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Tutorial: 5 Schritte zur gelungenen Homerecording-Sprachaufnahme

Ihr wollt Sprachaufnahme in guter Qualität aufnehmen, sei es für ein Podcast, um ein Video zu vertonen oder ein Hörbuch zu erstellen?

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Inhalte

  1. Schritt 1: Der Raum für die Sprachaufnahme
  2. Schritt 2: Wahl des geeigneten Mikrofons
  3. Schritt 3: Die korrekte Position vor dem Mikro
  4. Schritt 4: Schärfe aus Sprachaufnahmen entfernen
  5. Schritt 5: Stolperfallen während der Aufnahme beachten
  6. Zusammenfassung

Mit diesem Ratgeber wollen wir euch die Grundlagen für eine gut klingende, professionelle Sprachaufnahme mit auf den Weg geben. Welche Voraussetzungen man dafür schaffen sollte und wie man ein ideales Recording der Stimme hinbekommt, soll in den folgenden Schritten geklärt werden.
Sprachaufnahmen können für unterschiedlichste Verwendungszwecke eingesetzt werden. Vielleicht wollt ihr ein Tutorial erstellen, einen Videofilm nachvertonen (also overdubben/synchronisieren) oder einfach ein Hörbuch oder sogar kleines Hörspiel zuhause am Computer aufnehmen.
Kennt ihr schon unseren Kaufberater zum Thema Podcasting? Dort erfahrt ihr, welche Mikrofone, Interfaces und welche Software sich zur Aufnahme eignen und was der aktuelle Markt hergibt– auch bei geringem Budget! Außerdem findet ihr Tipps für die Anschaffung von Bundles.
Und wenn ihr noch nie ein Mikrofon ausgesteuert habt: Hier lernt ihr, wie man ein Mikrofon anschließt und einpegelt.

Schritt 1: Der Raum für die Sprachaufnahme sollte möglichst trocken sein

Sehr flexibel ist man in der Mischung oder Verwendung einer Sprachaufnahme, wenn man seine Aufnahmen in einem möglichst trockenen und schallgedämmten Raum durchführt, und alle für das Endprodukt wichtigen, Komponenten hinterher hinzufügt. Mit Hilfe aktueller Softwareprodukte lassen sich so gut wie alle denkbaren Räume akustisch nachbauen, wodurch man die Aufnahmen im Nachhinein virtuell in die benötigte akustische Umgebung setzen kann, sei es in ein typisches Wohnzimmer, eine vielbefahrene Straße oder gar eine gigantische Tropfsteinhöhle. Voraussetzung dafür ist, dass man eine möglichst trockene, pure Sprachaufnahme als Grundlage zur Verfügung hat. 
Um eine möglichst trockene Aufnahme zu realisieren, muss man in einem Raum aufnehmen, der möglichst das akustische Gegenteil eines Badezimmers ist, also reflexionsarm, und daher möglichst ohne signifikanten Nachhall. Um einen Raum akustisch trockenzulegen, sollte man einen großen Teil der Wände, des Bodens und der Decke mit schallabsorbierendem Material verkleiden. Hierfür gibt es von diversen Herstellern sogenannte Absorber aus unterschiedlichen Akustik-Schaumstoffen, mit denen man einen halligen Raum in eine reflexionsarme, “trockene” Umgebung verwandeln kann. Der Nachteil dabei ist, dass diese Absorber relativ teuer sind, und man für einen kleinen Raum von vielleicht zehn Quadratmetern, mit locker mal 200-300 Euro Materialkosten rechen muss. Je größer der Raum, desto teurer wird das Ganze dann auch. Der berühmte Tip, Eierkartons an die Wand zu kleben, ist zum akustischen Trockenlegen eines Raumes übrigens denkbar ungeeignet: Eine solche Pappschale eliminiert allerhöchstens ein paar hohe Frequenzen, die nicht allzu sehr Auswirkungen auf die Halligkeit im Raum haben.
Eine weitaus günstigere und unkompliziertere Möglichkeit, als Akustik-Schaum an die Wände zu kleben, um an eine relativ trockene Sprachaufnahme zu gelangen, ist der Einsatz eines kleinen Absorber-Schirmes. Ein solcher Reflection-Filter ist ein halbkreisförmiger Schirm, der an der Innenseite mit Akustik-Schaumstoff versehen ist, und in dessen Mitte man das Mikrofon hineinstellt. Da sich das Mikro dadurch sozusagen in einem kleinen, reflexionsarmen Raum befindet und man sich dann sehr nahe vor dieses Konstrukt positioniert, erhält man eine erstaunlich trocken klingende Aufnahme.
Hier findet ihr übrigens DIY-Tipps und hier Grundlagen zur Akustik.

Kleiner, schneller bewerkstelligt und preiswerter als ein Akustikausbau: Reflexion-Filter, hier der "Space" von sE Electronics.
Kleiner, schneller bewerkstelligt und preiswerter als ein Akustikausbau: Reflexion-Filter, hier der “Space” von sE Electronics.

Kleiderschrank

Als Notlösung gibt es den alten Trick, das Aufnahmemikrofon in den geöffneten Kleiderschrank, zwischen möglich viele Klamotten zu positionieren, natürlich so, dass die Aufnahmerichtung des Mikros nach außen zeigt, sodass man quasi in den Kleiderschrank hinein spricht. Und es sollten keine Anziehsachen das Mikrofon berühren, das gibt sonst Störgeräusche.
Dank der Klamotten lässt sich eine relativ trockene Aufnahme erhalten. Da Kleiderschränke allerdings in aller Regel relativ klein und rechteckig sind, können hierbei unschöne, färbende Resonanzen entstehen, wodurch sich die Aufnahmen eventuell anhören könnten, als wären sie in einem kleinen Karton gemacht worden. Wenn man sich Akustik-Baumaßnahmen oder Anschaffungen erst einmal ersparen möchte, kann man dies aber durchaus einmal probieren.
Gehen wir davon aus, dass ihr euren Raum entsprechend gedämmt habt oder einen Absorber-Schirm einsetzt. Die Punkte, die nun noch entscheidend sind, sind das verwendete Mikrofon sowie die Performance und Disziplin des Sprechers.

Schritt 2: Wahl des geeigneten Mikrofons und seiner Richtcharakteristik

Die Reihe der Mikrofone, die für Sprachaufnahmen geeignet sind, ist schier unüberschaubar. Es gibt kaum ein Mikro auf dem Markt, mit dem man keine Sprecher recorden könnte, und dennoch macht es Sinn, hier auf wichtige Details bei der Auswahl eines geeigneten Kandidaten zu achten. Hat man sowohl ein dynamisches als auch ein Kondensator-Mikrofon zur Auswahl, so wird man sich meistens für die Kondensator-Variante entscheiden. Dynamische Mikrofone, mit der sogenannten Tauchspulentechnik, lösen in den hohen Frequenzen schlechter auf. Die für Sprache so wichtigen S-Laute klingen oft nicht so sauber wie bei der Kondensator-Verwandtschaft, und überhaupt ist das Impulsverhalten gegenüber den KondensatorMikrofonen nicht so abbildungstreu, wodurch ein dynamisches Mikrofon meist die schlechtere Wahl wäre. Dynamische Tauchspulenmikros sind aber robuster, unkomplizierter und werden auch ab und zu eingesetzt, besonders die spezialisierten Broadcast-Mikrofone.
Kondensator-Mikros sind leider sehr anfällig für Plopplaute, die beim gesprochenen Buchstaben „P“ entstehen, da sie im Regelfall ohne eingebauten Ploppschutz daherkommen. Normalerweise liegen den Kondensator-Mics deswegen aufsteckbare Schaumstoff-Pfropfen bei. Falls nicht vorhanden, kann man sich aus gewöhnlichen Alltagsgegenständen, wie einem Metallkleiderbügel und einer Nylonstrumpfhose, einen improvisierten Windschutz basteln (…zu sehen übrigens im Musikvideo von „We are the world“).

Einfaches Großmembran-Kondensatormikrofon: Neumann TLM 102
Einfaches Großmembran-Kondensatormikrofon: Neumann TLM 102

Welche Richtcharakteristik ist am besten für Sprachaufnahmen geeignet?

Bei der Wahl des richtigen Kondensator-Mikros gilt es jetzt noch auf die Richtcharakteristik zu achten. Nieren-Charakteristik dürfte in den meisten Fällen die erste Wahl sein. Im Vergleich zu den anderen gängigen Abstufungen wie Hyperniere, Superniere oder Acht, klingt die Niere meist am natürlichsten und bietet dabei auch noch eine ausreichende Richtwirkung, um möglichst wenig diffusen Schall aufzunehmen. Hyper- und Superniere sind zwar auch nicht allzu anfällig für Diffus-Schall, haben aber meist keinen so linearen Frequenzgang wie die Nieren. Auf Kugel oder Acht sollte man bei Sprachaufnahmen auch eher verzichten, da hier zu viele Raumanteile mit in die Aufnahme fließen würden, was die Aufnahme letztlich wieder „untrockener“ machen würde.  

Mikrofone unterscheiden sich durch die Richtcharakteristik. Bei manchen, wie diesem Doppelmembran-Kondensatormikrofon, lassen sich die Polar Pattern einstellen.
Mikrofone unterscheiden sich durch die Richtcharakteristik. Bei manchen, wie diesem Doppelmembran-Kondensatormikrofon, lassen sich die Polar Pattern einstellen.

Schritt 3: Die korrekte Position vor dem Mikro

Der Abstand zum Mikro ist maßgeblich am Klang der Aufnahme beteiligt. Bei fast allen Mikrofonen macht man sich den auch „Proximity Effect“ genannten Nahbesprechungseffekt zunutze. Bei nahem Heranrücken an das Mikro findet durch ihn eine Anhebung der tiefen Frequenzen stattfindet. Die Aufnahmen klingen dadurch bassiger und intimer, was bei vielen Sprachaufnahmen durchaus erwünscht sein ist. Möchte oder braucht man es nicht so warm und bassig, kann man natürlich einen weniger nahen Abstand zum Mikro wählen, solang der Raumanteil nicht zu hoch wird. Wichtig ist , dass man den gewählten Abstand für die Dauer der Aufnahme konsequent einhält, um einen gleichmäßigen Klang zu erhalten. Dies wird vor allem dann wichtig, wenn die Sprachaufnahme geschnitten werden soll. Hat man hier häufige Klangänderungen, so wird man Schnitte eher wahrnehmen als wenn die Klangfarbe konstant bleibt.
Für Wiederholungstäter, die Sprachaufnahmen zu einem späteren Zeitpunkt wiederholen müssen, empfiehlt es sich, ein Foto von der Aufnahmesituation zu machen, auf der man das verwendete Mikro, die Position im Raum und den Einsprech-Abstand erkennen und nachvollziehen kann. Auch für externe Hardware, also besonders den Mikrofon-Preamp kann ein Schnappschuss von den verwendeten Einstellungen nicht schaden.

Schritt 4: Um die Schärfe aus Sprachaufnahmen zu entfernen, bedient man sich eines De-Essers

S-Laute können die Aufnahme scharf klingen lassen. Mit Hilfe sogenannter De-Esser lässt sich diese Nerverei abschalten, es ist sinnvoll, das mit einem spezialisierten Tool schon bei der Aufnahme vor der Digitalwandlung zu machen. –Es gibt unterschiedliche Funktionsweisen dieser Geräte, meist wird die Mittenfrequenz, die unterhalb von 10 kHz zu finden ist, eingestellt und dann mit einem weiteren Regler nach Wunsch abgesenkt.Übertreibt man es aber mit dem Einsatz eines solchen De-Essers, so führt dies dazu, dass man den Eindruck hat, der Sprecher würde lispeln. Hier solltet ihr also gut hinhören! 
Wir haben auch ein komplettes Tutorial: De-Esser benutzen (mit Tests/Marktübersicht).

Luxusvariante eines De-Essers: DerrEsser von Empirical Labs
Luxusvariante eines De-Essers: DerrEsser von Empirical Labs

Schritt 5: Stolperfallen während der Aufnahme beachten

Wie bei allen Aufnahmesituationen, in denen Mikrofone zum Einsatz kommen, so gilt es auch bei einer Sprachaufnahme, möglichst alle Störquellen aus dem Aufnahme-Umfeld zu verbannen. Ein eingeschaltetes Smartphone kann eine Sprachaufnahme durch seine Einstreuungen genauso unbrauchbar machen wie ein Laptop-Lüfter oder ein pfeifender Luftzug durch das Schlüsselloch. Da es sich bei der menschlichen Stimme in aller Regel um ein relativ leises Signal handelt, ist es umso wichtiger, dass man auch leiseste Störgeräusche ernst nimmt. Checkt vor der eigentlichen Aufnahme einfach kurz den Raum, in dem ihr den Sprecher bittet, für ein paar Sekunden still zu sein, und hört rein, ob Störgeräusche mit aufgenommen würden.
Eine weitere Falle, die den Klang einer Sprachaufnahme negativ beeinflussen kann, ist das Blatt Papier, von dem der Sprecher eventuell abliest. Es versteht sich fast von selbst, dass während der Aufnahme keine Blattgeräusche zu hören sein sollten. Was man aber wahrscheinlich nicht intuitiv bedenkt, ist, dass man der Bequemlichkeit halber das Papier, von dem man abliest, hinter das Mikrofon hält, und man damit eventuell unerwünschte Reflektionen zurück ans Mikro wirft. Hier sollte man aber nicht den sprichwörtlichen Teufel an die Wand malen, sondern erst einmal in eine Probe-Aufnahme hineinhören, ob sich dies tatsächlich negativ auf die Klangqualität auswirkt, ehe man den Sprecher nötigt, das Skript woanders zu platzieren. Und denkt daran, dass auch eine Tischplatte reflektiert – ein etwas kleinerer Tisch oder ein Sprecher, der im Stehen aufnimmt, kann zu deutlichen Klangverbesserungen führen.  

Zusammenfassung

Zu einer gelungenen Sprachaufnahme braucht es nichts weiter, als einen akustisch geeigneten Raum, ein Kondensator-Mikrofon, und ein gewisses Maß an Disziplin beim Sprechen. Beachtet man kleine Stolperfallen wie den korrekten Mikrofon-Abstand, und vermeidet man Nebengeräusche, so sollte einer gelungenen Sprachaufnahme nichts im Wege stehen. Viel Erfolg!  

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von Patric Louis

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