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05.12.2016

Teenage Engineering OP-1 Test

Synthesizer-Workstation / OS#218

Ich glaub mich knutscht ein Elch, oder war es eine Kuh?

Teenage Engineering OP-1 im Test: Spätestens seit seinem Auftritt im Swedish House Mafia-Video „One“ geistert der OP-1, von einem leicht mystischen Hauch umgeben, durch die synthetische Musiklandschaft. Nachdem die zunächst in geringer Stückzahl produzierten OP-1 schnell abverkauft waren, war es anfangs schwierig, ein Exemplar zu erwerben. Mittlerweile findet man den „Operator-1“ des jungen schwedischen Herstellers aber im Sortiment der meisten etablierten Fachhändler.

Aber was ist das überhaupt für ein Gerät, das aufgrund seines Designs unweigerlich Assoziationen zu dem 80er Jahre Spielzeugkeyboard VL 1 von Casio (Trio - „Da Da Da“) erweckt? Welche Zielgruppe ist bereit, dieses vermeintliche Gadget zu einem Preis zu kaufen, für den man schon den ein oder anderen „ausgewachsenen“ Synthesizer bekommt? Um darauf eine Antwort zu finden, müssen wir zunächst einmal herausfinden, was der „Kleine“ denn alles so drauf hat.

Details

Laut Hersteller gehört die ständige, intensive Weiterentwicklung des Funktionsumfangs zum Konzept des OP-1 und just heute (29.05.13) ist ein weiteres Update (OP1- OS#13585) mit einer brandneuen Synth-Engine und einem neuen Effekt (muuh!) zum Download bereitgestellt worden. 

Lieferumfang
Der Teenage Engineering OP-1 befindet sich in einer, mit Produktabbildungen recht informativ gestalteten, Verpackung, auf welcher die wesentlichen Features und Bedienelemente vorab schon einmal ansatzweise erklärt werden. Das Gerät selbst wird zudem von einer anscheinend umweltverträglichen „Papierschaum-Box“ geschützt, die zusammen mit zwei mitgelieferten, schicken Gummibändern (mit Firmenschriftzug und Logo) dem weiteren Transport dienen soll. Tolle Idee, allerdings löst sich das Teil nach wenigen Transportaktionen z.B. in einer Laptoptasche in seine Einzelteile auf.

Im Lieferumfang befindet sich außerdem ein, mit Firmenlogo verziertes, USB-Kabel. Fehlt nur noch das wasserlösliche Abzieh-Tattoo zur Markenbindung. Die Gehäuseoberseite wird von einer beschrifteten transparenten Folie bedeckt, die den Neu-User als Kurzanleitung in die wesentliche Bedienschritte einweist - vorbildlich! Eine ausführliche Bedienungsanleitung gibt es ausschließlich hier als englischsprachige Downloadversion (Version 1.0 auch in japanisch, wer kein englisch kann ...).

Weiteres Zubehör ist optional und zu echt „skandinavischen“ Preisen erhältlich, u.a.:

  • Radio-Antenne
  • diverse Aufsätze für die Encoder
  • Soft-Case
  • Strap-Kit (Tragegurt inkl. Befestigung)
  • Display-Schutzfolie

Gehäuse
Die erste Überraschung (sofern man nicht darauf vorbereitet ist) erfolgt direkt nach dem Auspacken des „Taschen-Synthesizers“. Wenn ich irgendeinem technischen Gerät mein Leben anvertrauen müsste, dann sollte es genau so wie der OP-1 verarbeitet sein! Das für seine Größe erstaunlich schwere Gerät ist eine tadellos verarbeitete Symbiose aus Aluminium und sehr hochwertigem Kunststoff. Laut Hersteller sind sämtliche Bedienelemente auf eine hohe Lebensdauer ausgelegt, so finden z.B. die Encoder auch in der Luftfahrt (hohe Temperaturschwankungen/betrunkene Engländer) Verwendung. Jeder Quadratzentimeter macht einen mehr als soliden Eindruck - alle Taster/Bedienelemente sitzen stramm und sprechen gut an. Anhand von Bildern habe ich ein weißes Gerät erwartet, in Wirklichkeit ist das OP-1 in einem matten Hellgrau-Ton lackiert und wirkt trotz der bunten Encoder fast schon seriös.

Oben links befindet sich ein kleiner Lautsprecher (1Watt/8 Ohm), der einen höheren Nutzwert hat, als man vielleicht aufgrund seiner geringen Abmessungen erwartet. Es ist durchaus möglich, Studio-Kollegen musikalische Ideen zum laufenden Playback präsent darzubieten, ohne sich gleich verkabeln zu müssen. Direkt gegenüber, auf der rechten Seite, hinter vier kleinen Löchern, verbirgt sich ein eingebautes Mikrofon, dessen Qualität ebenfalls meine Erwartung übertrifft und sich z.B. überraschend gut bei der Aufnahme von Sprachsamples schlägt.

Direkt darunter gibt eine 5-stufige LED-Anzeige Auskunft über Pegel und Ladezustand des Akkus. Am rechten Gehäuserand finden sich neben dem Power-Schalter alle weiteren Schnittstellen zur Außenwelt. Jeweils ein Audio Ein- und Ausgang in Form einer 3,5mm Klinkenbuchse wurden dem Gerät spendiert, wobei die Eingangsbuchse gleichzeitig als Anschlussmöglichkeit der optional erhältlichen Antenne für den Radiobetrieb dient. Laut Bedienungsanleitung reicht bereits ein 3,5mm Klinkenkabel als Antenne!

Außerdem gibt es einen USB-2.0-Port, der auch die einzige Möglichkeit zum Aufladen des internen Lithium-Ionen-Akkus ist. Alternativ zum, im Lieferumfang enthaltenen, USB-Kabel lässt sich auch jedes Handy-Ladegerät (5V) zum Aufladen des OP-1 nutzen - super!

OLED-Display
Hier handelt es sich um eines der ersten Highlights. Neben der luxuriösen Anmutung ist es aufgrund der vorbildlichen Ablesebarkeit aus sämtlichen Winkeln und bei unterschiedlichsten Lichtverhältnissen von sehr hohem Nutzen - des Weiteren bildet es die Basis des „farbcodierten“ Bedienkonzeptes, auf das ich später noch detaillierter eingehen werde.

Keyboard
Der OP-1 bietet 24 Keyboardtasten in ungewöhnlicher Buttonform, welcher der Tastatur des mutmaßlichen Urahn VL1 von Casio nicht ganz unähnlich ist. Die Tasten besitzen keine Anschlagsdynamik und senden den Velocity-Wert 100, wobei die Klangerzeugung als MIDI-Slave selbstverständlich auch auf Velocity-Änderungen reagiert. Über die Pfeiltasten (unten links) lassen sich Oktav-Verschiebungen einstellen oder bei gleichzeitig gedrückter Shift-Taste Pitchbendings durchführen. Die Audiobeispiele dieses Testberichts wurden zu 99 Prozent mit der OP-1 Tastatur eingespielt.

Doch was verbirgt sich unter der durchgestylten Oberfläche des OP-1? Eine kurze, zunächst kommentarlose Zusammenfassung:

Elf unterschiedliche Synth-Engines: Die Synth-Modes.

  • DNA
  • Dr Wave
  • FM
  • Pulse
  • Digital
  • Phase
  • Cluster
  • Sampler
  • String
  • DSynth
  • Voltage (Neu!)

Die Engines scheinen allesamt 6-stimmig zu sein – interessant, dass dieser elementare Umstand nirgends Erwähnung findet, weder auf der Hersteller-Homepage, noch in irgendwelchen Verkaufsportalen! Jeder Sound im Synth-Mode verfügt über eine ADSR-Hüllkurve, einen Effekt und einen LFO (dazu später mehr).

Zwei Klangerzeugungen für Beats: Die Drum-Modes

  • Sampler
  • Drum Box (Synthese)

Sechs Sequenzer für Synth- und Drum-Mode

  • Endless
  • Finger
  • Pattern
  • Tombola
  • Sketch
  • Arpeggio (Neu!)

Die Effekte

  • (Ein Effekt pro Soundprogramm plus ein Mastereffekt gleichzeitig nutzbar)
  • CWO (neu!)
  • Delay
  • Phone
  • Punch
  • Grid
  • Spring

Der 4-Spur Tape Recorder

  • variable „Bandgeschwindigkeit“
  • 16Bit/44,1kHz bei normaler Bandgeschwindigkeit
  • 6 bis 24 Minuten Aufnahmezeit (abhängig von Bandgeschwindigkeit)
  • Overdub-Recording
  • diverse Schneide- und Loopfunktionen
  • „Tape tricks“ (Tapestop, Reverse, Loop)

Der Mix-Mode

  • 4-Spur Mixer
  • mit Lautstärke, Panorama, Dreiband Master EQ, Master FX (siehe Effekte) und Drive (Kompressor)

Motion-Sensor
Bewegungssensor zur Steuerung des LFO

Radioempfänger
Dadurch wird der OP-1 zum stylischen Küchenradio. Der Clou: Das Radioprogramm lässt sich aufnehmen und samplen!

Update, Update

Nachdem seit dem letzten Update etwas mehr als zwei Jahre vergangen sind, ist ab sofort das neue Betriebssystem OP-1 OS #218 des Teenage Engineering OP-1 hier  zum kostenlosen Download verfügbar. 

Neben diversen Detailverbesserungen (Tape-Effekte, FM Radio) und Erweiterungen (neue Wellenformen des Tremolo LFO, Endless Sequencer 128 Steps), erfährt der kleine Schwede in folgenden Punkten eine wesentliche Aufwertung:

Sync

Die internen Sequenzer des OP-1 lassen sich per USB zu einer externen MIDI Clock synchronisieren. Ein weiterer Modus generiert ein (im Ausgang gesplittetes) Clock Signal zur Synchronisation der hauseigenen Pocket Operator Modelle sowie optional 1/16 Sync zum Ansteuern von Geräten anderer Hersteller.

Presets, Sounds und mehr

Neben einer kompletten Erneuerung aller Presetsounds (Synths und Drums) liefert das aktuelle Update auch eine neue Synthesizer Engine namens „Voltage“! Typischerweise ist das Synthese-Prinzip „Multi Oscillator Electric Synthesis“ puristisch und farbenfroh dokumentiert, was allerdings den Spieltrieb umso mehr fördert und eine weiteres Mal zum Kreieren individueller Sounds animiert. Mehr hierzu im Praxisteil.

Sequencer

Der neue Sequencer-Mode „Arpeggiator“. Hörbeispiele findet ihr ebenfalls im folgenden Praxisteil dieses Testberichts.

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