Gitarre Hersteller_Vox Workshop_Folge
Workshop
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30.10.2008

Vintage Guitar-Effects: Vox Wahs

Die klassischen Wah Wah Effekte von Vox

Video-Clip

Wenn das nicht die perfekte Hunderttausend-Euro-Frage ist: Welches Instrument spielte der erste Endorser, der für ein VOX Wah-Wah Pedal seinen Namen hergab? Richtig, Trompete! Der junge Mann mit dem Namen Clyde McCoy wusste Ende der Sechziger offensichtlich außergewöhnlich gut mit dem Dämpfer umzugehen und seiner Trompete genau die Töne zu entlocken, die auch heute noch bestimmte Effektgeräte zu einem Wah-Wah machen.

VOX war damals eine Firma, deren Verstärker für den typisch britischen Sound standen, und bei kaum einer Band der 60er und 70er fehlte das charakteristische Logo auf der Bühne. Von den Beatles bis zu den Shadows prägte ihr Sound den Klang dieser Zeit. Um 1966 arbeitete ein junger Ingenieur namens Brad Plunkett bei Thomas Organ, der amerikanischen Schwesterfirma von VOX. Er hatte den Auftrag, den im Vox Super Beatle Amp eingebauten 3-Weg MRB (mid-range-boost), ein so genannter Voicing-Schalter, mit dem die Mitten in bestimmten Bereichen angehoben werden konnten, durch ein preiswerteres Poti zu ersetzen. Durch diesen Eingriff entstand ein stufenloser Effekt, der komplett anders war als alles, was man bis zu dieser Zeit gehört hatte. Es heißt, dass beim ersten Test der Schaltung mit einer Gitarre die Angestellten der Firma zusammengelaufen und völlig ausgeflippt wären. Nach diversen Versuchen schließlich landete die modifizierte Elektronik im Gehäuse eines Volumenpedals und das erste Wah-Wah Pedal war geboren.

Die ersten Seriengeräte wurden 1967 nach dem oben erwähnten ersten Endorser benannt und als VOX Clyde McCOY Wah-Wah bei JEN in Italien gebaut. Aber sie trugen nicht nur den Namen des Trompeters, sondern auf der Unterseite sogar sein Konterfei, später immerhin noch seine Unterschrift.

Ein wesentliches Bauteil dieses Pedals, das bis heute seine Anhängerschaft zu hitzigen Debatten anregt, ist die Spule: die in der italienischen Produktion verwendete so genannte Fasel-Spule gilt vielen als das Nonplusultra, wenn es um Wah-Wah Sound geht. 1968 wurde die neue V 846 Serie mit einer Spule des japanischen Herstellers TDK aufgelegt.  Unter Puristen genossen diese nicht mehr den Stellenwert der Fasel Variante. Übrigens war es damals durchaus üblich, fehlende Bauteile durch solche mit ähnlichen Werten zu ersetzen. Resultat sind zum Teil deutliche Unterschiede auch zwischen Geräten der gleichen Serie.

Im gleichen Jahr erhielten die in USA vertriebenen Geräte den bezeichneten Namen „Cry Baby“, und mit dem VOX King Wah ging schließlich die Produktion komplett zurück in die Staaten. Nach dem Erfolg des Vox Wah-Wah wuchsen in dieser Zeit Hersteller wie Pilze aus dem Boden, und renommierte Namen wie Gibson, Fender oder Marshall mischten kräftig mit. Es kamen Pedale auf den Markt, die zusätzlich zum Wah-Wah so abenteuerliche Effekte mit an Bord hatten wie Surf, Sirene oder Tornado! Als Anfang der Achtziger der Stern des Wah-Wahs sank, schmolz auch die Zahl der Anbieter sehr schnell auf ein überschaubares Häuflein neben Thomas Organ und Morley zusammen.

Mit der Wiederauflage seines Kultpedals hat Vox unserem Trompeter zu neuen Ehren verholfen: Das neue alte VOX Clyde McCoy Wah-Wah ist ausgestattet mit der legendären Spule, die wieder in Italien bei Fasel gefertigt wird, und einigen Verbesserungen wie einem echten Bypass Schalter, einem neu entwickelten Poti und einem Anschluss für ein Netzteil.

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