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05.05.2020

Sampling-DIY für Nord Keyboards Workshop

Eigene Sound-Bibliotheken mit dem Nord Sample-Editor erstellen

Synth-Sounds, Loops oder Effekt-Samples: Wir zeigen euch, wie man Samples für den Live- und Studio-Betrieb produziert

Mit dem Erscheinen des neuen Nord Sample Editor 3 bietet Nord ein willkommenes Update seines kostenlosen Sample-Editors, mit dem man seine eigenen Samples/Multisamples jetzt noch intuitiver und flexibler selber herstellen kann. Dabei eignet sich der Nord Sample Editor 3 sowie auch sein Vorgänger für fast alle Besitzer eines Nord Keyboards, denn seit mehreren Generationen verfügen die Modelle Nord Stage, Nord Electro, Nord Piano und auch der Nord Wave über eine Sample-Engine. Der Sample-Speicher lässt sich getrennt von den Piano- und Orgel-Sounds mit der Nord-eigenen Sample Library füllen und ermöglicht auch das Laden eigener Samples. Doch wie genau erstellt man seine eigenen Samples?

Dieser Frage möchten wir hier auf den Grund gehen. Denn neben der Gratis-Library des Herstellers, welche stetig erweitert wird, hat sicherlich jeder hin- und wieder das Bedürfnis, ein paar eigene Sounds mitzunehmen. Wer träumt nicht davon, seinen alten Synthesizer mal wieder aufleben zu lassen, ein paar Samples für den Live-Act in den Nord zu laden, oder auf der Bühne einfach nur ein paar Sounds über die Tastatur seines schwedischen Keyboards abzufeuern? Wie das Erstellen der Samples mit den beiden Versionen des Nord Sample Editors funktioniert, das zeigen wir euch in diesem Workshop!

Wofür benötigt man den Nord Sample Editor und was genau kann das Programm?

Ein großer Vorteil der Nord Keyboards ist der separate Sample-Speicher. Neben der großen Anzahl an bestehenden Samples, zu denen unzählige akustische Instrumente wie auch zahlreiche Vintage Sounds gehören, lassen sich über den Nord Sample Editor maßgeschneiderte Samples erstellen und ins Keyboard laden. Das überarbeitete Interface des vor kurzem erschienenen Editors, welcher nun in die dritte Generation befördert wurde, bietet außerdem ein ansprechendes graphisches User-Interface (GUI), und verfügt über eine automatische Erkennung von Sample Pitch, Start und Stop. Home-Sampling war noch nie so einfach, könnte man meinen! Die neue Software erkennt sogar mehrere Samples innerhalb einer Audio-Datei, setzt automatische Start-/Stop-Marker und ordnet die Samples den entsprechenden Tasten zu. So kann man sich mühsames Schneiden ersparen. Natürlich ist es auch möglich, diesen Vorgang manuell auszuführen, oder zu korrigieren - man soll ja bekanntlich wachsam sein.

Leider ist der Sample Editor 3 nicht mit allen früheren Modellen kompatibel, und auch in seinen Einstellmöglichkeiten ist er etwas rudimentärer. Aus diesem Grund arbeiten wir in diesem Workshop mit beiden Software-Versionen (Version 2 und 3) und zeigen, wie man damit richtig arbeitet. Dabei muss man nicht zwangsläufig auf den neuesten Editor verzichten: immerhin bietet er die Möglichkeit, auch Patches im früheren nsmp2-Format zu exportieren. Mich erinnert das fast ein wenig an Microsoft Word: Der Sample Editor 3 ist abwärtskompatibel. 

Welches Audio-Material eignet sich für die Bearbeitung mit dem Nord Sample Editor?

Grundsätzlich sind die Möglichkeiten für das Erstellen eigener Samples vielfältig. Es lassen sich Audio-Dateien im WAV-Format in den Editor laden und dort auf Tasten zuordnen bzw. „mappen“ und der Editor ist sehr einfach und schnell zu bedienen. Nach dem Import werden die Samples einer bzw. mehrerer Tasten zugeordnet und anschließend angepasst. Fade-In, Fade-Out sowie Pegel und Loop-Funktionen sind einstellbar. Außerdem lassen sich Samples über die Tune-Funktion cent-genau in ihrer Stimmung anpassen. Der Sample-Editor lässt sich dabei intuitiv bedienen und man könnte fast behaupten, dass das Erstellen über die Nord-Software fast von alleine geht - neben einer Online-Anleitung gibt es aber auch ein paar kurze Video-Tutorials von Nord, die sehr aufschlussreich sind.

Welche Werkzeuge benötigt man für das Erstellen eigener Samples?

Wer seine Samples selber erstellen möchte, der benötigt neben einem Nord Keyboard und dem kostenlosen Nord Sample Editor natürlich auch entsprechendes Zubehör, um das Aufnehmen und Bearbeiten der Samples zu ermöglichen. Kurzum: man benötigt ein Audiointerface, eine DAW und das aufzunehmende Instrument. An erster Stelle ist hier natürlich ein Audio-Interface zu nennen: Damit lassen sich Keyboards und andere Instrumente per Klinke- oder XLR-Kabel an das Interface anschließen und aufnehmen. Gehen wir etwa davon aus, dass wir einen alten analogen Synthesizer aufnehmen wollen, um daraus Samples zu erstellen - dafür ist ein Audio-Interface mit 1 - 2 Klinkeneingängen unerlässlich. Von Vorteil sind Interfaces, die über regelbare Vorverstärker verfügen, damit das Eingangssignal in seinem Pegel angepasst werden kann.  Zu diesem Thema haben wir auch hilfreiche Artikel, die euch bei der Suche nach einem passenden Interface helfen: Audio-Interface kaufen: Welches ist das beste Interface für Einsteiger? (2020).

Daneben benötigt man natürlich auch eine DAW (Digital Audio Workstation), zu denen z. B. Logic, Cubase und auch Pro Tools gehören. Da das Aufnehmen des Audio-Materials nur mit einer DAW funktioniert, gehört diese quasi standardmäßig zum Interface dazu. Über die vielen etablierten DAWs braucht man an dieser Stelle nicht viel zu sagen: Alle sind gleichermaßen für das Aufnehmen und Bearbeiten von Audio-Material bestens geeignet. Dabei muss es für bestimmte Zwecke nicht unbedingt ein teures Programm sein: Auch einfache Programm wie z. B. Garageband oder das kostenlose Open Source Program Audacity erfüllen hier ihren Zweck. An dieser Stelle verweisen wir an einen Artikel über die wichtigsten Funktionen einer DAW und erklären, welche Werkzeuge u.a. für das Erstellen der Samples hilfreich sind. DAW Basics - Die 5 wichtigsten Grundfunktionen.

Welche Voraussetzungen müssen Samples erfüllen, um über den Sample Editor bearbeitet zu werden? 

Für das Laden und Bearbeiten von Samples benötigt man Mono- oder Stereo-WAV-Dateien - mit anderen Audio-Files arbeitet der Editor nicht. Es reicht eine Auflösung von 44.1 kHz und 16 bit aus, denn der Sample-Editor wandelt die Samples intern in ein eigenes Format. Durch die „Dynamics“-Funktion und den in vielen Geräten verfügbare Filter-Taster können diese Samples aber dennoch sehr dynamisch und lebendig gespielt werden - bei unterschiedlichem Anschlag werden die Samples dann z. B. dumpfer bzw. heller, sowie leiser oder lauter.

Worin besteht der Unterschied zwischen dem Nord Sample Editor 2 und 3?

Der neue Nord Sample Editor 3 bietet ein graphisch ansprechendes Menü und lässt sich sehr intuitiver bedienen. Dank der automatischen Sample-Erkennung können hier Samples automatisch gemappt werden. Im Vergleich dazu bietet der Editor 2 jedoch einige wenige Einstellmöglichkeiten, die auf diverse „Reiter“ verteilt wurden. Grundsätzlich ist dies auch eine Frage der Kompatibilität.

Wichtig zu wissen: Ältere Nord Keyboards sind mit dem neueren Format des Sample Editor 3 nicht kompatibel. Glücklicherweise können die älteren Patches aber auf das neue Format konvertiert werden (und umgekehrt). So können auch Besitzer eines älteren Nord mit dem neuen Editor arbeiten.

Wozu dient die Loop-Funktion des Sample Editors?

Neben Samples, die mit der Zeit abklingen (z. B. Piano, Gitarre …), gibt es natürlich zahlreiche Sounds, die genauso lange erklingen, wie man sie spielt (z. B. Orgel). Ein Synth-Pad sollte nach Möglichkeit nicht abklingen und zu diesem Zweck verfügt der Sample Editor über eine Loop-Funktion. Wird der Loop-Button angeklickt, dann sucht der Sample-Editor automatisch nach Loop-Punkten und wiederholt genau diesen Bereich bei längerem Spielen der Samples - so erklingt das Sample dann scheinbar endlos. Sind die Loop-Marker gut gesetzt, dann sollte das Sample ohne Brüche und Artefakte „durchklingen“ - dafür bietet der Editor eine grafische Anzeige der Samples, und die Loop-Marker können damit sehr gut gesetzt werden. Außerdem findet der Editor Nulldurchgänge und vermeidet Artefakte und Knackgeräusche. Die Loop-Funktion hat außerdem den Vorteil, dass man hier mit weniger Sample-Material auskommt, denn das Sample müsste ohne Loop-Punkte weitaus länger sein. Hier kommt es natürlich auf das Ausgangsmaterial an: Wenn ein Sound nach einer gewissen Zeit sich nicht weiter verändert, ist das Setzen einer Loop unproblematisch. Für andere Klänge wiederum empfiehlt es sich, lieber ein längeres Sample zu verwenden, wenn z. B. Obertöne im Ausklang noch stark abnehmen.

Grundsätzlich gilt: Für das Setzen einer Loop sollte man sich unbedingt Zeit nehmen und die Loop-Marker verschieben, bis das gewünschte Ergebnis erreicht wird. Im Folgenden möchte ich anhand zweier Beispiele zeigen, wie man den Nord Sample Editor kreativ einsetzt. Dafür habe ich zwei Synthesizer-Sounds, die wir sampeln wollen, um sie dann über mein Nord Electro 6D abzuspielen. Außerdem können diese Sounds dann später z. B. mit anderen Sounds im Split- als auch im Layer-Modus verwendet werden. 

Beispiel 1: Synth-Bass mit kurzem Decay

Für unser erstes Beispiel habe ich einen Synth-Bass-Sound aus dem Moog Matriarch gewählt, der über ein kurzes Decay verfügt, und irgendwo aus dem Bereich Soul/Funk stammen könnte. Hören wir uns den Klang einmal genauer an:

Vorbereitung

Für unser Sampling-Vorhaben eignet sich der Synth-Bass sehr gut, denn durch das recht kurze Decay entstehen kurze Wav-Dateien, die man schnell aufgenommen hat. Loops werden hier nicht gebraucht. Schließen wir den Synthesizer also an unser Audio-Interface an und überprüfen den Pegel. Damit wir keinen „Headroom“ verschenken, sollte der Audio-Pegel möglichst hoch sein - in meinem Fall liegt er etwa bei -3 dB und hat nur ein kleines bisschen Platz nach oben - so kann nichts übersteuern. Wir beschränken uns auf eine Samplingrate von 44.1 kHz und eine Dynamikauflösung von 16 bit. Der Sample Editor wandelt die WAV-Dateien übrigens in ein eigenes Format um - zwar wird hier nicht verraten, in welches, aber aufgrund der Größe ist davon auszugehen, dass es sich um ein komprimiertes Format handelt. Die Samples sind nach dem Export aus dem Editor sehr klein - es passt also einiges in den Nord-Speicher!

Wichtige Fragen

Vorneweg noch eine wichtige Frage: In welchem Bereich wird der Sound typischerweise gespielt? Das sollte man vorher unbedingt klären, denn unser Bass-Sound wird beispielsweise nur im Bereich von etwa 2-3 Oktaven verwendet. Deshalb besitzen viele Bass-Synthesizer selten mehr als eine 3-Oktaven-Tastatur. Der Sound hat irgendwo seine Stärken und wird den besonders hohen Registern eher weniger gebraucht. Einigen wir uns für dieses Sampling-Projekt vorerst auf einen Umfang von 3 Oktaven (C1-C4). Für gute Ergebnisse empfiehlt es sich hier übrigens in kleinen oder großen Terzen aufzunehmen. Das bedeutet konkret: Wir nehmen über unsere DAW den Synthesizer vom gewünschten tiefsten Ton in kleinen Terzen aufwärts auf und lassen dazwischenliegende Töne weg. Bei Synthesizern darf man gerne etwas größere Intervalle verwenden, da die Oszillatoren hier gleichmäßig immer die gleiche Schwingung erzeugen. Bei steigender Tonhöhe ändert sich der Charakter der Klänge nicht so sehr wie etwa bei akustischen Instrumenten. Für letztere empfiehlt es sich nämlich, pro Taste ein Sample aufzunehmen. Wir starten mit dem C1 und gehen bis zum C4. In Cubase sieht das aufgenommene Resultat dann folgendermaßen aus.

Erstellen der Samples mit den Nord Sample Editor 2

Weiter geht es nun mit der Bearbeitung. Beginnen wir mit dem Nord Sample Editor 2, denn hier ist das Menü etwas umfangreicher. Die geschnittenen Samples müssen zunächst über den „add“-Taster in den Editor importiert werden. Die importierten Dateien liegen nun in der linken Spalte und können jetzt über das Assign-Menü im unteren Bereich den Tasten zugeordnet werden. Hilfreich ist die Tastatur-Anzeige ganz oben, auf der man nach dem Zuweisen erkennt, in welcher Oktave das jeweilige Sample auf der Tastatur des Keyboards erscheint. Die Samples werden hier - sofern auf benachbarten Tasten noch keine Samples liegen, auch entsprechend gepicht. Das hat den Vorteil, dass man trotz unserer Samples im Terz-Intervall für die dazwischenliegenden Tasten keine Zuweisungen vornehmen muss.

Im Bereich „Multi Sample Per File Assign“ wird als „Start Key“ die gewünschte Taste des Samples eingegeben, und dann auf Assign klicken. Wer sich vertan hat, der kann ohne Bedenken per „remap“ das Sample einer neuen Taste zuordnen, falls mal etwas versehentlich gemappt wurde. Das „Manual Sample Assign“ Menü hingegen ist für unsere Zwecke nicht notwendig. Weiter geht es nun mit dem nächsten Reiter, welcher auf den Namen „Sample Loop/Stop“ hört. Da unser Sample abklingt und keine Loop-Funktion benötigt, muss jedes Sample einmal auf „No Loop“ gesetzt werden. Etwas ungünstig ist die Tatsache, dass der Editor alle Samples grundsätzlich auf Loop schaltet. Wer beim Schnitt nicht ganz sauber gearbeitet hat, der kann den Sample-Start im nächsten Reiter sogar noch justieren.

Weiter geht es im Instrument-Menü: Die grafische Darstellung zeigt die Levels der verschiedenen Samples und lässt jedes Sample in seinem Gain anpassen. So können Pegelsprünge ausgeglichen, oder aber ganz einfach die globale Lautstärke (Global Gain) angepasst werden. Auf der letzten Seite - im „Samp Preset“ Menü - finden wir dann noch ein paar interessante Features. Zwar bietet mein Nord Electro 6D beispielsweise eine Hüllkurve, diese kann aber in groben Parametern schon im Editor gespeichert werden. Dann klingt das Sample auch bei einem Staccato noch langsam aus. Natürlich sind diese Parameter stark begrenzt und können nachträglich im Keyboard noch nachgeregelt werden. Auch die Filter-Funktion ist sehr praktisch, denn damit werden die Samples je nach Velocity etwas dumpfer gefiltert, was deutlich organischer klingt. Daneben gibt es hier auch drei Velocity-Stufen, ohne die das Sample immer mit der gleichen Lautstärke abgespielt wird.    

Sofern alle Einstellungen vorgenommen wurden, kann man das Sample nun über den Generate-Button erstellen lassen. Der Editor erzeugt damit einen Patch mit der Dateiendung *.nsmp. Das Projekt kann ebenfalls als Nord-Sample-Projekt abgespeichert werden. Praktisch, wenn man später nochmal Änderungen vornehmen möchte. Wer sich den Umweg über den Nord Sound Manager ersparen möchte, der kann unter dem Generate-Botton auch das Häkchen „download“ anklicken, dann wird das Sample in das per USB verbundene Nord Keyboard geladen. Hören wir uns nun das Ergebnis an: So klingt unser gesampelter Moog-Bass. Zum Vergleich schicken wir nochmal das Original hinterher. Außerdem hören wir uns noch an, was das im Menü eingestellte Filter sowie eine voreingestellte Release-Zeit (Long) mit dem Sample macht. 

Das klingt erstaunlich gut für unser erstes Sample! Einen hörbaren Unterschied gibt es dennoch, denn in den Höhen ist das Sample minimal dumpfer. Deshalb habe ich im Beispiel 02b mal an dieser Stelle etwa 6-8dB Höhen per Nord Treble-EQ hinzugefügt - denn dafür ist er ja schließlich da. Ich finde, unser Bass ist damit wirklich sehr nah am Original. Übrigens ist unser Sample-Patch mit den 13 Samples von insgesamt 2 MB auf eine Dateigröße von 0,5 MB geschrumpft. Dafür, dass der Patch wirklich gut klingt ist das eine erfreulich-kompakte Dateigröße!

Erstellen der Samples mit dem Nord Sample Editor 3

Etwas weniger kompliziert, dafür aber etwas limitiert, ist die Arbeit mit dem Anfang 2020 erschienenen Nord Sample Editor 3. Hier reicht es beispielsweise aus, eine ungeschnittene Wav-Datei per drag-and-drop in das Fenster zu ziehen. Wie Nord in seinem Produktvideo eindrucksvoll demonstriert hat, erkennt der Editor 3 die in der Wav-Datei enthaltenen Samples und setzt sofort Start- und Stop-Marker. Und damit nicht genug: Die Tonhöhen der Samples werden sofort erkannt und entsprechend auf zugehörige Tasten gelegt. Bei der Kontrolle der Start- und Stop-Marker konnte ich keine Fehler feststellen, was mich wirklich positiv überrascht hat. Streng genommen braucht man hier bei einfachen Sample-Patches kaum etwas selber machen: Sample importieren, und schon kann der Editor daraus einen Patch generieren.

Beispiel 2: Synth-Pad-Samples mit Loop-Markern

In unserem zweiten Beispiel nehmen wir eine Fläche aus dem Sequential Prophet 6. Hier ist das Sampling etwas komplizierter, da der Klang der Fläche nicht nur ständig in Bewegung ist, sondern außerdem über kein Decay verfügt: Damit der Sound stehen bleibt, machen wir von der Loop-Funktion Gebrauch. So klingt das Original:

Der Flächensound lebt von zwei Oszillatoren, die beide eine Rechteckwelle generieren und in ihrer Pulsweite durch einen LFO moduliert werden. Beide Oszillatoren leicht gegeneinander verstimmt, was zu starken Schwebungen führt. Da ein typischer Pad-Sound über einen recht großen Umfang gespielt werden kann, nehmen wir diesen über 4 Oktaven auf und sampeln dabei in großen Terzen. Der Pad-Sound ist recht dumpf und der Klangcharakter verändert sich nicht so stark wie etwa beim Synth-Bass - deshalb können wir uns hier recht große Schritte erlauben. Außerdem habe ich in der Lautstärken-Hüllkurve den Attack- und Release-Wert auf 0 gesetzt, denn diesen fügen wir im Nord Electro 6D später wieder hinzu. So behalten wir die Möglichkeit, den Klang auch mit kurzen Attack- und Release-Werten zu versehen.

Jetzt heißt es wieder: Pegel checken und aufnehmen! Dabei halte ich die einzelnen Töne relativ lange aus - etwa 12-15 Sekunden pro Sample. Damit habe ich später genug Material, um passende Loop-Marker zu setzen. Zu kurze Samples wären hier fatal, denn wenn die Loop-Punkte nicht richtig sitzen, dann klingt’s auch nicht. So sehen die Samples dann in Cubase aus:

Schauen wir uns das Ganze nun im Nord Sample Editor 3 an. Wir exportieren die große Audiodatei aus der DAW (in der sich alle Samples befinden) und ziehen sie per drag and drop in die Software. Hier erkennt der Editor 3 sofort Start- und Stop-Punkte der Samples, wobei das Ende der Samples leider nicht immer ganz exakt erkannt wurde. Das macht aber nichts, denn per Pfeil-Tasten kann man bequem zu allen Samples springen, und dort den Stop-Marker manuell verschieben. Praktisch ist auch die Vergrößerung mittels Mausrad - so lässt es schnell ins Geschehen hinein zoomen. Kommen wir zum wichtigsten Punkt: Für alle Samples muss nun separat das Loop-Häkchen gesetzt werden. Per Apfel + A beim Mac und Strg + A beim PC auf der virtuellen Tastatur markiert man alle Samples, und kann dann auch für alle Samples die Loop-Funktion aktivieren. Auch hier zeigt der Sample Editor 3 seine Stärken und findet automatisch passende Loop-Punkte. Dabei orientiert er sich natürlich auch an Nulldurchgängen und zeigt einen dünn gezeichneten „Level-Envelope“, der den ausgewählten Loop-Bereich optisch unterstreicht.

Die Erfahrung mit dem Nord Sample Editor 3 zeigt gelegentlich auch, dass nicht alle Loop-Bereiche günstig gewählt wurden. Zum Glück eignet sich die Audition-Taste oben rechts im Editor, um die ausgewählten Samples inkl. Loop abzuhören. In unserem Fall verwerfe ich fast alle der Loop-Punkte, da man die Schwebungen der einzelnen Samples so gut sehen kann, dass ich mich fast blind auf die grafische Beurteilung der Wellenform verlasse. Anhand der Wellenform-Hügel, von denen ich immer gleich mehrere in eine Loop aufnehme, erkennt man die Regelmäßigkeit der Schwingungen: genau darauf kommt es an. Die Loop soll nämlich ohne Unregelmäßigkeiten ganz munter „durchrotieren“. Den Crossfade, welcher im unteren Bereich der Software zu finden ist (X-Fade), setze ich für unseren Pad-Sound auf 5%, dann klingt es am besten. Hier muss das Ohr auf jeden Fall entscheiden, denn zu lange Crossfades kann man sehr schnell hören.

Hören wir uns das vorläufige Ergebnis des Pad-Sounds an, so wie es aus dem Editor in den Nord Electro 6D geladen wird.

Das klingt soweit sehr gut - der Charakter des Pads ist wirklich gut getroffen. Jetzt müssen Attack- und Release-Zeit hinzugefügt werden, was man über die beiden Hüllkurven-Regler am Nord Electro 6D vornehmen kann. Für eine Fläche eignen sich etwa 400 ms Attack-Zeit sowie eine Sekunde Release. Jetzt klingt es wirklich nach Prophet 6. Hören wir deshalb den direkten Vergleich:

Natürlich bietet der Nord Electro 6D den Vorteil, dass man den Flächensound prima mit anderen Klängen layern kann. Wie wäre es z. B. mit einem akustischen Piano - los geht’s!

Schlusswort & Video

Damit dieser sonst recht nüchterne Text noch etwas besser verständlich wird, habe ich das Sampling-Projekt unseres Moog-Bass-Sounds in einem Video zusammengefasst. Die Arbeitsschritte habe ich getreu dem Motto „vom Original bis zur Fälschung“ aneinandergereiht und hoffe, dass sie auf diese Weise nochmal einen etwas praktischeren Einblick in die Arbeit des Sample-Herstellers bieten. Dabei ist es mitunter eine Geschmacksfrage, ob man lieber mit dem neueren Sample-Editor arbeitet, oder doch lieber auf die Features der Vorgänger-Software zurückgreift. Auf jeden Fall soll der Prozess um seine eigenen Sounds und Samples in den Nord zu laden Freude bereiten.

Wir wünschen euch viel Spaß beim Sampeln eurer eigenen Sounds und dürfen euch an dieser Stelle noch verraten, dass es die beiden Sample-Patches (in jeweils beiden Sample-Formaten) auch hier zum Download gibt. Vielleicht finden die beiden Sounds ja gleich einen geeigneten Platz in eurem Nord Keyboard! 

Das Sampling-Projekt des Moog Matriarch Bass-Sounds in einem Video zusammengefasst.

Download zum Workshop

Hier gibt es die beiden im Workshop behandelten Sample-Patches zum Download.

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