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10.08.2021

Thorens TD 202 Test

Plattenspieler mit integriertem Phono-Vorverstärker und USB-Anschluss

Vinyl-Sound in allen Lebenslagen

Dass wir die erneut aufkeimende Leidenschaft für Vinyl teilen, sollte euch nicht überraschen. Kontinuierlich stellen wir hier neue Produkte vor, testen diese für euch und geben immer wieder Tipps und Empfehlungen. Nun sind nicht alle, die Schallplatten besitzen, als DJ aktiv. Einige wollen eben einfach nur Vinyl abspielen und die Musik genießen (zum Artikel Vinylpflege: Schallplatten richtig reinigen). Vielleicht auch mal unkompliziert eine Aufnahme machen, falls kein Download-Code dabeiliegt. Außerdem sollte die Bedienung möglichst einfach und unkompliziert sein. Und klar: Der Sound muss ebenfalls stimmen. Der Traditionshersteller Thorens - seit 2018 unter neuer Führung mit Sitz in Bergisch Gladbach - will mit dem TD 202 diese Anforderungen erfüllen. Wir packen den Plattenspieler aus, schauen uns alle Features an und hören ausgiebig.

Details

In zwei Kartons verpackt landet der Thorens TD 202 im heimischen Testlabor. Beim Auspacken zeigt sich, dass der Plattenspieler gut für den Transport geschützt wird. Das gute Stück ist noch nicht spielfertig konfiguriert, sondern muss von mir zunächst mit wenigen Handgriffen aufgebaut werden. So entdecke ich zunächst das Chassis mit dem noch nicht bestückten Tonarm, das Gegengewicht, den Plattenteller samt Riemen und Gummimatte, das zugehörige System (audio-technica AT 95E) sowie weiteres Zubehör wie Staubschutzdeckel, Single-Puck, ein Cinch-Kabel mit Erdung und die mehrsprachigen Anleitung.

Auch wenn ich den Plattenspieler noch nicht „zusammengebaut“ habe, kann ich dem TD 202 bereits eine edle Optik bescheinigen. Zwei Farbkombinationen gibt es - neben der hier vorliegenden Variante in Schwarz bekommt ihr ebenso eine Ausführung in Walnuss. Beide Lackierungen strahlen in Hochglanz. Ich muss gestehen, dass ich persönlich matte Farben bevorzuge, bei Hochglanzoberflächen sieht man schnell jeden Fingerabdruck

Aufbau

Dann will ich den Thorens TD 202 mal aufbauen. Ich mache das genauso, wie es mir die gut beschriebene Anleitung erklärt, allerdings nicht in der gleichen Reihenfolge. Die Schutzhaube bereite ich schon mal vor, indem ich die beiliegenden Scharniere mit ihren Klemmen in die dafür vorgesehenen Stellen schiebe, dann lege ich den „Deckel“ erst mal beiseite und setzte diesen erst zum Schluss auf.

Um den TD 202 betriebsbereit zu machen, setze ich zunächst den Plattenteller aus Aluminium auf die Tellerachse und führe den Riemen um die Antriebsrolle am DC-Motor. Dafür nutze ich ein Loch im Plattenteller und einen Finger. Die Anleitung sagt mir, dass ich darauf achten muss, dass der Riemen nicht verdreht sitzt. Sieht alles gut aus, ich drehe ein bisschen den leichtläufigen Teller und es geht weiter. Gummimatte richtig herum aufsetzen (mit Logo des Herstellers nach oben), und damit ist der nächste Teil des Aufbaus erledigt.

Nun muss ich mich um den Tonarm kümmern. Erst mal die Headshell mit vorinstalliertem audio-technica AT 95E am Tonarm einstecken und festschrauben - kein Problem! Dann das Gegengewicht (richtig herum) am hinteren Ende des Tonarms anschrauben. Erledigt. Anti-Skating-Knopf auf Null drehen - check

Tonarm ausbalancieren und Gewicht für System einstellen

Jetzt kommt der „kniffligste“ Part, denn nun geht es um die Justierung. Der Tonarm muss jetzt nämlich abgesenkt werden und die Nadel darf dabei nirgends anstoßen. Das Ziel der jetzt folgenden Prozedur ist es, den Tonarm in eine schwebende Mittelposition zu bekommen.

Das erledigt ihr am sichersten, indem ihr den Nadelschutz erst entfernt, wenn sich der Tonarm eher nach oben als nach unten bewegt. Der Schlüssel liegt in der Drehung des Gegengewichts am Tonarmende. Also erst so drehen, dass der Tonarm „abhebt“. Dann den Nadelschutz entfernen und anschließend das Gewicht vorsichtig in die entgegengesetzte Richtung drehen, bis der Tonarm direkt neben dem Plattenteller mittig schwebt. Diese Position markiere ich jetzt mit einer Drehung der Skala am Tonarm auf die Nullposition.

Abschließend stelle ich das Auflagegewicht des Tonabnehmersystems auf den erforderlichen Wert. Das mache ich wieder mit einer Drehung des Gegengewichts. Bei dem installierten AT95E empfiehlt die Anleitung den Wert 2, der nicht nur beim Gegengewicht, sondern ebenso beim Anti-Skating-Knopf eingestellt werden muss.

Wenn ihr ganz auf Nummer sicher gehen wollt, könnt ihr die Justage auch komplett mit Nadelschutz machen und dann das Gewicht noch ein Quäntchen erhöhen, (circa 2,2) wenn dieser entfernt wurde. Ich habe es aber genau nach Anleitung gemacht. So, fertig! Staubschutzhaube aufsetzen und es kann (fast) losgehen.

Das war jetzt vielleicht etwas trocken, wer sich damit schon mal beschäftigt hat, kennt das Prozedere und hat mit Sicherheit diesen ganzen Absatz ausgelassen. Wenn das alles Neuland für euch ist, solltet ihr euch nicht verunsichern lassen. Das ist in der Praxis nämlich schnell erledigt und gehört nun mal für Vinyl-Freaks dazu.

Ein kleiner Kritikpunkt

Für weitaus mehr Kopfzerbrechen hat bei mir tatsächlich das beiliegende Netzteil gesorgt. Das ist so ein Ding, bei dem Netzteil und Stecker modular aufgebaut sind und zusammengesteckt werden müssen. Denn im Lieferumfang sind gleich verschiedene Stecker für die unterschiedlichen Stromanschlüsse enthalten. Nur mit dem Zusammenstecken hat es nicht ganz so einfach funktioniert, wie ich das erwartet habe. Ganz im Gegenteil, am Ende musste ich allen Ernstes die dafür enthaltene Anleitung studieren, weil ich schon an meinem Verstand gezweifelt habe. Meine Partnerin hat mir schließlich bestätigt, dass ich noch geistig gesund bin und sich das Netzteil in der Tat etwas „bockig“ verhält.

Irgendwann funktionierte es dann doch und ich konnte die beiden Teile so zusammenstecken, als ob nichts gewesen wäre. Das muss ich als Contra anmerken, auch wenn es keine Bedeutung für die Gesamtbewertung haben wird. Falls der Hersteller diese Zeilen liest: Bitte checkt das mal bei anderen Netzteilen. Vielleicht stellt mein Exemplar ja eine Anomalie dar. Ansonsten sehe ich hier Potential für Verbesserung.

Anschlüsse und weitere Details

Bevor ich den Thorens TD 202 anschmeiße, muss ich euch noch ein paar weitere Details berichten. Zunächst schaue ich mir dafür die Rückseite an. Hier entdecke ich die Erdungsschraube, RCA Cinch-Buchsen, den Switch, mit dem ich den integrierten MM-Phonoverstärker ein- und ausschalte (dazu mehr in der Praxis), einen USB-Anschluss, den Anschluss für das Netzteil sowie den Ein-/Ausschalter.

Der Plattenspieler steht auf vier runden, beweglichen Füßen, die sich sozusagen an die Oberfläche darunter anschmiegen und vor ungewünschten Vibrationen schützen.

Auf der Oberseite - also unterhalb des Plattentellers positioniert - sehe ich den Schalter, mit dem ich zwischen 33,3 und 45 Umdrehungen pro Minute wechsle. Außerdem befindet sich hier der im gleichen Look gestaltete Switch für das Ein- und Ausschalten des Motors. Die beiden Schalter sind aus Plastik und machen nicht unbedingt einen besonders robusten Eindruck. Allerdings wurde der TD 202 auch für einen behutsamen Umgang in der heimischen Wohnung gebaut und nicht für Club- oder Tour-Betrieb. Insofern gibt es also nichts auszusetzen. Die gesamte Konstruktion wirkt durchdacht - das sollte bei einer Traditionsmarke auch nicht überraschen. 3,9 Kilogramm wiegt das gute Stück übrigens.

Jetzt wird es aber echt mal Zeit, eine Platte aufzulegen

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