Hersteller_Waldorf
Test
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21.06.2018

Waldorf Quantum Test

Hybrid-Synthesizer

Unendliche Klangwelten

Mit dem Quantum Synthesizer bietet der deutsche Hersteller Waldorf einen achtstimmigen, digital-analogen Hybrid-Synthesizer, der auf dem Papier wahrlich das Zeug zur Traummaschine hat. Mit seiner unglaublich mächtigen Klangerzeugung und den beinahe unendlichen Modulationsmöglichkeiten hat der Synthesizer tatsächlich einige gute Argumente auf seiner Seite. 

Wieder mal ein richtig großer Wurf von Waldorf?

Grund genug, den Synthesizer intensiv zu testen.

Details

Innovation aus Remagen

Es gibt Firmen, die sich durch Innovation und Qualität einen besonderen Ruf in der Synth-Community erworben haben und von denen man bei neuen Produkten einfach das Besondere erwartet. Die 1988 gegründete deutsche Firma Waldorf gehört zweifellos dazu. Grundpfeiler ihrer Arbeit waren die Entwicklungen von Wolfgang Palm, der seit dem Ende der Siebziger Jahre mit seiner Firma PPG die sogenannte Wavetable Synthese als Klangerzeugung auf den Plan brachte, eine Technik, mit der Waldorf bis heute vor allem assoziiert wird. Sie spielte auch die entscheidende Rolle bei ihrer ersten eigenen Entwicklung, dem Waldorf Microwave, der die Wavetable-Synthese mit einem analogen Filter kombinierte. Aber auch die übliche analoge Klangerzeugung spielte fast von Anfang an eine Rolle, zum Beispiel beim Waldorf Pulse, einem voll analogen Racksynth, der 1995 erschien.

In neuerer Zeit pflegte Waldorf seinen guten Ruf mit feinen Produkten wie dem Pulse 2, dem Blofeld, der Stringmachine Streichfett sowie dem etwas exotischen E-Piano Zarenbourg. Zudem hat die kleine Firma diverse Eurorack-Module im Programm, was zeigt, dass man das Ohr offenbar sehr nah an dem hat, was sich der zeitgenössische Synthenthusiast wünscht.

Der brandneue Quantum Synthesizer ist zweifellos das aktuelle Hochglanzprodukt von Waldorf. Nachdem der gigantische Waldorf Wave – die XXXL-Variante des Microwave – das Unternehmen trotz, oder gerade wegen eines Verkaufspreises von stattlichen 14.000 DM Anfang der Jahrtausendwende beinahe in den Ruin getrieben hätte, kommt der Quantum preislich ein wenig bescheidener daher. Mit einem Verkaufspreis von 4.000 EUR lädt er jedoch immer noch nicht zu Spontankäufen ein. Dennoch identifizieren ihn seine Spezifikationen eindeutig als König der aktuellen Waldorf-Produkte.

Erster Eindruck

Beim Unboxing vermittelt sich auch gleich etwas königliches, denn mit einem Gewicht von knapp 18 kg liegt der Quantum satt in der Hand. Den elegant designten Metallrahmen, welcher das Panel leicht nach oben anwinkelt und dem Synth optisch eine elegante Leichtigkeit verleiht, habe ich beim Rausziehen aus dem Karton ungeniert als Griff benutzt und er zeigte gleich, dass er nicht nur als optische Zierde verstanden werden will, sondern ziemlich handfest ist.

Für Waldorf-Verhältnisse ist das Design des Synths ziemlich schlicht, schwarz-silbern, und erinnert nicht nur wegen der riesigen Anzahl vorhandener Potis an die Arbeiten von Dieter Rams. Natürlich ist derlei immer Geschmackssache, mancher wird womöglich einwenden, dass das Aussehen des Quantum zu wenig aufregend ist für das Flagschiff aus dem Hause Waldorf, aber mir gefällt der Synth, der es trotz des dominierenden großen Displays schafft, sehr "classy" und nicht wie eine anonyme japanische Workstation auszusehen.

Anschlüsse

In Punkto Konnektivität überrascht das Gerät zunächst mit einem kleinen Poti auf der Rückseite, direkt neben dem Kopfhörerausgang. Ein ungewöhnliches Feature: Zusätzlich zur Hauptlautstärkeregelung kann hier der Kopfhörerverstärker noch einmal reguliert werden, so dass man auch unterschiedlich empfindliche Kopfhörer in einem vernünftigen Lautstärkebereich fahren kann. Sehr schön.

Neben den in 6,3 mm Klinke gehaltenen beiden Main Outs, bietet der Quantum weiterhin zwei Aux Outs. Auch das ist nicht alltäglich, und ein Feature, das ich an meinem Alesis Andromeda ebenfalls sehr schätze. Gleich höher schlägt das Herz beim Anblick der nächsten beiden Buchsen, die mit "Audio In" unterschrieben sind, dazu später mehr. Natürlich lassen sich ein Sustain- und ein Control-Pedal an den Synthesizer anschließen, und auch das übliche MIDI-Trio fehlt nicht.

Ungewöhnlich wiederum ist die Tatsache, dass nicht nur die heutzutage standardmäßige USB-Buchse (Typ B) zum Anschließen des Synths an einen Computer (oder ein iOS-Gerät) vorhanden ist, sondern auch eine Typ A-Buchse, mit deren Hilfe man einen USB-Controller mit dem Quantum verbinden kann. Dabei lassen sich die Regler des Controllers beliebig auf die Parameter des Quantum mappen, was mir so noch nicht begegnet ist. Abschließend bietet die Anschluss-Sektion auf der Rückseite noch einen SD-Card-Slot, in den man eine FAT-formatierte Karte steckt.

Schönes, aufgeräumtes Design

Obwohl der Waldorf Quantum über nicht weniger als 79 Potis und Encoder sowie etliche Taster verfügt, wartet er mit einem großzügig dimensionierten, gestochen scharfen Touch-Display auf. Das Zusammenspiel zwischen den physischen Bedienelementen und dem Display funktioniert dabei so, dass die per Poti kontrollierten Parameter natürlich im Display optisch dargestellt werden, jedoch auch in den meisten Fällen alleine, per Touch-Display verändert werden könnten, während es umgekehrt etliche Funktionen gibt, die man ausschließlich über die optischen Menüs erreicht. Das heißt, der Quantum ist auch weitgehend nur per Touch-Display bedienbar, aber selbstredend geht die Steuerung per Poti für die wesentlichen Parameter schneller und macht obendrein mehr Spaß.

Das Display ist umringt von sechs Encodern, über die sich die angezeigten Werte verändern lassen, während man per Taster oberhalb des Bildschirms mit LFOS, OSC 1, OSC 2, OSC 3, FILTERS, ENVELOPES, MOD und EFFECTS die Sektion auswählt, in der man arbeiten möchte. Leider sind diese Taster eine eher wackelige Angelegenheit, sie haben im Gehäuse zu viel Spiel, so dass sie sich bisweilen verdrehen und wie betrunkene Legosteine schief in der Reihe hängen – ein unnötiger Konstruktionsmangel, den Waldorf aber schon erkannt hat und beheben wird.

Eine recht erstaunliche Design-Entscheidung ist, dass unterhalb jedes Potis, von denen es, wie gesagt, nicht wenige gibt, eine eigene farbige LED leuchtet. Beim ersten Einschalten betrachtet man erstaunt diese leuchtende Farbenpracht, fragt sich aber vor allem, welchen Sinn das hat. Nun, zum einen schafft es über Farben eine ganz kluge optische Gliederung des Panels, denn den Potis einer Sektion ist jeweils die gleiche Farbe zugordnet, so dass zum Beispiel alle Filter-Potis respektive deren LEDs blau leuchten.

Praktisch: Man kann das Farbschema in einem entsprechenden Menü auch selbst erstellen, wenn man möchte. Darüber hinaus helfen die LEDs aber an einigen Stellen auch funktional. So leuchten LEDs nicht aktiver Parameter natürlich nicht, und insbesondere bei den Oszillatoren schaffen sie ein gutes optisches Feedback zum gewählten Funktionsmodus, indem je nach Wahl, alle LEDs der Oszillator-Potis inklusive der dazugehörigen Lautstärkeregler in der Mixer-Sektion die Farbe wechseln.

Tastatur und Spielhilfen

Das Spielen auf diesem Waldorf-Synth verschönert eine Fatar-Tastatur in gewohnt hoher Qualität. Als Spielhilfen stehen Pitch- und Mod-Wheel zur Verfügung, die in Metall gehalten sind. Sie erledigen ihren Job, versprühen aber eher den Charme eines Küchengeräts. Sehr gern gesehene Gäste sind die beiden Taster, mit deren Hilfe man die Tastatur bis zu zwei Oktaven rauf und runter transponieren kann. Drückt man die Taste "Perform" gelangt man zudem zu einem bildschirmfüllenden XY-Pad, das, ähnlich wie beim Moog Voyager, ebenfalls als Spielhilfe genutzt werden kann.

Innere Werte – die Oszillatoren

Die Architektur des Quantum ist erwartungsgemäß sehr komplex. Kernstück ist eine hybride Klangerzeugung, bestehend aus einer digitalen Oszillatorsektion und analogen Filtern, eine Kombination, mit der Waldorf seit dem Anfang der Firmengeschichte punktet. Hinzu gesellen sich nicht weniger als sechs LFOs, sechs Envelopes, eine Art hyperkomplexer LFO, eine digitale Filtersektion, fünf digitale Effektslots sowie ein Arpeggiator und ein Stepsequencer. Und um das Ganze abzurunden, tritt noch eine Modulationsmatrix hinzu, innerhalb derer ganze 40 Verknüpfungen zwischen Modulationsquellen und -zielen hergestellt werden können. In allen Bereichen warten zudem Überraschungen, aber dazu kommen wir im jeweiligen Kontext.

Grundstein der Klangerzeugung sind die drei Oszillatoren des Quantum. Das Wort Oszillator vermittelt in diesem Fall allerdings eine unzureichende Vorstellung davon, was diese Klangquellen vermögen. Sie können nämlich in vier verschiedenen Modi betrieben werden. Den Anfang macht – na klar – die Wavetable-Synthese. Ein Wavetable besteht aus einer Vielzahl von sogenannten Subtables, und diese bestehen aus jeweils einem Zyklus einer beliebigen Wellenform. Im einfachsten Fall wäre so ein Subtable dann z. B. eine Sinus-Wellenform, wie man sie von entsprechenden Illustrationen kennt.

Und diese Wellenform wird zyklisch durchlaufen, mit umso mehr Zyklen pro Sekunde, je höher der gespielte Ton ist. In diesem Beispiel entspräche des Ergebnis einfach einer digital erzeugten Sinuswelle. Die Dachluke öffnet sich bei der Wavetable-Synthese aber zum einen dadurch, dass die verwendeten Wellenformen beliebig sind (so kann man diese in diversen Softsynths auch selber einzeichnen), aber vor allem aufgrund der Tatsache, dass ein Wavetable aus beliebig vielen Subtables (sprich: Einzelwellenformen) bestehen kann, zwischen denen man bei angehaltenem Ton auf verschiedene Arten wechseln kann.

So sind von fein morphenden bis zu wild springenden Klangänderungen äußerst komplexe Verläufe möglich. Der Quantum liefert eine gewisse Zahl von Wavetables, aber man kann diese auch importieren oder sie erstellen, indem man Samples importiert, die dann vom Quantum in die Einzelwellenformen zerlegt werden. Hierfür bieten sich insbesondere Sounds an, die sich im Zeitverlauf möglichst stark verändern (wie ein Filtersweep etc.), so dass die Effekte des Morphings besonders gut hervortreten. Übrigens können die Übergänge zwischen zwei Subtables je nach Einstellung entweder ganz soft verlaufen oder, wie bei den ersten Wavetable-Synths, ohne Überblendung hart vonstatten gehen. Ein Highlight für mich ist aber eine ganz andere Art, an seine Wavetable zu kommen.

Diese versteckt sich hinter dem schlichten Menüpunkt "Talk", bei dem man aufgefordert wird, ein Wort oder eine Phrase einzutippen, welche dann von einer Computerstimme gesprochen, und in einen Wavetable konvertiert wird. Hammer! (siehe Audiobeispiel). Wobei man sagen muss, dass das nicht mit allen Wörtern gleich gut funktioniert. Natürlich lassen sich eigene Kreationen jederzeit abspeichern. Auch die Wavetables anderer Quantum-Benutzer lassen sich von SD-Card laden, und es ist möglich, die Wavetables von Waldorfs Softsynth Nave zu verwenden.

Hat man sich dann für einen Wavetable entschieden, lassen sich verschiedene Parameter einstellen, die bestimmen, in welcher Weise dieser "bespielt" wird. So kann man einen Subtable als Startpunkt wählen und festlegen, auf welche Art, wie weit und mit welcher Geschwindigkeit man zwischen den Einzelwellenformen wechselt. Dabei lässt sich das Tempo, wie praktisch alle zeitbezogenen Parameter des Quantum, mit der global eingestellten BPM synchronisieren und ein entsprechendes Teilungsverhältnis festlegen.

Audiobeispiel

Der zweite Betriebsmodus der Oszillatoren heißt schlicht "Waveform" und man bekommt genau, was man vermutet, nämlich einen Bereich, in dem die üblichen Wellenformen zu Hause sind: Sägezahn, Sinus, Dreieck, Rechteck sowie Pink und White Noise. Auf dem Panel gibt es übrigens für jeden Oszillator sieben Potis, mit denen alle wesentlichen Parameter eingestellt werden können. Sie ändern ihre Funktion je nachdem, welche Art von Klangerzeugung gewählt ist, so dass sich an den Potis Listen mit vier Einträgen befinden, für jeden Modus eine Bezeichnung.

Im Falle von Waveform, also unserem handelsüblichen virtuell-analogen Oszillatormodell, sind dies Shape (Wahl der Wellenform), Warp (kontinuierliche Veränderung der Wellenform, z. B. doppelter Sägezahn → regulärer Sägezahn → Rechteck, oder leicht ansteigender Sägezahn → Sinus → leicht fallender Sägezahn; je nach Wellenform), Sync (in frei einstellbarer Stärke) und natürlich Potis für die Stimmung in Halbtönen und „Fine“. Sehr interessant ist ein Parameter, der sowohl im Waveform- also auch im Particle-Modus, zu dem wir gleich kommen, zur Verfügung steht.

Er heißt "Count" und legt fest, wie viele virtuelle Oszillatoren mit der gewählten Wellenform produziert werden. Dies entspricht dem Unisono-Mode, den man von anderen Synthesizern kennt. Im Fall des Quantum kann dieser bis zu acht Oszillatoren übereinanderschichten, die sich zudem mit Hilfe eines Detune-Parameters gegeneinander verstimmen lassen. Amüsanterweise kann man bei der Anzahl auch mit Nachkommastellen hantieren, so dass bei einer Zahl von 4,5 der fünfte Oszillator-Klon mit halber Lautstärke hinzugemischt wird.

Der nächste Modus, der bei allen drei identischen Oszillator-Modulen angewählt werden kann, heißt "Particle". Wer sich überhaupt unter dieser Bezeichnung etwas vorstellen kann, denkt vermutlich zuerst an Granular-Synthese, was auch richtig geraten ist, allerdings nur die halbe Wahrheit bedeutet. Der Particle-Modus kann in der Tat per Granular-Synthese aufbauend auf beliebigen Samples sehr flexible Sounds generieren. Dabei greift sich der Algorithmus kleine Teilchen (Grains) aus dem Audio-Material heraus, um bis zu acht sogenannte Grain-Streams zu erzeugen, je einen pro gespieltem Ton. Anhand etlicher Parameter lässt sich bestimmen, wie diese Teilchen beschaffen sind – also Länge, Attack, Decay etc. –, aber auch ab welcher Position im Sample sie entnommen werden, über welchen Bereich des Samples, in welcher Weise sich die Engine über das Sample bewegt, um die Grains herauszupicken, etc.

Das Tolle an dieser Art der Klangerzeugung ist, dass eine Art Substanz oder Extrakt des ursprünglichen Klangs erhalten bleibt, man aber dennoch völlig andere Sounds erzeugen kann, als das Ursprungssample vermuten ließ. Wie in allen Modi der Oszillatoren lässt sich auch für Particle eine einmal eingestellte Struktur als Preset speichern. So kann man sehr leicht eine Bibliothek an selbstkreierten Klangerzeugern aufbauen, was spannend ist.

Die Granular-Synthese ist, wie angedeutet, nicht alles, was der Particle-Modus leistet, denn er kann die Samples auch ganz normal abspielen. Dabei bietet die Software eine erhebliche Funktionsfülle an. Im entsprechenden Menü können die Samples vorgehört, ausgewählt und geladen werden. Für jedes Sample lassen sich außerdem Tastatur- und Velocity-Bereiche einstellen, so dass man sie mappen und layern kann. Auch die Wahl möglicher Variationen à la Round-Robin ist möglich. 

Der vierte und letzte Modus Operandi für die Oszillatoren heißt "Resonator". Dieser basiert auf einem Konzept, das ursprünglich entwickelt wurde, um digital den Anschlag einer Saite nachzuahmen. Dabei wird ein kurzer Soundimpuls, normalerweise ein Rauschen, durch eine Bank aus mehreren resonierenden Bandpassfiltern geschickt. Nun lassen sich Flankensteilheit, Breite und auch die Verteilung dieser Bandpassfilter einstellen, was Einfluss auf den Charakter des Sounds hat. So theoretisch lässt sich schwer erfassen, was der Resonator leistet. Dem Ursprung dieser Technik entsprechend, erzeugt er vorwiegend metallische oder dem Anschlag einer Saite ähnliche Sounds, die durchaus einige Überschneidungen haben mit dem, was man von der FM-Synthese kennt.

Allerdings lässt sich beim Quantum die Sache zum einen dadurch komplexer gestalten, dass der Klangimpuls hier auch aus einem frei wählbaren (oder mehreren) Samples statt des üblichen Rauschens bestehen kann, und zum anderen, bietet der Synth so viele Modulationsmöglichkeiten an, dass sich auch mit dem Resonator äußerst lebendige, vielschichtige Klänge erzeugen lassen.

Die drei Oszillatoren lassen sich selbstverständlich über eine Mixer-Sektion – die man erst kurz sucht, weil sie genau auf der anderen Seite des Displays liegt – beliebig mischen. Außerdem können OSC 1 und 2 sowie 1 und 3 in einstellbarer Stärke über einen Ringmodulator verbunden werden, wobei die Signale multipliziert werden. Interessant ist die Option, den internen Signalfluss zu ändern. Das Audiosignal, das durch die Oszillatoren generiert wird, geht üblicherweise in die analoge Filtersektion, dann in eine "Digital Former" genannte digitale Filtersektion und danach in den Amp. Man kann aber pro Oszillator einstellen, dass er gleich in den Digital Former oder sogar unmittelbar in den VCA geht und dabei die Filter nicht durchläuft, was die Soundmöglichkeiten weiter diversifiziert.

Wichtiger Soundlieferant: Das analoge Filter

Ein weiteres Herzstück der Quantum-Klangerzeugung ist das analoge Filter, besser gesagt: Die Filter. Denn gleich zwei davon sind im Audio-Weg enthalten, die immer parallel arbeiten. Sie können in vier Modi betrieben werden, nämlich in 12db und 24db Filtergüte und beide Versionen wiederum in einer Variante, bei der das Signal leicht angezerrt wird. Auf dem Panel finden sich Cutoff- und Resonance-Potis, und zwar für beide Filter separat. Natürlich kann man Filter 2 komplett ausschalten, so dass man lediglich mit einem analogen Filter arbeitet.

Ist allerdings auch Filter 2 aktiv, so kann dieses unabhängig von Nummer 1 eingestellt werden. Der Quantum bietet aber auch die Möglichkeit, einige Modi zu wählen, die ein Verhältnis herstellen. So bestimmt die Einstellung "Twin Peaks" beispielsweise, dass Filter 2 zwar aktiv ist, die entsprechenden Parameter dafür aber keine Bedeutung haben, da die Grenzfrequenz in einem festen Abstand zu Filter 1 definiert ist.

So entsteht bei einer passenden Wahl für die Resonance eine Filterkurve mit zwei resonierenden Frequenzen. Natürlich kann Keytracking eingestellt werden, so dass sich die Cutoff-Frequenz in Abhängigkeit zur gespielten Tonhöhe verändert; und auch hier findet sich wiederum ein Zugriff auf das Routing des Audiosignals, indem sich bestimmen lässt, in welcher Reihenfolge analoges und digitales (Digital Former) Filter arbeiten, nämlich seriell oder parallel. Etwas überraschend ist eine Einstellung namens "Stereo Mode". Hierfür kann "neutral", "medium" oder "strong" gewählt werden, wodurch das Signal von mono bis ziemlich stereo-verbreitert das Filter verlässt. Da das analoge Filter immer ein mono-summiertes Ausgangssignal liefert, möchte Waldorf hier dem Nutzer die Möglichkeit geben, auch unabhängig von möglichen Effekten ein sattes Stereosignal zu produzieren.

Der Digital Former

Das digitale Filter, welches sich bei Waldorf "Digital Former" nennt, kommt äußerlich mit drei Potis für Amount, Color und Type recht schlicht daher, bietet aber einige interessante Klangformungsmöglichkeiten. Denn es offeriert tatsächlich nicht nur Filter-Emulationen, sondern auch eine Drive-Sektion, die in der Lage ist, diverse Arten von Verzerrung zu generieren (Transistor, Röhre, Pickup, Diode, Waveshaper). Auf ähnlichem Terrain wildert ein integrierter Bitcrusher.

Die auffälligste Gestalt unter den angebotenen Filtern ist ein Comb-Filter, das sehr spezielle Sounds erzeugt und insbesondere bei Sounddesign-Jobs gewinnbringend einzusetzen ist. Die übrigen Filter basieren auf jenen dreier Software-Synthesizer aus eigenem Hause, nämlich den Filtern des PPG Wave 3.V, des Largo und des Nave, wobei letzter auch aus Kompatibilitätsgründen hinzugenommen wurde, so dass Nave-Sounds auch auf dem Quantum gespielt werden können.

Unter diesen virtuellen Filtern finden sich nun neben Lowpass-Filtern auch Highpass-, Bandpass- und Notch-Varianten. Schaut man sich das Leistungsspektrum des Digital Former an, erscheint die Beschriftung der drei dazugehörigen Potis etwas eigenartig bzw. nicht für alle Wahlmöglichkeiten passend. "Amount" bezeichnet bei einem Distortion-Effekt natürlich die Stärke der Verzerrung, während es bei einem Filter für die Cutoff-Frequenz steht. "Color" meint im ersten Fall den Klangcharakter der Verzerrung, bezieht sich bei einem Filter aber auf die Resonance. Hier hätte man ruhig – wie auch bei den Oszillatoren – zu einer Mehrfachbeschriftung greifen sollen.

Unendliche Modulation

Eines der Sahnestücke des Waldorf Quantum ist zweifellos seine Modulationsabteilung. 40 Verknüpfungen können pro Patch in seiner Modulationsmatrix erstellt werden, und es mangelt wahrlich weder an Modulationsquellen noch an -zielen. Bei den Modulatoren machen ganz links auf dem Bedienpanel die LFOs den Anfang. Auf drei davon hat man mit jeweils drei Potis direkten Zugriff, drei weitere schlummern im Menü des Touch-Displays. Die LFOs können die Wellenformen Sinus, Dreieck, Rechteck, Sägezahn aufwärts, Sägezahn abwärts und Samle & Hold erzeugen, wobei auch hier, wie bei den Oszillatoren, ein Warp-Parameter vorhanden ist, der die Wellenformen verbiegen kann.

Auch Slew-Rate und die Phase können eingestellt werden, womit man sich wiederum weiter von der Standardform wegbewegt. Interessant finde ich die Möglichkeit, nicht nur eine Delay-Zeit einzustellen, nach der ein getriggerter LFO losläuft, sondern auch Werte für Attack und Decay. So kann eine Modulation sanft ein- und/oder ausgeblendet werden. Apropos loslaufen: Für die LFOs gibt es nicht nur einen "globalen" Modus, bei dem ein LFO für alle Stimmen synchronisiert läuft, sondern auch die Betriebsart "poly", in der jede Note einen eigenen LFO triggert.

Mit den sechs LFOs gibt sich Waldorf aber keineswegs zufrieden, sondern hat sich ein besonderes Biest ausgedacht, das auf den Namen "Komplex Modulator" hört. Darunter kann man sich eine Art superkomplexen LFO vorstellen. Wie mächtig er ist, lässt sich alleine daran ablesen, dass man gleich sechs Potis erhält, um ihn zu steuern. Grundsätzlich baut sich das generierte Signal aus zwei Einzelsignalen zusammen, die in beliebigem Verhältnis kombiniert werden können.

Bei diesen beiden Einzelkurven kann man verschiedene Vorlagen wählen, darunter spannenderweise auch eine Variante mit Stepsequencer-artigen Wertesprüngen, oder man zeichnet die Kurve gleich selber über das Touchdisplay ein. Hierfür lassen sich zwei bis 32 Ankerpunkte wählen. Es ist nicht ganz trivial zu beschreiben, welche Einstellmöglichkeiten man genau hat. Aber ich glaube, es genügt zu sagen, dass im Komplex Modulator durch die Kombination zweier fast beliebig gestaltbarer Wellenformen, eine hochkomplexe Superwellenform entstehen kann. Natürlich ist der Modulator, wie im Übrigen die LFOs, in verschiedensten Teilungsverhältnissen zu einem globalen Tempo synchronisierbar. 

Nicht fehlen auf der Modulationsspeisekarte dürfen natürlich die Hüllkurven, von denen drei (für Filter 1, Filter 2 und Amp) direkt mit Potis editierbar sind und weitere drei im Menü frei zugeordnet werden können. Wie zu erwarten, hat man es nicht mit einfachen ADSR-Kurven bewenden lassen, sondern macht auch hier praktisch alles möglich, was man von einer Envelope verlangen kann. So lässt sich das Einsetzen der Attack-Phase mit einem Delay-Parameter verzögern, die Kurve kann auf verschiedene Arten im Loop durchlaufen werden, und ein Parameter mit dem unschuldigen Namen "EnvelopeVar" sorgt dafür, dass Attack und Decay immer stärker vom eingestellten Wert differieren, je höher der Wert. Dies soll das Verhalten analoger Envelopes simulieren.

In der großen Modulationsmatrix können nun die Verbindungen zwischen Modulationsquellen und -zielen hergestellt werden. Dies lässt sich per Display und Datenpotis machen, wobei das bisweilen etwas mühselig sein kann. Aus diesem Grund hat sich Waldorf eine ganz gute Abkürzung überlegt.

Drückt man die "Mod"-Taste unterhalb des Display, kann man zuerst den zu modulierenden Parameter per Poti anwählen und dann an der gewünschten Modulationsquelle, z. B. einem LFO, schrauben. Dann muss nur noch die Modulationsstärke gewählt werden, und die Modulation ist eingerichtet. Außer der direkten Beziehung zwischen Modulator und Zielparameter bietet der Quantum auch die Möglichkeit, einen sogenannten Controller einzubauen.

Dies ist eine weitere Modulationsquelle, die die eigentliche Quelle moduliert. Ein bekanntes Beispiel hierfür wäre, dass man mit der Verbindung LFO →Tonhöhe Osc ein Vibrato herstellt, dessen Stärke über das Modwheel bestimmt wird. In diesem Fall wäre das Modwheel der Controller. Während allerdings diese Kombination sehr gängig ist, kann man beim Quantum alle möglichen Quellen zu Controllern machen.

Arpeggiator und Stepsequenzer

Selbstverständlich verfügt der neue Waldorf-Synth auch über einen Arpeggiator und einen Stepsequenzer. Ich erlaube mir, zum Arpeggiator nur zu sagen, dass er über alle üblichen Möglichkeiten verfügt, die man von ihm erwartet. Spannender ist der Sequenzer, welcher bis zu 32 Steps haben kann und auf nicht weniger als sieben Spuren sendet. Die ersten drei enthalten die Informationen zur Tonhöhe, Tonlänge und Anschlagsstärke, während die übrigen vier Parameter frei zur Modulation genutzt werden können. Das ist schon eine ganze Menge!

Die Anzahl der Steps ist im Bereich 1- 32 beliebig einstellbar, und die Werte der Steps können per Poti eingegeben oder mit dem Finger eingezeichnet werden. Natürlich kann der Sequenzer einstellbar swingen und die Abfolge der Werte kann vorwärts, rückwärts oder hin und zurück im Loop oder auch nur einmal durchlaufen werden. Bei der Tonhöhe lassen die Werte auch quantisieren, das heißt, es kann eine von etlichen Skalen gewählt werden, zu der die Töne dann passend gemacht werden. Wie auch an anderen Stellen, können die Arpeggiator- oder Sequenzer-Einstellungen als Presets gespeichert und somit auch in anderen Patches leicht aufgerufen werden.

Effekte

Bevor nun das Audio-Signal den Quantum verlässt, bestehen noch weitere Möglichkeiten zur Klangveredelung. Ganze sechs Effektslots stehen bereit, um in Serie eine Auswahl an Effekten aufzunehmen. Hier hat man mit Chorus, Flanger, Phaser, Reverb, Delay, Drive, Kompressor und EQ die Auswahl aus allem, was man grundlegend braucht, wobei leider jeder Effekt nur einmal verwendet werden kann. Alle einstellbaren Parameter sind natürlich modulierbar, womit sich erneut etliche Kreativoptionen ergeben.

Ganz am Ende der Signalkette wartet ein patch-unabhängiger Kompressor, der mit nur einem dedizierten Poti gleich neben dem Lautstärkeregler eingestellt wird, wobei sich vermutlich gleichzeitig Threshold und Ratio ändern. Leider ist dies nicht gain-kompensiert, so dass das Signal deutlich lauter wird, je weiter man aufdreht. Ich muss gestehen, dass ich diese Design-Entscheidung nicht verstehe, da man ja am Master-Volume lauter drehen kann, wenn man es lauter haben möchte, während der Kompressor doch eigentlich Signalspitzen einebnen und den Sound kompakter (nicht absolut gesehen lauter) machen soll.

Soundverwaltung

Die vielen möglichen Sounds wollen natürlich alle verwaltet werden. Dazu bietet der Quantum ein Menü, das die Sounds nicht nur unter einem von 10.000 Plätzen ablegen kann, sondern auch eine Soundverwaltung bereitstellt, wie man sie von einigen Software-Synthies kennt. Es können nicht nur frei benennbare Soundbänke angelegt werden, sondern jedem Patch lassen sich auch bis zu vier Attribute zuordnen. So fällt das Auffinden in dieser Fülle von Patches später etwas leichter.

Noch handlicher wird dies allerdings durch das Menü "Favorites", in dem sechs Sets à 16 Patches angelegt werden können. Hat man dies getan, lassen sich die Sounds mit Hilfe von beschrifteten Buttons auf dem Touchscreen schnell aufrufen. Klugerweise verfügt dieses Favoriten-Menü über eine eigene Taste unterhalb des Bildschirms, so dass man sehr schnell dorthin gelangt. Ein Patch des Quantum kann übrigens zwei Layer enthalten, die übereinander geschichtet oder gesplittet gespielt werden können. Und es lässt sich auch ein Patch in nur einen Layer eines anderen Patches laden. Da es allerdings keine Unterscheidung bei den Programmen gibt (z. B. eine Einteilung in Patches und Performances), ist das mitunter etwas verwirrend.

Globale Einstellungen und mehr

Runden wir unsere Tour durch die bunte Welt der Quantum-Möglichkeiten mit dem nüchternen "Global"-Menü ab, welches allerdings ein unerwartetes Schmankerl enthält. Erwartungsgemäß können hier diverse Grundparameter eingestellt werden, wie das allgemeine Tuning, unterschiedliche Stimmskalen, MIDI- und Sync-Optionen etc. Zudem gibt es mit "Scope" ein Analyse-Tool, welches den Output verschiedener Elemente der Signalkette als scrollende Wellenform oder im Frequenzspektrum darstellt.

Das Tab "System" gibt Aufschluss über die installierte Software und bietet auch die Möglichkeit, diese upzudaten, wenn das entsprechende File auf einer eingelegten SD-Card vorhanden ist. Zudem kann man sehen, wieviel Platz des sechs Gigabyte großen Flash-Speichers mit Samples belegt ist. Waldorf selbst gibt den Speicherplatz mit vier Gigabyte an, vielleicht hat man hier schon nachgebessert.

Das angesprochene Bonbon aber verbirgt sich hinter der unscheinbaren Bezeichnung "Audio". Hier lassen sich nämlich eigene Samples aufnehmen, und zwar nicht nur mit Hilfe des Audio-Inputs, sondern auch, indem das Signal gesampelt wird, das am Haupt- oder Aux-Ausgang anliegt. Das heißt, man kann seine eigenen Soundkreationen relativ leicht re-samplen kann, was ich für eine tolle Idee halte. Wenn man diese Möglichkeit voll ausschöpft, multiplizieren sich damit die ohnehin schon überbordenden Kreativoptionen.

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