Hersteller_Roland
Feature
3
17.01.2017

Vintage Synth: Roland PROMARS Compuphonic MRS-2

Monophoner Vintage Synthesizer mit Dual VCO

Die Neuauflage als Plug-out Synthesizer für das Roland Aira System-1 hat das Interesse am analogen Roland Promars MRS-2 wiederaufleben lassen. Im Original ist dieser Vintage-Synthesizer von 1978 eher selten anzutreffen. Aber nicht nur seine nahe optische, sondern auch seine technische Verwandtschaft zum legendären Jupiter-4 versprechen theoretisch Großes.

Promars und Jupiter-4 kamen zu einer Zeit auf den Markt, als Speicherplätze für Presets noch ein absoluter Luxus waren. Möglich machte das der brandneue Intel 8084 Mikroprozessor – der damit allerdings anscheinend auch schon ziemlich ausgelastet war: Einmal abgespeichert, ließen sich die Presets nämlich nicht mehr verändern. Und die Abtastungsauflösung der Parameter war auf 64 Schritte begrenzt – was natürlich das Gegenteil von „HD“ ist. Vintage, Baby!

Details

Der Promars MRS-2 ist ein klassisch aufgebauter, monophoner, analoger Synthesizer mit zwei VCOs, einem resonanzfähigen VCF-LowPass-Filter mit eigener ADSR-Hüllkurve, zusätzlichem Hochpassfilter und einer VCA-Amplifiersektion mit den üblichen ADSR-Hüllkurvenparametern. Im Gegensatz zu den digital kontrollierten DCOs späterer Roland-Hits wie den Junos schwebt es beim Promars noch richtig ordentlich analog, was natürlich auch eine weniger genaue Stimmung mit sich bringt. „Digitalkomfort“ bieten, wenn überhaupt, die acht Speicherplätze und zehn heute eher niedlich klingende Werkspresets. Nicht zu vergessen: Der Promars hat einen deutlich besser ausgestatteten LFO als die kleineren SH-09, SH-2 oder der SH-101! Was so toll daran ist? Dieser LFO geht von ultralangsam bis in den Hörbereich einzustellen! Doch der Reihe nach.

LFO, Delay und Bend

Beim Promars stehen nicht nur die sonst oft üblichen zwei, sondern vier Wellenformen zur Verfügung (Sinus, Rechteck, Sägezahn, Sägezahn fallend). Mit den links vom LFO liegenden Reglern Delay Time und LFO Bend (nebst „Narrow“ und „Wide“ Rangeschalter) lässt sich aus diesem LFO Erstaunliches herausholen. Der Regelbereich geht laut Servicemanual von 0,1Hz bis über 80Hz. Es lassen sich damit VCO, Filter oder VCA modulieren und richtig kranke Sounds erzeugen: Von der klassischen Laserattacke bis hin zu metallischen FM- bzw. AM-artigen Klängen. Der LFO erweitert das Spektrum dieses Synthesizers erheblich. Leider fehlt aber Sample & Hold. Delay- und Bendeinstellungen werden übrigens wie auch die Einstellungen des zweiten VCOs leider nicht in den Presets abgespeichert. Im Folgenden die LFO-Wellenformen, dann Beispiele für Normal- und Wide-Range-Einstellungen. Als letztes ein Klang mit extremem LFO-Setting:

Oszillatoren: Dual VCO Lite

Beim Promars gibt es vor allem in der VCO-Sektion ein paar kontroverse Designentscheidungen. Wie schon erwähnt, war der verwendete Mikroprozessor mit der Verwaltung der 8 Speicherplätze wohl schon vollauf beschäftigt. Es gab wohl keinen Platz mehr, um Einstellungen des zweiten Oszillators abzuspeichern. Also machte man kurzerhand einen „Slave“ daraus. Sprich: Alle Einstellungen bis hin zur Fußlage sind identisch. Nur die Stimmung lässt sich über ein oberhalb der Tastatur angebrachtes Bedienfeld regeln – das aber völlig frei und mit einem Umfang von mehr als einer Oktave in beide Richtungen. Das ist zwar ein bisschen fummelig, aber immerhin hat man ja per Schalter zwei „Presets“. In der Mittelstellung ist der zweite Oszillator abgeschaltet.

Das Dual VCO Bedienfeld regelt also immer beide Oszillatoren. Zur Verfügung stehen Fußlagen von 4", 8" und 16" sowie zusätzlich ein Oktavshift per „Oktave Down“ Schalter links neben der Tastatur. Ein zuschaltbarer Suboszillator mit Rechteckwelle liegt fest eine Oktave darunter. Es folgen ein Pitchmodulationsfader sowie die Schaltung für manuelle oder LFO-Modulation. An Wellenformen stehen Sägezahn, Rechteck und Pulswelle zur Verfügung. Die Breite der Pulswelle ist über den links neben dem Wellenformparameter befindlichen Schalter in vier Stufen (50%, 40%, 20%, 10%) einstellbar.

Einen Mischer wie in den Oszillatorsektionen der SH-Synths vermisst man schmerzlich: Selbst das weiße Rauschen in der Noise-Sektion lässt sich nur an- oder abschalten. Am Anfang dachte ich auch: „Oh, warum nur...“ Aber unterm Strich klingt der Oszillator sehr gut und liefert den typischen Sound der alten Roland Analogsynths – mit diesem durch die Einschränkungen verursachten Twist. Mit aktivem Suboszillator, VCO 2 als Quinte dazwischen gestimmt und VCO 1 oben drüber wird es ordentlich fett. Freude kommt auch auf, wenn man die Pulswelle moduliert und VCO 2 auf die Fußlage des Suboszillators stimmt. Hier die Rohwellenformen mit offenem Filter, am Ende PWM mit Oktave und Suboszillator:

VCF Filtersektion: Ebenfalls dual!

Es gibt ein resonanzfähiges 24 dB Tiefpassfilter (20 Hz – 20 kHz) und zusätzlich ein Hochpassfilter (40Hz – 5 kHz). Die anderen Roland-Monosynths aus dieser Epoche mussten sich (bis auf den SH-1) nur mit einem Tiefpassfilter begnügen. Demgegenüber bietet der Promars also mehr Möglichkeiten den Klang zu feilen. An Regelmöglichkeiten stehen je ein Fader für HPF Cutoff, LPF Cutoff und Resonanz zur Verfügung. Keyboard Follow ist nur als Schalter ausgeführt, aber immerhin mit vier Stellungen versehen. Es folgen Fader für LFO- und Envelope-Modulation, ein Schalter für die Filterpolarität und ein eigener ADSR-Envelope für die Filtersektion.

Im ersten Beispiel hört ihr einen vom VCF-Envelope gesteuerten Filtersweep: schön glatt und analog, wie man es erwartet. Im zweiten Beispiel habe ich den Cutoff manuell bewegt – hört ihr das steppen? Verantwortlich ist vermutlich die geringe 8-Bit-Auflösung des Compuphonic-Prozessors, von denen zwei Bit für die Schalter und sechs Bit für die Reglerabtastung genutzt werden: Da bleiben nur 64 Schritte pro Fader. Das hatten wir übrigens auch im Test der AIRA Plugout-Version festgestellt: Roland hat anscheinend das Verhalten der Originalversion per ACB-Modeling präzise in Software nachgebildet. Das nennt man wohl Detailverliebtheit.

VCA Amplifier

Alles wie immer, möchte man sagen: Regler für Attack, Decay, Sustain und Release. Dazu kommt ein Levelregler nebst Overload-LED. Der Ausgangspegel wird ganz links neben der Tastatur oberhalb der Spielhilfen am Volumeregler eingestellt. Die Envelopes sind sehr schnell – es lassen sich also gut perkussive Sounds einstellen. Im Vergleich zum Plug-out (siehe weiter unten) fiel mir auf, dass die Decayzeiten sogar noch etwas länger einzustellen gehen. Laut Servicemanual sind die Regelbereiche der Envelopes: Attack Time (0.6 ms – 3sec), Decay Time (14 ms – 10sec), Sustain Level (0-100%), Release Time 14ms – 10 sec). 

Spielhilfen

Genau wie beim Jupiter-4 finden sich hier Bend- und LFO-Intensitätsregler, die über eine Schaltmatrix aus drei Kippschaltern separat an VCO, VCF und VCA geschickt werden können – aber jeweils immer nur alternativ. Über den Roland-typischen Bender wird die Modulation dann hörbar gemacht. Rechts daneben lässt sich Portamento in der Geschwindigkeit einstellen oder ganz abschalten. Die Oktavlage der Tastatur ist per Kippschalter um eine Oktave nach unten verschiebbar, das wirkt sich auch aus, wenn man den Synth von außen über CV/GATE steuert. Oberhalb dieser Sektion befinden sich der Volumeregler und „Brilliance“: Ein sehr effektiver Regler mit Mittenrastung, der Sounds auf die Schnelle heller oder dunkler regeln kann. Diese Einstellung wird nicht mit abgespeichert – what you see is what you get! Hier findet sich auch eine Hold-Taste.

Presets und Compu-Memory

Außer acht Speicherplätzen für eigene Klänge finden sich beim Promars zehn feste Werkspresets, die übrigens mit Ausnahme des letzten in Benennung und Reihenfolge identisch zu denen des Jupiter-4 sind. Bei diesen Klängen fühlt man sich in die späten 70er Jahre auf eine Tanzveranstaltung im Landgasthof versetzt. Die Sounds mögen ihren eigenen Charme haben – bis auf Bass und Voice habe ich sie aber noch nie einsetzen können.

Ein gravierender Nachteil beim Promars und beim Jupiter-4 ist, dass sowohl Presets als auch eigene abgespeicherte Sounds nicht mehr veränderbar sind. Das heißt: Wenn ihr einen gespeicherten Sound aufruft und am Filter oder irgendeinem anderen Knopf dreht, passiert... nichts! Ausnahmen sind nur die nicht speicherbaren Parameter: VCO2 Tuning, LFO-Einstellungen und der „Brilliance“-Regler. Der ist übrigens wirklich brillant und kann Klänge mit einem Dreh nach links oder rechts erheblich verändern.

Das Abspeichern der Sounds erfolgt über das gleichzeitige Drücken der beiden roten Taster und dann Drücken der gewünschten Speicherposition – also 3-Finger-Kralle! Im Inneren sorgt ein NiCD-Akku als Spannungsversorgung für den Speicher. Den sollte man nach über 30 Jahren unbedingt ersetzen (lassen), falls noch nicht geschehen. In meinem Promars ist die Batterie wohl mal ausgelaufen und deshalb bereits ausgebaut gewesen. Glücklicherweise wurde nichts beschädigt. Mit wenig Aufwand lässt sich das System auch auf heute handelsübliche Backupbatterien umstellen, die alten Akkus werden nicht mehr hergestellt.

Im Folgenden hört ihr die 10 Presetklänge. „Synth 2“ ist völlig unbrauchbar, keine Ahnung, was das sein soll. Erst hört ihr sie in der Grundstellung, dann mit hinzugefügter Brilliance. Bei den Strings habe ich in der Wiederholung auch den zweiten Oszillator zugeschaltet, bei Voice und Trumpet ging es einfach nicht ohne Hall (die trockene Variante folgt in der Wiederholung):

Anschlüsse

Die Rückseite des Promars bietet neben CV und GATE Eingängen und Ausgängen einen Eingang um den Bender zu steuern sowie je einen Kopfhörer- und Lineausgang mit drei Pegelstufen. Die Control Voltage Spannung beträgt 1V / Oktave, das Gate hat + 10V. Der Promars lässt sich mit vielen handelsüblichen CV/MIDI-Interfaces betreiben: Ob von Kenton, Doepfer, Arturia oder mit dem Korg SQ-1. Eingänge für Filter CV, externes Audio oder LFO-Clock gibt es leider nicht.

Praxis

Einen Eindruck des Sounds dieses Synthesizers solltet ihr ja schon bekommen haben: Typisch Roland analog, eher sauber als schmutzig und eher elegant als eckig. Allerdings ermöglichen der LFO und das Übersteuern des VCA-Outputs auch Experimentelles. Wie beim Juno-60 klingt fast jede Einstellung eigentlich immer gut (wobei ich den Juno vom Grundsound rauer und brachialer finde).

In der Bedienung ist der Promars schnell zu erfassen – ein gutmütiger Klassiker. Seine Stimmstabilität ist aufgrund der VCO-Technologie nicht zu vergleichen mit der späterer DCO-Synths von Roland. Ich hatte meinen Promars zum Abgleichen extra nochmal zum Service geschleppt (14 kg!), damit eine Oktave auch wirklich eine Oktave ist. Dann klingt er aber auch sahnig, rund und warm. Anders als bei den analogen Roland-Synths ohne Presets wird das Signal nicht direkt durch die Fader geführt, der Computer tastest die Einstellungen ab und gibt die zurückgewandelten Werte dann an die analogen Schaltungen zurück. Vorteil: Da knistert dann auch Nichts beim Einstellen. Nachteil: Ihr hört während des Bewegens das „Steppen“!

Plugout und Promars: Wie schlägt sich das System-1 im Vergleich zum Original?

Zum Roland Promars Plug-out Synthesizer haben wir bereits einen ausführlichen Test veröffentlicht. Da der Promars eher selten ist, konnten wir dabei seinerzeit leider keinen direkten AB-Vergleich vornehmen. Das hole ich im Rahmen dieses Artikels nun nach. Dabei habe ich mich auf die für mich relevanten Aspekte konzentriert: Ob ein Envelope oder Filter vielleicht etwas in den Einstellungen abweicht, oder ob das Filter in der 7. Oktave beim unangenehm Kreischen mein Gehör auf andere Weise zerstört, ist mir eigentlich egal. Mich interessiert eher, ob der Sound für den Alltagsgebrauch stimmt. Ich habe also auf dem Promars ein paar Bässe, Sequencerlines etc. eingestellt, und versucht sie auf dem SYSTEM-1 möglichst genau so hinzubekommen. Um es kurz zu machen: Das geht verdammt nah in Richtung Original! Ich habe übrigens auch versucht, die ersten drei Soundbeispiele aus dem Plug-out-Test nachzubauen – ihr findet sie im Hauptplayer dieses Artikels. Im Vergleich kann man dem neuen SYSTEM-1 vielleicht eine Idee (!) weniger klangliche Tiefe und mehr „Stabilität“ nachsagen. Aber sowohl einzeln, als auch im Playback klingt der Neue verdammt gut – und ist natürlich weitaus flexibler. Im Folgenden ein paar direkte A/B-Vergleiche:

Fazit

Wer einen analogen Synthesizer mit klassischem Roland-Sound sucht, findet in dem Promars einen guten Vertreter. Besonders der LFO und die schnellen Hüllkurven sind Highlights. Nachteile sind die Einschränkungen beim zweiten Oszillator und etwas Rauschen und Nebengeräusche – was ich einem über 35 Jahre alten Instrument aber nicht anlasten möchte. Die ungewöhnlichen Designentscheidungen finde ich eher reizvoll – die dadurch bedingten Einschränkungen führen zu anderen Sounds. Am Störendsten ist die Tatsache, dass die Presets nach der Speicherung nicht mehr editierbar sind. Da gibt es aber Abhilfe: Es gibt ein MIDI und Patch Upgrade für den Jupiter-4, das aufgrund der Familienverwandschaft auch mit dem Promars kompatibel ist. Damit bekommt man 64 statt 8 Patches und alle Sounds (selbst die Presets) lassen sich dann auch nachträglich editieren. Das Upgrade heißt „IO“ und wurde von Kővári László aus Ungarn entwickelt. Man kann die MIDI- und Patch-Upgrades einzeln kaufen, meinem Promars habe ich letzteres zukommen lassen. Denn für einen Monosynth reicht mir CV/Gate zur Steuerung. Man tauscht einfach den Prozessor aus (der bei vielen Promars gesockelt ist), fertig! Einzig beim Abspeichern der Sounds hakt es jetzt etwas. Da muss ich nochmal nachfragen: Es funktioniert nicht immer, man muss dann mehrfach den Speichervorgang versuchen.

Der Gebrauchtpreis des Promars zieht stark an – ich habe bereits welche für 1.500 EUR und mehr auf E-Bay gesehen. Ähnliches ist ja schon mit dem Jupiter-4 passiert, der jetzt gern mal 2.500 EUR kostet (ganz ehrlich: zuviel!). Wenn man also nur den Sound möchte, würde ich heute eher zum SYSTEM-1 mit dem sehr gelungenen Promars Plug-out raten. Inzwischen liefert Roland auch eine schicke Overlay Karte mit, die das Promars-Feeling noch verstärkt.

  • PRO
  • Zwei Oszillatoren, LPF und HPF Filter
  • LFO mit Range bis in den Hörbereich
  • Sehr schnelle Hüllkurven
  • 10 Presets und 8 Speicherplätze
  • CONTRA
  • Presets nach Speicherung nicht mehr veränderbar
  • Geringe Auflösung der Parameter (steppen)
  • Gebrauchtpreis inzwischen oft nicht mehr angemessen
  • Keine Eingänge für extern Audio, Filter CV und LFO-Clock

Verwandte Artikel

John Mayer vs. Joe Bonamassa

John Mayer und Joe Bonamassa gehören zur jüngeren Generation der Blues Guitar Heroes. Rick Beato vergleicht in einem Video die Styles von beiden Gitarristen.

User Kommentare