Hersteller_Roland
Test
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08.12.2015

Praxis

Tastatur

Die im Juno-DS 88 eingebaute Ivory-G-Tastatur macht einen netten Eindruck und lässt sich relativ ausdrucksstark spielen. Insgesamt kommt sie mir persönlich recht schwergängig und manchmal fast etwas träge vor. Hier und da ist mir aufgefallen, dass nicht alle Sounds perfekt auf die Tastatur angepasst sind, denn manchmal kam plötzlich doch ein lautes oder leises Sample, wo es nicht gewünscht war. Vielleicht ist das aber auch schon Kritik auf sehr hohem Niveau.

Laut Hersteller soll die Tastatur über eine Druckpunktsimulation verfügen, beim Spielen war das für mich allerdings kaum spürbar. Beim Herunterdrücken der Taste fehlt mir jedenfalls der typische Druckpunkt einer echten Flügeltastatur. Die Ivory Feel-G ist Rolands Standardtastatur für Workstations und kompakte, günstige Digitalpianos und nun schon eine ganze Weile auf dem Markt. Sicherlich ist es immer noch eine gut spielbare Hammermechanik, aber die Konkurrenz schläft nicht und so mancher Konkurrent wartet in dieser Klasse für mein Empfinden bereits mit einem authentischeren Spielgefühl auf.

Sounds

Wie klingt er denn nun, der Juno-DS? Hören wir uns zum Einstimmen ein paar Sounds aus dem Patch-Modus an. 

Insgesamt bietet der Juno-DS eine wirklich große Auswahl an typischen akustischen und elektrischen Piano-Sounds. Wie auf der Herstellerseite angekündigt, wurden die Pianos und E-Pianos nochmals überarbeitet und verbessert. Meinem Empfinden nach bleibt die Qualität der Sounds allerdings trotzdem nur durchschnittlich, beispielsweise höre ich beim Ausklang der Piano-Samples deutlich, dass sie geloopt werden. Wer hauptsächlich auf einen authentischen Flügelsound Wert legt, ist daher evtl. mit einem Stagepiano besser beraten. (Glücklicherweise gibt es aber die Möglichkeit, über den Wave-Expansion-Slot bessere und wirklich authentische Klänge in den Juno-DS zu laden – dazu gleich mehr.)

Jenseits der Pianos deckt der Juno-DS ein breites Klangspektrum ab und erweist sich als typischer Allrounder. Hier hört ihr einige Klangbeispiele aus den übrigen Kategorien:

Erfreulicherweise sind gerade in den weiteren Kategorien immer wieder nette Patches zu finden, wie etwa die Bläser oder so mancher Synthesizer-Sound. Bei der großen Auswahl schwankt die Qualität und es empfiehlt sich, die einzelnen Kategorien genau zu durchforsten.

Wave-Expansion-Slot

Bereits seit den Synthesizern der JV- und XP-Serien aus den 90er Jahren hat die Erweiterbarkeit bei Roland Tradition. Der Wave-Expansion-Slot des Juno-DS ermöglicht das Installieren weiterer Sounds. Hierzu bietet Roland auf der Seite axial.roland.com zehn frei verfügbare Librarys, von denen jeweils eine in den Wave-Expansion-Slot geladen werden kann. Werksseitig ist die EXP-Library 06 (Studio Standards) auf dem Juno-DS installiert, die eine breite Auswahl an verschiedenen Sounds bietet. Für diesen Test habe ich mich dazu entschieden, die EXP-05 „Electric Piano Collection“ in den Juno-DS zu laden, die einige hervorragende zusätzliche E-Pianos enthält, darunter verschiedene Vintage-Rhodes und Wurlitzer-Modelle. Durch die kostenlos verfügbaren Librarys erweitert sich das klangliche Potenzial des Juno-DS erheblich. Einziger Nachteil ist, dass man die Sounds der verschiedenen Librarys nicht miteinander mischen kann – es passt immer nur eine Library in den Speicher. Genau das würde allerdings die Qualität des Junos deutlich steigern. Vielleicht darf ich mir deshalb an dieser Stelle für zukünftige Juno-Modelle weitere freie Expansion-Slots wünschen. Wie die Installation einer Wave Expansion funktioniert, wird in den Handbüchern übrigens überhaupt nicht erwähnt. Zwar habe ich nach kurzer Zeit herausgefunden, wie es geht, allerdings hätte ein kurzer Hinweise sicher nicht geschadet. Im Folgenden ist der Patch „Pure EP1“ aus der EXP-Library 05 zu hören, der aus meiner Sicht vorbildlich klingt.

Patch- und Performance-Mode

Im Wesentlichen kann der Juno-DS88 in zwei Modi betrieben werden: Im Patch-Modus kann ein einzelner Sound gespielt werden, während der Performance-Modus aus 16 Parts besteht. Im Normalfall ist über die Tastatur allerdings nur der erste Part aktiviert, in einem Untermenü lassen sich aber alle 16 Parts über die Tastatur anspielen. Die ersten acht Parts lassen sich übrigens nicht nur mit den Cursortasten, sondern auch über die acht Phrase Pads aufrufen. In Kombination mit der Shift-Taste können dann auch die Parts 9-16 ausgewählt werden.

Split, Layer und Super-Layer

Der Performance Mode dient auch zur Erstellung von Split- und Layer-Sounds. Dann sind die ersten beiden Parts über die Tastatur spielbar und können auf der Tastatur aufgeteilt bzw. übereinanderlegt werden. Die Lautstärke der Parts 1 und 2 lässt sich über zwei Fader unkompliziert anpassen – sehr schön. Über die beiden zugehörigen Taster im linken Bedienfeld wechselt man in die entsprechenden Modi und schon werden die Layer oder Splits im Display angezeigt. Mit den Cursor-Tastern können die beiden Parts (Upper und Lower) ausgewählt und editiert werden. Auch das Einstellen des Splitpunkts geht einfach von der Hand – hier ist die Bedienung wirklich gut gelungen!

Neben den Tastern für den Split- und Layer-Modus befindet sich ein weiterer Knopf namens „Super Layer“. In diesem Modus kann ein Patch bis zu fünffach verdoppelt und dann verstimmt werden. Damit lassen sich typische Unison-Sounds erzeugen, wie sie besonders im Dance-Bereich häufig verwendet werden. In diesem Beispiel habe ich den Synthesizer-Sound „Analog Lead“ genommen, ihn zuerst als normalen Patch angespielt und dann im Super-Layer-Modus bearbeitet. Der Effekt beim Schichten des Sounds ist deutlich zu hören und durch das Verstimmen wird der Sound sehr breit und fett „aufgefächert“.

Effekte

Sowohl im Patch- als auch im Performance-Modus stehen mehrere Effekte zur Verfügung. Neben den beiden globalen Effekten Chorus und Reverb gibt es im Patch-Modus einen MFX-Effekt, der mit 80 Algorithmen ausgestattet ist und eine große Auswahl bietet (darunter Chorus, Phaser, Delay, Distortion etc.). Im Performance-Modus stehen insgesamt drei solcher MFX-Blöcke zur Verfügung. Daneben gibt es noch einen Master-EQ und den bereits erwähnten separaten Hall für das Mikrofonsignal.

Arpeggiator

Der Arpeggiator wird per Tastendruck aktiviert und bietet 128 verschiedene Patterns, die einem Patch oder im Performance-Modus einem bestimmten Part zugeordnet werden können. Das Tempo lässt sich sowohl numerisch eingeben als auch per Tap-Taster „eintappen“. Selbstverständlich lässt sich der Arpeggiator auch zur MIDI-Clock synchronisieren.

Mikrofon, Auto-Pitch und Vocoder

Durch den Mikrofoneingang lässt sich der Juno-DS in eine Allzweckwaffe für Singer/Songwriter, Produzenten und Performer verwandeln. Man braucht nur ein dynamisches Mikrofon anzuschließen und kann sofort loslegen. Eine XLR-Kombibuchse wäre hier allerdings noch komfortabler gewesen. Direkt neben dem Eingang befindet sich ein kleiner Gain-Regler, mit dem die Eingangsempfindlichkeit justiert werden kann. Per Fader im linken Bedienfeld lässt sich der Mikrokanal dann „aufziehen“ und mit dem darüberliegenden Poti hat man schnell einen Halleffekt hinzugefügt. Insgesamt stehen für den Vocal-Hall acht verschiedene Typen zur Verfügung.

Für den Auto-Pitch-Effekt kann eine Tonleiter vorkonfiguiert werden und die gesungene Tonhöhe wird auf die Tonleiter angepasst. Die Auto-Pitch-Funktion kann in 100 Stufen hinzugefügt werden und ermöglicht neben der Korrektur der Intonation auch krasse Autotune-Effekte.

Wer sich nicht als Sänger berufen fühlt, kann das Mikrofon dennoch gebrauchen, denn der Juno-DS verfügt über einen wirklich tollen Vocoder-Effekt. Per Tastendruck auf Vocoder/Auto-Pitch wird dieser aktiviert. Als Carrier-Signal kann jedes beliebige Patch verwendet werden und so kann man beispielsweise eine Fläche „sprechen“ lassen. Spricht man laut und deutlich in das Mikrofon bei gleichzeitigem Spielen auf der Tastatur, dann kann man eine beachtliche Sprachverständlichkeit erreichen! 

Phrase Pads

Kommen wir nun zu den acht Pads, die in jedem Modus des Juno-DS in verschiedenen Farben leuchten. Je nach Modus erfüllen diese Pads verschiedene Funktionen. Im Patch-Modus finden sie zunächst keinen Gebrauch und zeigen die Auslastung der Polyphonie an – spielt man auf der Tastatur beispielsweise einen Akkord, so leuchten mehrere Pads grün auf und wechseln erst zurück in ihre türkis-blaue Farbe, wenn der angespielte Sound verstummt.

 

Rhythm Patterns

Im Rhythm Mode dienen die Pads zum Starten der integrierten Begleitrhythmen. Es stehen 30 Rhythmen mit jeweils acht Variationen zur Verfügung. Mit dem Cursor und dem Jog-Wheel kann eine der 30 Rhythmus-Gruppen aktiviert und mit den Pads dann jeweils eine der acht Variationen ausgewählt werden, wodurch man in Echtzeit eine abwechslungsreiche Begleitung erzeugen kann. Im Folgenden habe ich mit einem Bass/E-Piano-Split zu einem Rhythmus gespielt und nach ein paar Takten über die Pads in eine Variation gewechselt.  

Leider klingen die Rhythmen und ihre Variationen aus meiner Sicht etwas unmodern und langweilig. Stilistisch ist die Auswahl begrenzt und eigene Rhythmen lassen sich nicht erstellen. Insgesamt sind die Rhythm Patterns in meinen Augen so etwas wie ein Deluxe-Metronom zum Üben. Mit den Begleitfunktionen eines Entertainer-Keyboards kann der Juno-DS aber nicht mithalten.

 

Pattern Sequencer

Kommen wir zum Pattern Sequencer, der wie eine typische Loop-Station funktioniert. Mit den acht Pads lassen sich im Handumdrehen acht Spuren aufnehmen, die entweder im Loop oder im One-Shot Modus laufen. Wer sich mit dem zugehörigen Pad-Taster oberhalb der Pads für die Loop-Variante entscheidet, kann eine Pattern-Länge von einem, zwei, vier oder acht Takten wählen. Vor dem Einspielen sollte man das Tempo wählen, das mit dem Tap-Taster „eingetappt“ oder von einer externen Quelle vorgegeben werden kann.

Bei der Aufnahme wird man von einem Click begleitet. Sobald man mit dem Aufnehmen einer Phrase fertig ist, verstummt das Metronom und erscheint erst wieder beim Aufnehmen der nächsten Spur. Im Vorfeld sollte man sich für die acht Spuren, die mit den ersten acht Performance-Parts gekoppelt sind, entsprechende Sounds zurechtlegen, beispielsweise ein Schlagzeug, einen Bass und einen Piano-Sound. Sobald alle Einstellungen vorgenommen wurden, kann es losgehen: Mit dem Play-Taster erklingt das Metronom und per Betätigung der Rec-Tasters beginnt die Aufnahme. Um Hektik zu vermeiden, habe ich hier einen Vorzähler eingestellt, denn so kann man sich bestens auf das Aufnehmen einstimmen. Nach dem Aufnehmen lassen sich Spuren mit der Tastenkombination Shift+Mute stummschalten. Natürlich ist es auch möglich, die aufgenommen Spuren zu löschen – sowohl im laufenden Betrieb als auch nachträglich.

Für diesen Test habe ich zu Demonstrationszwecken einen kleinen zweitaktigen Loop eingespielt, in dem ich auf vier Spuren die Instrumente Drums, Wurlitzer, Bass und Pads aufgenommen habe. Anschließend habe ich einige Spuren stummgeschaltet. Das Ergebnis klingt dann folgendermaßen:  

Speicherplätze und Favorites

Patches, Performances und Pattern Sequences lassen sich in den jeweiligen User-Bereichen abspeichern. Da die vielen Speicherplätze allerdings schnell unübersichtlich erscheinen, kann man sich mit Hilfe der Favorite-Funktion seine Lieblings-Sounds in einer der 10 freien Favorite-Bänke organisieren. So lassen sich insgesamt 100 Favoriten archivieren und schnell aufrufen. Mit Hilfe der beiden links neben dem Display befindlichen Taster Favorite und Bank lassen sich die Favorite-Sounds schnell zuordnen: Zuerst wählt man das gewünschte Patch oder die Performance aus. Dann wird über gleichzeitiges Drücken des Bank-Tasters sowie einer der zehn Kategorie-Taster die gewünschte Favorite-Bank ausgewählt. Anschließend kann der Sound durch Drücken von Favorites und einem der Kategorie-Taster auf einem der zehn Plätze innerhalb der Bank abgespeichert werden.

Sample-Import

Mit Hilfe eines USB-Sticks lassen sich eigene Samples im WAV-Format (44,1 kHz, 16 Bit) in den Synthesizer übertragen und dort speichern. Der USB-Stick muss allerdings zunächst im Juno-DS formatiert werden, wobei darauf eine Ordnerstruktur vorbereitet wird. Dann kopiert man Samples in den IMPORT-Ordner auf dem Stick und steckt diesen in den Juno. Per Druck auf „Sample Import“ können die auf dem USB-Stick befindlichen Samples nacheinander importiert werden. Nach dem Import befinden sich die Samples im Speicher des Juno-DS, wo sie als Patch abgespeichert werden können. Leider kann ein solches Patch nur aus einem einzigen Sample bestehen. Eine Multi-Sample-Funktion wäre hier natürlich wünschenswert! Über den Umweg des Performance Modes kann man bei Bedarf immerhin bis zu 16 Samples über die Tastatur abrufen. Die Größe des internen Sample-Speichers gibt Roland übrigens nirgendwo an, was den Verdacht nahelegt, dass er nicht besonders groß ist.

Audio Player

Über den Audio-Taster können Audio-Dateien in den Formaten WAV, AIFF und MP3 abgespielt werden. Dafür müssen die Files im Ordner „SONG LIST“ des formatierten USB-Sticks abgespeichert und nach dem Schema „01.wav“, „02.wav“ etc. benannt werden – vor allem Letzteres ist nicht gerade praktisch. Ist der USB-Stick beim Einschalten des Instruments eingesteckt, werden die Audio-Dateien den acht Phrase Pads zugeordnet und können darüber gestartet werden. Über entsprechende Shift-Kombinationen mit den Pads können die abgespielten Audio-Dateien auch angehalten oder geloopt werden. Hier muss ich zugeben, dass die Bedienung unbedingt die Lektüre der Bedienungsanleitung erfordert. Der Audio-Player ist ein nettes Feature, mit dem man beispielsweise zu einem Song mitspielen kann.

Bedienung

Insgesamt ist die Bedienung des Juno-DS88 so eine Sache für sich. Einerseits lässt er sich relativ komfortabel bedienen. Das liegt vor allem an der übersichtlichen Bedienoberfläche, viele Funktionen erklären sich von selbst und man kann sofort loslegen. Wer dann in die Untermenüs abtaucht und nach ganz bestimmten Funktionen sucht, der stellt fest, dass die tiefergehende Bedienung doch etwas umständlich ist. Hinzu kommt die recht knapp gehaltene Bedienungsanleitung, die viele Funktionen nur am Rande streift. Der weiterführende „Parameter Guide“ ist nur online in PDF-Form erhältlich.

Software-Update

Als unser Testgerät geliefert wurde, gab es seitens des Herstellers bereits ein Firmware-Update auf Version 1.04, das sich per USB-Stick auf das Gerät übertragen lässt. Zusammen mit der Firmware hat Roland auch eine Zusatzanleitung herausgegeben, in der die neuen Features erläutert werden. Tatsächlich hat sich hier noch etwas getan. Neueste Errungenschaft für den Juno-DS ist die Listenansicht im Patch- und Performance-Modus, die das Suchen nach bestimmten Sounds erleichtert. Darüber hinaus bringt die neue Firmware auch Neuerungen in zahlreichen Untermenüs, wie etwa dem Sample-Edit-Menü. Erfreulich ist jedenfalls, dass sich softwareseitig etwas tut und man offenbar bemüht ist, die Bedienung sowie die Features des Juno nachträglich zu verbessern.

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