Workshop_Folge
Workshop
3
22.07.2015

Synthesizer und Sounddesign #6 - Synth Strings

Synthesizer Sounddesign für Einsteiger

In Folge 6 des Crashkurses Synthesizer und Sounddesign beschäftigen wir uns mit einem Klassiker: Den Synth Strings! In diesem Workshop zeigen wir euch, wie man diesen beliebten Sound selbst programmiert. Dafür braucht ihr natürlich einen polyphonen Synthesizer oder Software-Synth, der mehrere Noten gleichzeitig erzeugen kann.

Um einen typischen Synth String Sound zu programmieren, gibt es mehrere Möglichkeiten. Sie unterscheiden sich vor allem im klanglichen Ausgangsmaterial, also bei der Frage, welche Oszillator-Schwingungsformen man verwendet. Damit der Sound nicht zu statisch wird, sollen die leichten Schwebungen nachgebildet werden, die ein Streichensemble ausmachen. Das erreicht man beispielsweise mit zwei oder mehr ganz leicht gegeneinander verstimmten Sägezahn-Oszillatoren. Eine andere Möglichkeit, die alternativ oder zusätzlich eingesetzt werden kann, ist die sogenannte Pulsbreitenmodulation, mit der wir uns in dieser Folge befassen werden.

Die Rechteckschwingungsform, wie wir sie in Folge 1 des Crashkurses Synthesizer und Sounddesign gesehen haben, ist zunächst einmal symmetrisch, die positiven und negativen Abschnitte der Schwingung sind also gleich lang:

Bei vielen Synthesizern gibt es aber die Möglichkeit, das Verhältnis zwischen positiven und negativen Abschnitten einzustellen und (beispielsweise mit einem LFO) zu modulieren. Das nennt man Pulsbreitenmodulation, üblich ist die Abkürzung PWM (Pulse Width Modulation). Im folgenden Video seht ihr auf einem Oszilloskop, was mit der Rechteckschwingung passiert, wenn man die Pulsbreite verändert. Gut zu sehen ist auch, dass das Aussehen der Rechteckschwingung bei den meisten Synthesizern deutlich vom Ideal im oberen Bild abweicht. Das macht den Klang aber nicht schlechter, sondern verleiht ihm Charakter!

Synth Strings programmieren

Für den Synth String Sound werde ich eine Rechteckschwingung mit PWM mit einer Sägezahnschwingung kombinieren. Ich verwende dafür den Software-Synth TAL U-NO-LX V2, der einen Roland Juno emuliert (die kostenlose Variante U-NO-62 reicht für diesen Sound auch aus, läuft aber leider nicht auf 64-bit Mac Systemen). Er besitzt einen Oszillator, dessen Sägezahn- und Rechteckschwingungen gleichzeitig verwendet werden können. Den fertigen Sound für den U-NO-LX könnt ihr euch am Ende des Workshops herunterladen. Natürlich könnt ihr den Sound aber auch mit einem beliebigen anderen polyphonen Synthesizer mit zwei Oszillatoren nachbauen – dann weist ihr einem Oszillator die Rechteckschwingung und dem anderen den Sägezahn zu, stimmt die Oszillatoren gleich und macht sie im Mixer gleich laut.

Wir gehen von einem Reset-Programm aus, das einen simplen Sägezahn-Oszillator enthält und das ihr ebenfalls im Download-Paket am Ende der Folge findet. Es klingt so:

Nun schaltet ihr die Sägezahnschwingung erst einmal aus und aktiviert stattdessen das Rechteck:

In der DCO-Abteilung dreht ihr nun den Schieberegler PWM etwas mehr als zur Hälfte auf und stellt den Schalter rechts daneben auf LFO. Nun wird die Pulsbreite per LFO moduliert und es entstehen Schwebungen im Klang:

Indem ihr die LFO RATE verändert, lässt sich die Geschwindigkeit der Modulation bestimmen. Ich habe mich für einen Wert von etwa 5.00 entschieden.

Nun schaltet ihr den Sägezahn wieder ein, damit Sägezahn und Rechteck gleichzeitig erklingen. Wer mag, kann mit dem Schieberegler LFO ganz links in der DCO-Sektion noch ein leichtes Vibrato einstellen – aber nicht zuviel, sonst leiert der Sound zu sehr:

Das ist unser klangliches Ausgangsmaterial. Nun müssen wir noch das Filter anpassen und die Lautstärken-Hüllkurve einstellen. Den CUTOFF regelt ihr auf einen mittleren Wert herunter – beim U-NO-LX habe ich mit für etwa 2/3 entschieden. Damit könnt ihr bestimmen, wie hell der Sound wird. Resonanz brauchen wir für diesen String-Sound nicht. Aber es ist sinnvoll, das Filter-Keytracking etwas aufzudrehen. Diese Option gibt es bei den meisten Synthesizern (beim U-NO-LX heißt sie KEYB) und sie bewirkt, dass die Cutoff-Frequenz von der Lage der gespielten Tasten auf der Tastatur beeinflusst wird. Dreht man das Keytracking auf, so bekommen höhere Noten einen höheren Cutoff-Wert als tiefe. Dadurch klingen die Strings in den oberen Lagen etwas heller, genau wie bei einem echten Streicherensemble:

Damit die Lautstärke von der ADSR-Hüllkurve beeinflusst wird, muss der Schalter in der VCA-Sektion des U-NO-LX auf ENV stehen. Die Hüllkurve sollte bei einem Synth String Sound etwas Attack und Release bekommen, damit der Sound sanft einschwingt und ausklingt. Wie schnell der Sound nach dem Tastenanschlag anschwillt, könnt ihr mit dem Attack-Regler bestimmen. Ich habe zusätzlich noch die Decay-Zeit etwa auf den gleichen Wert wie den Attack gesetzt und das Sustain etwas zurückgenommen. Dadurch bekommt die Hüllkurve am Anfang jeder Note einen kleinen „Buckel“, der ein bisschen den Bogenanstrich bei einem Streichinstrument imitiert:

Zur Abrundung empfiehlt sich bei Synth Strings ein Chorus-Effekt. Der U-NO-LX hat wie der Original-Juno einen Chorus eingebaut, dessen zwei Varianten man einfach per Knopfdruck aktivieren und sogar gleichzeitig verwenden kann. Diesen Effekt gibt es als Freeware-Plug-in TAL-CHORUS-LX auch einzeln, sodass ihr ihn auch einsetzen könnt, wenn ihr einen anderen Synthesizer verwendet habt. Ich habe mich für die Variante 2 entschieden:

Damit haben wir einen typischen Juno-String-Sound programmiert.

Den Reset-Sound und das fertige Preset für den TAL U-NO-LX könnt ihr euch hier herunterladen. Um die Dateien der Preset-Liste hinzuzufügen, klickt ihr im Preset-Menü des Plug-ins auf "Show Preset Folder". Daraufhin öffnet sich ein Explorer- (Windows) oder Finder-Fenster (Mac), in das ihr die Dateien hineinziehen könnt.

Verwandte Artikel

User Kommentare