieten.

Das NP-31 beschränkt sich auf's Wesentliche und besitzt 10 Klangfarben. Darunter sind zwei Flügel, zwei E-Pianos, zwei Pfeifenorgeln, zwei Cembalos, Streicher und ein Vibrafon. Das ist durchaus eine sinnvolle Sammlung für den Hausgebrauch. Ich persönlich könnte jedoch gut auf je eine Pfeifenorgel und ein Cembalo verzichten, wenn es im Tausch dafür eine hammondähnliche Orgel und ein simples, warmes Synth-Pad gäbe, das sich gut im Dual-Modus in Verbindung mit anderen Klängen einsetzen ließe.

Die beiden Flügel müssen wir uns natürlich besonders genau ansehen, denn immerhin trägt das Piaggero ein halbes Piano im Namen. Klaviersound Nr. 1, der beim Einschalten des Geräts aktiv ist, fällt Yamaha-typisch recht klar und hell aus und setzt sich sicher in jedem Ensemble gut durch. Als Pop-Begleitpiano ist der Sound durchaus zu gebrauchen. Im Diskant klingt er allerdings sehr dünn und plastikhaft, was ihn für filigranere Darbietungen nicht gerade prädestiniert.

Das letzte Quäntchen Ausdruckskraft und Realismus fehlt dem Klang leider. Beim Detail-Check mit ausgeschaltetem Hall wird auch deutlich, woran das liegt. Wie man im folgenden Klangbeispiel deutlich hören kann, wurde nur jede dritte Taste gesampelt. Die Sprünge sind eindeutig auszumachen. Auch für ein Einsteigergerät sollte da heutzutage mehr drin sein.

Auch das Ausklingverhalten lässt zu wünschen übrig. Schon kurz nach dem Anschlag sind die Samples geloopt, wie man im nächsten Beispiel hören kann. Außerdem offenbaren sich beim genauen Hinhören (Kopfhörer!) vor allem im Diskant leise Nebengeräusche, Artefakte und Aliasing im Ausklang.

Der für diese Preisklasse noch akzeptable Grundsound kann nur kurz über diese Mängel hinweg täuschen. Natürlich ist das NP-31 kein High-End-Digitalpiano und möchte es auch gar nicht sein. Trotzdem sollte ein Instrument, das in erster Linie Klavierersatz ist, heutzutage etwas mehr bieten.

Der zweite Pianoklang wirkt wie eine Mono-Version des ersten Sounds. Im nächsten Beispiel sind die beiden Klänge im Direktvergleich zu hören. Täusche ich mich? Ich glaube nicht.

Damit ist das zweite Piano nicht wirklich eine Bereicherung. Als etwas weniger ausladende Variante des ersten Klangs kann man es zum Beispiel als Begleitpiano einsetzen, das nicht viel Raum im Mix beansprucht. Ein zweiter, eigenständiger Klang wäre jedoch schöner gewesen.

E-Piano Nr. 1 ist das bei Yamaha unvermeidliche FM-Piano. Ich verstehe nicht ganz, warum Yamaha diesen Sound noch heute in jedes Gerät einbaut – eignet er sich doch ausschließlich für die stilechte Interpretation hallgetränkter 80er-Balladen. Wahrscheinlich ist er für die Firma identitätsstiftend. Let's go back in time:

Das zweite E-Piano orientiert sich am Rhodes-Sound, lässt aber viel Druck und den sympathischen Rhodes-Schmutz vermissen. Hier kommt nicht wirklich Freude auf. Diesem Sound hätten ein paar Modulationseffekte wie Chorus oder Tremolo gut getan, doch die sind leider nicht an Bord.

Die weiteren Klänge des Piaggero sind eher als Beigaben zu verstehen. Am authentischsten kommt noch das Vibraphon daher. Die Streicher hingegen enttäuschen auf ganzer Linie – sie besitzen vor allem in den höheren Lagen einen unangenehm leiernden Loop-Charakter und einen stark synthetischen Beigeschmack. Auch in Kombination mit dem Piano im Dual-Mode macht der Sound nicht wirklich Spaß.

Insgesamt wirken die Klänge des NP-31 ein bisschen, als wären sie aus einem Gerät der 90er-Jahre recycelt worden. Sie sind nicht wirklich auf der Höhe der Zeit und haben einen recht statischen, wenig ausdrucksstarken Charakter. Zudem rauscht der Ausgang des Geräts recht stark. Wer es ernst meint, wird schnell mehr wollen.

Tastatur

Beim Auspacken des Fliegengewichts NP-31 hatte ich mit einer klapprigen Plastiktastatur gerechnet. Ein erstes Anspielen belehrt mich aber eines Besseren. Die Tasten haben durchaus eine gewisse Gewichtung und sogar einen Druckpunkt. Außerdem ist die Gewichtung nicht über die gesamte Tastatur gleich, sondern fällt im Bassregister schwerer aus als im Diskant (Graded Touch). Damit verfügt das NP-31 über Features, die man in einem so günstigen und leichten Instrument nicht unbedingt vermuten würde. Die Plastiktasten fühlen sich recht angenehm an und haben auch einen ausreichenden Hub.

Allerdings ist die Tastatur doch ein ganzes Stück von einem authentischen Klavier-Gefühl entfernt. Die Gewichtung ist insgesamt recht leicht und kann nicht über das Fehlen von Hämmern hinweg täuschen. Wer schon Klavier spielen kann, kommt damit irgendwie klar, auch wenn es kein Genuss ist. Wer es lernen möchte, sollte meiner Ansicht nach aber eher die Finger davon lassen, denn ein Gefühl für eine richtige Klaviertastatur vermittelt dieses Keyboard nicht. Ein adäquater Klavier-Ersatz für den Anfänger ist das NP-31 also auf keinen Fall!

Erweiterte Einstellungen

Wie bereits erwähnt, lassen sich einige Feineinstellungen mittels Kombinationen von Bedienfeld-Knöpfen und Tasten der Klaviatur vornehmen. Mit Ausnahme eines Blocks von 11 Tasten, denen die Zahlen von 0 bis 10 zugeordnet sind, fehlt jegliche visuelle Kennzeichnung dieser Funktionen. Also wird man die Schnellanleitung noch eine Weile neben dem Instrument liegen haben, denn es dauert, bis man die Tastenbelegung im Kopf hat.

Neben Grundeinstellungen wie MIDI-Kanal, Oktavlage, Transposition und Stimmung kann man hier zum Beispiel auch aus vier verschiedenen Charakteristiken für die Anschlagdynamik wählen. Zur Verfügung stehen drei dynamische Kurven und eine lineare Variante (Anschlagdynamik aus). Letztere eignet sich natürlich vor allem für Orgeln und ein authentisches Cembalospiel. Auch das Mischungsverhältnis der beiden Layer-Sounds im Dual-Modus lässt sich hier verändern. Außerdem gibt es vier verschiedene Hall-Typen (Room, Hall 1+2, Stage). Der Halleffekt ist normalerweise an, lässt sich aber auch vollständig deaktivieren. Auch der Effektanteil kann in 10 Stufen reguliert werden. Leider fehlen Modulationseffekte, die vor allem den E-Pianos etwas mehr Leben eingehaucht hätten.

Wenn man diese Funktionen viel benutzt, wird man schnell das Fehlen einer Speichermöglichkeit beklagen. Sämtliche hier vorgenommenen Einstellungen gehen nämlich beim Ausschalten des Geräts verloren. Wenn man also eine Lieblings-Halleinstellung hat, muss man diese bei jedem Anschalten von Neuem zurecht basteln. Allerdings bleiben die Settings für die einzelnen Sounds beim Wechsel der Klangfarbe erhalten. Es ist also zum Beispiel möglich, zwischen einem Flügelklang mit viel Hall und einem trockenen E-Piano hin und her zu schalten.

2 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare