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25.04.2018

So gelingt die Pentatonik auf dem gesamten Griffbrett!

Ganz einfach Pentatonik-Fingersätze lernen und anwenden

Die Pentatonik stellt in der Popularmusik ein beliebtes Mittel zur Improvisation dar, und obwohl auch alle anderen Instrumentalisten auf diese Tonleiter zurückgreifen, werden wir Gitarristen im Zusammenhang mit ihr meist an erster Stelle genannt. Zu Beginn wird dabei in der Regel der typische A-Moll-Fingersatz in der V. Lage vermittelt, der bequem in den Fingern liegt und so ein gutes Hilfsmittel zum Einstieg in die Improvisation bietet.

Viele Spieler kommen aber mit der Zeit an den Punkt, sich aus der "Pentatonik Box" befreien zu wollen, um flexibler und mit einem größeren Tonumfang improvisieren zu können. Wie das geht und wie ihr dabei nicht die Orientierung auf dem Griffbrett verliert, erkläre ich im folgenden Workshop.

Wie schon anfangs erwähnt, bietet die A-Moll-Pentatonik in der V. Lage einen sehr guten Einstieg in der Welt der Improvisation mit fünf Tönen. Daher nehmen wir diesen Vertreter auch als Grundlage, um die Fingersätze der Pentatonik auf dem gesamten Griffbrett zu erforschen.

Die A-Moll Pentatonik in der V. Lage hat ihren Startton auf der tiefen E-Saite und sieht so aus:

Gemeinhin werden fünf Fingersätze vermittelt, um die Moll- und Dur-Pentatonik einer Tonart auf dem gesamten Griffbrett abzudecken. Das ist auch absolut sinnvoll, kann aber bei Einsteigern unter Umständen zu Beginn für eine gewisse Unübersichtlichkeit sorgen.

Wir reduzieren daher in diesem Workshop die Fingersätze zunächst auf vier Typen und addieren am Ende noch einen hinzu. Dabei wollen wir auch gleich ein wenig die skalentheoretischen Zusammenhänge und das Thema Gehörbildung in den Fokus nehmen.

Wie ihr eventuell aus der vorangegangen Erklärung schon rauslesen konntet, decken die Fingersätze sowohl die Moll- wie die Dur-Pentatonik ab, da jede Molltonart eine parallele Durtonart besitzt, deren Töne identisch sind. Wir starten dabei nur von einem anderen Startton, woraus sich das Verhältnis der Intervalle zueinander verändert.

Da wir in einer Pentatonik nur fünf Töne der kompletten Tonleiter verwenden, fällt in der Mollvariante, vom Grundton aus gesehen, die Sekunde (2) und die Sexte (6) der Tonleiter weg. In Dur verzichten wir auf die Quarte (4) und die Septime (7).

Wenn wir uns jetzt bewusst machen, dass sich die Pentatoniken sowohl einer Durtonart (in unserem Beispiel C-Dur) und einer Molltonart (A-Moll) zuweisen lassen, können wir dieses Wissen mit den Grundtönen auf der tiefen E- und A-Saite verbinden, die ihr bestimmt schon beim Erlernen der Dur- und Moll-Barréakkorde über das Griffbrett verinnerlicht habt.

Auch wenn es absolut zu empfehlen ist, mit der Zeit alle Töne auf dem Griffbrett benennen und zuordnen zu können, brauchen wir zunächst nur einen Überblick über die Grundtöne auf den beiden tiefen Saiten, denen wir die Fingersätze gleich zuordnen wollen.

Unsere vier Fingersätze lassen sich anhand ihres Starttons jeweils einem Dur- und einem Moll-Typen auf der E- und A-Saite zuweisen.

Um beim Üben nicht einfach nur stur die Fingersätze rauf- und runterzuspielen, ist es übrigens absolut empfehlenswert, die Fingersätze von den Grundtönen zu beginnen und abzuschließen, um diese auch klanglich zuordnen zu können.

Den ersten Moll-Typen auf der tiefen E-Saite haben wir eben schon in der V. Lage kennengelernt. Der Dur-Typ für die E-Saite befindet sich in der VII. Lage, startet mit dem zweiten Finger und sieht so aus:

Ich habe den jeweiligen Grundton in den Grafiken mit einem roten "G" versehen. Da es sich um identisches Tonmaterial handelt, könnt ihr die beiden Fingersätze und auch die folgenden natürlich sowohl in einem Dur- als auch in einem Moll-Kontext verwenden.

Beim späteren Improvisieren ist es dabei ebenfalls sehr wichtig, dass ihr nicht nur die Finger arbeiten lasst, sondern wie immer die Ohren ganz weit aufmacht und lernt, die richtigen Bezugstöne anzuspielen. Probiert dafür beim Üben außerdem, den gewählten Fingersatz auch vom Startton der jeweils parallelen Dur- oder Moll-Tonart aus zu beginnen.

Die anderen beiden Fingersätze, die wir mit ihren Starttönen der Dur- und Moll-Pentatonik zuordnen können, suchen wir uns nun auf der A-Saite.

Die C-Dur Pentatonik startet dabei mit dem zweiten Finger auf dem dritten Bund auf der A-Saite und bis zur g-Saite ist der Fingersatz identisch zur C-Dur Pentatonik mit Startton auf der E-Saite. Durch die "verflixte" Intervalländerung in der Stimmung zwischen der g- und h-Saite ändert sich anschließend der Fingersatz.

Das A-Moll Pendant startet auf dem 12. Bund, ist dementsprechend ebenfalls im Fingersatz bis zur g-Saite identisch und sieht so aus:

Mit diesen vier Fingersätzen seid ihr auf dem Griffbrett nun schon einmal gut aufgestellt.

Wie ihr vielleicht bemerkt habt, "klafft" allerdings jetzt auf Höhe des 10. Bunds noch eine kleine Lücke, die sich mit dem schon anfangs erwähnten fünften Fingersatz schließen lässt.

Dieser lässt sich als einziger leider im Bezug auf den ersten gegriffenen Ton auf der E oder A-Saite nicht ganz so bequem der Moll- oder Dur-Pentatonik zuordnen. Wenn wir aber mit dem 4. Finger auf der A-Saite beginnen, erklingt ebenfalls die A-Moll-Pentatonik. Habt ihr die vorausgegangenen vier Fingersätze verinnerlicht, sollte es kein Problem darstellen, den fünften Vertreter anschließend noch zu implementieren.

Abschließen möchte ich diesen kleinen Workshop mit einer Übersicht zu allen fünf Fingersätzen der C-Dur-/A-Moll-Pentatonik.

Beim Erlernen der Moll- und Durtonleitern über das ganze Griffbrett könnt ihr übrigens nach demselben Prinzip vorgehen.

In den Fingersätzen stecken außerdem die Griffbilder der Grundakkorde des CAGED-Systems, was beim Improvisieren und auch beim Verinnerlichen der Fingersätze ebenfalls ein hilfreicher Ansatz sein kann. Einen Workshop zum CAGED-System findet ihr hier:

Und jetzt: Viel Erfolg beim Üben!

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