Software
Test
10
04.03.2021

Praxis

As good as it gets

Der SSL UF8 ist nichts Neues und seine Features nicht spektakulär. MCU/HUI ist nach wie vor nicht besonders komplex und insbesondere die Bedienung von Plugins lässt aufgrund schlechter Parameter-Layouts zu wünschen übrig. Das ist aber nicht die Schuld von SSL – ganz im Gegenteil, die haben tatsächlich nur das Beste draus gemacht! Abgesehen von dem fehlenden Direkt-Layer für Sigma, das ist wirklich echt Schade. Aber nun gut, lange gibt es den ja eh nicht mehr.

Sicherlich, Nucleus fühlte sich noch einen Ticken geiler und wertiger an – ja, „klang“ es sogar auch. Kein Witz, auch im Vergleich zu meiner Matrix ist es vor allem die „akustische Rückkopplung“, die den Unterschied im Wertempfinden definiert – bedientechnisch fühlt sich das alles recht gleich an – und sind wir mal ehrlich, wann bewegen sich schon alle Fader ständig so massiv? Eben. Insofern ist das geschnürte Paket stimmig – und wer mehr Luxus braucht, muss deutlich tiefer in die Tasche greifen. Vergleichbares gibt es aber faktisch nicht, man könnte AVID S1 anführen, aber das ist ein anderes Konzept. Es funktioniert besonders gut mit Pro Tools – aber eben NUR Pro Tools. Und der Rest ist eher so „meh“.

Die Netzwerkverbindung, die SSL früher an ihren Fader-Units nutze, hatte den Vorteil, mehre Computer gleichzeitig mit einem Controller bedienen zu können. Das ist mit der UF8 nicht mehr möglich, dafür ist die Einrichtung nun bedeutend unkomplizierter: SSL 360° installieren, USB verbinden, DAW-Preset wählen, in der DAW MCU oder HUI auswählen – fertig. Kein Stress mit dem WLAN-Router, einfaches USB und gut. SSL 360 muss allerdings immer im Hintergrund laufen. Im MIDI-System tauchen so 12 virtuelle MIDI-Ports auf, die es dann auf die drei Layer und bis zu vier Units zu verteilen gilt. 

Das Tolle im Vergleich zu anderen MCU/HUI-Controllern ist die wirklich gute Anpassung der Skripte durch die mitgelieferten Presets, welche nur Befehle am Controller anzeigen, die tatsächlich in der DAW auch genutzt werden können und nur wenig Parameter tot bleiben. Die Möglichkeiten wurden jedenfalls ausgereizt, ein entscheidender Vorteil gegenüber Controllern mit lieblos designten MCU-Modes. Ebenfalls erwähnenswert: Grundsätzlich ist die Bedienung mit dem UF8, also der Software dahinter, identisch zu Matrix und Nucleus. Allerdings sind die Taster anders angeordnet, wobei das neue Layout nun deutlich mehr Sinn macht.

Die Displays sind ein weiteres Alleinstellungsmerkmal, da sie groß und aus den unterschiedlichsten Winkeln gut zu erkennen sind. Sie haben aber etwas viel Blau-Anteil für meinen Geschmack und mein „Retro-Herz“ findet die ollen orangenen Doppel-Scribble-Strips meiner Matrix trotzdem geiler – aber nun gut, jetzt sind die Gain-Visuals auch gleich mit dabei. Flinker werden die gegenüber konventionelle LED-Streifen aber auch nicht – denn nach wie vor wird nur „aufgebohrtes MIDI“ im Hintergrund benutzt. Das sollte man nicht vergessen und hin und wieder „lagged“ es dann auch mal. Feineinstellungen wie I/O-Selektion beispielsweise sind mit Ableton Live und MCU zwar möglich, letztlich aber so frickelig in der Handhabung, dass niemand das ernsthaft nutzen dürfte – egal bei welchen Controller.

Touch me, Flip-Mode

Am geilsten ist und bleibt der Flip-Mode, mit dem alle Parameter-Belegungen zwischen Fader und Encoder vertauscht werden können, sodass man sich schnell das beste physische Bedienelement für die jeweilige gemappte Funktion heraussuchen kann. Und in den meisten Fällen dürften das die Fader sein. Schade finde ich aber, dass man im Flip-Mode die Fader berührt halten muss, um die Werte angezeigt zu bekommen. Eine Hold-Funktion wäre toll – vielleicht habe ich aber auch nur etwas übersehen?

Genug Parameter, zu wenig Kontrolle?

Ferner kann man je nach DAW ausreichend Sends adressieren und im Channel-Mode individuell auf die Settings eines Kanals eingehen – inklusive umfangreicher Plugin-Steuerung mit Parameter-Namen im Display und bis zu 8x8 Parametern beispielsweise in Ableton Live. Das ist an sich eine massive Unterstützung und funktioniert mit vielen Ableton Effekten auch gut. 

Insbesondere bei Drittanbieter-Plugins sind die Parameter aber teilweise blöd über die Pages verteilt, sodass es am Ende keinen Spaß macht, sie zu benutzen und Kollege Maus einspringt. Again: Kein Fehler von SSL, sondern „systeminhärent“. Die V-Pots erlauben aber unterschiedlichste Belegungen bei kaskadierten Units, sodass man theoretisch weniger zwischen Parameter-Pages umschalten müsste – überprüfen konnte ich das mit nur einer Unit allerdings nicht. 

Dem findigen Auge werden eventuell fehlende dedizierte Transport-Taster aufgefallen sein, die nun ins Menü abgewandert sind, was zweckdienlich ist, da man dafür ohnehin Space auf der Tastatur nutzt und so knappen Platz vor dem Screen spart. Nach ein paar Jahren mit der Matrix kann ich außerdem sagen: Acht Fader für die DAW-Steuerung reichen, sofern macht die UF8 dann auch in Verbindung mit der Origin mehr als Sinn! Generell sollte nochmal die 19-Zoll-Fähigkeit der Unit gelobt werden.

Rüge gibt es wiederum für den fehlenden Power-Schalter. Das nervt und es nervt richtig, wenn der angeschlossene Rechner nicht so gut mit dem Power-Management kann. Im Falle meines neuen Mac mini meldete sich so dann trotz Standby des Rechners alle 30-40 Minuten mal wieder das UF8 mit einer kleinen Fader-Kalibrierung. Das betrifft aber viele USB-Buden und die Lösung heißt: Master-Slave-Steckdose.

Bemerkenswert ist die sehr gute Dokumentation inklusive aller Einrichtungsvarianten in dem Manual. Früher musste man sich seine Infos teilweise selbst zusammenpuzzeln. Da legt SSL mittlerweile viel Wert drauf und das möchte ich deshalb besonders loben. Ebenfalls gut mitgedacht: Der Export-Report, der essenzielle Systeminformationen und Log-Files zu einer netten .txt schnürt, falls es doch mal Probleme gibt und man dem Support schnell alle Randinfos schicken möchte.

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