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Follow-up Tracks timen: Wann ist der beste Zeitpunkt, den nächsten Track im Set zu mixen?

Wann ist der beste Zeitpunkt für einen Follow-up Track? Mag man als DJ noch so gut sein technisches Mixing-Handwerk verstehen, gilt es in erster Linie, sein Publikum zu lesen, es musikalisch zu unterhalten, gar zu führen und Emotionen zu wecken. Letztere spiegeln sich in der Dramaturgie und dem Spannungsbogen des Sets wider, dem sogenannten Energy-Level. Es gibt für einen DJ viele Möglichkeiten, die Stimmung auf den Dancefloor anzuheizen, aber das funktioniert nicht bei jedem Gig gleich. Ihr könnt das identische Set in derselben Location mit dem gleichen Publikum an zwei verschiedenen Abend spielen, und es kann von der Stimmung dennoch unterschiedlich ausfallen. Jeder Gast hat mal einen guten oder einen schlechteren Tag, mal bin ich ausgelassener, mal weniger. Zudem spielt auch der Alkoholpegel eine wichtige Rolle, der je nach physischem Zustand und verfügbarem Budget differiert. 

Entsprechend muss ich als DJ permanent die Reaktion des Publikums scannen und schon zu Beginn meines Sets gesammelte Erfahrungen auf den weiteren Aufbau und meinen Mixstil übertragen. Zudem zahlt sich Routine aus, mit der ihr selbstbewusster und flexibler werdet. 

Aber wie weiß ich als DJ, wann es an der Zeit ist, den nächsten Track einzuläuten. Dies richtet sich nach diesen Faktoren…

(Credits: Shutterstock / Von: DisobeyArt)

Dauer des Sets

Lege ich auf einem Festival auf, wo ich einer von vielen bin und mit meinem ein- oder zweistündigen Set den kompletten Abriss liefern soll oder spiele ich in einem Club als einziger über den ganzen Abend? 

Soll mein Set das Publikum eher chillig unterhalten oder eine Party anzetteln? 

Schon allein die Spieldauer beeinflusst die Mixing-Strategie. Ein abendfüllendes Set fühlt sich wie ein Marathon an, bei dem man mit seiner Kondition, aber auch mitunter mit seinen Sure-Shots (Tracks, die garantiert für eine volle Tanzfläche sorgen) haushalten muss. 

Bei kurzen Sets von ein bis zwei Stunden hingegen liegt die Würze in der Kürze. Man erwartet die Eskalation, die Songdichte beträgt 30 bis 60 Tracks pro Stunde, ganz zu schweigen von der Effekthascherei an den Reglern, permanentes Mixen und Scratching. Dies kann aber auf Dauer für Publikum als auch DJ anstrengend sein. Dient mein Set eher zur musikalischen Hintergrundbeschallung, lege ich deutlich mehr Tracks auf, die ich auch länger, mitunter fast komplett spiele. 

Zeitpunkt im Set für die Follow-up Tracks

Der Abend in einem Club unterteilt sich in Warm-Up, Prime-Time und Cool-Down, was in gewisser Weise dem Spannungsbogen eines Sets entspricht. Die Warm-Up-Phase dient zum Aufwärmen: Als DJ sorgt man musikalisch für ein gutes Gefühl und stimmt die Crowd auf den Abend ein, ohne Hektik an den Decks zu verbreiten. Mit anderen Worten, ihr legt die Tracks länger auf, damit kommt ihr auch mit weniger Songs aus. Dagegen heißt es in der Prime-Time, wo der Peak in der Besucherzahl erreicht wird, „Vollgas geben!“. 

Das widerspiegelt sich nicht nur in der üppigen Songanzahl, sondern wie gesagt auch in der Kürze der Tracks und den daraus resultierenden Übergängen. Konzentriert euch mehr auf das Wesentliche eines Songs, das später noch im Detail erläutert wird. 

Beim Cool-Down könnt ihr wieder eine ruhigere Kugel mit der Songanzahl und dem Mixing schieben. Lasst den Abend musikalisch ausklingen, ohne allerdings Langeweile zu versprühen und die Leute „raus zu spielen“. 

Wie ihr die Spannung in eurem Set richtig erzielt, erklärt euch dieser Workshop.

Ich bevorzuge Blenden vor dem zweiten Breakdown
Ich bevorzuge Blenden vor dem zweiten Breakdown

Musikstil

Ein scratchender Hip-Hop-DJ ballert mit sehr kurzen Blenden und Cuts die fast nur angespielten Tracks förmlich aus seinem Battle-Mixer. Techno- und House-DJs ziehen dagegen die Übergänge auch schon mal über mehrere Minuten, sodass die Tracks förmlich verschmelzen. 

Dass beide DJs einen völlig anderen Mixingstil bevorzugen, liegt zunächst in der Natur der Tracks. Urban Tracks spielen meistens um die drei Minuten und verfügen kaum über instrumentale Passagen, in denen sich Tracks untermischen lassen. Dagegen bauen sich House- und Techno-Tracks über mehrere Minuten langsam auf, erreichen dann ihre ein bis zwei Höhepunkte, um letztlich allmählich wieder herunterzufahren. Manchmal dudeln sie auch minutenlang nur so vor sich hin, ohne spürbare Spannungsschwankungen. Letztlich hat man damit eine andere Ausgangslage, um die Übergänge auszudehnen. „Ausdehnen“ ist das richtige Schlagwort, denn gegenüber den kurzen Radio-Songs handelt es ich um mixfreundliche Extended-Edits, die dem DJ entsprechenden Freiraum für ihr Handwerk an den Reglern bieten. 

Auch von Urban- und sonstigen Pop-Songs gibt es mitunter verlängerte Versionen, die aber meistens nur eine Phrase, sprich acht Takte, als Intro und Outro zum Mixen bereithalten. Auch Rock-Songs besitzen oft Gitarren-lastige Intros und Solos in der Mitte des Tracks, die ein paar Takte zum Blenden gewähren. Generell gilt: Wenn die Songs eh schon recht kurz sind, müssen sie nicht noch vom DJ künstlich abgewürgt werden. 

Publikumsalter 

Die Ü-40er bevorzugen oft eher länger gespielte Tracks. Das hängt  durchaus mit dem Hörverhalten zusammen, mit dem sie sich zu Hause auch gern einem kompletten Album hingeben. Zudem waren die Lieblingssongs ihrer Jugend mindestens 4 bis 5 Minuten lang. 

Dagegen nutzt die Generation Z heute gern Streaming, einschließlich schnellem Auffinden und Abfeuern beliebiger Tracks, die schon vor deren Ende durch den nächsten ersetzt werden, obwohl die durchschnittliche Länge eines Tracks mittlerweile bei durchschnittlich 3 Minuten oder weniger liegt. Das macht sich auch beim Auflegen bemerkbar, denn je jünger das Publikum ist, desto mehr bevorzugen sie kürzer, mitunter nur angespielte Tracks. 

Location 

Auch die Locationgröße und Publikumsdichte beeinflussen die Spiellänge der Tracks. Lege ich in einer überfüllten großen Halle auf, wo die Tanzfläche weit entfernt ist, muss ich den Gästen die Chance geben, noch rechtzeitig auf dem Dancefloor anzukommen. Spiele ich die Tracks so kurz, dass die Leute erst gerade beim Wechsel zum nächsten Track auf dem Dancefloor antanzen, wird es langfristig für Frustration bei denen und auch bei euch sorgen, denn ihr bekommt aufgrund der ständigen Fluktuation keinen Flow in euer Set.  

Bei einer so vollen Tanzfläche hat man leichtes Spiel
Bei einer so vollen Tanzfläche hat man leichtes Spiel

Follow-up Tracks und das Stimmungsbarometer für den Dancefloor  

Um es vorweg zu nehmen, eine pauschale optimale Track-Länge gibt es nicht. Schließlich hängt es nicht nur von den bereits erwähnten Faktoren, sondern auch von der momentanen Stimmung auf dem Dancefloor ab. Länger gespielte oder fast ausgespielte Tracks nehmen mitunter den Drive aus eurem Set. Man empfindet es vom dramaturgischen Aspekt her langweilig und zäh als antreibend und eskalierend. 

Kürzer gespielte Tracks, die sich sogar nur auf das Wesentliche ihrer Struktur konzentrieren, beispielsweise den dramaturgischen Build-Ups und Drops bei EDM, steigern das Energy-Level eures Sets und halten es konsequent am Limit. Jedoch kann dies das Publikum auf Dauer auspowern. Zudem können gern gehörte, aber zu kurz gespielte Tracks förmlich untergehen. Entsprechend muss ich meinem Instinkt folgen, wie lang ich welchen Track spielen sollte. 

Bridges, Breaks und Mittelteile für Follow-up Tracks nutzen

Bei etlichen Klassikern wartet man regelrecht auf ihre epischen Bridges, Breaks und Mittelteile, die nicht dem Mix zum Opfer fallen und nicht gekürzt werden sollten. Tracks mit einem sehr linearen Strukturaufbau, die sich gar nach dem zweiten Breakdown und anschließenden Drop fast identisch wiederholen, dürfen dagegen schneller durch Follow-up Tracks abgelöst oder auch per Beat Jumps komprimiert werden, wie ich es oft zum Beispiel beim achtminütigen Epic-Mix von Faithless „Insomnia“ oder Lambdas noch längerem Nalin & Kane-Mix „Hold On Tight“ anwende.

Aber auch die Fülle der Tanzfläche spielt eine wichtige Rolle. Räume ich mit einem Track die Tanzfläche regelrecht ab, sollte ich nicht so lange warten, bis der letzte Gast von dem Dancefloor flieht. Denn vor einer komplett abgeräumten Tanzfläche haben die meisten Tänzer Angst, was das erneute Füllen erschwert. 

Daher sollte man schneller das Ruder rumreißen, um die Leute auf der Tanzfläche bei Laune zu halten. Aber dabei muss ich auch die Situation um die Tanzfläche im Auge behalten, ob ich doch noch neue Tänzer für die Tanzfläche gewinne und ich nicht zu schnell kapituliere. Schließlich gehört es zur Aufgabe eines guten DJs, das Publikum auf der Tanzfläche regelmäßig, aber möglichst unauffällig auszutauschen.

Aufkommende Ungeduld

Spielt man die Tracks oft zu lange, langweilen sich Publikum … und DJ. Diese Eintönigkeit äußerst sich auf dem Dancefloor in einem Rumtänzeln, mitunter bleiben die Leute sogar komplett stehen oder man greift womöglich zum Handy. In diesen Fällen reagiert besser auf jeden Fall mit der Blende zum nächsten Song, bevor sich die Tanzfläche leert. Aber auch beim DJ kommt rasant Langeweile auf, wenn er sich unterfordert fühlt. Schließlich spart man durch das Laden der Tracks von der Festplatte oder vom Stick und dem Sync-Button so viel Zeit ein, dass man nach ein paar Sekunden, um den kommenden Tracks zu checken, nicht weiß, wohin mit sich. 

Ungeduld macht sich breit, woraus voreilige Track-Wechsel resultieren könnten. Beschäftigt euch lieber anderweitig: Bereitet die nächsten Tracks vor, motiviert die Leute am Mikrofon, schraubt vielleicht an einem weniger auffälligen Effekt wie Flanger und gebt dem Song die vom Publikum erwünschte Spielzeit.

 

Mit dem Echo kommt man fast aus jeder Nummer
Mit dem Echo kommt man fast aus jeder Nummer

Songstruktur

Pop- und Rocksongs, aber auch Dance-Music mit Vocals, folgen der klassischen Struktur aus wiederholt abwechselnden Strophen und Refrains. Bei diesen Songs gilt die Regel, nie vor dem ersten Refrain den Mix einzuleiten. 

Funktionelle Tanzmusik wie EDM besteht neben den Intros und Outros aus meistens zwei ruhigen Breakdowns, in denen die Dramaturgie zunächst komplett runterfährt, um sie anschließend mit Buildups wieder aufzubauen. Man kann sie als Pendant zur Strophe interpretieren. Als Refrains des EDM gelten die sogenannten Drops, die an die Breaks anschließen, um die mit den Buildups erzeugte Spannung zu entladen. Auch vor dem ersten Drop sollten man nicht droppen. 

Follow-up Tracks und die Art des Mixens

Beim Auflegen steht immer der Song im Vordergrund, nicht eure DJ-Skills. Mit anderen Worten: Kommt die für euren Übergang geeignetste Stelle schon im ersten Drittel des Tracks, opfert nicht den restlichen Track zum Wohl eures Übergangs. So überlegt vielmehr, wie ihr an einer anderen Stelle einen ebenfalls harmonischen Übergang hinlegt. Es kommt dabei nicht zwingend auf die Länge, sondern vor allem auf das richtige Timing an, damit die Crowd durchtanzt. Bei gleicher BPM-Zahl den folgenden Track auf den ersten Beat gecuttet, zudem auf das Ende des vorherigen Tracks ein Echo gelegt und schon klingt die sonst abrupt wirkende Blende deutlich geschmeidiger. Oder cuttet Break auf Break, das heißt, ihr tauscht mit dem Übergang eigentlich den einen Break gegen den des anderen Tracks aus. Sehr effizient und mitunter unauffällig.

Ich habe schon etliche DJs erlebt, die sich auf diese Weise erfolgreich durch das komplette Set manövrierten und man sich sicher sein konnte, dass nach dem Drop der Breakdown des Follow-up Tracks anknüpfte. 

Natürlich müsst ihr euch dank digitaler Hilfen wie Beat Jumps, Hotcues und programmierter Sprünge wie bei Serato DJ Flip nicht zwingend an die Struktur eines Songs halten. Wenn eures Erachtens die Zeit für den Übergang reif ist, springt zum mixkompatiblen Intro, Outro oder Mittelteil. 

Mixed in Key setzt die Hot Cues entsprechend der Trackstruktur und dem Energy Level
Mixed in Key setzt die Hot Cues entsprechend der Trackstruktur und dem Energy Level

Weitere Tipps für DJ-Übergänge findet ihr auch hier: Workshop: Spannende Übergänge im DJ-Mix.

Wenn ihr euch an diese Regeln beim Mixing haltet, könnt ihr vermutlich den richtigen Zeitpunkt für den Mix „fühlen“. Trotzdem werdet ihr euch sicherlich das eine oder andere Mal im Timing verschätzen, was aber nicht schlimm ist. Schließlich gilt: „Übung macht den Meister!“ 

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von Dirk Duske

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