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16.02.2016

Sound – so klingt der Roland Juno-60

Dass der Juno-60 ein außergewöhnlich gelungener Synthesizer ist, darüber herrscht in der Fachwelt weitgehende Einigkeit. Auf die Frage, warum das so ist, gibt es jedoch so viele Antworten wie Fans. Für mich persönlich ist es die Kombination aus der klaren, einfachen Struktur mit minimaler Verzettelungsgefahr und einem dennoch vielseitigen und charakterstarken Sound. Für mein Empfinden hat der Juno eine besondere Art von Musikalität – er glänzt nicht mit umfangreichen Features und komplexen Modulationen, aber seine Sounds passen immer und fügen sich überall nahtlos ein, wie eine Art musikalischer Lieblingspullover. Besondere Stärken sind die berühmten Pads und Strings, die auch mit einem Oszillator weniger durchaus wie ein Jupiter klingen können und natürlich in erheblichem Maße vom integrierten Chorus profitieren, und orgelähnliche Sounds. Aber die Hüllkurven des Juno sind auch schnell genug für so manchen knackigen Bass und perkussive Sounds, und wer die Pulsbreitenmodulation, den Suboszillator und den Chorus kombiniert, erhält breite, wabernde Bassmonster, die gerade heute wieder von bemerkenswerter Aktualität sind. Das Filter klingt warm und fett, oszilliert bei viel Resonanz mühelos von allein und eignet sich in Verbindung mit dem Rauschgenerator vorzüglich für resonante Sweep-FX, eine weitere Stärke des Synthesizers. Lead-Sounds gehören hingegen nicht unbedingt zu den Kernkompetenzen des Synthesizers. Für ausdrucksstarke Leads fehlt dem Juno beispielsweise eine Portamento- und Legato-Funktion und gegenüber Monophonen mit zwei bis drei Oszillatoren, Sync und FM zieht er klar den Kürzeren. Aber für die eine oder andere Melodielinie ist er trotzdem immer gut!

Dem Arpeggiator fehlt im Vergleich zum Jupiter-8 die Random-Funktion, was mehr als schade ist. Hier stehen nur die drei üblichen Modi UP, DOWN und UP&DOWN zur Verfügung. Dennoch ist der Arpeggiator ein schönes Feature, das heute wieder aktueller denn je ist. Mit dem externen Trigger-Input kann man den Arpeggiator zu externen Impulsen synchronisieren. In Zeiten, in denen viele analoge Synthesizer und Drummachines wieder CV/Gate Ein- und Ausgänge oder gleich komplexe Steckfelder haben, sind hier die Möglichkeiten auch ohne MIDI wieder sehr vielseitig.  

Die Schönheit des Juno liegt, wie ich finde, ganz klar in der Einfachheit. Er kann beileibe nicht alles, aber was er kann, das kann er richtig gut und man hat es in Nullkommanichts zurecht geschraubt. Deshalb sind in meinen Augen auch die fehlenden Speicherplätze des Vorgängers Juno-6 kein Beinbruch – wer die Möglichkeit hat, statt eines Juno-60 einen Juno-6 zu einem guten Preis zu erstehen, kann hier ebenso bedenkenlos zugreifen, denn kaum ein anderer Synthesizer ist so schnell und spontan zu programmieren. Durch den fehlenden zweiten Oszillator sind die Möglichkeiten gegenüber einem Jupiter natürlich eingeschränkt. Für mein Empfinden ist das aber in vielen Fällen nicht nur nicht weiter tragisch, sondern manchmal sogar vorteilhaft: Man kommt beim Juno niemals in Versuchung, unnötig komplexe Sounds zu kreieren, die sich später im Mix womöglich nur schwer einbetten lassen. Effektheischerei ist dem Juno fremd – er ist ganz einfach ein solider Teamplayer, der in ganz vielen Fällen ohne viel Sucherei genau den Sound liefert, den ein Track braucht, und mit viel Wärme und unaufdringlichem Charme zum Gesamtsound beiträgt.

Übrigens verfügt der Juno-60 – anders, als oft angenommen wird – über einen Unison-Modus, der alle sechs Oszillatoren monophon zusammenschaltet. Dieser ist allerdings „versteckt“ und nur über Umwege zu erreichen: Man muss beim Einschalten des Synthesizers den Button KEY TRANSPOSE gedrückt halten und den Synthesizer damit in einen Testmodus versetzen, der eigentlich zur Fehlersuche dient. Wenn man dann den Schalter ARPEGGIO MODE auf UP stellt, werden alle sechs Stimmen der zuletzt gespielten Note zugewiesen, der Synth ist im Unison Mode. Wegen der sehr stimmstabilen DCOs ist der Unison aber weniger eindrucksvoll als bei VCO-basierten Synthesizern wie etwa dem Jupiter-8 oder dem Polysix. Für mein Empfinden wird der Sound hauptsächlich etwas lauter und nasaler, aber nicht wirklich fetter.

Vintage-Alternativen

Bei der Frage nach Alternativen kommt natürlich zuallererst der bereits erwähnte Konkurrent Korg Polysix in den Sinn, der sich noch besser verkaufte als der Juno-60. Die Features sind im Wesentlichen vergleichbar, mit dem nicht ganz unwichtigen Unterschied, dass der Polysix VCOs statt DCOs besitzt. Dafür fehlt ihm der Stereo-Chorus. Außerdem ist der Polysix im Rückblick etwas anfälliger: Die Speicherbatterie ist nicht besonders geschickt platziert und kann auslaufen und die Elektronik zerstören, und auch das Gehäuse sieht bei vielen Polysix nach über 30 Jahren nicht mehr so schön aus wie bei den meisten Junos. Bei der Anschaffung ist also Vorsicht geboten, während die meisten Junos auch heute noch einwandfrei funktionieren und oft auch noch ganz gut aussehen.

Der ältere Roland Jupiter-4 bietet gegenüber dem Juno den Vorteil einer zweiten Hüllkurve, allerdings muss man dafür auf zwei Stimmen und die Speicherplätze verzichten und sich mit allerhand Tuning-Problemen herumschlagen. Wer bereit ist, etwas mehr Geld in die Hand zu nehmen, kann natürlich zu einem Jupiter-6 oder Jupiter-8 greifen, die beide mit je zwei VCOs pro Stimme und mehr Modulationsmöglichkeiten auftrumpfen und unter dem Strich zweifellos die deutlich potenteren Synthesizer sind. Beide gehören allerdings zum illustren Kreis jener Analogsynthesizer, für die heute besonders astronomische Preise aufgerufen werden, und man muss großes Glück haben, um ein erschwingliches und gleichzeitig gut erhaltenes Exemplar zu ergattern.

Moderne Alternativen

Die beste und beliebteste Software-Emulation des Juno-60 ist der TAL U-NO-LX und sein kostenloser Vorgänger U-NO-62. Letzterer galt lange Zeit als einer der „Must-have“-Freeware-Synthesizer, wird aber mittlerweile nicht mehr weiterentwickelt und erschien nie in einer 64-bit-Version für OS X. TALs Emulation des Juno-Chorus ist als Freeware TAL-CHORUS-LX auch einzeln erhältlich, sodass man ihn auf beliebigen Signalen einsetzen kann. Die TAL-Emulationen klingen sehr gut und treffen den Charakter des Juno-60 ziemlich genau. Zu einer wirklich authentischen Wiedergabe des Analogsounds fehlt im direkten Vergleich aber doch noch ein Stück.

Im Zuge der derzeitigen Retro-Welle hatten viele gehofft, dass Roland einen neuen, analogen Juno herausbringen würde. Dazu ist es (noch) nicht gekommen, aber der Boutique JU-06 emuliert den Klassiker mit Hilfe Rolands anerkannter ACB-Technologie auf virtuell-analogem Wege (allerdings stand hier ein Juno-106 Pate). Der JU-06 ist derzeit wohl die authentischste Emulation des Juno-Sounds, aber er ist nur vierstimmig und das Miniatur-Kistchen mit den Miniknöpfen ist nicht jedermanns Sache.

Gar nichts mit dem klassischen Juno zu tun haben hingegen die „neuen“ Roland Juno Synthesizer wie Juno-Di, Juno-Gi und Juno-DS. Bei ihnen handelt es sich um digitale Synths auf Sample-Basis, die einen völlig anderen Ansatz verfolgen und sich nur mit dem berühmten Namen und ein paar Design-Zitaten schmücken.

Fazit

Der Roland Juno-60 gehört zusammen mit seinen Geschwistern Juno-6 und Juno-106 zu Recht zu den großen Synthesizer-Klassikern. Zum großen Erfolg der Serie haben mehrere Faktoren beigetragen. Neben den für damalige Verhältnisse kompakten Abmessungen, der Speichermöglichkeit (außer Juno-6) und der einfachen Bedienung ist der Hauptgrund sicherlich: Der Synthesizer klingt einfach immer gut. Trotz seiner simplen Struktur mit einem Oszillator und einer Hüllkurve kann der Juno eine große Bandbreite von Sounds abdecken und durch die geradlinige und einfache Bedienung kommt man sehr schnell zu hörenswerten Ergebnissen. Für mich ist es diese Mischung aus gutem Sound und einfachster Handhabung, die den Synthesizer so besonders macht. Der Juno ist immer sofort da, wenn man ihn braucht, und steuert seine breiten Flächen, fetten Bässe und Arpeggios bei. Natürlich ist er kein Jupiter-8, aber seine Anpassungsfähigkeit und Musikalität wiegen die fehlenden Features in vielen Fällen auf. Obwohl sich die Junos gut verkauften, werden auch sie leider immer knapper und teurer, denn wer einmal einen hat, der gibt ihn so schnell nicht wieder her. Wer die Gelegenheit bekommt, sollte also zugreifen!

  • PRO
  • warmer, musikalischer Analogsound
  • sehr gutes Filter
  • Suboszillator
  • legendärer Stereo Chorus
  • einfachste Bedienung
  • extern triggerbarer Arpeggiator
  • 56 Speicherplätze
  • haltbar und vergleichsweise wartungsarm
  • CONTRA
  • nur ein DCO
  • Lautstärken der DCO-Schwingungsformen nicht getrennt regelbar
  • nur eine Hüllkurve
  • Modulationsmöglichkeiten nicht besonders flexibel
  • kein MIDI serienmäßig (kann aber nachgerüstet werden)
  • FEATURES
  • Erscheinungsjahr: 1983
  • Klangerzeugung: analog, subtraktiv
  • Polyphonie: 6 Stimmen
  • Oszillator: pro Stimme ein DCO mit Sägezahn und Puls (PWM) und ein Suboszillator (Rechteck)
  • Rauschgenerator
  • Filter: Hochpassfilter (4 Stufen), Tiefpass 24 dB/Okt. mit Resonanz
  • 1 LFO (Sinus)
  • 1 Hüllkurve (ADSR)
  • 1 VCA
  • Stereo Chorus (aus, I, II, I+II)
  • Anschlüsse: Stereo Line Out (mit dreistufigem Pegelschalter), Kopfhörer, VCF Control, Pedal Hold, Patch Shift, Arpeggio Clock In, Tape Load / Save, DCB
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