Hersteller_Roland Eurorack-Systeme
Test
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11.04.2017

Praxis

Roland SYSTEM-500 Demo Video

Nun aber zum Wichtigsten – dem Sound! Bevor wir in die Details gehen, haben wir hier für euch einige Demo-Patches im Video festgehalten. Als Sequencer kam der Korg SQ-1 zum Einsatz.

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Die Oszillatoren des 512 Moduls überzeugen mit einem satten, sauberen Grundsound und tragen eine klare Roland-Handschrift. Mit Sync In/Out und je drei Modulationseingängen ist man für fast alle modularen Eventualitäten gerüstet und enthält ein Modul mit zwei sehr gut klingenden und flexiblen Oszillatoren. Eine empfindliche Schwachstelle trübt das Bild jedoch ein bisschen: Beim Drehen an den Oktavwahlschaltern erzeugen die Oszillatoren bei jeder Stufe einen hässlichen Sprung, der auch in den folgenden Hörbeispielen gut zu erkennen ist. Vor allem im Live-Betrieb ist das kaum hinnehmbar. Ich hoffe sehr, dass das daran liegt, dass unser Testmodul aus einer frühen Phase der Produktion stammt. Hier sollten Roland und Malekko jedenfalls unbedingt nachbessern, bevor größere Stückzahlen des 512 Moduls mit diesen Schaltern gebaut werden.

Das Filtermodul 521 klingt ebenfalls ausgezeichnet. Die beiden Tiefpassfilter überzeugen mit einer sauberen Ansprache und fein dosierbarer, kultivierter Resonanz. Der schaltbare Hochpass klingt ebenfalls gut und erweitert die klanglichen Möglichkeiten. Wie im Original bringt das Modul den Mixer gleich mit, was in vielen Fällen den Umweg über ein weiteres Modul erspart. Auf relativ kleinem Raum bekommt man mit dem 521 zwei wirklich toll klingende, musikalische Filter, die sich mit den flexiblen Eingangsstufen und je drei Modulationseingängen vielseitig einsetzen lassen.

Auch das VCA-Modul 530 überzeugt durch seine Vielseitigkeit und seine saubere Ansprache. Mit je drei Eingängen und den SUM-Outputs lassen sich die beiden VCAs bei Bedarf als 6-Kanal-Mixer verwenden. Vom Original bekannt sind die Initial-Gain-Potis, mit denen die VCAs bei Bedarf auf „Durchzug“ stellen lassen, um einen Dauerton zu erzeugen. Drei Modulationseingänge pro VCA wird man zwar in den seltensten Fällen brauchen, aber hier wird Flexibilität groß geschrieben. Das 530 ist auch außerhalb des SYSTEM-500 Komplettpakets ein empfehlenswerter Doppel-VCA für Eurorack-Systeme.

Gleiches gilt für das Modul 540. Mit zwei vielseitigen Envelopes und einem nicht weniger gut ausgestatteten LFO ist es ein Modulations-Tausendsassa, der sich in jedem Eurorack-System gut macht. An den Hüllkurven gibt es nichts auszusetzen: In der „Fast“-Stellung sind sie schnell und knackig, sie stellen beide Polaritäten bereit, lassen sich loopen und verfügen über eine Möglichkeit zur manuellen Auslösung. Mehr benötigt man nur selten. Der LFO kann sich ebenfalls sehen lassen und stellt fünf Schwingungsformen gleichzeitig bereit. Auch die modulierbare Frequenz, das regelbare Delay und die flexiblen Trigger-Möglichkeiten stehen auf der Haben-Seite, sodass mir das Modul 540 rundum gut gefällt, auch unabhängig vom restlichen SYSTEM-500. Etwas ungewohnt ist die vom Original abweichende Anordnung mit dem LFO zwischen den beiden Envelopes, zumal die einzelnen Funktionsbereiche optisch nicht voneinander abgegrenzt sind. Sobald man sich daran gewöhnt hat, spielt das aber keine Rolle mehr.

Das letzte Modul 572 enthält einige schöne analoge Effekte, die nicht selten für das Salz in der Suppe sorgen. Mit dem Phaser und dem Delay lassen sich viele ausdrucksstarke Modulationseffekte erzeugen, wobei „Delay“ hier ausdrücklich als ein kurzes Modulationsdelay zu verstehen ist und nicht als Echo mit langer Verzögerung. Durch die Modulation von Phaser und/oder Delay entstehen lebendige, vielschichtige Sounds. Der kleine Hilfs-LFO kann nicht viel und dient hauptsächlich zur Modulation von Phaser und Delay. Natürlich lässt er sich aber auch für Zwecke außerhalb des Moduls 572 verwenden, was bei mir im Rahmen des Komplettsystem-Tests auch des Öfteren der Fall war. Das unscheinbare Gate Delay bietet bei genauer Betrachtung viele Möglichkeiten, die von der Verzögerung von Trigger-Signalen oder der Veränderung der Gate-Zeit bis hin zu pegelabhängig gesteuerten Events reichen. Eine sinnvolle Erweiterung, die gerade im rhythmischen Bereich für interessante Möglichkeiten sorgt.

Alles in allem sind die Module des SYSTEM-500 rundum gelungen und portieren die Seele des SYSTEM-100m überzeugend in die Eurorack-Welt. Sieht man von den Problemen des 512 beim Umschalten der VCO-Oktaven ab, dann gibt es wirklich kaum etwas zu kritisieren. Auch die Auswahl der fünf Module erscheint sinnvoll und bildet die wesentlichen Komponenten und Fähigkeiten des 100m ab. Natürlich hätte Roland noch weitere Module des Originals neu auflegen können, und vielleicht kommt da ja auch noch etwas. Aber auch jetzt schon ist das SYSTEM-500 insgesamt eine runde Sache. Das Original-Modul, das ich mir am ehesten noch wünschen würde, wäre das 150 (Ringmodulator, Rauschgenerator, Sample&Hold). Alles andere, wie etwa den Sequencer, kann man problemlos durch Module anderer Hersteller ersetzen.

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