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Workshop: Ableton Live 9 Basics für Drummer und Produzenten #1

Mit Drum Loops ist es ein wenig wie mit Hamburgern – so ziemlich alle lieben sie, und man hat die Wahl zwischen kaufen und selber machen. Beides hat seine Vor- und Nachteile: Kaufen geht schnell, macht keine Arbeit, und man weiß (im besten Fall), was man bekommt. Entschließt man sich hingegen dafür, seinen eigenen Burger zusammenzubasteln, bedeutet das natürlich etwas mehr Aufwand, dafür kredenzt man sich und seinen Gästen aber etwas, das man so nirgends bestellen kann. 

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Mit dieser kleinen Analogie begrüße ich Euch herzlich zu einem Video-Workshop, in dem ich Euch zeigen möchte, wie Ihr mit Ableton Live eigene, kreative Beats aus einfachen, schnell gemachten Aufnahmen Eurer Groove-Ideen basteln könnt. Wir wissen ja alle, wie aufwändig, zeitintensiv und komplex eine „amtliche“ Schlagzeugaufnahme werden kann, dabei geht es um Mikrofonauswahl, Kanalbelegung, Routing, Phasen, Raum- und Close-Mics und vieles mehr. Abgesehen vom benötigten Equipment, welches ja auch ganz schön ins Geld gehen kann, und dem Wissen um all die kleinen Stolperfallen, frisst eine solche Recording Session auch viel Zeit. 

Die Idee: Loops mit wenig Mikrofonen bauen

Interessante Loops lassen sich aber auch aus Drum Recordings generieren, die mit nur einem oder zwei Mikrofonen gemacht wurden. In Zeiten von Instagram und anderen Social Media Plattformen bieten sich natürlich auch Smartphones und Tablets als Aufnahmemedien an – und erfüllen diesen Zweck auch, haben aber den Nachteil, dass die Signale schon im Gerät selbst heftig komprimiert werden und die Beats somit bereits bei „Ankunft“ in Ableton Live (oder einer anderen DAW) stark eingefärbt und somit begrenzter klanglich bearbeitbar sind. Deshalb empfehle ich Euch, entweder das im Laptop eingebaute Mikrofon zu nutzen, oder ein (Mono) oder zwei Mikros (Stereo) an das Kit zu bringen. Sinn und Zweck unseres Unterfangens hier ist, mit dem eingeschränkten Equipment, das wir haben, zu schönen und spannenden Ergebnissen zu kommen. Experimentiert im Vorfeld ein bisschen mit den Positionen des / der Mikrofone (frontal vor dem Kit, über dem Kit, hinter dem Kit etc.). Falls Ihr Euch, so wie ich im Video, für die Stereo-Variante „Zwei Overheads über dem Set“ entscheidet, solltet Ihr lediglich darauf achten, die Mikrofone so zu positionieren, dass sie möglichst gleich weit entfernt von der Mitte Eurer Snare sind – ein Maßband aus dem Baumarkt ist dabei sehr hilfreich.
In unserem Video-Workshop zum Thema Mikrofonierung bekommt ihr noch mehr Anregungen dazu.  
Um es noch einmal zu betonen: Hier und heute geht es nicht um möglichst hochwertige Schlagzeug-Aufnahmen, sondern um einige der Möglichkeiten, die wir mit Ableton Live haben, um aus einer spontanen, un-geklickten „Ich-nehm-das einfach-grad-mal-schnell-auf“-Situation im Proberaum etwas Schönes, Brauchbares zu basteln. 

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Step 1: Aufnahme

Dann kann es auch schon fast losgehen. Achtet beim Pegeln in den Audio-Eingangs-Einstellungen des Rechners bzw. den Kanälen der externen Soundkarte des eingehenden Signals noch darauf, einen „gesunden“ Pegel einzustellen, das heißt, Euer lautestes Signal – in der Regel die Snare Drum – sollte durchaus nah am roten Bereich liegen, ohne diesen aber zu erreichen. In den Voreinstellungen von Live wählt Ihr die Eingangsquelle (entweder das Rechner-interne Mikrofon oder die Soundkarte, an die Ihr Euer / Eure Mikrofon(e) angeschlossen habt), kreiert in Live eine Audiospur und bestimmt im I/O-Bereich den bzw. die Eingänge. Nun den Track noch scharf schalten, und alles ist bereit zur Aufnahme. 

Eine Besonderheit in Ableton Live 9: Warping

Eines der wichtigsten Features in Ableton Live ist das „Warping“, also das Dehnen und Stauchen von Audiomaterial, wodurch es möglich wird, Audio ohne klangliche Veränderung tempoflexibel zu nutzen. Bevor Ihr mit Euren Recordings beginnt, empfehle ich noch, die Option „Lange Samples automatisch warpen“ in Lives Voreinstellungen zu deaktivieren, damit Ihr selbst das Warping bestimmen könnt, anstatt dass Ableton Live versucht, das Material automatisch zu warpen. Lives Fähigkeiten zum automatischen Warpen von längeren Samples sind durchaus zu gebrauchen, aber in diesem Falle wollen wir selbst ran!

Die Warping Voreinstellungen

Step 2: Grooves sichten

Bäm. Nun haben wir vier Passagen aufgenommen. Der Ordnung halber (immer wichtig) benenne ich die einzelnen Files „Groove 1 – 4“, höre sie mal durch und beginne mit der Bearbeitung des ersten Grooves.

Step 3: Warping

Auch beim Thema Warping führen viele Wege nach Rom. Der erste grundlegende Aspekt beim Warpen von Audiomaterial ist das Wissen um die Eigenschaften des Materials: Solltet Ihr Audio warpen wollen, welches definitiv „auf Grid“ angelegt wurde, also zu einem fixen Klick produziert wurde, ist es natürlicher einfacher und geht schneller, als wenn Ihr, wie ich in diesem Workshop, „freies“, unter Umständen im Tempo schwankendes Material warpen wollt. Unterm Strich zählt aber zunächst die Maxime „so wenige Warp Marker wie möglich“, da jede Dehnung oder Stauchung des Audiotracks eine klangliche Veränderung bewirken kann. Die folgende Methode hat sich als sehr effektiv in Sachen Warping gezeigt:

  • In Lives Voreinstellungen ist die Option „Lange Samples automatisch warpen“ deaktiviert. 
  • Das Metronom ist deaktiviert.
  • Spiel den Beat ab und tappe dazu das Tempo auf der Tastatur oder einem MIDI-Keyboard (der Tap-Tempo Button sitzt in der linken oberen Ecke der Programmansicht und kann per [Command] + K oder [Command] + M gemapped werden).
  • Im Tempo-Feld neben dem Tap Button steht nun das getappte Tempo, welches somit sehr nah am Grundtempo des Beats ist. 
  • Aktiviere im Sample-Fenster des Clips „Warp“. Du siehst, dass die Segment BPM-Anzeige (unter dem Warp-Schalter) das globale, von Dir getappte Tempo auf den Clip bzw. den einen entstandenen Warp Marker anwendet. Wenn Du den Clip nun abspielst und dabei das Metronom aktivierst, solltest Du feststellen, dass der Klick zwar noch nicht genau stimmt, Tempo von Beat und Metronom aber bereits eng beieinander liegen. 
Das Segment BPM

Gehe zum Beginn des Beats und suche die „Eins“, zumeist eine Kick. Live bietet sogenannte „Pseudo Warp Marker“ an, das sind die grauen kleinen Striche über den einzelnen Transienten (Ausschläge). Mit einem Doppelklick auf einen solchen Pseudo Warp Marker verwandelt man diesen in einen „richtigen“ Warp Marker.

  • Mit einem Rechtsklick auf diesen neuen Warp Marker bestimmst Du „Setze 1.1.1. hier“.
  • Nun ist diese „Eins“ auch die „Eins“ dieses Clips / Grooves.
  • Lösche den ursprünglich entstandenen, ersten Warp Marker per Doppelklick, so dass lediglich ein Marker in deinem Clip zu sehen ist. 
  • Gehe nun von links nach rechts vor, setze (möglichst wenige) neue Marker, und verschiebe sie entsprechend, um den Rest des Grooves auf das Raster zu ziehen.
  • Um die Anzahl der Marker gering zu halten und die natürlichen Bewegungen innerhalb des Beats zu konservieren, ist es ratsam, zunächst taktweise vorzugehen.
  • Die angewählte Loop-Klammer eines Clips lässt sich mit [alt] + Pfeiltasten Eurer Tastatur taktweise weiterverschieben, sodass Ihr ein- oder zweitaktig durch den Groove gehen könnt und dabei die nötigen Marker setzt.
Der Warp Marker

Step 4: Loop Auswahl

Zur besseren Übersicht dupliziere ich die gesamte Spur inklusive der vier Groove-Clips, lege die „Originale“ zur Seite, gebe den Kopien eine andere Farbe und suche mir nun ein-, zwei- oder viertaktige Passagen aus den Clips heraus.

Step 5: Warp Modi, Tempo und Transposition.

Nachdem die einzelnen Groove-Clips nun gewarpt sind und ich mir innerhalb dieser Clips kurze Loop-Passagen herausgesucht habe, wollen wir uns nun Möglichkeiten zur weiteren Bearbeitung anschauen: Im Sample-Feld des Clips, unterhalb der Segment-BPM-Anzeige, lassen sich verschiedene Warp Modi wählen. Je nachdem, welchen Algorithmus man hier wählt, entstehen unterschiedliche klangliche Ergebnisse: 

  • Beats eignet sich besonders für rhythmische Klänge
  • Tones passt gut für Klänge mit definierten Tonhöhen, Gesang und monophones Material wie Bass
  • Texture eignet sich bestens für mehrstimmige, geräuschartige Sounds und Klangflächen
  • Re-Pitch ändert beim Dehnen und Stauchen die Tonhöhe, so wie ein Plattenspieler
  • Complex & Complex Pro sind perfekt für komplexe Sounds und ganze Songs
Die Warp Modi Auswahl

Dies sind berechtigte Konzeptionen, es macht aber auch durchaus Sinn, mit diesen Modi auch unabhängig vom Charakter des Audiomaterials zu experimentieren. Für alle Warp Modi gilt: Der jeweilige hörbare Effekt, den der Algorithmus auf das Material setzt, kommt deutlicher zur Geltung, je stärker das File in puncto Tempo- und Transposition verändert wird. 
Mit dem Transpose-Regler im Sample-Feld lässt sich das Audiomaterial um je bis zu vier Oktaven (48 Semitones) rauf- oder runterpitchen (ausgenommen im Re-Pitch-Modus), was sowohl alleine für sich gesehen, aber vor allem in Verbindung mit den verschiedenen Warp Modi zu interessanten und auch drastischen Ergebnissen führen kann. 
Besonders cool ist folgende Bearbeitung im Beats Modus: Im Zusammenspiel der Möglichkeiten des „Preserve-Menüs“ im Sample-Feld (bestimmt die Unterteilung des Samples, an der sich Lives Warping-Prozess orientiert  – nach Takten, verschiedenen Subdivisionen oder allen Transienten) mit den drei Varianten des „Transienten Loop Modus“ (Loop aus / Loop vorwärts / Loop vorwärts und rückwärts) und der korrespondierenden Transienten-Hüllkurve lassen sich Gate-artige Effekte erzielen, die, ähnlich einem Transient Designer, einen Beat „aufräumen“, knackiger und weniger verwaschen klingen lassen. 

Der Warp Modus Beats ist besonders für rhythmisches Material geeignet.

Probiert am besten einfach alle Warp Modi aus, sowohl im Originaltempo eines Clips, als auch verlangsamt oder schneller abgespielt, mit oder ohne Transpositionen, und experimentiert mit den Ergebnissen. Im Video zeige ich die verschiedenen Resultate recht detailliert auf. 
Tipp:
Wenn Ihr einen Clip mit einem einzigen Warp Marker warpen wollt, aber nicht, um ihn klanglich zu verbiegen, sondern lediglich, um ihn grundsätzlich und bei Bedarf tempoflexibel vorliegen zu haben, ist der Beats Mode die beste Wahl, denn dieser belässt den Inhalt so lange klanglich vollkommen unberührt, bis Ihr das Tempo oder den Pitch des Clips per Transposition ändert oder mehr Warp Marker einsetzt und diese bewegt.

Step 6: Basis Effekte

Nun wollen wir die Clips in diesem ersten Track mit grundlegenden Effekten bearbeiten. 

EQ 8

Als erstes ziehen wir aus dem Browser einen EQ 8. Weil es sich hier um einen Loop, also ein einzelnes, zusammenfassendes Soundfile handelt, sind die Bearbeitungsmöglichkeiten eingeschränkt, dennoch kann bewusstes EQ-ing die Klangqualität des Loops spürbar verbessern. 

  • Frequenzen unter ca. 60 bis 70 Hertz können herausgenommen werden, da sie, wenn vorhanden, meist nur störendes Wummern transportieren.
  • Leichtes Anheben zwischen 2000 und 4000 Hertz (4kHz) kann dem Beat mehr „Sparkle“ verleihen, Hi-Hats und Cymbals klingen so brillanter.
  • Durch „sweepen“ (den Gain eines Bandes voll aufreißen und dann durch die Frequenzen gehen, bis ein hohler, unangenehmer Ton hörbar wird) und anschließendes Absenken dieser Frequenz lassen sich störende Sounds eliminieren. Bei Drum Loops wie unserem ist dies häufig der Bereich der oberen Mitten um 1000 bis 1200 Hertz.
  • Ein leichtes Anheben der unteren Mitten (200 bis 400 Hertz) hingegen kann helfen, die Snare Drum bauchiger und präsenter im Loop herauszustellen.
Der FX EQ8

Compressor

Anschließend komprimiere ich den Groove ein wenig mit Lives Compressor. Dies dient dazu, den Beat zu verdichten. Eine klassische Abwärts-Kompression (Downward Compression) sorgt dafür, dass laute Signale leiser werden und so die Dynamikspitzen abgeschnitten werden. 

  • Um den Effekt nicht stark klangfärbend einzusetzen, benutze ich zunächst eine geringe Ratio von (2:1)
  • Die Attack-Zeit regle ich auf ca. 30 ms, so ist sichergestellt, dass der Kompressor den Impakt des Transienten nicht „wegkomprimiert“ und zum Beispiel die eh schon recht dünne Kick Drum nicht an Anschlags-Punch verliert.
  • Die Release-Zeit stelle ich eher kurz ein (20 bis 40 ms), damit der Kompressor nach Unterschreiten des Schwellwertes (Threshold) auch schnell genug wieder aufhört zu komprimieren.
  • Schließlich wird der Threshold abgesenkt, bis die Lautstärke-Absenkung (auch sichtbar über den gelben GR-Balken) einsetzt. 

Diese Werte sind lediglich eine grobe Richtlinie, auch hier gilt: Ausprobieren, hinhören, drehen und verstehen, was der Kompressor bei Eurem Sample genau bewirkt..!

Der Live Compressor

Im zweiten Teil dieses Video-Workshops werden wir spannende, zum Teil deutlich klangverändernde Effekte auf die Grooves legen, Resampling anwenden, Lives Audio-to-MIDI Feature kennenlernen und weitere Groove-Varianten aus den vier Originalen erstellen. Zum Schluss werden wir alle entstandenen Clips in Lives Session View in einem Jam, den wir aufnehmen, zu neuen Beats miteinander kombinieren und auf diese Art hoffentlich interessante Loops kreieren.
Bis dahin viel Spaß beim Ausprobieren!
Harry Bum Tschak

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von Harry Bum Tschak

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