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05.08.2019

Sonnenschutz für Beschallungsanlagen: Überhitzen von Verstärker, Mischpult & Co vermeiden

PA-Equipment vor dem Hitzetod schützen

Ein Open-Air bei hochsommerlichen Temperaturen ist ein Genuss - jedenfalls für die Gäste. Die Technik-Crew hingegen ächzt unter der Hitze. Auch das Equipment muss nun Höchstleistungen vollbringen. In der prallen Sonne ist es amtlichen Temperaturen ausgesetzt. Schnell ist die 40-Grad-Marke überschritten. Die stabilen schwarzen Cases tun ein Übriges. „Hoffentlich löst jetzt keine Schutzabschaltung aus“, denkt der Mensch am FOH. Doch ihr könnt mehr tun, als nur hoffen.

Jedes Bauteil hat einen Temperaturbereich, in dem es optimal arbeitet. Transistoren können durchaus noch bei 150 bis 200 Grad Celsius ihren Dienst verrichten. Um einiges empfindlicher sind hingegen Kondensatoren, berichten Toningenieure. Grund ist weniger die ansteigende Betriebstemperatur als vielmehr der Umstand, dass Kondensatoren bei Hitze austrocknen.

Auswahl und Platzierung der Endstufen

Schon während der Zusammenstellung der PA für eine Open-Air-Veranstaltung werden entscheidende Weichen gestellt. Fragt man erfahrene Festival-Techniker, denken sie bei hitzebedingten Ton-Ausfällen zuerst an Endstufen. Und tatsächlich verabschieden sich vor allem Verstärker bei zu viel Wärme in den Ruhezustand.

Zwar sind sowohl in analogen als auch in digitalen Amps Kondensatoren verbaut, die austrocknen können. Aber analoge Verstärker erzeugen aufgrund ihrer Bauart schon von Haus aus mehr Abwärme. Deshalb sind digitale Endstufen im Draußen-Betrieb den analogen vorzuziehen. Außerdem hilft es natürlich, die Amps in den Schatten zu stellen. Das gelingt in der Regel besonders gut, wenn man passive Lautsprecher-Systeme mit ausgelagerten Endstufen verwendet. Diese können unabhängig vom Aufstellort der Boxen auf einer schattigen Fläche platziert werden.

Gehäusematerial

Wie stark sich das Innere eines Gerätes erhitzt, wird dadurch mitbeeinflusst, wie gut das Gehäuse die Wärme ins Geräteinnere durchlässt. Der erfahrene Festival-Techniker Lennart Stock hat gute Erfahrungen mit einem Material gemacht, das auch die Automobilindustrie entdeckt hat. Sie setzt auf wärmedämmende Kunststoffe wie Polyurethane.

Polyurethane bildet einen Schutzwall zwischen der wärmeren Umgebung und dem Gehäuseinnenraum. Aus diesem Grund findet man den Kunststoff mittlerweile auch in der Veranstaltungstechnik. Unter anderem bieten die beiden italienischen Hersteller RCF und dbTechnologies mit Polyurethane beschichtetes Beschallungs-Equipment an.

Der Vorteil externer Netzteile

Zu jedem Open Air gehört mindestens ein Mixer. Bei der Auswahl des geeigneten Mischpults kann es ratsam sein, ein Modell mit externem Netzteil einzusetzen. Das Netzteil ist dann unbeeinflusst von Wärme, die in der Konsole entsteht. Und es kann unter dem Pult an einem kühleren Ort gelagert werden.

Luft ins Rack lassen

Bei Verwendung von Racks oder Cases staut sich die Wärme gern darin. Dieser Effekt lässt sich auf ein Minimum reduzieren, indem man die einzelnen Geräte nicht unmittelbar aufeinander stapelt, sondern Zwischenräume lässt. So kann die Luft besser durchs Rack zirkulieren. Setzt ihr zwischen die Komponenten noch Lüftungsblenden, ist das Equipment außerdem vor Staub geschützt.

Ventilatoren

Wer seiner Technik zusätzliche Frischluft zuführen möchte, greift zu Ventilatoren. Stand- oder Tischventilatoren sind schnell aufgebaut. Ebenso wie in Serverschränken können auch in Racks Lüftereinheiten montiert werden. Sie sorgen für zusätzlichen Austausch. Übrigens lohnt es sich, Lüfter regelmäßig zu reinigen. Das gilt auch für solche, die in Geräten wie Verstärkern fest verbaut sind. Erst gereinigt können sie optimal wirken.

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