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Test
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03.11.2014

Startone MK-300 Test

Keyboard

Für 'nen Appel und 'n Ei ...

Mit dem MK-300 schickt sich die Marke Startone an, das Preisgefüge in der Welt der Einsteiger-Keyboards nachhaltig durcheinander zu bringen. Obwohl es mit einer umfangreichen Ausstattung mit Klängen und Rhythmen kommt und sogar eine anschlagdynamische Tastatur bietet, kostet das Instrument nur knapp 90 Euro. Das ist eine Ansage, die uns natürlich neugierig gemacht hat. Kann das Startone MK-300 mit den vergleichbaren Modellen der etablierten Hersteller mithalten, oder ist es doch eher ein Spielzeug?

Auf dem Keyboardmarkt war die Marke Startone bisher kein Begriff – wer oder was steckt dahinter? Unter diesem Label verkauft das Musikhaus Thomann Einsteigerinstrumente und Zubehör. Bisher gehörten vor allem Blasinstrumente, Konzertgitarren und Akkordeons zum Sortiment, nun also auch Keyboards. Logisch, dass das MK-300 aus China kommt, aber das ist bei den großen Marken nicht anders und heutzutage ja auch nicht mehr automatisch ein Indiz für schlechte Qualität. Schauen wir uns den Preisbrecher also einmal an – müssen sich Yamaha, Casio und Co. warm anziehen?

Details

Äußerlichkeiten

In seinem schwarzen Kunststoffgehäuse wiegt das Startone MK-300 nur knapp viereinhalb Kilo. Das Plastik wirkt zwar etwas schmucklos und nicht besonders edel, aber das Keyboard macht durchaus den Eindruck, als würde es auch den harten Kinderzimmeralltag eine Weile mitmachen. Links und rechts schützen Plastikgitter die beiden Lautsprecher. Im Lieferumfang befindet sich ein Notenpult zum Aufstecken, das ein bisschen billig wirkt, aber seinen Zweck erfüllt.  

Bedienfeld

Die Taster des Bedienfelds sind beinahe das Einzige, was am Startone MK-300 äußerlich einen deutlich billigeren Eindruck macht als bei der Konkurrenz. Die Knöpfe haben keinen klar definierten Druckpunkt und fühlen sich ein bisschen schwammig an. Manchmal fragt man sich, ob man tatsächlich gedrückt hat. Wie lange die Knöpfe tatsächlich halten, könnte aber nur ein Langzeittest klären.

Das Panel ist ähnlich angeordnet wie bei Keyboards im Allgemeinen üblich und recht übersichtlich. Es beginnt auf der linken Seite mit dem Ein/Aus-Taster, den man zum Ausschalten etwas länger gedrückt halten muss. Daneben liegt ein Drehregler für die Lautstärke. Im linken Bereich befinden sich außerdem sieben Taster zur Steuerung der Begleitautomatik, die ergonomisch günstig direkt oberhalb der Tastatur platziert sind. Darüber findet man drei Knöpfe für die integrierte Übungsfunktion, zwei Taster für das Tempo und einen für den Mixer.

Das mittig angeordnete, hintergrundbeleuchtete LC-Display informiert über die gewählten Sounds und Rhythmen und zeigt die gegriffenen Begleitakkorde und viele weitere Informationen an. Außerdem enthält es eine kleine Notendarstellung, die vor allem in Verbindung mit der Übungsfunktion zum Einsatz kommt. Darunter findet man Knöpfe für die vier Speicherplätze mitsamt Store-Taster und einen Button für den „One Touch Setting“-Modus. Aktiviert man ihn, so kann man über die vier Memory-Taster vier voreingestellte, zum jeweiligen Rhythmus passende Klangfarben direkt wählen. Zwei Buttons für den integrierten Recorder (Record/Play) haben im mittleren Bereich über der Tastatur Platz gefunden. Hier gibt es auch drei Taster, mit denen man wählt, was man einstellen möchte (Voice, Style oder Song).

Im rechten Bereich findet man einen Ziffernblock und Plus/Minus-Taster zur Auswahl von Klängen, Rhythmen und Songs. Außerdem gibt es hier einen Funktionstaster, der ein Menü mit verschiedenen erweiterten Einstellungen aufruft, einen Knopf für das Metronom und zwei für die Transponierungsfunktion. Die Knöpfe Dual und Lower dienen der Auswahl der Klangfarben für die Split- und Layer-Parts. Zu guter Letzt gibt es noch einen Sustain-Taster, der die Funktion des gleichnamigen Pedals übernimmt.

Anschlüsse

Auf der Rückseite des Keyboards befindet sich das sehr übersichtliche Anschlussfeld. Außer der Buchse für das mitgelieferte Netzteil findet man hier lediglich einen Kopfhörerausgang, einen Anschluss für ein Sustainpedal und eine USB-Buchse zur MIDI-Verbindung mit einem Computer. Damit ist aber alles da, was man bei einem Einsteigerinstrument in der Regel brauchen wird. Wer das Keyboard unabhängig von einer Steckdose einsetzen möchte, wird sich über das Batteriefach an der Unterseite freuen, in dem sechs AA-Batterien Platz finden.

Tastatur

Eine anschlagdynamische Tastatur in einem Keyboard für ungefähr 90 Euro gab es bisher nicht, von vereinzelten Aktionsangeboten der einschlägigen Lebensmitteldiscounter einmal abgesehen. Das dürfte dann auch eines der Hauptargumente für das MK-300 sein, denn die günstigsten Modelle der etablierten Hersteller mit diesem wichtigen Merkmal kosten etwa doppelt so viel. Keyboards ohne Anschlagdynamik sollte man nicht kaufen, auch und gerade als Anfänger, weil eine ganz wichtige Ausdrucksmöglichkeit fehlt und man nicht lange Spaß daran haben wird. In diesem Punkt könnte das MK-300 den Platzhirschen also richtig gefährlich werden.

Und die Klaviatur des Startone-Keyboards macht sich recht gut. Die Tasten klappern erfreulich wenig. Der Anschlag ist für ein Keyboard sogar recht schwergängig und lässt sich gut kontrollieren – vielleicht nicht ganz so feinfühlig wie bei Yamaha, aber wir reden hier schließlich über ein 90-Euro-Instrument. Legte man es darauf an, könnte man eventuell das etwas schwammige Tastaturbett kritisieren – vor allem im mittleren Bereich der Klaviatur wirkt der Punkt, an dem die Taste ganz unten ist, etwas undefiniert und die Tastatur biegt sich etwas durch, wenn man stärker darauf drückt. Aber zu diesem Preis wollen wir uns überhaupt nicht beschweren, eher im Gegenteil. Links neben der Tastatur befindet sich ein Pitchbend-Rad, was bei so günstigen Keyboards auch keine Selbstverständlichkeit ist.  

Sounds und Styles

Mit 390 Klangfarben und 100 Styles liegt das Startone MK-300 zahlenmäßig in etwa auf Augenhöhe mit der (doppelt so teuren) Konkurrenz. Mit der 64-stimmigen Polyphonie lässt es die Einsteigermodelle anderer Hersteller aber sogar hinter sich, was angesichts des Preises schon bemerkenswert ist. Bis zu drei Parts können live auf der Tastatur gespielt werden: Upper, Dual und Lower. Man kann also bis zu zwei Klangfarben schichten (das Lautstärkeverhältnis ist einstellbar) und zusätzlich die Tastatur an einem wählbaren Punkt teilen und in der linken Hand einen dritten Klang spielen. Den einstellbaren Splitpunkt hat das MK-300 allen mir bekannten günstigen Einsteiger-Keyboards voraus, und auch drei gleichzeitig spielbare Parts findet man in dieser Klasse selten.

Zur Verfeinerung stehen ein Hall- und ein Choruseffekt mit je sieben Effekttypen zur Verfügung. Der Effektanteil kann jeweils eingestellt werden, allerdings nur für alle Parts gemeinsam.

Die Rhythmen der Begleitautomatik verfügen über zwei Variationen mit den passenden Fill-Ins sowie ein Intro und ein Ending. Zu jedem Style gibt es die erwähnten vier One Touch Settings. Interessant ist die Möglichkeit der Akkorderkennung über die gesamte Tastatur (also nicht nur im linken „Akkordbereich“), die in der Bedienungsanleitung leider nur ganz am Rand erwähnt und gar nicht richtig beschrieben wird. Auch dieses Feature findet man bei Einsteiger-Keyboards nicht oft. Das gilt auch für den Mixer, der zwar umständlich und langsam zu bedienen ist, aber die individuelle Lautstärkenanpassung der einzelnen Begleitspuren wie Drums, Bass, Akkordbegleitung etc. ermöglicht. Bei vielen anderen Einsteiger-Keyboards kann man nur die Gesamtlautstärke der Begleitautomatik regeln.

Weitere Funktionen

Bis zu vier Registrierungen, also „Momentaufnahmen“ der Einstellungen mit dem Rhythmus, dem Tempo und allen Sounds, Mixereinstellungen, Effekten und so weiter, können auf den vier Memory-Tastern abgelegt werden. Vier Plätze sind natürlich nicht viel, aber selbst manches teurere Konkurrenzmodell hat in dieser Hinsicht gar nichts zu bieten. So kann man immerhin ein paar persönliche Lieblings-Settings speichern.

Das MK-300 besitzt einen integrierten MIDI-Recorder, der einen Song mitsamt Style-Begleitung aufnehmen kann. Bearbeitungsfunktionen gibt es nicht und auch auf eine Exportmöglichkeit muss man verzichten. Aber der Recorder reicht zum Spaß haben und Ideen festhalten.

Im Speicher des Keyboards liegen 110 vorprogrammierte, kurze Songs. Darunter sind die unvermeidlichen Klassiker wie „Entertainer“, „Stille Nacht“ und „Für Elise“, aber auch viele weniger bekannte Stücke. Die Songs kann man abspielen und auf der Tastatur dazu spielen. Außerdem gibt es eine Übungsfunktion mit drei Lektionen, die sich mit allen Songs verwenden lässt. Die Übungseinheiten sollen Stück für Stück an die Songs heranführen, indem zuerst nur auf den Rhythmus und dann auf die richtigen Töne Wert gelegt wird. Ob ein solcher elektronischer Lehrer wirklich eine Hilfe beim Erlernen des Keyboardspiels sein kann, möchte ich stark bezweifeln. Aber eine solche Funktion gehört in dieser Klasse zum Standard und das MK-300 gibt sich auch hier keine Blöße. Allerdings wäre es natürlich sehr schön, wenn die dazugehörigen Noten dem Keyboard beilägen – das ist nämlich leider nicht der Fall.  

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