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Deckensegel selber bauen – Workshop #5

Dieser Workshop zeigt, wie man ein Deckensegel selber bauen kann. In unseren anderen Akustik-DIY-Workshops haben wir bereits Bässe mit dicken Eckabsorbern gedämpft, Plattenabsorber getunt, günstige Absorber aus IKEA-Regalen gezaubert und natürlich auch Seitenabsorber zur Dämpfung der ersten Reflexionen gebaut.

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Inhalte
  1. Wieso, Weshalb, Warum?
 Deckensegel-Grundlagen
  2. Der Tod lauert überall – Sicherheitshinweise zum Deckensegel-Selbstbau
  3. Deckensegel: Wie groß und wie viele?
  4. Anleitung, um den Deckenabsorber selbst zu bauen
  5. Welches Füllmaterial eignet sich am besten zum Dämmen in einem Deckensegel?
  6. Details, Details, Details
 – Besonderheiten beim Bau
  7. 

Wrap it – Das Deckensegel mit Stoff bespannen
  8. Den Deckenabsorber richtig abhängen

Dieser Deckabsorber ist im Prinzip nichts anderes als ein Seitenabsorber, hängt aber von der Decke und bringt damit seine Besonderheiten.

Wieso, Weshalb, Warum?
 Deckensegel-Grundlagen 

Die Hintergründe, die Notwendigkeit und die Grundlagen zur Dämpfung erster Reflexionen habe ich in unserem „Raumakustik Workshop – No.2 Seitenabsorber selber bauen“ geklärt. Grundsätzlich solltet ihr auch zuerst mit der Behandlung der Wände anfangen, bevor ihr euch Deckensegeln zuwendet. Dennoch möchte ich kurz das Wichtigste zusammenfassen: Für den von uns betrachteten Frequenzbereich gilt “Einfallswinkel = Ausfallswinkel”. Deshalb sollte der erste Deckenabsorber auch wieder zwischen euch und die Speaker gesetzt werden. Das vermeidet nicht nur Flatterechos am Abhörpunkt, es dämpft den Raum auch generell sehr gut. Und das gelingt mit dem Deckenabsorber für einen vergleichsweise geringen Aufwand, sowohl arbeits- als auch preistechnisch.

Der Tod lauert überall – Sicherheitshinweise zum Deckensegel-Selbstbau

Es gibt ein Problem: Der Absorber wird am Ende über eurem Kopf schweben und wenn ihr euch und andere nicht schwer schädigen wollt, müsst ihr ihn entsprechend solide befestigen. Ich übernehme keine Haftung für unsachgemäße Ausführungen. Prüft also unbedingt vorher die Gegebenheiten eurer Decke, informiert euch über die korrekten Befestigungsmaßnahmen und arbeitet besonders aufmerksam!

Bevor ihr etwas an eure Decke hängt, prüft zuerst die Tragkraft!

Im Umkehrschluss bedeutet das, dass ihr versuchen solltet, das Gesamtgewicht so gering wie möglich zu halten und die Haken möglichst sicher zu installieren. Bei Gipskarton-Decken solltet ihr euch auf jeden Fall Hohlraumdübel besorgen. 

Deckensegel: Wie groß? Wie viele?

Nehmen wir an, euer Raum ist „normal groß“, also zwischen 20 und 30 m². In diesem Fall sollte zur Bedämpfung der kritischsten Reflexionen im Sweetspot an eurem Arbeitsplatz ein Deckensegel der Größe 2 m x 1,5 m reichen. Dieses wird mit vier Ketten abgehangen.
Ein bisschen größer bauen macht die Sache nicht wirklich komplizierter – jedoch empfehlt es sich allein aus Sicherheitsgründen ab einer gewissen Größe, mehrere Module zu bauen und unabhängig voneinander abzuhängen. Vorsicht vor Aktionismus: Tapeziert nicht gleich die ganze Decke mit Absorbern, da ihr unter Umständen den Raum zu stark dämpft, und euch somit am Ende zu viele Höhen fehlen.

Anleitung, um den Deckenabsorber selbst zu bauen

Zunächst baut ihr einen Holzrahmen mit Schalbrettern, welche mindestens 10 cm breit sein sollten, damit ihr später ca. 10 cm dicke Glaswolle- oder Hanffaserplatten reinstopfen könnt, ohne dass man diese von außen sieht. Der Baumarkt hat meist 12,5 cm im Angebot, das ist ideal. Achtet aber darauf, dass die Schalbretter nicht zu dick sprich zu schwer werden. In unserem Beispiel haben wir 2 cm dicke Bretter verwendet, die sind stabil, aber eben auch leicht genug. Daraus bauen wir nun einen Rahmen. 

Fotostrecke: 4 Bilder So sollte der fertige, ungefüllte Kasten am Ende ungefähr aussehen.
Fotostrecke

Wenn nötig, sägt ihr die Bretter zuerst auf die gewünschte Länge. Im Übrigen können alle Sägearbeiten auch in vielen Baumärkten von einem freundlichen Baumarktfachangestellten sachgerecht übernommen werden. So haltet ihr das Heim sauber. Danke, freundlicher Baumarktfachangestellter!
Ihr benötigt auch noch ein paar Stützleisten für das Innere, damit später die Wollplatten nicht durchhängen und auf den schönen glatten Stoff durchdrücken. Fünf bis sechs Leisten sollten hierfür ausreichend sein. Prüft das aber bitte in Abhängigkeit von eurem Füllmaterial bzw. wie dieses verpackt ist. 
Ich benutze oftmals Isover Akustik EP 1, die sogenannten Trennwandplatten sind hier 60 x 125 cm groß. Legen wir davon ein paar zusammen, kommen wir auf die folgenden Innenmaße:

  • 2 Stück 0,6 m * 1,25 m
  • 
3 Stück 1,8 m * 1,25 m
  • 
4 Stück 1,2 m * 2,5 m

Welches Füllmaterial eignet sich am besten zum Dämmen in einem Deckensegel?


Es ist sinnvoll, das Deckensegel in Abhängigkeit der Größe des Füllmaterials zu bauen, da man so beispielsweise die Glaswolle nicht schneiden muss. Das ist nämlich nicht nur mühselig, sondern auch mit juckendem Dreck verbunden. Solltet ihr schneiden müssen, dann tut dies mit entsprechender Schutzkleidung und am besten draußen. Ich habe keine Bedenken im selben Raum mit offener Glaswolle zu sein – auch wenn sie mir direkt über dem Kopf hängt. Splitter und Faser, die eingeatmet werden könnten, entstehen nur bei der Verarbeitung und so lange die Wolle bzw. der Absorber nicht heftig bewegt wird, kann da auch nichts passieren. Solltet ihr dennoch paranoide Zweifel haben: Nehmt „chillige“ Hanfwollplatten oder Akustikschaumstoffplatten (Melaminharzschaum aka Basotec) – beides ist deutlich teurer und meiner Meinung nach nicht notwendig. Aber ihr habt die Wahl!

Details, Details, Details
 – Besonderheiten beim Bau

Die Erfahrung hat gezeigt: Es ist effektiver, erstmal alle Querleisten mit Winkeln zu versehen, bevor ihr sie an die großen Seiten, sprich Schalbretter anschraubt. Legt euch ein Stützholz an die Winkel, sodass ihr diese bündig verschrauben könnt. 

Ebenfalls wichtig, bevor ihr die Stützleisten anschraubt: Legt euch einen Abstandshalter (z. B. einen eurer Winkel) unter, sodass die Stützleisten etwas versetzt in dem umschließenden Kasten sitzen und nicht bündig sind. Das ist wichtig, damit man die Leisten später nicht durch den Stoff sieht. Beachtet auch: Günstiges Bauholz ist meist nicht 100% gerade, sondern eher etwas schief und verdreht. Schaut euch euer Holz also vor dem Kauf genau an und pickt euch die besten Stücke heraus. Das ist allerdings nur bei dem umschließenden Kasten wichtig, die Stützleisten können ruhig krumm sein – die sieht eh keiner. Und deswegen verwende ich dafür günstige Bundware.



Fotostrecke: 2 Bilder Vorbereitung ist Alles: Ich bevorzuge es, erst alle Winkel an einer Seite anzubringen, bevor ich sie an die großen Leisten schraube.
Fotostrecke



Wrap it  – Das Deckensegel mit Stoff bespannen


Wenn der Rahmen fertig ist, bespannen wir ihn mit Stoff. Ich bevorzuge Satinmolton von rabenring.de Der ist nicht günstig, aber hochwertig, sieht schick aus und ist Brandschutz-imprägniert. Der Stoff wird umgeschlagen und auf der Oberseite festgetackert. Dafür bietet sich ein Elektrotacker an. Befestigt den Stoff zuerst an den kurzen gegenüberliegenden Seiten und zieht ihn dann über die großen Seiten schön straff, sodass er keine Falten schlägt. An den Ecken lege ich den Stoff wie bei einer Geschenkverpackung einfach nur um. In die Ecken kommen Haken mit Gewinde. Ihr solltet hier auf jeden Fall vorbohren, da das Holz so nah am Rand sonst schnell aufreißen kann. 
Danach wird der Kasten mit Wolle gefüllt. Hier habe ich Hanfwolle benutzt, weil sie da war.  Wer möchte, kann den Stoff auch nochmal umschlagen, sodass der Kasten komplett geschlossen ist. Das macht das Absaugen von Staub etwas einfacher. Außerdem befülle ich den Kasten erst, wenn er hängt – so kann nichts bei der Montage herausfallen, denn die ist durchaus etwas knifflig.

Fotostrecke: 3 Bilder In den fertigen, bespannten Kasten kommen in jede Ecke etwas größere Haken.
Fotostrecke

Den Deckenabsorber richtig abhängen


Es gibt einen Grund, warum ich die Ketten so lang mache: Es ist deutlich einfacher, das Deckensegel auf einer „normaler Höhe“ einzuhängen und ihn dann Stück für Stück, Ecke für Ecke nach oben „klettern“ zu lassen – also an einer Ecke wieder aushängen und ein Stück weiter oben wieder einhängen, dann die nächste Ecke etc. Das schafft man auch alleine! Passt nur auf, dass ihr nicht in den Stoff fasst, denn das könnte hässliche Beulen geben.

Fotostrecke: 3 Bilder Et voilà! Der Absorber hängt, wir haben fertig.
Fotostrecke

Um den Wirkungsbereich etwas breiter zu gestalten, kann man den Absorber außerdem schräg hängen – auch weil es cooler aussieht. Ähnliches betrifft den Abstand zur Decke, sprich wie tief ihr den Absorber hängt. Das beeinflusst zwar durchaus die Zielfrequenz ein wenig, aber davon sollte man sich wirklich nicht beeindrucken lassen. Das ist eher ein theoretisches als ein praktisches Problem. Bei 10 Zentimetern Dicke empfiehlt sich aber ein Mindestabstand von ebenfalls 10 cm. Wer möchte, kann mit den Abständen und einem Messmikro experimentieren – viel Unterschied macht das aber wirklich nicht. Ach so: Wir sind fertig. Danke fürs Mitmachen!

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von Felix Klostermann

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Profilbild von Steven Lindner

Steven Lindner sagt:

#1 - 21.06.2018 um 00:47 Uhr

Empfehlungen Icon 0

Wirklich eine Super Reihe von Bauanleitungen, die ich alle im künftigen Heimkino anwenden werde.1.) Du hast relativ weit oben geschrieben:,,Ich benutze oftmals Isover Akustik EP 1, die sogenannten Trennwandplatten sind hier 60 x 125 cm groß. Legen wir davon ein paar zusammen, kommen wir auf die folgenden Innenmaße:"Meintest Du damit die Querverstrebungen, dass die Glaswolle nicht unten aufliegen wird?2.) Hast du den Absorber dann oben offen gelassen, das ist mir aus der Beschreibung nicht ganz klar geworden3.) Ich habe vor ein großes Deckensegel zu bauen und dort meine Atoms-Lautsprecher einzubringen.Wie würdest Du das am Besten umsetzen?Ich würde gerne ein großes Segel bauen, ohne zu stückeln. Die nötigen Befestigungen und auch die Decke werden bei dem Neubau-Haus dann auf jeden Fall auf alles direkt ausgelegt.
Dabei muss ja im Ausbau des Decksensegels nicht das komplette Segel gedämmt werden, sondern nur die Bereiche, die die Erstreflektion betreffen.
Außerdem hätte ich mir gedacht, dass man über dem Sweet-Spot noch Diffusoren mit einbringt in das Segel.4.) Hast du eine Idee, wie man Diffusoren selbst bauen kann?Vielen liebe Dank für deine tollen Anleitungen und deinem echt super lesbaren Schreibstil. Es wäre wirklich super klasse, wenn Du mir diese Fragen beantworten könntest.Liebe GrüßeSteven Lindner

Profilbild von Sebastian

Sebastian sagt:

#2 - 21.06.2021 um 15:44 Uhr

Empfehlungen Icon 0

Hey, super Beitrag! Kann man das Deckensegel auch mit Steinwolle füllen?

Kommentare vorhanden
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