Bass
Test
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03.09.2011

DETAILS

Der erste Blick von schräg oben auf den YBA 300 ist zugegebenermaßen etwas Angst einflößend: Hinter einem abnehmbaren Gitter toben sage und schreibe zwölf Röhren des Typs 6L6 und sorgen so für 300 Watt Endstufenpower. Drei 12AX7-Preamp-Röhren und eine 12AU7 Driver komplettieren die üppige Röhrenausstattung des YBA 300. Das ist allerhand und riecht schon von Weitem nach viel Service-Aufwand, dem Traynor allerdings mit einem benutzerfreundlichen System zum eigenhändigen Bias-Abgleichen der Röhrenpaare begegnet. Darauf werde ich später noch im Detail eingehen. Das Gehäuse selbst ist im Vergleich zum YBA 200 nur sehr geringfügig gewachsen und auch das Gewicht mit ca 23kg nur minimal höher.

Der YBA 300 ist für einen Vollröhrenverstärker in dieser Leistungsklasse also nach wie vor sehr transportfreundlich. Dabei ist die Konstruktion absolut solide, die 19mm Sperrholzplatten sind mit strapazierfähigen Tolex überzogen, die Ecken mit Metallkappen gut geschützt und dicke Gummifüße sowohl unten als auch an der linken Seite sichern den Amp vor Wegrutschen. Einen Klappgriff zum Transport gibt es an jeder Seite, die 23 kg lassen sich aber auch relativ mühelos einhändig tragen -zumindest über kürzere Strecken. Auf der Front hat sich im Vergleich zum YBA200 einiges getan: Der „Kühlergrill“ mit dem silbernen „Trayor-Emblem“ sitzt nun oben und das Bedien-Panel mit den Reglern und Anschlüssen wurde gründlich ausgedünnt, was dem YBA 300 insgesamt ein deutlich klassischeres Erscheinungsbild verleiht, wie ich finde.

Zwei Klinkeneingänge (0dB und -6dB) für den Anschluss von passiven und aktiven Bässen mit meist höherem Ausgangspegel, sitzen nach wie vor auf der linken Seite, flankiert von drei Schaltern mit den Bezeichnungen „Deep“, „Bright“ und „Resonance“, die beim kleinen Bruder YBA 200 nicht vorhanden sind. Die Funktionen Deep und Bright dürften den meisten Bassisten von anderen Verstärkern bekannt sein, hinter ihnen verbergen sich EQ-Presets, die den Sound entweder im Bassbereich dicker machen (Deep) oder eben die Höhen oder Hochmitten (Bright) betonen. Mit dem Resonance-Schalter wird der Dämpfungsfaktor der tiefen Frequenzen reduziert, die Membranen der Lautsprecher schwingen dementsprechend stärker und produzieren einen etwas offeneren und vielleicht auch ein wenig „trägeren“ Sound. Andersherum wird der Sound bei deaktiviertem Resonance-Switch aufgrund eines höheren Dämpfungsfaktors „tighter und kompakter. Beim YBA 200 war das Resonance-Feature noch mit einem Drehregler stufenlos zu justieren, beim YBA 300 hat sich Traynor vermutlich zugunsten der Bedienerfreundlichkeit für einen fest stehenden Wert entschieden. Im Zentrum des Geschehens stehen sechs Potis im Vintage-Look: Gain für das Eingangssignal, ein passiver 3-Band-EQ mit Bässen, Mitten inklusive Frequenzwahl-Regler (200 bis 3,0kHz) und Höhen. Rechts davon parkt der Master zur Justage der Endlautstärke. Bleiben für die Front nur noch die Power und Standby-Schalter inklusive Betriebslampe zu erwähnen.

Alle anderen Anschlüsse, wie zum Beispiel die Tunerbuchse oder der Line-Out, die beim YBA200 noch vorne zu finden waren, sind beim YBA300 nach hinten gewandert.

Einige User werden das sicherlich etwas unpraktisch finden, andere wiederum werden die schlichte und aufgeräumt wirkende Front zu schätzen wissen - Geschmacksache.  An den Anschlussmöglichkeiten selbst halt sich kaum etwas verändert: Zwei Klinkenbuchsen (Send/Return) ermöglichen das Einschleifen eines Effektgerätes, eine Weitere ist für den Anschluss eines Stimmgerätes vorgesehen und mit dem symmetrischen XLR-Ausgang kann das Signal an ein Pult geleitet werden. Dieser Ausgang verfügt zusätzlich über einen Pre/Post EQ Schalter und einen Ground-Lift Switch zum Eliminieren von Brummschleifen. Beim YBA 200 konnte man die Lautsprecher nur via Klinke verbinden, dem YBA 300 hat Traynor zusätzlich eine zuverlässigere und mittlerweile zum Standard gehörende Speakon-Buchse spendiert. Der Impedanzschalter des YBA 300 lässt eine Wahl zwischen 2 oder 4 Ohm zu, beim Vorgänger konnte man sich noch zwischen 4 oder 8 Ohm entscheiden. Aufgrund der gestiegenen Ausgangsleistung halte ich diese Veränderung für durchaus sinnvoll, die meisten Bassisten verwenden erfahrungsgemäß mehrere kleinere 8-Ohm-Boxen oder eben große 4-Ohm-Exemplare und eher keine große 8-Ohm-Box.

Zu guter Letzt finden wir unter dem rückseitigen „Kühlergrill“ sämtliche Lämpchen und Regler, die dem User das oben erwähnte Abgleichen aller sechs Röhrenpaare ermöglichen. Für jedes Röhrenpaar stehen hier drei LED‘s mit den Bezeichnungen „Protect“, „Low“ und „High“ sowie ein versenkter Drehregler mit Kreuzschlitz zum individuellen Bias-Abgleich zur Verfügung.

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