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24.08.2021

Rolling Stones Drummer Charlie Watts stirbt mit 80 Jahren

Seit 1963 war er die treibende Kraft der berühmtesten Rock'n'Roll-Band der Welt

Erst kürzlich wurde Charlie Watts operiert und sollte daher für die anstehende US-Tour ab Ende September von Steve Jordan ersetzt werden, jetzt ist er in einem Londoner Krankenhaus im Kreise seiner Familie friedlich eingeschlafen. So teilte es heute Bernard Doherty, der Pressesprecher der Rolling Stones mit. Charlie Watts wurde 80 Jahre alt und wollte 2022 zum 60-jährigen Bandjubiläum wieder an den Drums sitzen.

Bevor Charlie Watts 1963 bei den Stones einstieg, war er für kurze Zeit der Drummer bei Alexis Korner's Blues Incorporated, wo er zusammen mit dem Bassisten Jack Bruce spielte und schließlich durch Ginger Baker ersetzt wurde – beide sollten zusammen mit Eric Clapton Jahre später die kurzlebige Supergroup Cream bilden. Charlie traf mit seinem Ausstieg bei Alexis Korner eine Entscheidung, die sein ganzes musikalisches Leben prägen sollte und ihn zu einem der berühmtesten Rockdrummer aller Zeiten machte.

Dabei waren es keine atemberaubenden Soli, wie sie Ginger Baker spielte, keine wilde Bühnenshow, wie sie Keith Moon ablieferte und kein Dampfhammer-Groove à la John Bonham, die ihn zur Legende werden ließen – ganz im Gegenteil: sein lässiger, swingender Groove mit einem unverwechselbaren Markenzeichen – dem häufigen Auslassen der Hi-Hat während des Snare-Backbeats – war es, der absolut perfekt zur straighten Musik der Rolling Stones passte und eine felsenfeste Einheit mit Keith Richards' Gitarrenspiel bildete.

Bemerkenswert war auch die Tatsache, dass Watts, im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen, über all die Jahrzehnte stets auf einem simplen, vierteiligen Drumset trommelte. Dass der stets gut gekleidete Gentleman bereits in den Anfangsjahren als Drummer eine große Liebe zum Jazz hegte, spiegelt sich ebenfalls in seinem Stil wider, und tatsächlich hat ihn der Jazz auch nie losgelassen, so spielte er beispielsweise 2010 mit der Danish Radio Big Band ein Album ein, auf dem er eine überzeugende Vorstellung als Bigband-Drummer abliefert. 

Nach einer von Drogen- und Alkoholkonsum gekennzeichneten schwierigen Phase in den 1980er-Jahren hatte Watts bis zum Jahr 2004, als bei ihm Kehlkopfkrebs diagnostiziert wurde, keine ernsthaften gesundheitlichen Probleme, und auch den Krebs hatte er schließlich nach einer Strahlenbehandlung besiegt. Erst in diesem Jahr wurde es wieder ernst, als er sich vor knapp drei Wochen einer Notoperation unterziehen musste. Obwohl es hieß, er habe die Operation gut überstanden und sei auf dem Weg der Besserung, erholte er sich nicht mehr und starb am 24. August 2021. Charlie Watts hinterlässt seine Ehefrau Shirley, seine Tochter Seraphina und die Enkeltochter Charlotte.

Red Hot Chili Peppers Drummer Chad Smith hat 2018 ein umfangreiches Interview mit Charlie Watts geführt, das auf YouTube in drei Teilen zu sehen ist:

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