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Test
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21.04.2012

PRAXIS

Tastatur

Schließen wir das Acuna 88 als erstes via USB an einen Computer an. Erwartungsgemäß funktioniert das sehr problemlos ohne Treiberinstallation. MIDI-Befehle kommen sofort in der Software an, sofern am Acuna ein Preset ausgewählt wurde, bei dem der USB-Port als Ausgang eingestellt ist. Zu diesen Einstellungen und der detaillierten Programmierung des Acuna werden wir weiter unten noch kommen. Zunächst interessiert aber natürlich die Hauptsache – die Tasten.

Die TP100-Tastatur des Acuna 88 überzeugt. Für eine so leichte Tastatur ist das Spielgefühl als exzellent zu bezeichnen. Zwar ist sie aus Kunststoff und kann nicht ganz mit schweren Hammermechaniken aus Holz mithalten, aber gemessen an Gewicht und Preis kann man hier wirklich nicht meckern. Die Klaviatur ermöglicht auf jeden Fall ein nuanciertes Klavierspiel und macht auch bei E-Pianos eine gute Figur. Für Orgel-Sounds ist sie naturgemäß eher weniger geeignet. Die Tasten fühlen sich angenehm an und bleiben auch bei sehr harten Anschlägen zivilisiert. Einen Druckpunkt besitzt die TP100 nicht, was sich aber nur bei wirklich filigranen pianistischen Darbietungen negativ auf das Spielgefühl auswirkt.

Das Acuna 88 verfügt über vier voreingestellte Velocity-Kurven. Darunter sind drei dynamische Einstellungen von leicht über normal bis schwer, sowie ein einstellbarer fester Velocity-Wert, was sich für Orgelsounds oder Triggersignale anbietet. Die drei dynamischen Kurven lassen sich nicht verändern und an persönliche Bedürfnisse anpassen. Auch eine Lernfunktion, wie sie einige Masterkeyboards und Digitalpianos bieten, sucht man vergeblich. Obwohl die drei Voreinstellungen in aller Regel ausreichen dürften, lässt das Acuna 88 hier gegenüber der Konkurrenz ein paar Punkte liegen. Die Velocity-Kurven betreffen auch bei der Verwendung mehrerer Tastaturzonen stets das gesamte Keyboard, sodass es beispielsweise leider nicht möglich ist, einem Teil der Tastatur einen festen Velocity-Wert zuzuordnen, während der Rest dynamisch spielbar bleibt. Hingegen lässt sich der Aftertouch für jede Tastaturzone getrennt an- oder abschalten.

Zonen und Controller

Das Acuna 88 ermöglicht es, bis zu vier Tastaturzonen zu definieren, die sich auch überlappen können. Die Einstellung des Tastaturbereichs geschieht intuitiv und praxisnah durch Drücken der betreffenden Tasten auf der Klaviatur. Ist eine Zone im angewählten Preset grundsätzlich aktiviert, so lässt sie sich durch einen kurzen Druck auf den korrespondierenden Drehregler „on the fly“ an- und abschalten. Gerade im Live-Betrieb ist dadurch ein schneller Wechsel zwischen Zonen möglich. Zur Speicherung der individuellen Einstellungen stehen 50 Preset-Speicherplätze zur Verfügung. Die Presets können auch benannt werden, allerdings ist die Länge der Namen auf sieben Zeichen beschränkt, sodass man mit kryptischen Abkürzungen hantieren muss.

Für jede Zone lässt sich ein Velocity-Bereich, ein MIDI-Kanal und ein MIDI-Ausgang einstellen. So ist es zum Beispiel auch machbar, eine Zone über einen der MIDI-Outs an einen Klangerzeuger zu schicken, während eine andere Zone über die USB-Buchse eine iPad-App anspricht. Die Oktavlage jeder Zone kann im Bereich von ± 4 Oktaven eingestellt werden. Für jede Zone lässt sich zudem ein Program Change-Befehl, ein Bank Select-Kommando sowie ein Volume-Wert definieren, die bei der Anwahl des Presets an die angeschlossenen Klangerzeuger gesendet werden. Die Pitch- und Modulationsräder, der Aftertouch sowie die angeschlossenen Pedale und der Breath-Controller lassen sich für jede Zone separat aktivieren bzw. abschalten. Dem Modulationsrad, den Pedalen und dem Blaswandler können zudem für jede Zone individuelle MIDI-CC-Nummern zugewiesen werden. So sind flexible Kombinationen möglich, bei denen einzelne Sounds von diesen Controllern gezielt angesprochen werden oder eben nicht. Für komplexe Setups ist das sehr praktisch, erfordert aber natürlich eine gute Vorbereitung. Mal eben schnell lassen sich diese Einstellungen eher nicht vornehmen. 

Die vier Drehregler unter dem Display vervollständigen die Ausstattung des Acuna mit Echtzeit-Controllern. Jeder Regler kann zunächst einer der vier Zonen zugewiesen werden. Die Ansprache mehrerer Zonen gleichzeitig über denselben Regler ist nicht vorgesehen. Für jeden Regler kann durch längeres Drücken schnell aus vier zuvor definierten Funktionen ausgewählt werden. So lässt sich die Reglerbelegung auch live spontan umschalten, ohne dass man in Menüs abtauchen muss. Die ersten beiden Funktionen sind auf Volume und Program Change voreingestellt. Die dritte und vierte Funktion sind im Menü „Control Assign“ frei zuweisbar; hierfür stehen sämtliche MIDI-CC-Nummern zur Verfügung. Auch ein Startwert, der beim Preset-Wechsel automatisch gesendet wird, kann für jeden Controller eingestellt und gespeichert werden.

Damit lässt sich allerhand anstellen. So kann ein Regler beispielsweise zunächst die Lautstärke einer Zone steuern. Benötigt man nun für einen Teil des Songs kurzfristig Zugriff auf einen anderen Parameter wie etwa den Filter-Cutoff, so kann man dies vorab als eine der frei zuweisbaren Funktionen 3 oder 4 einstellen. Im Spielbetrieb genügt dann ein längerer Druck auf den Regler, um zwischen den Funktionen schnell umzuschalten. Das erscheint zunächst vielleicht etwas kompliziert, bewährt sich jedoch im Praxisbetrieb durchaus. Wer mit komplexen Zonen-Setups und mehreren Klangerzeugern auf verschiedenen MIDI-Kanälen hantiert, ist meist ohnehin darauf angewiesen, die nötigen Einstellungen bereits vor dem Gig vorzubereiten. Dann ist es auch kein Problem, die individuell beste Controllerbelegung vorzunehmen und mit dem Preset abzuspeichern. Als sehr hilfreich erweist sich in der Praxis, dass die Zonen-Zuweisung der Regler sowie die gerade eingestellten Werte stets im Display angezeigt werden. Dreht man an einem der Regler, gibt die Anzeige zudem Aufschluss über den gerade zugewiesenen MIDI-Controller. 

Bedienung

Die Programmierung der Zonen und Controller über das kleine Display folgt zwar einer gewissen Logik, gestaltet sich in der Praxis aber doch ein wenig hakelig. Eine etwas größere Anzeige und dezidierte Enter- und Exit-Taster hätten definitiv nicht geschadet. So benötigt man eine gewisse Anlaufzeit, bis man verinnerlicht hat, wann man wo drücken und drehen muss, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Durch einen Druck auf den Value-Regler gelangt man ins Hauptmenü, von wo aus der Weg in mehrere Untermenüs führt. Zur Programmierung der Zonen und der zuweisbaren Controller gibt es jeweils eigene Menüs. Das Menü „Misc“ dient der Einstellung von globalen Parametern wie Transposition und Velocity-Kurven. Nachdem man ein Menü ausgewählt hat, kann man mit den Plus/Minus-Tastern durch die Parameter steppen und die Werte mit dem Value-Regler verändern. Wo die Anwahl einer Zone oder eines Reglers nötig ist, geschieht dies durch Druck auf einen der vier zuweisbaren Regler. Das klingt zunächst logisch, ist jedoch im Alltag nicht ohne Tücken. Besonders die Tatsache, dass der Value-Regler nicht nur als Enter- bzw. Edit-Knopf, sondern gelegentlich auch als Exit- oder Save-Taster fungiert, macht die Sache komplizierter, als sie sein müsste. Beispiel: Nachdem man im Hauptmenü zum Misc-Menü navigiert hat, erwartet man eigentlich, dass ein weiterer Druck auf den Value-Regler das Menü aufruft. Stattdessen muss man aber einen der anderen Regler drücken, um ins gewünschte Menü zu gelangen – der Value-Regler, der eben noch „Enter“ war, führt jetzt stattdessen zum Speicher-Dialog, ohne dass dies irgendwo ersichtlich wäre. Hier wurden ein paar Taster eingespart, die das Ganze deutlich vereinfachen würden. Aber nach einer Weile hat man die Bedienung dann doch verinnerlicht und kommt schnell voran.

acuna!Panel

Die vier programmierbaren Drehregler des Acuna lassen sich zwar flexibel konfigurieren und erfüllen ihren Zweck sehr gut. Dennoch bleibt festzuhalten, dass das Keyboard nicht gerade üppig mit Hardware-Controllern ausgestattet ist. Ein paar zusätzliche Fader oder Buttons hätten nicht geschadet und die Einsatzmöglichkeiten erweitert.

Wer mehr programmierbare Bedienelemente benötigt, als das Acuna hardwareseitig bietet, der kann sich mit der eingangs bereits erwähnten iPad-App Studiologic acuna!Panel behelfen, die kostenlos im App-Store verfügbar ist. Sie bietet für jede der vier Zonen jeweils 10 programmierbare Fader und 10 Trigger-Pads. Außerdem stehen acht weitere Buttons zur Verfügung, die neben Program-Change-Befehlen auch Noten oder Control Changes senden können. 

Auf der Edit-Seite lassen sich alle diese Bedienelemente komfortabel konfigurieren. Am oberen Bildschirmrand können außerdem zehn der Presets des Acuna per Knopfdruck aufgerufen werden. Die Hardware reagiert darauf prompt: Drückt man auf dem Touchscreen eines der Presets, springt auch das Keyboard auf das gewählte Programm. Andersherum funktioniert das ebenso.

Die Möglichkeit, das Acuna auf diese Weise mit zusätzlichen Fadern und Pads zu erweitern, ist auf jeden Fall interessant. Die Haptik des Touchscreens ist jedoch nicht jedermanns Sache. Immerhin ermöglicht der Multitouch-Bildschirm des iPads das gleichzeitige Bedienen mehrerer Fader oder Pads. Ich persönlich komme trotzdem nicht gut mit Touchscreen-Fadern zurecht – vor allem, wenn die andere Hand ein schönes Keyboard mit Hammermechanik bedient. Im Vergleich zu Hardware-Fadern wirkt die Touchscreen-Bedienung immer etwas fummelig und vor allem ungenau. Echte Schieberegler kann die App daher nicht ganz ersetzen. Auch die virtuellen Pads haben mit ihrem vergleichsweise sterilen Spielgefühl und der fehlenden Anschlagdynamik ein deutliches Handicap gegenüber ihren Hardware-Kollegen. Trotzdem ist die App natürlich eine willkommene Ergänzung und erweitert den Funktionsumfang des Keyboards beträchtlich.

Da das Acuna nun schon eine iPad-Anbindung und sogar eine spezielle App mitbringt, läge eine Funktion eigentlich auf der Hand, die die App leider nicht bietet. Extrapunkte hätte es von mir gegeben, wenn das Programm neben den beschriebenen Funktionen auch die komfortablere Konfiguration des Keyboards selbst mitsamt seinen Hardware-Bedienelementen ermöglichen würde. Dies hätte die genannten Tücken der Programmierung über das Mini-Display auf eine elegante Weise ausgemerzt.

So kommt die App letztlich nicht über den Status einer netten Beigabe hinaus. Zwar erweitert sie die Möglichkeiten des Keyboards auf den ersten Blick enorm. In der Praxis trübt aber nicht nur die problematische Haptik der Touchscreen-Bedienelemente das Bild, sondern auch die Tatsache, dass die Verbindung zum iPad den einzigen USB-Port des Acuna belegt. Der gleichzeitige Anschluss des Keyboards an einen Computer ist dann nur noch über die traditionellen MIDI-Buchsen möglich. Gerade bei der Ansteuerung von Software-Synths kämen die zusätzlichen Bedienelemente der App aber eigentlich sehr gelegen. 

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