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Alles, was du über Spannreifen am Schlagzeug wissen solltest

Hejo, spann die Trommel an. Aber welche Art von Spannreifen sorgt auf deiner Snaredrum für den gewünschten Sound, und worin unterscheiden sich die Reifen eigentlich voneinander? Darum geht’s in diesem Artikel. Neben trommlerischen „Glamour-Themen“ wie Holzarten, Kesselkonstruktionen, Fellauswahl und Lackierungen kommt das Thema Spannreifen irgendwie ziemlich trocken daher. In einem Aufsatz, den ein Schüler von mir für den Musikunterricht verfassen musste, stand sinngemäß: „Zwei Metallringe halten die Felle an der Trommel fest.“ Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Oder doch?

Teaser_Spannreifen

Inhalte

  1. Geflanschte Stahlspannreifen
  2. Gussspannreifen (Die Cast Hoops)
  3. Holzspannreifen
  4. Weitere Spannreifen-Varianten


Doch, tatsächlich! Denn Spannreifen sind oft deutlich stärker für den Sound, das Spielgefühl und die Stimmbarkeit einer Trommel verantwortlich als beispielsweise das Kesselmaterial oder sogar die Felle. So kann ein dicker Gussreifen den Rimshot-Sound einer Snaredrum viel durchsetzungsstärker machen und ein dünner Stahlreifen dem Standtom endlich den voluminösen Ton verleihen, den man sich von der Trommel immer erhofft hat. 

Geflanschte Stahlspannreifen

Konstruktion

Ist im Fachjargon die Rede von Power- oder Mighty Hoops oder erzählt der Drum-Verkäufer von 1,6 und 2,3 Millimeter starken Spannreifen, dann ist jene Konstruktion gemeint, welche die Drum-Hersteller heutzutage an den meisten Trommeln einsetzen: der dreifach geflanschte Stahlreifen. Hierbei wird ein Stahlstreifen in Form gepresst und verschweißt, die Materialstärke variiert hier meistens zwischen 1,5 und 2,5 Millimetern. 

Sound und Anwendung

Wollt ihr einen offenen Ton auf Snares und Toms, sind geflanschte Stahlreifen das Material der Wahl. Besonders die leichten 1,6 Millimeter-Versionen beeinflussen den Gesamtklang nur wenig, aber auch die dickeren 2,3er verhalten sich gutmütig. Hinzu kommt, dass ihre weichere Konstitution in vielen Fällen das Stimmen erleichtert, weil sich der Hoop besser an die einzelnen Stimmschrauben anpasst als dies bei Gussreifen der Fall ist. 
2,3 Millimeter Triple Flanged Hoops bei Thomann

Gussspannreifen (Die Cast Hoops)

Konstruktion

Nach den Stahlspannreifen stehen Versionen aus Guss in der Verbreitung an zweiter Stelle. Wie die Bezeichnung vermuten lässt, werden entsprechende Modelle in Formen gegossen, wobei sich Zink-Legierungen besonders gut für die Herstellung eignen. Die Cast Hoops sind nicht nur schwerer als ihre geflanschten Kollegen, sie sind auch deutlich verwindungssteifer. Ihre aufwändigere Konstruktion macht sie allerdings auch wesentlich teurer. 

Sound und Anwendung

Durch ihr Gewicht und die steife Bauart sorgen Gussreifen für eine leichte Verkürzung des Ausklangs der Trommel, gleichzeitig wird der Ton fokussierter und brillanter. Manche Gussreifen addieren sogar einen glockigen Ton zum Gesamtsound der jeweiligen Trommel. Am besten hört und fühlt ihr den Unterschied zwischen geflanschten und gegossenen Reifen auf eurer Snare, insbesondere dann, wenn ihr kräftige Rimshots spielt. Rimclicks klingen mit Gussreifen oft klarer und „holziger“. Beim Tuning ist zu beachten, dass die Positionen der Stimmschrauben sich mit Gussreifen gegenseitig deutlich stärker beeinflussen: dreht ihr eine Schraube zu weit herein, dreht jene nebenan schnell wieder frei. Gerade an der Snare solltet ihr also mit Tuning-Tricks, die auf dem gewollten, starken „Verstimmen“ einzelner Schrauben basieren, vorsichtig sein. 
Tama Die Cast Hoop bei Thomann

Fotostrecke: 4 Bilder Hier seht ihr einen 2,3 Millimeter starken, dreifach geflanschten Stahlspannreifen.
Fotostrecke

Holzspannreifen

Konstruktion

Holzspannreifen findet ihr heute an den meisten Bassdrums, während sie an Toms und Snares immer noch ein eher exotisches Dasein fristen. Konstruktiv sind Holzspannreifen gefertigt wie reguläre Trommelkessel: dünne Furnierlagen werden zu einem Ring verklebt und anschließend lackiert. Es gibt allerdings auch Fertigungsarten, bei denen kurze Holzstücke miteinander verzahnt werden, manche Hersteller kombinieren sogar Holz und Metall miteinander.  

Sound und Anwendung

Den wärmsten Gesamtklang unter den Spannreifenalternativen liefern – wenig verwunderlich – die Typen aus Holz. Das weichere Material absorbiert Schwingungsenergie und nimmt den Trommeln damit die hohen Frequenzanteile. Freunde des brillanten, knalligen Sounds sollten sich also zweimal überlegen, ob die recht hohen Kosten einer Aufrüstung auch die erwartete Veränderung bringen. Vorsicht ist auch bei den dünneren Varianten aus Schichtholz angebracht. Wer kräftige Rimshots mit schweren Sticks gewohnt ist, läuft mittelfristig Gefahr, die edlen Holzringe zu Kleinholz zu verformen. 
Gibraltar Wood Hoops bei Thomann

Fotostrecke: 5 Bilder Dass Holzreifen nicht unbedingt teuer sein müssen, zeigt pdp mit seinen Concept-Sets…
Fotostrecke

Weitere Spannreifen-Varianten

S-Hoops

Neben den oben vorgestellten Typen gibt es Spannreifenmodelle, die man nicht so häufig antrifft. Dazu zählen zum Beispiel die so genannten S-Hoops. Hierbei handelt es sich um eine Form des dreifach geflanschten Stahlreifens, mit dem Unterschied, dass der obere Flansch nach innen zeigt. Das Design ist nicht neu, die amerikanische Firma Slingerland hat ihre Trommeln bereits vor vielen Jahrzehnten mit den so genannten Stick Saver Hoops ausgestattet. Der Unterschied bei den S-Hoops liegt im deutlich verbreiterten oberen Flansch, der klanglich zu einem fokussierten, Die Cast-ähnlichen Ergebnis führen soll. 
S-Hoops bei Thomann

Einfach und doppelt geflanschte Reifen (Single Flange und Double Flange Hoops)

Ebenfalls ein Design vergangener Tage sind die einfach und doppelt geflanschten Reifen. Wie der Name vermuten lässt, fehlen hier ein beziehungsweise zwei „Knicke“ im Metall. Einfach geflanschte Reifen werden von so genannten Clips gehalten, kleinen Metallklauen mit Führungen für die Spannschrauben. Besonders Freunde eines weicheren, wärmeren Snare-Tons sollten sich diese Modelle mal genauer anhören. 

Spannreifen aus Messing oder Glockenbronze

Drumsets und Snares aus den 50er und 60er Jahren waren meistens mit Spannreifen aus verchromtem Messing (Chrome over Brass, COB) ausgestattet. Das Material ist weicher als Stahl und verleiht entsprechend ausgerüsteten Trommeln einen etwas obertonärmeren Klang und ein weicheres Spielgefühl. Heute haben einige Edel-Anbieter wie Joyful Noise, aber auch Massenhersteller wie Tama den Messing-Typ im Sortiment. Preislich müsst ihr mit einem deutlichen Aufschlag zu normalen Stahlreifen rechnen. Kaum bezahlbar hingegen (und praktisch nicht einzeln erhältlich) sind die Gussreifen der berühmten Tama Bell Brass (Glockenbronze) Snares. Aus eigenen Erfahrungen kann ich leider nicht schöpfen, Videos auf YouTube lassen allerdings vermuten, dass diese Reifen das Obertonspektrum der Snare deutlich begrenzen. 

Wenn du wissen willst, wie verschiedene Snare-Spannreifen klingen, schau in unseren ausführlichen Spannreifen-Vergleichstest mit Video und Sound-Beispielen.
Weitere interessante Inhalte:
Snare Drum Ratgeber – Alles, was du über die wichtigste Trommel im Drumset wissen musst
Video Workshop: Drum Tuning Basics – Wie stimmt man ein Drumset? Wir zeigen es dir…
Video-Workshop: 4 Tipps zur Modifikation des Snaresounds – Deine Snare kann mehr als du denkst!

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von Max Gebhardt

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