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Test
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03.02.2011

Details

Figur & Statur 

Der „Look“ von Digital Pianos ist eigentlich hinlänglich bekannt. Abgesehen von speziellen Designer-Modellen einiger Hersteller, hat sich hier seit Einführung der Produktgruppe wenig getan. Selbst für geschulte Musiker-Augen mit Erfahrungen auf vielen unterschiedlichen Instrumenten ist es nicht wirklich möglich, Digital Pianos anhand ihrer Figur & Statur von einander zu unterscheiden. Aber das ist ja in der Welt der „richtigen“ Klaviere und Flügel auch nicht viel anders. Entscheidend sind die „inneren Werte“. Aber hier erst mal die äußerlichen Fakten:

Das eigentliche Instrument ist, wie bei den meisten Digital Pianos üblich, an einem massiven Stativ befestigt, welches im Set enthalten ist, und am Ende eine kompakte Gesamt-Einheit darstellt. Integriert in diesen Rahmen sind im Fußbereich die Pedale, der erste zu erwähnende „Klassiker“, nämlich voll ausgestattet mit Halte-, Dämpfer- und Sostenuto-Pedal, wobei das Halte-Pedal wie bei den großen Originalen auch über eine Halb-Pedal-Erkennung verfügt. Für Klavierspieler mit gehobenen Ansprüchen ein nicht unwichtiger Faktor, daher ein erstes Zwischen-Lob!

Die Maße bewegen sich mit 1357 x 815 x 422 Millimeter im üblichen Bereich, das Gewicht von 42 kg ist allerdings nichts für Reisefreudige, sprich, portabel ist anders. Ein Digital Piano dieser Art ist also nicht unbedingt etwas für den Pendelbetrieb zwischen Bühne und Proberaum, sondern sollte seinen festen Platz in einem schönen Ambiente haben. Denn dort passt es hin. Man kann das YDP-161 so gesehen auch als ein wohlklingendes Möbelstück betrachten. Zum „klassischen“ Look des in drei Versionen angebotenen Instruments („B“ für Black, „C“ für Kirsche hell und „R“ für Rosenholz) gehört auch die Übersichtlichkeit: Kein verwirrender Schnick-Schnack auf den ersten Blick, klare Linien, eine formschöne und praktische, aus- und einfahrbare Holz-Abdeckung der Tastatur und das obligatorische aufklappbare Notenpult (Plus: aus stabilem Holz; Minus: nur eine Position wählbar) machen Lust, das Instrument sofort zu spielen.

Zubehör

Doch bevor dies geschieht, noch mal kurz zurückgespult: Im spielfertigen Zustand wird das YDP-161 natürlich nicht geliefert. Es kommt in einem massiven Karton, spätestens dann merkt man, dass dies ein Instrument der Sorte „alleine hilflos“ ist, sprich, entweder der Lieferant ist so freundlich und hilft beim Tragen bis ins Wohnzimmer, oder man hat besser gleich zwei helfende Hände zur Seite, denn sonst steht man zunächst vor einem ziemlich großen bzw. schweren Problem. Dies gilt auch für den Aufbau, für den zwei (kräftige) Personen benötigt werden. Das YDP-161 also an seinen Bestimmungsort gebracht, der Karton geöffnet, die Einzelteile, welche sich kunstvoll verpackt vor einem auftun, in Augenschein genommen, ist sodann der Heimwerker im Musiker gefragt. Glücklich, wer einen Akku-Bohrer sein eigen nennt, andernfalls tut’s auch der gute alte Schraubenzieher (nicht im Paket!), ein schwedisches Möbelhaus lässt grüßen ...

Ansonsten wird hier wirklich ein Rundum-Sorglos-Paket geliefert, das alles enthält, was der zukünftige Digital-Pianist benötigt. Stativbauteile inklusive aller Schrauben, Pedalleiste, Netzstecker und natürlich das Instrument inklusive Abdeckung und Notenpult, sogar an eine Kopfhörerhalterung wurde gedacht. Außerdem ein übersichtlich gestaltetes Handbuch inkl. „Quick Operation Guide“, „My Yamaha Product User Registration“-Karte und – oho! – das Notenbuch „50 greats for the Piano“, versehen mit 50 Meisterwerken der Klavierliteratur, nicht ansatzweise für Anfänger geeignet, aber beim Durchblättern schon rein optisch eine Augenweide! Rock me, Amadeus!

Lautsprecher System

Die Verstärkung des YDP-161 ist wirklich brillant. 2 x 20 Watt erzeugen einen kräftigen und druckvollen Sound, der das Klavier voluminös und „groß“ klingen lässt, sofern die Umgebung (und die Nachbarn) es erlauben. Öffnungen an Vorder- und Rückseite erzeugen ein realitätsnahes Klanggefühl, da der Sound wie bei einem echten Klavier mit den Tasten „mitwandert“.

Bedienelemente & Funktionen

Gesteuert wird diese Power durch einen (leider) relativ kleinen stufenlosen Drehregler an der linken Seitenleiste, womit wir bei den Bedienelementen des YDP-161 gelandet wären. Eine genauere Angabe zur Lautstärke lässt sich leider nicht machen, da weder der Drehregler beschriftet ist, noch – und hier kommt der größte Minus-Punkt dieses Digital Pianos – ein Display vorhanden ist! Nun sind Digital Pianos nicht gerade berühmt für ihre Wunder-Displays, in Zeiten von iPhone&Co. wäre allerdings ein etwas weniger klassisch-antiquierter Ansatz angebracht. Ich bin durchaus der Meinung, dass ein gutes Instrument in erster Linie gut klingen und spielbar sein muss, wenn man allerdings die Kombination von gutem Klang und (dann doch auch) technischen Finessen anpeilt, muss dies auch überschaubar sein – dafür wurden Displays nun mal erfunden. Im Falle des YDP-161 entsteht durch das Fehlen einer entsprechenden Anzeige ein wirkliches Manko in der Bedienung, was deutlich die Freude am Ausprobieren der Möglichkeiten dieses Geräts schmälert – und damit die Spielfreude. Dazu aber später mehr.

Neben dem Lautstärkeregler befinden sich an der linken Seitenleiste die folgenden Taster: „Demo/Song“ und „Piano/Voice“ (damit lassen sich Demosongs und -sounds durchschalten), „Metronome“, „+“ und „-“, mit denen man verschiedene Werte und Einstellungen durchschalten kann. Dann folgen „Rec“ und „Play“, um Aufnahmen zu erstellen und (sowie Demosounds und Demosongs) abspielen zu können. Der einzige Taster an der rechten Seite der Klaviatur ist der On/Off-Knopf, angenehm groß und nicht zu übersehen.

Aufgrund des Nicht-vorhanden-Seins von weiteren Schiebe-/Drehreglern und eines Displays wurden von Yamaha viele Einstellfunktionen, wie zum Beispiel Metronom/Taktart, Transponierung, Fine-Tuning, MIDI-Befehle, aber auch die Auswahl von Demosongs, auf die Klaviatur gelegt (in Verbindung mit Tastenkombinationen der eben beschriebenen Taster), womit diese beim YDP-161 eine völlig neue Funktion bekommt: Sie wird zu einer Art Computertastatur, allerdings ohne jegliche Beschriftung.

Beispiel gefällig? Möchte man zum Beispiel zum Üben mit dem Metronom selbiges folgendermaßen einstellen – 4/4-Takt, Tempo 120 und mittlere Lautstärke des Metronoms – so müssen folgende Tastenkombinationen gedrückt werden: zunächst „Metronome“+D#3 für den 4/4-Takt, dann „Metronome“+C#4+D#4+C4 für Tempo 120 und zuletzt „Metronome“+A1 für die mittlere Lautstärke. Das ging schon mal einfacher, Yamaha!

Ohne Quick-Operation-Guide, der eine Art Tastatur-Landkarte darstellt, wird die Handhabung des YDP-161 somit zu einem Abenteuer beziehungsweise einem Ding der Unmöglichkeit. Vorsorgliches Kopieren dieser doppelseitig bedruckten Karte empfiehlt sich für den Fall der Fälle. Manche Einstellungen lassen sich zum Glück durch Kombinieren von Tastern und den „+/-“ Tasten vornehmen, aber auch in diesem Fall fehlt das Display zum Überprüfen der Werte schmerzlich. Hier wurde eindeutig am falschen Platz gespart. Klare Linien und Purismus in allen Ehren, doch leider passiert dies beim YDP-161 zum Nachteil der Bedienfreundlichkeit – und somit des Nutzers.

Fehlen uns noch die Anschlüsse zum Glück: Das YDP 161 kommt ohne ein allzu reichhaltiges Angebot an Anschlussmöglichkeiten aus. Nebst dem Netzanschluss und dem Anschluss fürs Pedal finden sich lediglich MIDI In/Out zum Verbinden mit (zum Beispiel) einem Computer. Line Out-Buchsen sucht man vergeblich, somit sind die internen Boxen des YDP-161 das höchste der (Lautstärke-)Gefühle. Allerdings befinden sich an der linken unteren Vorderseite zwei 6,3 mm Kopfhörerbuchsen, was positiv hervorgehoben werden darf!

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