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02.04.2019

So spielst du als DJ garantiert die Tanzfläche leer

… und welches Kraut dagegen gewachsen ist

Dieses Lied können wohl die meisten DJs unter euch trällern, wenn der Geschäftsführer eure Kompetenz als Tanzflächenfüller infrage stellt. Phrasen wie „Mensch, die Stimmung war aber nicht so toll“ sind in diesem Kontext noch schmeichelhaft. Dabei verbockt es nicht allein der DJ. Denn das Publikum ist je nach Tagesform mitunter auch launisch, zickig und tanzmufflig.

Flaute im Club, ein Loch im Portemonnaie, Eifersuchtsrangeleien unter Pärchen, gepanschte Drinks und sonstige Stimmungstöter können einem die Feierlaune ordentlich vermiesen. Aber der gebuchte DJ wird die Crowd schon aus ihrem emotionalen Loch holen, wenn er nicht aus diesen acht Gründen für den Kehraus auf der Tanzfläche sorgt.

Motto verfehlt

Man sollte schon wissen, worauf man sich musikalisch einlässt. Der Schwund an Clubs und der damit einhergehenden Auflegemöglichkeiten verleitet viele DJs, sich zu überschätzen. Frei nach dem Motto: „Ich kriege das schon hin.“ Aber beim Gig sind sie mitunter überfordert, weil sie nicht über die notwendige Kompetenz verfügen. Vor allem einem speziellen Musikstil verschriebene Partys erfordern nicht nur das Fingerspitzengefühl für die anspruchsvollere Musikauswahl, sondern auch die Authentizität als DJ gegenüber der Szene. Sie probieren letztlich alles aus, was gewünscht wird, egal, ob es passt oder nicht, um einfach die Crowd bei Laune zu halten. Zu Beginn hat man noch ein paar Eisen im Feuer, aber mit fortschreitender Stunde geht einem und dem Publikum die Puste aus.

Musikalisch zu hipp

„Nein, so ein Radiogedudel kommt mir nicht auf den Teller!“ Man sollte natürlich differenzieren, ob man in einem musikstilistisch spezialisierten, anspruchsvollen Club oder einer – antiquiert betitelt – Kommerz-Disko auflegt. Aber selbst in der „Disse“ muss es nicht heißen, dass das Publikum stets mit Altbewährtem oder gar Abgedroschenem versorgt werden will. Die Mischung macht’s! Immer ein paar neue Tracks zwischen gestreut, haben noch keinem Set geschadet. Das frisst sogar der viel zitierte Bauer! Jedoch: Mehrere unbekannte und eventuell noch zu lang ausgespielte Tracks in Folge und die Abwanderung vom Dancefloor lässt nicht lange auf sich warten.

Die kritische Masse unterschritten

Geselligkeit spürt man auch auf der Tanzfläche. Gleichzeitig versteckt man sich gern in der Anonymität. Mit zunehmender Flucht vom Floor fühlen sich die Tänzer jedoch verloren und beobachtet. Grelles Licht, dazu ohne Nebelschwaden und schon ist man mit seinen eigenwilligen Dance-Moves dem Blicke der Masse ringsherum ausgeliefert. Ist die Tanzfläche nur noch 1/4 oder weniger gefüllt, setzt der Herdentrieb zur Bar ein, denn die kritische Masse ist unterschritten.

Zu lang auf dieselben Leute gesetzt

Ist die Tanzfläche erst einmal gefüllt, versäumen es etliche Aufleger, sich auch um die an der Bar und in den Ecken jenseits des Dancefloors abhängenden Gäste musikalisch zu kümmern. Schließlich hält das Feiervolk nicht ewig durch und muss irgendwann das Tanzparkett, sei es aus Durst oder Blasenschwäche räumen. Beugt dem folgenden Loch besser vor, ehe der Rest der Meute die Flucht nach Hause ergreift und ihr letztlich vor einem komplett leeren Floor steht.

Stilistisches und dramaturgisches Holterdiepolter

Ein DJ-Set sollte von einem roten Faden durchzogen sein: Ein Track baut auf dem anderen auf, um über einen längeren Zeitraum sanft den musikstilistischen Wechsel einzuläuten. Damit haltet ihr die Leute bei Laune und regt langsam den Gästeaustausch auf dem Dancefloor an. Greift ihr hingegen ad hoc in die Plattenkiste, ohne euch einen Kopf über den Musikstil oder das Energie-Level zu machen, fühlt sich das Publikum wie ein Flummi, der emotional und auch zwischen Bar und Tanzfläche hin und her springt. Das Ende vom Lied ist bekannt.

Nervige Skills

Mixing, Scratching und auch Beat Juggling sind nur zur Show zu stellen, wenn man sie auch wirklich beherrscht. Wohl dosiert und rhythmisch exakt platziert! Minutenlange, disharmonische, aus der Phase laufende Blends oder ständiges, unsauberes Beat Juggling zwischen Tracks stellen nicht nur die Beine, sondern auch die Ohren auf die Geduldsprobe. Dazu werden die Tracks permanent von Scratch- und Cut-Salven durchlöchert, sodass man die Flucht ergreift, beziehungsweise sich einen Drink genehmigt.

Beim Pegel daneben gelegen

Einen gewissen Pegel braucht man sicherlich in zweierlei Hinsicht. Bezogen auf die Lautstärke werden Endorphine ausgeschüttet, Geräusche durch Gespräche und Tanzschritte maskiert. Überspannt man allerdings den Bogen, kommt Adrenalin mit einer Portion Aggression hinzu. Denn manche Lautstärke grenzt schon an Körperverletzung, auf die man vernünftigerweise lieber mit dem Rückzug aus dem Krisengebiet reagiert, als dem DJ an die Gurgel zu springen. Aber auch ein zu leises Signal vertreibt die Leute von der Tanzfläche. Sie nehmen es eher als Hintergrundbeschallung wahr, fühlen sich damit feiertechnisch nicht angesprochen. Zu später Stunde vermutet man mitunter, dass das Party-Ende naht, was sich auf jeden Fall auf der Tanzfläche ankündigen wird.

Zu viele Mikrofon-Aktivitäten

Ein bisschen Moderation hat noch nie geschadet, solange es bei kurzen Ansagen und beim Anfeuern bleibt. Mit einer ermüdenden Selbstbeweihräucherung hingegen oder mit ausfälligen, gar beleidigenden Worten trifft man keinesfalls den Nerv des Publikums. Oder auch den Ton der Musik, denn manch DJ legt noch eine Schippe drauf, indem er lautstark und schief über das Mikro grölt. Auf einer Malle-Party mag dies zünden, aber auf einem gepflegten Event brennt es die Stimmung eher nieder.

Praktische Tipps rund ums Auflegen findet ihr auch in unserem Video-Workshop Staffel 1 und Staffel 2 sowie in unseren DJ-Software-Crashkursen.

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