Test
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11.12.2019

Praxis

Inbetriebnahme

Da kein Netzteil vorgesehen ist, schließe ich den deton8 einfach per USB-Kabel und einem X-beliebigen USB-Stecker an die Steckdose an und los geht’s. Trotz Mono-Miniklinkenausgang ist das Abhören mit einem Stereokopfhörer möglich, wenn man den Stecker nur bis zur Hälfte einführt. Man muss etwas rumprobieren, aber es ist ja eigentlich auch nicht vorgesehen.

Samplefutter

Zum Glück erhält deton8 vom Laptop genügend Strom, denn befüllt wird deton8 über den Software-Editor. Hier werden einfach Samples per Drag and drop ins Editorfenster gelegt. Diese reihen sich dann munter hintereinander auf und werden dann in einem Rutsch in den deton8 befördert. Wir bestücken also keine individuellen Slots, sondern bereiten einen Dump vor, den wir dann durchführen. Weniger ist hier mehr, denn der Samplespeicher ist gerade mal 64 Kilobyte klein. Die Start-und-Endpunkte der Samples können zwar im Softwareeditor neu festgelegt werden, aber besser ist es, die Samples auf dem Laptop vorzubereiten: präzises Schneiden zum Platzsparen, re-samplen auf 32 kHz für akkurates Tuning und maximal 16 bit sind die Devise, denn 24 bit-Samples werden einfach ignoriert.

Insgesamt ist der Editor ein recht rudimentäres Programm und wirkt noch nicht völlig ausgereift. So hängt er sich auf meinem Computer unter MacOS 10.12.6 Sierra gerne auf, bringt den deton8 nach einer erfolgreichen Sampleübertragung zum Einfrieren und muss dann stets neu gestartet werden. Unter MacOS 10.14 Mojave soll er jedoch stabil laufen. Und da es Software ist, dürfen wir allgemein auf Besserung hoffen. Sind die Samples dann erst mal im Kasten - respektive dem deton8 - kann der Spaß losgehen. Der kleine Sampler behält seine 16 Sequenzen auch nach dem Ausschalten im Speicher, so dass man sofort mit den Beats vom Vortag weitermachen kann. Selbst wenn ein neues Soundset geladen wurde, sind die Patterns noch da und klingen dann aber – je nach den angetriggerten Klängen - zumeist völlig anders. Zum Glück kann man das Pattern schnell initialisieren, aber auch zufallserzeugte Random-Sequenzen sind machbar. 

Instrumentenanwahl

Pattern werden per Step-Sequenzer oder Live per Fingerdrumming programmiert. Was mich am meisten stört, ist die Anwahl der einzelnen Instrumente mit einem nichtgerasterten Drehregler.  Zwar ist es von haptischem Vorteil, dass der erste Slot bei Anschlag auf links ausgewählt wird und der Synth-Slot bei Anschlag auf rechts. Aber bei den sechs Slots dazwischen muss man wie ein Luchs darauf achten, bei welchem Sample-Slot das Statuslämpchen kurz aufleuchtet, bevor das 2x8-Grid wieder andere Werte dauerhaft repräsentiert. Das bremst beim flüssigen Jammen leider sehr aus und ist sehr weit entfernt vom Komfort der direkten Anwahl eines Sample-Slots. Geht man in den Realtime-Recording-Standby-Modus (Shift+Record) ist zwar die direkte Anwahl einer Voice zur Klangediterung möglich, allerdings kann man hier werde die programmierten Steps sehen, noch welche setzen. Das funktioniert als Workaround, ist aber weit entfernt von Optimal.

Einen ausgewogen abgeschmeckten Gesamtsound aller acht Sounds hinzubekommen, ist schon in der Studio-Situation schwierig und wird in der Live-Situation nicht übersichtlicher. Alle Voices können im Volumen wie auch im Decay oder der Tonhöhe per MIDI-CC kontrolliert werden, aber es ist ja nicht Sinn und Zweck eines ultrakompakten Geräts, dass man noch extra einen ausgewachsenen MIDI-Controller mitnehmen muss, um es im Griff zu haben. Es macht also Sinn, sich an ein vorhandenes Pattern mit Mute-und-Soloschaltung heranzutasten. Apropos Solo, auch hier wird per Drehregler das allein klingende Instrument angewählt. Zum Glück ist Mute über die 2x8er-Tastatur intuitiv und schnell zu erreichen, wenn auch nur per Shift-Funtkion.

Sound

Kommen wir zum Wichtigsten:  Der deton8 klingt klasse – wenn man digitales ‚Lo-Fi-Bitcrush-Mayhem‘ mag. Er rotzt und schabt und bolzt und grained, dass es eine Freude ist. Man hört es den Audiobeispielen wahrscheinlich an: Ich hatte einen Heidenspaß beim erstellen. Einfach den deton8 im Sync mit der DAW laufen lassen, drauflos programmieren und hören, was passiert. Wenn sich die einzelnen Sounds aneinander reiben und gegenseitig wegdrücken, entstehen intuitiv wunderbar kaputte Loops, die auch einer Hochglanzproduktion gut zu Gesicht stehen.

Das Jammen mit dem deton8 ist auch immer ein Forschen: Man weiß selten, was als nächstes rauskommt. Wer jedoch aus der Unvorhersehbarkeit eine Methode macht, wird mit erstaunlichen Ergebnissen belohnt. Ihr solltet für die ersten Klangexperimente unbedingt die verfügbaren Kits runterladen und in den deton8 transferieren. Soundsets mit Namen wie „Mkart“ oder „Sfighter“ lassen schon erahnen, welche Videospiele hier als Inspiration dienten. Aber es gibt auch „normale“ Drumsounds wie „Zek09“ mit klassischen 909-Samples, die trotzdem einmal durch den deton8 geschleust völlig anders und eigenständig klingen.

Audiobesipiele zu Twisted Electrons deton8

Modulation

Viele Variationen gibt es auf der obersten Ebene nicht, aber das feine Zusammenspiel zwischen den Reglern „Sound“, „Decay“ und „Drive“ macht je nach Sound schon sehr viel Spaß. Auf die schrägen Dissonanzen und metallischen Reibungen stößt man beim Schrauben und inszeniert sie entsprechend. Das klingt mal bratzig-fett, mal rotzig-schräg und mal trashig-kaputt, so wie man es niemals so spontan und hands-on, mit einem Bitcrusher-Plugin hinbekommen würde. Wenn man auch nur ein wenig Herz für ‚8-bit-weirdness‘ hat, muss man die Sounds lieben. Und sie sind immer eine gute Alternative zu den cleanen und perfekten Samples aus der DAW.

Stutter

Insgesamt acht editierbare Variationen können per Tastendruck abgerufen werden, wodurch der Effekt sich sehr niederschwellig für die Performance anbietet.  Die erste Variation ist ein klassischer Sechszehntel-Beat-Repeat, den wir mit dem Pitch und Decay-Regler noch spektakulär inszenieren können. Variation 7 ist ein Tape-Pitchdown-Effekt, sehr schön zum Beenden eines Taktes. Variation 8 ist ein kleiner Rise-up-Effekt. Die übrigen Stutter-Variationen empfand ich als weniger ergiebig, weil sie außer digitalem Noise kaum rhythmische Komponenten zu bieten haben. Aber das ist sicher auch Geschmackssache. Im Übrigen ist Treffsicherheit beim Auslösen des Stutter-Effekts zu beachten. Bei einem minimalistischeren Pattern kann es auch sein, das einfach nur Stille herrscht, weil der deton8 auf einer Pause rumstottert.

Für wen ist das?

Der Trend geht wieder klar zum Zweitsampler: Einer in der DAW für alles, was „in the box“ und in großen Datenmengen verwaltet werden will. Und einer als Hardware im Groovebox-Format, für kreative Loops mit direktem Echtzeitzugriff, immer auf der Suche nach dem günstigen Moment, den man nicht immer programmieren kann, sondern der kommt, erkannt und weiter verwertet werden will. In dieser Gattung ist der deton8 ein richtiger Exot, denn er liefert One-Shot-Samples mit 8-Bit-Charme und einen Sequenzer, um diese in Bewegung zu bringen. Am ehesten ist er wohl noch mit dem Korg Volca Sample vergleichen, der jedoch eindeutig braver klingt. Mit seiner Lo-Fi-Ruppigkeit sichert sich der neueste Streich vom französischen Boutique-Hersteller Twisted Electrons einen Logenplatz in diesem kleinen Nischensegment, wenn auch zum deutlich teureren Preis als der Volca Sampler aus der Großproduktion. 

Twisted Electrons Deton8 Sound Demo (no talking)

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