Test
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05.10.2018

the t.mix 20.12 Test

Digitalmixer

Multitalent mit Touchscreen- und App-Steuerung

Thomann legt nach, und zwar mit einem zweiten Digitalmixer, der unter dem Label der Hausmarke the t.mix erhältlich ist. Der the t.mix 20.12 ist ein interessantes Konzept, denn das Pult verfügt über einen Touchscreen und kann via App oder ohne Tablet-Rechner bedient werden, denn es weist eine Menge Potis, Taster und einen 100-Millimeter-Fader auf. Wie schlüssig sich der Digitalmixer im Test präsentiert, haben wir genauer untersucht.

Details

Hand hoch: Wer freut sich nicht über kleine Geschenke zwischendurch? Der the t.mix 20.12 wird mit zwei passenden Rack-Einbauwinkeln ausgeliefert und kann somit in einem 19-Zoll-Rack platznehmen. Gute Sache! Ebenso das beiliegende Kaltgerätkabel, welches ein untrügliches Zeichen dafür ist, dass der Anwender sind nicht mit einem externen Netzteil herumärgern muss. Der Mixer hat ein Metallgehäuse mit Kunststoff-Seitenteilen. Das massive Chassis des the t.mix 20.12 ist gut verarbeitet, Potis und Taster fühlen sich wertig an. Der Kandidat macht einen guten Eindruck, was bei einem Endkundenpreis von rund 600 Euro nicht unbedingt zu erwarten war.

Die Anordnung der Bedienelemente ist klar strukturiert. Alle Ein- und Ausgänge befinden sich auf der Rückseite, oben links residieren die Gain-Potis der 16 Mikrofoneingänge und zwei zusätzliche Stereo-Line-Inputs samt der dazugehörigen Select-Tasten. Rechts daneben sind acht zwölfstellige LED-Ketten angesiedelt und verweisen auf die Pegelverhältnisse von Subgruppen, PFL-Bus und Summenausgang. Links neben dem solitären 100-Millimeter-Motorfader ist ein 7-Zoll-Farb-Touchscreen verbaut, umrandet von zahlreichen beleuchteten Funktionstasten, welche die direkte Anwahl der sechs DCAs und der acht verbauten Aux-Ausgänge erlaubt.

Oberhalb des Motorfaders finden wir die System- und Mixer-Taster. Unter System finden sich die globalen Systemeinstellungen (Solo Mode, Copy + Paste, Load & Save, Lock usw.) wieder, während die Mixer-Taste drei verschiedene Mixer-Ansichten bietet. Das ist in etwa vergleichbar mit der bekannten Home-Taste bei Yamaha-Mischpulten. Rechts neben dem Motorfader sind alle übrigen Funktionen beheimatet. Mit einem Tastendruck lassen sich die Aux Sends 1-8, die beiden verbauten Effekteinheiten und deren Send-Master selektieren. Ist eine dieser Funktionen oder einer der Eingangskanäle selektiert, übernimmt der Motorfader die Pegelstellung. Um den Überblick zu behalten, sind die Taster farblich kodiert. Select-Taster leuchten blau, Funktionstaster wie Meterpage, EQ oder Dynamics strahlen grün. Solo/PFL-Taster sind gelb und Mute-Taster stets rot.

Für die Parameter-Eingabe kann der Anwender zwischen der Touchscreen-Steuerung oder einem Hardware-Encoder samt Navigationskreuz wählen. Stets im direkten Zugriff durch ein dediziertes Volume-Poti ist der Summenausgang. Da der t.mix 20.12 auch über eine einfache 2-In/2-Out-USB-Audioschnittstelle verfügt, spendierte man dem Kandidaten einen zusätzlichen Control-Room-Ausgang und gleich zwei Kopfhörerausgänge.

Nur Geduld!

Nach der Betätigung des Netzschalters ist etwas Geduld gefragt. Der the t.mix 20.12 benötigt knapp eine halbe Minute zum Booten. Der Motorfader fährt erst nach Abschluss des Boot-Vorgangs in die letzte bekannte Stellung. Während des Hochfahrens parkt der Motorfader runtergezogen, vermutlich um etwaige Artefakte am Audioausgang zu unterdrücken. Unsere kleine Aktiv-PA an den XLR-Summenausgängen erwacht jedenfalls ohne Nebengeräusche zum Leben.

Ebenfalls Geduld ist bei der Speicherung von Mixer-Szenen gefragt. Speichert man die aktuellen Einstellungen, benötigt der the t.mix 20.12 circa zwanzig Sekunden, um jene auf einen der 24 User-Speicherplätze abzulegen. Das Laden einer Szene ist dagegen nach fünf Sekunden erledigt: wesentlich schneller. Zur ersten Orientierung rockt ein iPod an den Kanälen 1&2. Die Navigation über den Touchscreen ist übersichtlich aufgebaut. Die Mixer-Ansicht gibt es in zwei Varianten. In der „Long Fader“-Ansicht werden acht Eingangskanäle dargestellt, deren Fader sich direkt im Touchscreen bedienen lassen. Gut, dass dabei der Masterfader stets als neunter Kanal ebenfalls im direkten Touch-Zugriff bleibt. Das gilt auch bei der zweiten Mixer-Übersicht, welche alle Kanäle, DAC-Gruppen und Returns auf einer Seite anzeigt. Hier tippt man auf eine entsprechende Subgruppe oder einen Kanal, um diese(n) mit dem Motorfader zu steuern.

Der Touchscreen reagiert exakt und ohne sichtbare oder hörbare Verzögerungen. Erwartungsgemäß kann der Screen einige Sonderfunktionen wie Zoom oder Pinch nicht bieten, Multitouch wird ebenfalls nicht unterstützt. Dafür punktet die Bedienhilfe mit guter Auflösung und kontrastreicher Darstellung.

Vollwertiger Channelstrip

Die Bearbeitungsmöglichkeiten in den Ein- und Ausgangskanälen sind überraschend vielseitig. Wir notieren einen vollparametrischen EQ mit jeweils vier komplett durchstimmbaren Bändern (20 Hz – 20 kHz) mit einem Gain von +/– 24 dB. Dazu gesellen sich Hi- und Lowcut-Filter, ebenfalls über das gesamte Frequenzspektrum durchstimmbar. Erstaunlich: Die Hi- und Lowcut-Filter lassen sich bei Bedarf als X-Over-Kurven verwenden! Alle bekannten Filtercharakteristiken werden angeboten. Linkwitz-Riley, Bessel und Butterworth von erster bis achter Ordnung (3 – 48 dB). Das bedeutet, dass sich der 20.12 bei Bedarf sogar als PA-Controller verwenden lässt, falls ein spontanes Ersatzgerät gefragt ist.

Unsere Test-PA adressiert der the t.mix 20.12 aus den vier Sub-Outs und dem Summenausgang mit passenden Signalen. Die Sub-Outs benannten Subgruppen können alternativ als zusätzliche Aux-Wege dienen, um damit entweder bis zu acht separate Monitorwege zu realisieren oder als Mixbus für externe Effektgeräte dienen zu können.

Die Liste der Mixer-Ausstattung wird erweitert durch Polaritätsumkehrung und ein Line-Delay mit bis zu 300 ms (in 0,2-ms-Schritten einstellbar) für jeden Ein- und Ausgang. Zusätzlich zu dem vollparametrischen 4-Band-EQ verfügt jeder Ausgang noch über einen 31-Band-GEQ (Aux 1 – 4, Sub 1 – 4 und Summenausgang). Schön, dass die GEQs über eine dedizierte Funktionstaste aufrufbar sind.

Alle Eingangskanäle sind mit einem gut ausgestatteten Noise-Gate und einem separaten Kompressor ausgestattet. Dieser findet sich zudem in jedem Ausgang wieder und kann dort von einfacher Signalverdichtung bis als Limitier dienen. Passende Einstellungen lassen sich in Presets abspeichern. Die EQ- und Dynamiksektion offeriert jeweils 48 User-Presets. Hersteller-Presets sucht man allerdings vergebens. Schön, dass man komplette Kanalzüge oder auch nur Teile davon auf weitere Kanäle über eine intuitive Copy&Paste-Funktion kopieren kann. Respekt!

Effekte

Irgendwo muss sich der günstige Preis bemerkbar machen. Mit einem Blick auf die eingebaute Effektsektion wird auch direkt klar, wo. Der Mixer verfügt lediglich über zwei identische Effektsektionen mit identischen zwölf Effektalgorithmen. Geboten wird solide Hausmannskost. Hall, Delay, Modulation und Multi-FX. Immerhin darf der Anwender je nach Effekt bis zu zwölf Parameter verwalten und kann dabei sogar auf die Unterstützung einer Tap-Tempo-Taste bauen.

Doch lieber mit dem Tablet?

Wie es sich für einen aktuellen Digitalmixer gehört, gibt es auch beim t.mix eine Netzwerkverbindung, an der sich ein W-LAN Router andocken lässt. Passend dazu findet man in Apples App-Store eine kostenlose iPad-App, und zwar unter der Bezeichnung: 20.12TT. Eine Android-App oder eine PC/Mac-Editorsoftware gibt es allerdings nicht. Somit ist das iPad das Mittel zur Wahl, wenn es um die Fernsteuerbarkeit des Kandidaten geht. Die App spiegelt vom Funktionsumfang und der Optik den Hardware Mixer, was die Bedienung deutlich erleichtert. Die Steuerung der EQs am Touchscreen des the t.mix 20.12 ist zwar ordentlich, gelingt aber an dem deutlich größeren iPad-Display noch souveräner. Besonders die GEQ-Fader profitieren vom größeren Bildschirm des iOS-Tablets. Die App ermöglicht es dem Anwender Presets und Szenen, wahlweise auf der Hardware oder im iPad selbst, zu speichern. Klasse Sache, lassen sich doch so am iPad auch offline Szenen vorbereiten und beim Gig kurzerhand in die Hardware verschieben.

USB-Recording

the t.mix 20.12 verfügt über einen USB-2.0-Port, mit dessen Hilfe man die Signale am Summenausgang aufzeichnen kann. Ein Test-Recording mit meinem Windows-Laptop (Windows 10 + PreSonus „Studio One 4) gelingt ohne Probleme. Ohne Treiberinstallation wird das Gerät in der DAW als „USB Audio Codec“ erkannt und kann verwendet werden. Auch die Wiedergabe funktioniert problemlos, wenn der „USB Audio Codec“ als Audioausgang in der DAW definiert wird. Ihr benötigt statt eines Summenmitschnitts eine Mehrspuraufnahme? Mit einem Blick auf die Rückseite erkennt man einen mit einer Leerblende abgedeckten Karten-Slot. Womöglich wird zu einem späteren Zeitpunkt eine optionale Recording-Karte angeboten, die auch Mehrspuraufnahmen erlaubt. Das dazugehörige Routing ist unter „System“ --> „Digital in/out“ bereits angelegt und verlangt nur nach der entsprechend Optionskarte.

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