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Feature
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04.11.2015

Vintage Drum Machine: Sequential Circuits DrumTraks

Erster Sample-basierter Drumcomputer mit MIDI

Unter den klassischen Drum Machines der 80er Jahre hat die Sequential Circuits DrumTraks ohne Zweifel einen festen Platz. Etliche Produzenten schwörten in der zweiten Hälfte der Dekade auf den Sample-basierten Drumcomputer und die Liste der Tracks, in der die Sequential DrumTracks eingesetzt wurde, liest sich wie das “Pop-Who-is-Who” einer ganzen Eopche. Aber auch heute hat Sequentials erste Drum Machine auch noch das eine oder andere Highlight zu bieten.

Nach heutigen Standards kann man bei der Auflistung der technischen Spezifikationen natürlich nur müde mit den Schultern zucken. Im Jahr 1984 kam die Ausstattung der DrumTraks aber einer kleinen Revolution gleich: 13 „authentisch“ klingende, gesampelte Drumsounds, jeweils mit frei programmierbarem Tuning und Lautstärke. Dazu ein interner Sequencer mit Patternprogrammierung und Songmodus, sowie die damals ganz neue MIDI-Schnittstelle. 

Details

Gehäuse und Anschlüsse

Die DrumTraks kommt im soliden Metallgehäuse inklusive den für Sequential damals wie heute typischen Holzseitenteilen. Die Potis sitzen recht fest und die Anschlusssektion macht nach jahrzehntelangem Einsatz immer noch einen verlässlichen Eindruck. Da wir gerade bei den Anschlüssen sind – hier ist die DrumTraks gut ausgestattet: Sechs individuelle Ausgänge, ein Mono/Mix-Ausgang, ein Tape-Interface zum Speichern von Pattern und ein MIDI-Pärchen. Die DrumTraks war übrigens der erste Drumcomputer mit serienmäßiger MIDI-Schnittstelle, was allerdings auch nicht sonderlich überrascht. Schließlich war Dave Smith, Gründervater von Sequential, maßgeblich an der Entwicklung des Standards beteiligt und hatte mit dem Prophet 600 auch den ersten Synthesizer mit MIDI herausgebracht. Alternativ unterstützt die DrumTraks auch ältere Maschinen, die noch mit Trigger-Ein- und Ausgängen ausgestattet sind. 

Auf dem Bedienfeld finden sich neben einem numerischen Eingabefeld in der Pattern- und Songsektion vier weich laufende Potis zur Wahl von Tempo, Volume und Tonhöhe, sowie 13 Pads zum Triggern der Instrumente. Das vorliegende Exemplar litt unter prellenden Drumpads, was bei älteren Drum Machines gerne mal vorkommt. Also sollte man sich das Gerät vor einer Anschaffung ganz genau ansehen. Wer aufgrund doppelt auslösender Pads aber einen guten Preis erhält, kann die Pads in der Regel mit einer gründlichen Reinigung wieder in den Griff bekommen.

Praxis

Sounds

Die Sequential Circuits DrumTraks schöpft aus einem Soundvorrat von 13 Instrumenten, die in insgesamt sechs Kanälen (Channels) untergebracht sind. Jeder Channel steht für eine Instrumentengattung: Channel 1 für die Bassdrum, Channel 2 für Snare und Rim, Channel 3 für die Toms, Channel 4 für die Cymbals (Ride und Crash), Channel 5 für die Hi-Hats und Channel 6 für die Percussiongruppe mit Tamburin, Cabasa, Cowbell und Claps. Der Drumcomputer ist sechsfach polyphon, pro Kanal kann immer nur ein Sound zur Zeit ausgegeben werden. Dafür steht jeder Instrumentengruppe ein individueller Audioausgang zur Verfügung.

Für die Sounds lassen sich Lautstärke und Tonhöhe getrennt programmieren. Bei der Veränderung der Tonhöhe in 15 Schritten kommt der Charme der 8-Bit-Sampleauflösung voll zum Tragen. Gerade in den tiefen Lagen wird es richtig roh und dreckig, mit dem Ursprungssound hat das Ergebnis dann nur noch wenig gemeinsam.

Selbst in ihrer Grundeinstellung klingen die Sounds nach heutigen Maßstäben nur bedingt authentisch. Wer nach Highend-Drumsounds sucht, wird sich ja aber ohnehin anderweitig orientieren. Experimentierfreudige können mithilfe eines Eprom-Brenners übrigens auch eigene Sounds mit der DrumTraks verwenden. Diese müssen hierfür auf Eproms gebrannt und anschließend mit den vorhandenen Soundchips ausgetauscht werden.  

Patterns programmieren

Eigene Patterns können intuitiv in Echtzeit über die nicht anschlagdynamischen Pads oder per MIDI programmiert werden. Dazu wird ein Pattern ausgewählt, gegebenenfalls gelöscht und die Taktlänge festgelegt. Anschließend wird der Aufnahmemodus aktiviert und schon kann es losgehen. Da sowohl Tuning als auch Lautstärkeinformationen in den Pattern gespeichert werden, sind dynamische Muster möglich. Dank der automatischen Quantisierung muss man sich wegen mangelnden Taktgefühls nicht den Kopf zerbrechen. Eine Step-Programmierung ist bei der DrumTracks hingegen nicht möglich.

Zwischen den einzelnen Patterns kann im Betrieb nahtlos umgeschaltet werden. Zur Programmierung von weiteren Instrumentenspuren oder der Aktivierung von Swing muss der Sequencer allerdings gestoppt und wieder gestartet werden. Da wir gerade beim Swing sind: Dieser ist bei der DrumTraks etwas Besonderes. Der Swing wird in 4er-Schritten von 50 - 70 eingestellt. Extremere Einstellungen ab etwa 62 führen zu einem sehr harten Shuffle, wie er selten zu finden ist. Mit „Swing“ im musikalischen Sinne hat das dann natürlich nichts mehr zu tun, bietet aber viel Spielraum für Experimente. 

Songmodus

Die einzelnen Pattern lassen sich in bis zu 99 Songs miteinander verbinden. Jeder Song besteht aus bis zu 100 Steps, wobei Step hier für die Information steht, ob ein Patternwechsel erfolgt oder ob sich die Lautstärke oder die Abspielgeschwindigkeit ändern sollen. Ähnlich wie die Patterns werden auch die Songs über das LED anhand von Zahlen ausgewählt und taktsynchron auf der „1“ umgeschaltet. 

Fazit

Eine Sequential Circuits DrumTraks heute? Die Drum Machine wechselt mittlerweile für mehrere hundert Euro den Besitzer. Für Sammler und Liebhaber der 80er spielen rationale Argumente bei der Kaufentscheidung ohnehin kaum eine Rolle – die DrumTraks gehört einfach zu den absoluten Klassikern. Betrachtet man die Situation aber nüchtern, so stellt man schnell fest, dass sich der Grundsound heute durchaus gut mit einer Samplebibliothek ersetzen lässt. Puristen sollten dabei darauf achten, dass sämtliche Tuning-Varianten der DrumTraks abgebildet werden. Lediglich das Feeling mit der Maschine zu arbeiten und der recht eigenwillige Swing lassen sich so nur schwer emulieren. Wer nun also genau darauf Wert legt, sollte sich beeilen. Die Sequential DrumTraks wird sicherlich eher teurer als günstiger. 

Sequential Circuits DrumTraks Samples zum Download

Hier könnt ihr euch unser Sample-Set zur Sequential DrumTraks herunterladen. Darin findet ihr Einzelsamples und einige Loops in den Formaten WAV, REX und Apple Loops. Viel Spaß!

  • PRO
  • 99 Pattern
  • 99 Songs (bis zu 3289 Noten, abhängig von Accent-, Volume-, Tuning-Informationen)
  • 13 Instrumente
  • Trigger Out
  • MIDI In / Out
  • Sechs Einzelausgänge plus Mix-Out
  • Einfache Bedienung
  • Austausch von Sounds über EPROMs möglich
  • CONTRA
  • Sounds nur sehr eingeschränkt editierbar
  • Sequencer muss gestoppt werden, um Shuffle einzuprogrammieren
  • Kein Kopfhörerausgang
  • FEATURES
  • Erscheinungsjahr: 1984
  • Klangerzeugung: digital (sample-basiert, 8-bit)
  • Polyphonie: 6-stimmig
  • Soundgruppen: Bass Drum, Snare/Rim, Tom 1 & 2, Hi-Hat (open/close), Cymbal (Ride & Crash), Cowbell / Claps / Tambourine / Cabasa
  • Speicher: 99 Pattern, 99 Songs (knapp 3300 Noten)
  • MIDI In/Out, alternativ als DIN Sync nutzbar
  • Main Out plus sechs Einzelausgänge
  • Kassetten-Interface zum Speichern
  • Clock Out
  • Metronom Out (+5V Pulse)
  • Tempo: 40 bis 250 BPM
  • Synchronisation: MIDI In oder Analog In (24/48/96 ppqn; Analog Out 24 oder 48 ppqn
  • 13 Triggerpads
  • Sonstiges:
  • Toms werden intern gefiltert (CEM3320)
  • Sounds lassen sich durch selbst gebrannte Eproms austauschen

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