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10.10.2017

Snare Drum Ratgeber

Alle Infos zur wichtigsten Trommel im Schlagzeug

Geschichte, Konstruktion, Materialien und Stimm-Tipps

Die Snare Drum ist das bedeutendste Instrument im Drum Set - dieser umfassende Ratgeber beeinhaltet alles, was ihr wissen solltet. Mittlerweile hat der Markt unzählige Snare-Varianten zu bieten, da stellen sich dem Trommler einige Fragen: ‘Soll die Trommel aus Holz oder lieber aus Metall sein? Wie tief soll der Kessel sein, und welche Felle passen am besten zu meinem persönlichen Musikstil?‘ Wer sich näher mit diesem Instrument und damit auch mit dem Kern des eigenen Sounds beschäftigt, kann da schnell den Überblick verlieren. Mit diesem bonedo Snaredrum-Guide möchten wir ein bisschen Licht ins Dunkel bringen und euch dabei helfen, das richtige Instrument für eure Musik auszuwählen. Zunächst gibt es allerdings einen ganz kleinen – versprochen! - historischen Ausflug.

Kleine Geschichte der Snaredrum: vom Krieg zum Backbeat

Wer denkt heute beim Kauf einer neuen Snare an mittelalterliches Schlachtengetümmel oder an den amerikanischen Bürgerkrieg? Wahrscheinlich kaum jemand, und doch hat das „Herzstück“ unseres modernen Schlagzeuges eine recht gewalttätige Geschichte. Wie so viele wichtige Erfindungen ist die Entwicklung der „Schnarrtrommel“ nämlich dem Krieg zu verdanken. 

Schon vor über 2000 Jahren wurden Trommeln im Feld als Kommunikations- und Motivationsmittel sowie zur Steuerung von Truppenbewegungen eingesetzt. Ab dem fünfzehnten Jahrhundert begann man in Europa, dem Klang der kleinen Feldtrommel mit an den Unterseiten der Trommeln montierten Schnarrsaiten zu mehr Lautstärke und Durchsetzungskraft zu verhelfen. Sie wurde damals schon mit Becken und Großen Trommeln kombiniert, aber dennoch war man vom uns geläufigen Drumset zu dieser Zeit noch weit entfernt, denn die Instrumente wurden jeweils einzeln bedient. 

Das von einer Person spielbare Schlagzeug entwickelte sich erst in den USA des beginnenden zwanzigsten Jahrhunderts. Drumset-Snaredrums wurden „zivilisiert“, und während es anfangs nur eine überschaubare Anzahl von Herstellern und Modellen (und auch Drumset-Spielern) gab, kletterte deren Zahl mit der steigenden Popularität von Musikrichtungen wie Jazz und Rock ab den 1950er Jahren stetig. Mit dem legendären TV-Auftritt der Beatles in der Ed Sullivan-Show wurde das Drumset endgültig zum Volksinstrument, was zur Folge hatte, dass Schlagzeuge und Snaredrums in vielerlei Ausführungen in großer Zahl verkauft wurden. Und damit geht es direkt zum Kern dieses bonedo Snaredrum-Guides, nämlich den Kontruktionsmerkmalen moderner Snares für das weite Feld des Einsatzes in zeitgenössischer Musik.

Konstruktion der Snare Drum

Die Auswahl der Snare-Größe

Die Größe der Snare ist die wichtigste Entscheidung, nachdem man sich auf einen Preisbereich festgelegt hat. Sie bestimmt grundlegende Faktoren wie Tonalität, Stimmbereich, Spielgefühl, Durchsetzungsfähigkeit und Ansprache. Eine 13x6 Zoll große Snare mit Metallkessel klingt nämlich nicht nur höher und heller als eine 14x5er Ahorn-Snare, weil sie aus Metall besteht, sondern vor allem, weil sie im Durchmesser kleiner ist. Wer sich also als erstes mit Lagenanzahl, Gratungsform und Kesselmaterial auseinandersetzt, wird möglicherweise falsche Schlüsse ziehen.

Die Standardgrößen 14x5 und 14x6,5 Zoll 

Wenn ihr noch nicht genau wisst, welchen Sound ihr sucht, aber trotzdem eine für (fast) alle musikalischen Aufgaben gewappnete Snaredrum kaufen wollt, liegt ihr mit den Standardgrößen 14x5/5,5 und 14x6,5/6 Zoll richtig. Fast alle Alben der 1950er bis 1980er Jahre wurden mit 14ern eingespielt, was daran liegt, dass die damals gebauten Snares praktisch alle diesen Durchmesser besaßen. Oder kennt jemand eine 13x7 Ludwig Supraphonic oder Slingerland Radioking? Und obwohl wir Drummer heutzutage aus einer Unmenge von Größen zwischen 8x5 und 16x10 Zoll (bei manchen Custom-Herstellern soll es sogar bis zu 20 Zoll im Durchmesser geben) wählen können, bleiben die 14er die am häufigsten verwendeten Snaredrums. Die Kesseltiefen zwischen fünf und sechseinhalb Zoll gewährleisten eine gute Balance zwischen Klangfülle („Bauch“) und Ansprache des Snare-Teppichs. 

Sehr flache und sehr tiefe 14-Zöller

Sehr flache (3 bis 4 Zoll) Snares nennt man Piccolo Snaredrums, besonders tiefe Vertreter (7 bis 10 Zoll) der Gattung haben keinen besonderen Namen, im Volksmund werden sie gern als „Balladen-Eimer“ bezeichnet. Beide Varianten beliebt, rangieren in der Verbreitung allerdings deutlich hinter den Standardgrößen. Piccolo Snares reagieren sehr schnell und direkt, ihre Teppichansprache ist unmittelbar. Dafür besitzen sie weniger Bauch als baugleiche Modelle mit tieferem Kessel. Bei den „Eimern“ ist es genau umgekehrt: die längere Laufzeit der Luft im Kesselinneren führt zu einer als weniger direkt empfundenen Teppichansprache, das große Volumen sorgt andererseits für mächtigen Druck. 

8er, 10er, 12er, 13er, 15er und 16er Snaredrums - gängige Ausnahmen und Exoten

Während ein Großteil aller Trommler immer noch die 14 Zoll-Größe wählt, haben sich seit den 1980er Jahren auch andere Durchmesser etabliert, allen voran sind sicherlich 13 Zoll große Snares zu nennen, oft in Kombination mit Tiefen wie sechs oder sieben Zoll. Kleinere Snares klingen insgesamt nicht nur tonal höher, sondern auch straffer und fokussierter, was ihnen in bestimmten Einsatzgebieten eine erhöhte Durchsetzungskraft beschert. Ein paar zusätzliche Zoll in der Tiefe erhalten dabei den „Bauch“ und den Druck der Trommel. 

Zehn oder acht Zoll große Modelle findet man meistens in Gestalt von Sidesnares, welche zusätzlich zur größeren Hauptsnare eingesetzt werden, um die Klangvielfalt zu erweitern. In HipHop, Drum 'n' Bass oder anderen Musikrichtungen, die einen unkonventionellen Snaresound benötigen, sieht man die Bonsai-Snares dagegen auch oft als Haupttrommel. 

Kommen wir zu den „Übergrößen“. 15 und 16 Zoll große Snares findet man eher selten. Mit John JR Robinson hat Yamaha einem prominenten US-Studiodrummer einst ein Modell der Größe 15x5 auf den Leib geschneidert. Der Klang ist fett, die Suche nach einem Snare-Stativ, Fellen und passendem Ersatzteppich gestaltet sich jedoch fast so schwierig wie bei der Größe 16 Zoll, die man in Form der „Ballad Snaredrum“ bei DW findet. Auch Brady bietet ein entsprechendes Modell an. Wir haben hier einen Testmarathon mit 15er Snares.

Gratungen und Snarebeds

Zwei konstruktive Merkmale, die auf den Klang einer Snaredrum besonders großen Einfluss haben, sind die Gratungen und die Snarebeds für den Snareteppich, weil sie den Kontaktpunkt zwischen Kessel und Fell darstellen. 

Die Gratung (englisch: Bearing Edge)

Als Gratung bezeichnet man bei Trommeln die in unterschiedlichen Winkeln und Formen gestalteten Kesselränder, also jenen Bereich, an dem das Fell mit dem Kessel in Kontakt kommt. Wir haben es hier mit einem klangbestimmenden Faktor zu tun, es ist daher wenig verwunderlich, dass das Thema von Drummern und Herstellern gleichermaßen intensiv diskutiert wird. Neben der handwerklichen Ausführung interessiert uns Trommler besonders die Form der Gratung, wobei es hier grundsätzlich zwei Philosophien gibt: eine eher scharfe Version, bei der das Fell sehr wenig Kontakt mit dem Kessel hat, sowie eine verrundete Form, die eine breite Auflagefläche ermöglicht. Während eine moderne, scharfe Gratungsform zum Ziel hat, das Fell minimal in seiner Schwingung zu behindern und damit viele Obertöne und langen Ausklang zulässt, macht ein verrundeter Kesselrand das Gegenteil: er sorgt durch den großen Fell/Kessel-Kontakt für eine schnelle Absorption der Schwingungsenergie in den Kessel. Die Obertöne werden gebremst, gleichzeitig wird mehr Schlagenergie in den Kessel geleitet. 

Modern konstruierte Snares verfügen in aller Regel über eine scharfe Gratung mit kleinem Gegenschnitt auf der Außenseite, um der Trommel zu einem maximalen Dynamikspektrum zu verhelfen. Innen- und Gegenschnitt verfügen dabei meistens über einen 45 Grad Winkel, es gibt aber auch 30 Grad Winkel (z.B. bei Gretsch) oder mittig platzierte Gratungen, beispielsweise bei der Firma Spaun. Um die Verwirrung komplett zu machen, hat fast jeder Schlagzeughersteller seine eigene Gratungsform und -gestaltung. Die Größe der Gegenschnitte variiert ebenso. 

Dem aktuellen Trend zu Retro- und Vintage-Instrumenten ist die Tatsache geschuldet, dass viele Drum-Firmen versuchen, dem Klang der Instrumente aus den 1960er und -70er Jahren nahe zu kommen. Bei aktuellen Modellen der DW Classics-Serie, der Sonor Vintage Series sowie bei einigen Ludwig und Gretsch-Serien findet der Soundfreund entsprechend verrundete Gratungen, die dem Klang die Schärfe nehmen und ihn „wärmer“ machen. Beim Edelhersteller Craviotto nennt sich diese Kantenform übrigens „BB“, was für Baseball Bat steht. Und welche Form hat so ein Baseball-Schäger obenrum? Genau. Viele Custom-Hersteller bieten die Option teilweise oder ganz abgerundeter Gratungen natürlich auf euren Wunsch hin ebenso an. 

Hier seht ihr ein paar der wichtigsten Gratungsvarianten:

Die Snarebeds

Auch wenn dieses Konstruktionsdetail auf den ersten Blick kaum erkennbar ist, klingt eine Snare ohne Snarebeds einfach schrecklich. Warum ist das so? Die Antwort ist recht einfach. Die Spiralen des Snareteppichs sind mit den sogenannten Endplättchen verlötet, welche sich an beiden Enden des Teppichs befinden. Befestigte man diesen nun an einer Snarebed-losen Trommel, würden die Endplättchen - selbst bei hoher Spannung - keinen vollständigen Kontakt mit dem Resonanzfell haben und so dafür sorgen, dass die Spiralen nicht richtig auf dem Fell aufliegen. Für einen kontrollierten, kurzen Klang der Snare müssen sie das aber. Zwei einander gegenüber liegende Vertiefungen der Gratung, das Snarebed, sorgen dafür, dass sich die Endplättchen besser an das Resonanzfell anschmiegen können. Das Ergebnis ist eine Verschmelzung von Kessel- und Teppichklang, die den artikulierten, charakteristischen Snaresound erst ermöglicht. 

Wir halten also fest: praktisch jede heute gekaufte Snare verfügt über ein Snarebed, besondere Aufmerksamkeit solltet ihr ihm dann widmen, wenn ihr die Teppichansprache partout nicht in den Griff bekommt oder die Snare ewig „nachraschelt“. Es kann vorkommen, dass die Vertiefungen nicht exakt gearbeitet wurden. Ebenso ist Aufmerksamkeit angebracht, wenn ihr eure Snare mit einem besonders breiten Teppich nachrüsten möchtet. Ist dieser breiter als das Snarebed der Trommel, wird das Ergebnis genauso unbefriedigend ausfallen, wie bei einem Instrument ohne dieses Kontruktionsmerkmal. Der Teppich „schwimmt“ dann nämlich. 

Hier haben wir euch ein paar Bilder unterschiedlicher Snarebeds zusammen gestellt.

Snare Drums mit Holzkessel

Holzkessel aus Schichtholz (Plywood)

Wenn es um Holzkessel geht, dürfte die Schichtholzbausweise am populärsten sein. Diese Konstruktion aus dünnen, kreuzverleimten Furnieren hat sich als wirtschaftlich und klanglich sinnvoll erwiesen. Ahorn (Maple), Birke (Birch) und Buche (Beech) sind sicherlich die gängigsten Hölzer, aber auch Pappel (Poplar), Linde (Basswood) und Mahagoni (Mahogany) finden wir oft im Trommelkesselbau. Moderne Snare-Kessel bestehen in der Regel aus fünf bis zwanzig Schichten, wobei jeder Hersteller leicht unterschiedliche Produktions-Philosophien verfolgt. Gemein ist allen, dass die vorab passend zugeschnittenen Lagen in Metallzylindern mit Hilfe von Leim zu Holzröhren verbunden werden. Bei einigen funktioniert dies mit Pressen, bei anderen mit Luftdruck. Ziel ist ein möglichst runder, homogen schwingender Kessel, welcher viele Jahre lang in Form bleibt. 

Nachdem der Kessel fertig „gebacken“ ist, wird er auf das gewünschte Maß gekürzt, die Gratungen und die Snarebeds eingefräst sowie die Löcher für die Beschlagteile gebohrt. Je nach Ausführung und Preis der Trommel wird hier mehr oder weniger aufwändig vorgegangen. Bei teuren Snares wird der Gleichmäßigkeit der Gratung besondere Beachtung geschenkt, und eine hochwertige Lackierung, edle Furniere oder Folien vervollständigen das Finish des Kessels.

Andere Holzkessel-Bauarten

Neben den oben genannten Schichtholzkesseln gibt es noch weitere Kesselarten, die im folgenden Abschnitt aufgeführt werden.

Kessel in Fassbauweise (auch Vollholzkessel genannt, engl. Stave oder Block Shells)

Kessel in Fassbauweise sind oft schon äußerlich an ihrer senkrechten Holzmaserung zu erkennen. Meistens sind – sofern es sich um ein Modell im Naturholz-Finish handelt - auch die einzelnen Dauben sichtbar, aus denen der Kessel zusammengesetzt ist. Aus 20 bis 30 solcher Vollholzblöcke ist eine Stave Snare zusammengesetzt, womir klar sein dürfte, dass das Konstruktionsprinzip stark vom jenem konventionell gefertigter Snares abweicht. 

Durch die meistens sehr dicken (bis zu 30 Millimeter) und damit starren Kessel erzeugen entsprechend gebaute Snares einen eher hohen Grundton mit starker Tragweite (Projektion), wobei der Klang grundsätzlich eher obertonarm ist. Obwohl der Einsatzbereich nicht auf eine Musikrichtung beschränkt ist, schwören viele Rockdrummer auf's Fass. 

Kessel aus einem Stück (Solid Shells)

Steambent Solid Shell, diese Begriffskombination löst bei vielen Trommlern nach wie vor wohlige Schauer aus. Aber was bedeutet sie, und wie wirkt sie sich klanglich aus? Vorsicht, zur Erklärung folgt wieder ein kleiner Geschichts-Exkurs!

Aus einem Stück über Wasserdampf (Steam) gebogene (bent) Holzbretter wurden schon vor Jahrhunderten zur Herstellung von Trommeln verwendet. Klanglich sind einteilige Kessel ihren geschichteten Kollegen gegenüber klar im Vorteil. Sie besitzen von allem etwas mehr: Klangfülle, Dynamikspektrum und Ansprache machen bei einer gut konstruierten Solid-Shell Snare einfach Spaß. Neben Ahorn werden gerne Eiche, Kirsche und Edelhölzer aller Art verwendet. Für den kleinen Geldbeutel sind Solid-Modelle eher nichts, die Preisspanne beginnt bei etwa 700 Euro und endet bei 2000 noch nicht. Hier haben wir einen Test mit Snares von Noble & Cooley.

Segmentierte Kessel (Segment Shells)

Den Fassbau-Kesseln nicht unähnlich ist die Konstruktion der Kessel aus Holz-Segmenten, welche in mehreren Schichten horizontal verleimt werden. Optisch erinnert die Sache an edles Parkett, akustisch nähert sie sich an Trommeln in Fassbauweise an. Auch hier bringen es die Kessel auf relativ dicke Wandstärken, die den Instrumenten einen eher hohen Pitch verleihen. 

Der Verbreitungsgrad ist gering, selbst in gut sortierten Musikgeschäften findet man Exemplare mit entsprechend verarbeiteten Kesseln sehr selten, preislich beginnen sie bei mindestens 600 Euro.

Kesseldicke und Kesselstabilität

Direkt nach der Größe der Trommel beeinflusst die Dicke sowie die Stabilität des Kessels den Klang der Snare maßgeblich. Warum das so ist, ist einfach nachzuvollziehen. Schlägt man mit einem Stick auf zwei gleich große, aber unterschiedlich dicke Holzbretter, wird das dünnere der beiden einen tieferen, weicheren Klang erzeugen, das dickere wird höher und durchdringender klingen. Indirekt lässt sich dieses Phänomen auch bei einem Trommelkessel beobachten. Von zwei Snares gleicher Bauart und Größe, die sich nur in der Kesseldicke unterscheiden, wird das dickere Exemplar durchsetzungsstärker und mittiger tönen, die Trommel mit dem dünnen Kessel wird mehr Bass besitzen. Bei sehr lauter Spielweise wird die dünnere Trommel allerdings auch schneller an ihre dynamischen Grenzen gelagen. 

Im Ergebnis kann man sich diesem Klangunterschied aber auch über die Wahl des Holzes nähern. Nimmt man also eine Snare aus einem sehr weichen Holz wie zum Beispiel Pappel und stellt sie einer identisch konstruierten Version aus Ahorn gegenüber, wird sich der Unterschied klanglich ähnlich auswirken. Der weiche Pappelkessel schwingt langsamer und damit tiefer, der harte Ahornkessel addiert mehr Höhen und wird kontrollierter klingen. 

Diese kleine Erklärung macht hoffentlich deutlich, warum die Fokussierung auf das Kesselmaterial beim Snare-Kauf in die Irre führen kann. Erstens ähneln sich Holzarten wie Ahorn, Birke und Buche strukturell und zweitens beeinflusst die Konstruktion das Gesamtergebnis offenbar mindestens genauso stark wie das Material an sich. Dies erklärt übrigens die Aussage renommierter Trommelbauer, die selbst einräumen, Unterschiede zwischen Holzsorten zwar zu hören, diese aber nur in den seltensten Fällen blind richtig zuordnen zu können. 

Welches Holz soll ich für meine Traum-Snare wählen?

All jenen, die sich bereits auf eine konkrete Klangbeschreibung der unterschiedlichen Hölzer gefreut haben, muss ich eine traurige Mitteilung machen: die wird es hier nicht geben. Und zwar nicht, weil es keine Unterschiede gibt, sondern weil sie der Suche nach der perfekten Snare wenig zuträglich ist. „Aber warum gibt es denn dann Birken-, Buchen- oder Ahornkessel überhaupt? Reicht dann nicht eine Holzsorte?“ mögt ihr entrüstet fragen. „Optionen, Optionen!“ könnte die Antwort lauten. Kein großer Hersteller kann es sich heutzutage leisten, nur eine Holzsorte im Portfolio zu haben, selbst, wenn das aus klanglicher Hinsicht genügen würde. 

Diese Tatsache stellt unseren bonedo Snaredrum Guide natürlich vor eine schwer zu lösende Aufgabe, denn die Auswahl an Hölzern, Holzkombinationen und Kontruktionsweisen ist mittlerweile so groß, dass man unmöglich alle Varianten realistisch beurteilen, geschweige denn vergleichen kann. Zum Glück gibt es trotzdem einige Parameter, anhand derer man zumindest die Auswahl etwas eingrenzen kann.

Ist das Holz also egal?

Nein, es sollte nur nicht als wichtigstes Auswahlkriterium herhalten. Wenn ihr aber wisst, dass euch beispielsweise ein eher warmer, weicher Sound liegt, der nicht zu aufdringlich daher kommt, empfiehlt es sich, die Produktlinien der Hersteller nach eher weichen Hölzern zu durchforsten. Pappel (englisch: Poplar) zum Beispiel ist weicher als Ahorn, Birke oder Buche und wird heute oft verwendet, um den „alten“ Sound klassischer Ludwig oder Slingerland-Snares zu reproduzieren. 

Anders herum wollt ihr für eure Metalband vielleicht ordentlich Power und Druck auch bei hohen Lautstärken, weshalb euch eher steifere Kesselmaterialien entgegen kommen. Diese absorbieren weniger Schlagenergie und besitzen einen durchsetzungsfähigeren Grundton. Dickere Kessel aus Ahorn, Birke oder Buche würden hier gut passen.

Snare Drums mit Metallkessel

Bei Snarekesseln aus Metall unterscheidet man grundsätzlich zwei Konstruktionsvarianten: verschweißte oder gezogene Kessel aus Blech sowie gegossene Kessel. Während erstere über sehr dünne Wandstärken (ein bis zwei Millimeter) verfügen, erzeugt das Gussverfahren verhältnismäßig dickwandige und schwere Kessel mit drei bis sechs Millimetern Wandstärke. 

 

Im Gegensatz zu Holzkesseln wirkt sich das verwendete Material bei Metall-Snaredrums akustisch deutlicher, beziehungsweise klarer identifizierbar aus. Mit ein bisschen Training ist beispielsweise ein Kessel aus Aluminium vom Klangcharakter her im Blindtest recht sicher von einer Variante aus Messing unterscheidbar. Bevor es also zu den wichtigsten Konstruktionsweisen geht, möchte ich euch zunächst einen kurzen Überblick über die am häufigsten im Snaredrum-Bau verwendeten Metalle liefern.

Stahl (englisch Steel) 

Stahl ist ein sehr zähes Metall, welches für die Konstruktion von Snaredrums wie geschaffen ist. Es lässt sich gut verarbeiten und verchromen, ist äußerst robust und zudem günstig. Seine akustischen Eigenschaften können grundsätzlich als durchsetzungsstark, mit ausgeprägtem Höhenanteil und sehr guter Projektion gesegnet beschrieben werden. Das Material wird heute bei Snares aller Preisbereiche verwendet, wobei die genauen Legierungen von Modell zu Modell abweichen können. 

Messing (englisch Brass)

Bei Messing handelt es um eine Legierung, also ein aus mehreren Metallen zusammen gesetztes Material. Es ist deutlich weicher als Stahl und in der Herstellung von Snaredrums ebenfalls weit verbreitet. Seine akustischen Eigenschaften lassen die meisten Drummer ins Schwärmen geraten, von vielen wird es als das perfekte Material für die Konstruktion von gut klingenden Snaredrums betrachtet. Die dem Stahl nachgesagte Schärfe wirkt deutlich abgemildert, jedoch mangelt es einer aus Messing gebauten Snare trotzdem nicht an Durchsetzungskraft. „Musikalisch“ ist ein häufig gehörtes Adjektiv, wenn es um des Drumset's wichtigste Trommel geht. Es ist vermutlich kein Zufall, dass eine der meistaufgenommenen Snaredrums, die Ludwig Black Beauty, aus ebendiesem Material hergestellt wurde und immer noch wird. 

Kupfer (englisch Copper)

Kupfer ist ein weiches Metall, und dass es in der Alchemie das Venus-Symbol trägt, ist kein Zufall. Im Snaredrum-Bau kommt es nicht so oft vor wie Stahl, Messing oder Aluminium, ist aber durchaus gängig. Kupfer klingt eher weich, mit relativ tieffrequent singenden Obertönen, die nicht jedem gefallen und die sich ungedämpft schwerer in die Musik einfügen. Im Einsteigersegment ist Kupfer – vermutlich auch aufgrund des hohen Rohstoffpreises – selten zu finden. 

Bronze

Wie beim Messing handelt es bei der Bronze um eine Legierung mit hohem Kupferanteil. Im Gegensatz zu Messing besitzt Bronze jedoch keine Zinkanteile und ist härter. Snaredrums aus Bronze sind sehr beliebt, kaum ein Hersteller hat nicht mindestens ein entsprechendes Modell im Programm. Bronze klingt – ähnlich wie Kupfer – mit einem tieferen Oberton als Messing, einige Trommler beschreiben den Ton von Bronzesnares als komplexer und breiter. Ihr musikalisches Einsatzgebiet erstreckt sich über alle Bereiche, berühmt ist jedoch die Durchsetzungsfähigkeit gegossener Exemplare wie der legendären Tama Bell Brass und der Sonor Signature HLD 590. Beide Typen erzielen auf dem Gebrauchtmarkt Preise jenseits der 2000 Euro. 

Aluminium

Nein, die meist aufgenommene Trommel der Musikgeschichte ist nicht aus Stahl, sie ist aus Aluminium! Die Rede ist von der Ludwig Supraphonic, die selbst Musikhändler gerne immer noch als Stahltrommel anpreisen. (Hier geht's zum Test) Beim Aluminium handelt es sich um ein eher weiches, aber zähes Leichtmetall, welches, zu einem Snare-Kessel verarbeitet, sehr gute akustische Eigenschaften besitzt. Snares aus Alu haben generell einen sehr kompakten Oberton, der sich leicht in viele musikalische Umgebungen integriert. Ihr eher unaufdringlicher, aber präsenter Sound passt fast immer, weshalb die meisten großen Hersteller Modelle aus Aluminium im Angebot haben.

Snaredrums aus Kunststoffen – Acryl, Carbonfiber, Fiberglass

Weniger verbreitet als Holz- oder Metallsnares, erfreuen sich Trommeln aus Kunststoffen trotzdem steigender Beliebtheit. 

Ein Klassiker, den es bereits in den siebziger Jahren gab, ist das Acryl. Auch bekannt unter der Markenbezeichnung Plexiglas, begegnet es uns Trommlern meistens als durchsichtiger Kessel mit oder ohne Naht. Ludwig's Vistalite ist sicherlich der international bekannteste Vertreter für Acryldrums, in Deutschland ist es die Mainzer Custom-Schmiede Wahan. Obwohl es natürlich Unterschiede gibt, kann der Klang von Acryl generell als eher „sauber“ und linear bezeichnet werden. 

Carbonkessel werden aus in Kunststoff getränkten Kohlenstofffasern hergestellt, Fiberglaskessel bestehen hingegen aus Glasfasermatten, die mit Hilfe von Polyesterharzen in Form gebracht werden. Beide Materialien sind sehr leicht und zäh, entsprechend dünne Wandstärken sind beim Trommelkesselbau möglich. Gut gefertigte Kessel aus diesen Werkstoffen stehen Holz- oder Metallkesseln klanglich in nichts nach, ihre starre Konstruktion erlaubt eine große Dynamik mit einem eher weichen und „spröden“ Obertonspektrum. Bekannteste Vertreter sind die Firmen Rocket Shells aus den USA sowie Milestone/Tempus aus Kanada. 

Hybrid Kessel, Trommeln mit großen Luftlöchern und andere exotische Bauweisen

Der Vollständigkeit halber sollen hier ein paar der speziellen und eher selten anzutreffenden Kesselkontruktionen zumindest erwähnt werden. Das Ziel der Hersteller ist - neben einem Design abseits der gängigen Modelle - jedoch meistens, die Klangeigenschaften zweier Materialien in einer Trommel zu vereinen. 

In hybriden Kesselkonstruktionen werden beispielsweise Metall und Holz oder Holz und Acryl in einer Trommel kombiniert. DW Edge, Acoutin Custom oder Spaun wären hier als Vertreter zu nennen. Die australische Schmiede Brady kombiniert bei ihren Fassbau-Snares verschiedene Holzarten, und bei der Firma Craviotto findet man Snare-Kessel von Adrian Kirchler, deren oberer Teil aus Messing, der untere jedoch aus Kupfer besteht. 

Große Luftausgleichlöcher sind ein Trend in der Snaredrum-Herstellung, dabei werden die Trommelkessel mit einem oder mehreren riesigen „Airvents“ versehen. Diese helfen, den Teppichsound „anzuschärfen“ und sollen der Trommel eine erhöhte Durchsetzungkarft verleihen. 

Yamaha hat für John JR Robinson eine Signature-Snare konstruiert, in deren Kessel Kupfernägel versenkt waren. Die Firma Pork Pie bietet Holz-Snares an, deren Schichtholz um eine Lage Metall erweitert wurde und bei den Pearl Exotic Hybrid Snares werden Karpur und Fiberglas gemischt. (Hier geht's zum Test) Es gibt sicherlich noch viele weitere Beispiele, gerade kleine Custom-Firmen bieten mittlerweile eine unüberschaubare Palette möglicher Kesselspezifikationen an. Für uns Trommler bedeutet es meistens intensive Recherche und vor allem persönliche Klangtests, um herauszufinden, welcher dieser Exoten uns gefällt. Manche Geschäfte haben ausgefallene Exemplare im Sortiment, da kann sich die Anreise durchaus lohnen.  

Die Kesselhardware der Snare Drum

Einen nicht unerheblichen Anteil am Klang und an der technischen Performance einer Trommel hat die verbaute Kesselhardware. Auf die gängigsten Bauteile geht der folgende Abschnitt näher ein.

Die Abhebung (englisch Throw Off)

Heutige Snares sind in aller Regel mit einer einseitig regulierbaren Vorrichtung zum An- und Abschalten des Snare-Teppichs ausgerüstet. Diese besteht normalerweise aus einer Seite mit dem Abwurfhebel für den Snareteppich und einer – Butt-End genannten – Gegenseite. Während die Mechanismen an alten Snaredrums oft hakelig laufen oder sich sogar manchmal von selbst lösen, findet man bei heutigen Marken-Snares fast immer gut funktionierende Versionen, die sowohl die eingestellte Snareteppichspannung gut halten, als auch einen regelmäßigen Lauf beim Betätigen des Abwurfhebels gewährleisten. Firmen wie DW oder Trick bieten sogar Varianten mit mehrstufigen Snareteppichspannungen an, andere Firmen setzen auf Features wie abnehmbare Butt-Ends, welche einen schnellen Wechsel des Resonanzfells ermöglichen. Ob ihr diese Spezialitäten braucht, müsst ihr selbst entscheiden, klangrelevant sind sie nicht. 

Kurz erwähnen möchte ich auch die „echten“ Parallelabhebungen, welche teilweise über beeindruckende Mechaniken verfügen, deren klanglicher Sinn unter Trommlern allerdings nicht unumstritten ist. Modelle wie die Sonor Horst Link Signature Snare oder die berühmte Ludwig Supersensitive wären hier zu nennen. Letztere gibt es immer noch neu zu kaufen, sie ist allerdings eher wenig verbreitet. Der höhere Preis, eine empfindlichere Mechanik, die Notwenigkeit für ein größeres Transport-Case und das höhere Gewicht dürften dafür die Hauptgründe sein. 

Wie beeinflussen die Spannreifen den Sound und das Spielgefühl der Snare?

Wenn es um das Spielgefühl und den Klang einer Trommel geht, stellen die Spannreifen einen weiteren wichtigen Faktor dar. Die meisten Snaredrums werden entweder mit Stahl- oder Gussspannreifen ausgeliefert, es gibt aber auch „Exoten“. 

Stahlspannreifen (englisch: Triple Flange Hoops)

Ein Großteil heutzutage erhältlicher Snaredrums ist mit dreifach geflanschten Stahlspannreifen ausgestattet. Sie werden so bezeichnet, weil sie – im Profil betrachtet – dreimal „gefaltet“ sind. In der Handhabung und im Klang würde ich sie als neutral bezeichnen, viele Drummer ziehen sie daher den Gussspannreifen vor. Im Vergleich zu diesen besitzen sie eine weniger starre Struktur und passen sich unterschiedlichen Stimmschraubenpositionen besser an. 

Gussspannreifen (englisch: Diecast Hoops)

Gussspannreifen sind – wie der Name vermuten lässt – gegossen und damit nahtlos. Im Normalfall kommen sie deutlich massiver daher als ihre geflanschten Kollegen. Eine mit Gussspannreifen ausgestattete Snare wird fokussierter und trockener klingen als das gleiche Modell mit Stahlversionen. Viele Trommler bezeichnen den Klang als „knalliger“ und schärfer, insbesondere Rimshots stechen hervor. Rimclicks besitzen mehr „Cut“ und Klarheit und sind oft deutlich lauter im Vergleich zu den leichteren Stahl-Geschwistern. Mir persönlich kommt das Spielgefühl insgesamt etwas härter und unnachgiebiger vor, beachten solltet ihr auch, dass Gussspannreifen in der Regel ein etwas höheres Profil haben, an welches man sich als Stahlreifenspieler erst gewöhnen muss. 

Die „Exoten“ unter den Spannreifen

Einfach geflanschte Spannreifen (englisch: Single Flange Hoops)

Mit einfach geflanschten Spannreifen wurden Snares bereits Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts ausgestattet, heute sind sie insbesondere unter Fans von Vintage-Trommeln beliebt. Im Gegensatz zu dreifach geflanschten Modellen besitzen sie nur einen Falz, welcher zur Verbreiterung der Auflagefläche des Reifens auf dem Fellkragen dient. Entsprechend ausgestattete Trommeln tönen immer eine Spur leiser und holziger. An die Handhabung mit den überstehenden Spannklauen muss man sich beim Rimshot-Spiel gewöhnen. Passionierte Zuschläger auf der Suche nach einem Arbeitstier sollten sich woanders umsehen, für Leisespieler und Trommler auf der Suche nach interessanten Sound-Optionen sind die Single Flange Hoops aber definitiv ein Ohr wert. 

Holzspannreifen (englisch: Woodhoops)

Einige Hersteller bieten Snares auch mit Spannreifen aus Holz an. Klanglich zeichnen sich diese durch eine – ihr ahnt es schon – besondere Holzigkeit aus, die der Trommel einen sehr organischen Gesamtklang bescheren kann. Den Freunden knackiger Rimshots sei auf den Weg gegeben, dass die Haltbarkeit hölzerner Reifen bei starker Beanspruchung begrenzt ist.  

Felle und Snareteppich

Wie wichtig sind die Verschleißteile?

Obwohl ihr diesen Abschnitt unseres bonedo Snaredrum Ratgebers recht weit unten findet, würden ihn nicht wenige erfahrene Trommler vermutlich direkt unter die Überschrift packen wollen. „Aber warum“, mögt ihr fragen, „sollen denn Verschleißteile, die einen Bruchteil der gesamten Snare kosten, so eine Bedeutung haben?“. Die Antwort ist einfach. Die Felle und der Snareteppich sind unmittelbar an der Klangentstehung beteiligt, was man vom reinen Kessel nicht behaupten kann. Daher kann die Auswahl des passenden Fells oder der Kauf eines qualitativ hochwertigen Snareteppichs den Klang eurer Trommel enorm verbessern. 

Felle

Es gibt auf dem Markt dutzende Felle, die alle auch auf der Snare eingesetzt werden können. Konzentrieren möchten wir uns daher auf die gängigen Typen, mit welchen sich die meisten Klangvorstellungen und Stile realisieren lassen. 

Die unterschiedlichen Schlagfellsorten

Am weitesten verbreitet sein dürfte das einlagige, weiß beschichtete (coated) Fell. Remo Ambassador, Evans G1 und Aquarian Texture Coated heißen die entsprechenden Modelle der drei größten Fellhersteller. Mit diesen Fellen lässt sich grundsätzlich fast jede Soundvorstellung umsetzen, vorausgesetzt, die anderen wichtigen Parameter wie Stimmung und Spielweise werden entsprechend angepasst. Mehr dazu findet ihr im Abschnitt Tuning-Tipps. Insgesamt ist der Klang dieses Felltyps offen, die Beschichtung sorgt für eine leichte Bedämpfung der Obertöne und lässt Besenspiel zu. 

Beliebt sind bei vielen Drummern auch doppellagige Snarefelle wie beispielsweise das Remo Emperor, Evans G2 oder Aquarian Response 2. Diese zeichnen sich durch eine gesteigerte Haltbarkeit einerseits, andererseits durch einen etwas fetteren, in den Obertönen nochmals beschnittenen Klang aus. Auch diesen Felltyp würde ich noch als Allrounder bezeichnen, gerade im Studio sind solche Felle eine gute Wahl. 

Ebenfalls weit verbreitet sind zwei Fellsorten, bei denen „ab Werk“ Material addiert wurde, um die Haltbarkeit zu erhöhen und/oder die Obertöne noch weiter zu reduzieren. Zu nennen wären hier Felle mit einem aufgeklebten Punkt in der Mitte (Dot) und solche mit einem am Rand eingearbeiteten Dämpfungsring. Während ein Dot die Haltbarkeit erhöht, weil er das Fell am Aufschlagpunkt verstärkt, reduziert ein Dämpfring die Obertöne einer Trommel erheblich. Es gibt sogar Felle, bei denen beide Merkmale vorhanden sind, diese findet man meistens bei kräftig spielenden Drummern, denen sowohl ein trockener, fetter Klang als auch eine erhöhte Haltbarkeit wichtig sind.

Resonanzfelle - das richtige Fell für untenrum

Auf der Resonanzfellseite gestaltet sich die richtige Fellwahl relativ einfach, Drummer aller Stilrichtungen verlassen sich in der Regel auf die extra für diesen Bereich konstruierten Modelle. Bei Remo heißen diese Ambassador Snare, Evans nennt sie Hazy 200/300 und bei Aquarian heißt der entsprechende Typ Classic Clear Resonant. Sie alle sind extrem dünn gehalten, um der Trommel eine besonders schnelle und feine Teppichansprache zu bescheren. Womit wir direkt beim nächsten wichtigen Verschleißteil wären. 

 

Der Snareteppich

Ein von vielen Drummern immer noch unterschätztes Bauteil an der Snare ist der Teppich. Seine Funktionsweise dürfte den meisten von euch bekannt sein, er addiert den charakteristischen „Raschel-Sound“ zum Kesselklang der Snare. Beim Schlag auf eine Snare werden Schlag- und Resonanzfell der Trommel nach unten ausgelenkt und drücken den Snareteppich kurz vom Resonanzfell weg. In Sekundenbruchteilen knallt dieser dann an das Resonanzfell zurück, durch den Trommelkörper wird dieses Geräusch verstärkt und fertig ist der bekannte „Knall“. 

Ein handelsüblicher Snareteppich besitzt zwischen 16 und 24 Metallspiralen, welche an ihren Enden jeweils mit einem Blechstreifen verlötet werden. Eine denkbar simple Kontruktion, die allerdings großen Einfluss auf die Performance der Snaredrum hat, besonders dann, wenn sie nicht einwandfrei funktioniert. Das ist in aller Regel dann der Fall, wenn eine oder mehrere der Spiralen weniger straff gespannt sind als die anderen. Dann entsteht das verhasste Nachrascheln und Nachpfeifen der Snare, meistens in Kombination mit einer sehr unpräzisen Ansprache der Trommel. 

Neben exakter Verarbeitung ihrer Produkte legen viele Hersteller hochwertiger Snareteppiche ihren Fokus auf unterschiedliche Dimensionen dieses wichtigen Zubehörteils. Sehr schmale Teppiche lassen die Trommel besser „atmen“, sehr breite Teppiche verleihen ihr einen sehr „rauschigen“, präsenten Klang. Interessiert ihr euch für einen sehr breiten Teppich mit vielen Spiralen (30 oder sogar 42), solltet ihr sicherstellen, dass das in euren Snarekessel eingearbeitete Snarebed breit genug ist (siehe auch oben, Abschnitt „Snarebed“).

Tuning-Tipps für deine Snare - auf die richtige Stimmung kommt es an

Auch wenn die Geschmäcker beim Thema Snaresound sehr vielfätig sind und nicht wenige Trommler ihre Spezialrezepte beim Stimmen haben, möchten wir euch ein paar grundlegende Ansätze des Tunings nicht vorenthalten. 

Das Resonanzfell sollte straff gespannt werden - danach den Teppich einstellen

Einer der gängigsten Fehler, die Schlagzeuger beim Stimmen ihrer Snare machen, ist es, die Rolle des Resonanzfells zu missverstehen. Im Gegensatz zum Rest des Kits, wo die Spannung des unteren Fells zur Festlegung von Tonalität und Länge des Ausklangs sehr wichtig ist, hat dieses dünne Fell bei der Snare eine andere Funktion: es dient der Auflage des Snareteppichs und soll zudem den Nachklang der Trommel stark begrenzen. Daher solltet ihr es so stark anziehen wie möglich. Man sollte es mit dem Finger praktisch nicht mehr eindrücken können. Ein knackiger, bauchiger Snaresound und eine präzise Teppichansprache sollten die Folge sein. 

Für die Spannung des Snareteppichs gibt es den „Fingernageltest“: klopft  mit dem Fingernagel auf das Schlagfell der Snare und hört, wie der Teppich anspricht. Ertönt nur ein abgewürgtes „Boing“, habt ihr den Teppich zu fest eingestellt. Gut eingestellt, sollte sich ein kontrolliertes Rascheln in den Anschlagton mischen. 

Das Schlagfell gleichmäßig auf die gewünschte Tonhöhe bringen

Kommen wir nun zum Schlagfell, mit welchem ihr alle Klangvorstellungen realisieren könnt, die eure Trommel hergibt. Bei den meisten Drummern ist die Snaredrum die mit Abstand am höchsten gestimmte Trommel im Drumkit. Wie hoch das genau ist, liegt ganz bei euch. Wenn ich eine neue Snare bekomme, stimme ich sie erst extrem tief und dann extrem hoch. Ich lausche auf die Ergebnisse und kann dann etwa abschätzen, was die Trommel tonal kann. Der Stimmprozess an sich ist einfach, muss aber ausgiebig trainiert werden. Es geht darum, das Fell gleichmäßig anzuspannen, damit die Trommel möglichst sauber klingt und keine merkwürdigen Dissonanzen erzeugt. Wenn ihr alle Stimmschrauben fingerfest angezogen habt, stimmt die Trommel, jeweils über Kreuz, auf die gewünschte Tonhöhe. Ein Abklopfen der Stimmschrauben kann euch bei den unterschiedlichen Tonhöhen behilflich sein. Es gibt zu diesem Thema sehr viel (Video-) Material im Netz. Ich empfehle, dass ihr euch nicht verrückt macht mit der technischen Umsetzung, der Kern eines guten und passenden Snaresounds liegt im Geschmack und der Vorstellung vom Klang, die ihr mit der Zeit entwickelt, nicht darin, dass alle Stimmschrauben immer perfekt angezogen sind. Für das Erlernen und Rekapitulieren der Feinstimmung gibt es auch Messgeräte und Stimmhilfen, wie die Tama Tension Watch oder den Tune Bot.

Erst stimmen und danach (nach Wunsch) dämpfen 

Ich kenne kaum einen erfahreren Drummer, der seinen Snaresound nicht per Gaffatape oder Moongel an die jeweiligen Umstände und Soundvorstellungen anpasst. Gerade gut verarbeitete und gestimmte Snares erzeugen oft lange ausklingende Obertöne, die für viele Anwendungen einfach zu dominant sind. Wie viel Dämpfung angebracht ist, hängt von eurem Geschmack ab und/oder den Umständen. Bei Live-Auftritten oder Studioaufenthalten ist es keine Seltenheit, dass der Tonmann den Drummer bittet, seine Snare (oder andere Trommeln) etwas zu bedämpfen. Er zieht damit weder eure Stimmkünste noch die Qualität eurer Snare in Zweifel, hat aber vielleicht Schwierigkeiten, den langen Ausklang eurer Trommel passend im Gesamtklang der Band unterzubringen. Ansonsten gilt: erlaubt ist, was gefällt. Ob das die offen singende Metall-Snare ist oder ein ganzes Handtuch, ist euch und eurem Geschmack überlassen.

Verschiedene Snares aus unseren Testberichten

Und zu guter Letzt gibt es hier eine Auswahl an Snare Drums aus unseren bonedo Tests. Diese Liste wird übrigens stetig erweitert. Viel Spaß beim Trommeln und bei der Suche nach der passenden Snare Drum!

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