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13.06.2017

Teenage Engineering Pocket Operator PO-32 Tonic Test

Drum Synthesizer und Sequenzer


Gin Tonicos Spartanicus

Teenage Engineering haben es wieder getan. Jetzt gibt es den Pocket-Operator (PO) Nummer 7, mit einer ähnlich lustigen Grafik, wie man sie seit dem OP-1 kennt. 

Der PO-32 hört auf den liebevollen Beinamen Tonic, da er in Zusammenarbeit mit Sonic Charge entstanden ist und auf gewisse Art und Weise auch mit dem MicroTonic Drum Plugin kompatibel ist. Wie das geht, was das soll und wie es klingt, das erfahrt ihr hier!

Details

Alles für den Dackel, alles für den Club

Der Teenage Engineering PO-32 Tonic ist ein weiterer Hosentaschen-Synthesizer der äußerst puristischen und kleinen „Taschenrechner“-Klangerzeuger aus Schweden. Er ist damit das siebente Gadget der Pocket Operator (PO) Serie, welche bereits den PO-12 Rhythm, PO-14 Sub, PO-16 Factory, PO-20 Arcade PO-24 Office und PO-28 Robot kennt.

Neue Features im teuersten PO aller Zeiten


Bei dem PO-32 Tonic handelt sich um eine digitale Drum Machine inklusive Sequenzer mit 16 Tracks, die je einen Sound beinhalten. Das alles wird in 16 Pattern-Speicherplätzen à 16 Steps organisiert. Gleichzeitig können maximal vier Sounds gespielt werden bzw. besser gesagt: Es kann nur ein Sound pro Spalte aus der 4x4 Matrix abgespielt werden. 

Der Umstand der limitierten Polyphonie hat mich sehr verwundet, da dies nicht kommuniziert wird – entsprechend doof habe ich bis zu dieser Erkenntnis gerätselt, warum, wieso, weshalb spielt jetzt nur ein Sound?! Generell gilt: Die Dokumentation ist leider genauso spartanisch wie die kleine Kiste selbst.

Wenn man sich dann aber die Beschriftung Sherlock-Holmes-mäßig einmal genauer ansieht, fallen einem schon vier weiße Streifen zur Separierung der Sound-Taster auf – die es so aber bei keinem anderen Pocket-Operator gab. Apropos anders: So teuer wie der PO-32 war bisher keiner der Synths: EUR 99,- ist deutlich mehr als die anfänglichen EUR 69,-

Es kommt gerade ein Fax rein


Die Fähigkeit Parameter Locks (fixe Einstellungen pro Step) für jeden Sound vornehmen zu können ist geblieben, sodass es möglich ist die Factory-Sounds trotz weniger Parameter umfangreich anzupassen. Factory-Sound sage ich deshalb, weil man auch Sounds von außen importieren kann. Und zwar von einem PO-32 zum anderen – oder von dem kostenpflichtigen Sonic Charge MicroTonic VST Plugin aus.

Richtig gehört! Man kann mit einem Plugin Sounds generieren und diese dann für die mobile Performance auf den PO-32 übertragen - inklusive Patterns. Dies geschieht sozusagen „wireless“, da der empfangende Tonic einfach nur vor den Lautsprecher des Rechners gehalten wird. Mit der Hilfe von „Modem-Fiep-Geräuschen“ werden dann die Sounds dann in Windeseile in den Tonic übertragen. Und das geht so!

Eine Übertragung via Audiokabel ist ebenfalls möglich. Via Mic und Speaker ist es aber definitiv James-Bond-mäßiger. Besonders toll: Da der MicroTonic bekanntermaßen acht Soundslots bietet, der PO-32 aber nur vier Sounds gleichzeitig wiedergeben kann, könnte es hier natürlich gewisse Komplikationen geben. Dank eines Optimierungstools in der Übertragungssoftware stellt das faktisch aber überhaupt kein Problem dar!

Gänzlich neu ist auch der kleine Lock-Tab, links neben dem Display. Durch Abbrechen dieses wird eine Art Schreibschutz aktiviert. Das kleine Mikrofon über dem Display hat es so auch noch nicht gegeben. Man kann hier aber keine Sounds aufnehmen, es dient wirklich nur zur Übertragung von Sounds zwischen den PO-32s und/oder dem Micro-Tonic VST PlugIn. 

A/B-Parameter und Punch-In-Effekte

Jeder Sound ist mit Hilfe der beiden Drehregler (A/B) veränderbar, wobei einer den Pitch und der andere das Decay regelt. Es handelt sich aber um Macro-Änderungen, sodass immer etwas mehr als nur Pitch/Decay angepasst wird und somit ein großer, klanglicher Raum abgedeckt wird. Die Factory-Sounds sind bereits besonders gut editierbar, die übertragenen bzw. empfangenen muss man vorbereiten. Regler A entspricht dem Pitch, B dem Morph Parameter aus dem Micro-Tonic.

Alle POs verfügen außerdem über die sogenannte Punch-In Effekte – die wir uns im Praxis-Teil aber noch detaillierter anhören werden. Die Möglichkeit bis zu 64 Pattern zu chainen, sprich in eine automatisch abspielende Reihenfolge zu bringen, gibt es ebenfalls.  Ferner lassen sich auch Step-Multiplier einsetzten, die im Prinzip wie ein Note-Repeat pro Step agieren.

Gewohnte Hardware 

Die restliche Hardware ist im Prinzip wie bei allen anderen Pos identisch. So bestehen die Zigarettenschachtel-großen Geräte lediglich aus einer Platine mit 23 Tastern inklusive LEDs, zwei Potis und einem verrückt animierten Display. Eine Silikon-Hülle ist gegen Aufpreis erhältlich.

Hinter dem Display mit der Grafik einer lustigen Bar im Kinder/Comic-Style sitzt ein „Silabs EFM32 Gecko MCU“ Prozessor und auch noch ein kleiner Lautsprecher. Der DAC wiederum stammt von dem etablierten Hersteller Cirrus Logic. An der rechten und linken Seite findet sich außerdem je eine 3,5 mm Klinkenbuchse: Links ist der Eingang, rechts der Ausgang. Um beliebig viele Geräte der Serie zu „chainen“, können diese hier in Reihe verbunden werden, wobei pro Stereo-Leitung ein Sync-Signal und das aufsummierte Mono-Audio durchgereicht werden. Verschiedene weitere Sync-Modes stehen zur Verfügung. Kabel muss man extra kaufen.

Ewig langer Strom


Strom erhält der Tonic wie auch alle anderen Pos von zwei AAA-Batterien, wobei die Lebenszeit bei intensiver Nutzung mit 1 Monat recht effektiv ist, genau wie die zwangsläufige Stand-By-Zeit von 2 Jahren. Einen Netzteilanschluss oder Hauptschalter gibt es immer noch nicht. Das ist und bleibt ein Manko, weil sich die kleinen Geräte bei Taschenreisen oft von allein in Betrieb setzten und die Batterien schwer zu entfernen sind. Ebenfalls gleich blöd: Der kleine Bügel / Ständer, der dazu neigt sich vom Gerät zu lösen. Immerhin wurde der „Hänger“ verstärkt, sodass er nicht mehr so leicht wegbricht … Was ein Quatsch, den will man ja eigentlich wegbrechen!

Die Uhrzeit-Funktion ist ebenfalls wieder an Bord, sodass der PO-32 auch als Wecker benutzt werden kann. Auch gleich: Auf der Rückseite sind zwei Lötpunkte zu vermelden, an die ein eigener Speaker angelötet werden kann. Zwischen den Klinkenbuchsen finden sich außerdem zwölf weitere Lötpunkte, die einen JTAG-Programming-Port darstellen. Neu sind drei aufgedruckte Tastenkombination, die allerdings jeglicher Vollständigkeit entbehren. 

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