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15.12.2020

Praxis

Oszillatoren, Filter und Effekte

Anhand von einfachen Patches, die wir selbst mit den Plugins entwerfen, werden aussagekräftige Soundvergleiche möglich. Ganz repräsentativ sind solche A/B-Vergleiche aber nicht, denn manche der Synthesizer haben zusätzliche Parameter, die man in den anderen Emulationen nicht bekommt. Bei u-he Diva lässt sich zum Beispiel eine bestimmte Wellenform für den Suboszillator auswählen. Der Juno-106 von Roland hat in der VCA-Sektion noch einen Tone-Regler, der sich erheblich auf die Klangcharakteristik auswirken kann.

Schon beim Basisklang ohne Filter-Einsatz sind deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Emulationen zu hören. Im ersten Durchgang erzeugen wir mit dem DCO eine Pulsbreitenmodulation, die vor allem beim Roland Juno öfter für fettere Sounds verwendet wird. Gespielt werden einfache Dreiklänge über mehrere Oktaven. Der Roland Juno-106 liefert einen transparenten, lebendigen und ausgewogenen Sound. Satt und rund klingen auch u-he Diva und U-NO-LX von TAL-Software. Am wenigsten überzeugt der DCO-106 von Cherry Audio. Sein Klang wirkt unvorteilhaft (dumpfer und basslastiger).

In der zweiten Runde kommt ein Sägezahn-Oszillator unterstützt durch den Suboszillator zum Vergleich. Klangformend ist hier auch das Filter mit einem kürzeren Hüllkurven-Decay. Es handelt sich um einen typischen Synth-Bass, der bei den Plugins unterschiedlich ausfällt. Die Nase vorn hat wieder Roland Juno-106. Wie sich der DCO mit einer Pulsbreitenmodulation sowie bei der Kombination aus Sägezahnwelle und Sub-Oszillator konkret äußerst, verdeutlichen die Hörbeispiele:

Wie macht sich das resonanzfähige Tiefpass-Filter des virtuellen Junos klanglich? Jeweils zwei Beispiele geben einen näheren akustischen Hinweis: Im ersten Durchlauf drehen wir an den Parametern „Cutoff“ und „Resonance“ bei einem monofonen Rechteck-Sound, danach bei einem Chord Pattern, das auf einem Sägezahn-DCO basiert. Unser Eindruck: Keine Filtersektion klingt wirklich schlecht, klangliche Differenzen sind aber deutlich wahrnehmbar.

Weil der interne Chorus-Effekt maßgeblich am vollen warmen Sound des Roland Juno-60/106 beteiligt ist, möchten wir auch ihn klanglich vergleichen. Die Wahl fällt dabei auf Typ „Chorus 1“, der unsere einfache Sägezahn-Fläche etwas moderater anfettet als der zweite Chorus-Typ. Übrigens, den Chorus des Juno kann man von TC Electronic in kompakter analoger Bauweise erwerben. Als Freeware gibt es ihn von TAL-Software.

Unser Eindruck nach der ersten Vergleichsrunde: Nicht Chorus oder Filter, sondern die Audioqualität des DCO samt Suboszillator macht den größeren Unterschied zwischen den vier Software-Instrumenten.

Single Patches

Jedes Produkt bringt seine eigene Library mit. Über 330 Presets integriert der DCO-106 von Cherry Audio nach der Installation. Er verfügt über ein gutes Browser-System, das das Auffinden bestimmter Klänge vereinfacht. Für den TAL-U-No_LX sind tolle Bibliotheken auf dem Soundmarkt zu bekommt, so die Sets „Gaela 1“ und „Gaela 2“ von Zensound mit einigen cinematischen Synthesizerklängen. Noch viel mehr an Soundware ist für u-he Diva zu ergattern, allerdings sind es kaum Sets, die speziell den Roland Juno in Szene setzen. Roland bietet innerhalb der Cloud mehrere Sound-Pakete (Synthwave, Techno etc.) für Retro-Stile und aktuelle Musik an. Jeweils vier Patches spielen wir pro Instrument und je Soundkategorie an.

Bässe

Der Juno-106 ist ein Tick kräftiger und aggressiver in den Bässen als sein Vorgänger Juno-60. Beide Synthesizer liefern aber auf ihre Weise gute Synthesizer-Bässe. Am besten gefallen die Bässe bei den Presets von TAL-Software. Überraschend gut schlägt sich auch Cherry Audio. Die Sounds des DCO-106 wirken als Sequenzer-Phrase nicht so lasch, als man es beim direkten Anspielen vermutet. Das folgende Aufgebot ist nur eine Momentaufnahme. Freilich haben die einzelnen Emulationen noch mehr zu bieten.

Pads

Einfache Flächen zu erstellen ist für den Besitzer eines Roland Juno ein Vergnügen. Bei den Emulationen ist dies nicht anders. Es fällt nicht gerade leicht, sich eindeutig für Roland, TAL-Software oder u-he zu entscheiden. Alle drei Kandidaten legen einen schönen Klangteppich. Nur Cherry Audio fällt negativ auf. Zumindest die bei den Factory Presets mitgelieferten Pads sind keine Offenbarung. Vielleicht geht es noch besser, wenn man selbst schraubt und zusätzlich hochwertige Effekt-Plugins verwendet.

Arpeggiator

Der Arpeggiator des Juno-60 macht nicht nur Spaß, sondern ist auch beim Produzieren sehr nützlich. Bei den Beispielen zeigt der Roland Juno-106 wie kraftstrotzend und technoid er klingen kann. Diese Präsenz und Wuchtigkeit vermisst man ein wenig beim DCO-106 von Cherry Audio. Wie bei den übrigen Soundbeispielen sollte man bedenken, dass der TAL-U-No-LX komplett auf Delay und Reverb verzichtet. Umso erstaunlicher ist es, welchen guten Sound er auch ohne FX-Unterstützung zustande bringt.

Song-Arrangement

Wie gut funktionieren die Juno-Emulationen beim Produzieren? Um dies herauszufinden öffnen wir jeweils drei Instanzen mit diesen Sounds: gefilterter Rechteck-Bass, bläserartiges Pad und ein perkussiver Lead. Das Song-Arrangement baut auf einem funkigen Beat aus der Roland TR-808 (Roland Cloud) in einem Tempo von 100 bpm.

Es sind alles einfache Klänge, die nicht mit weiteren Effekt-Plugins verfeinert oder gar mit EQ/Kompressor bearbeitet. Man hört also ein viertaktiges Muster ohne Mixing und Mastering. Für jede Session sind höchstens fünf Minuten zur Soundauswahl investiert worden. Das Ergebnis ist bei allen vier Kandidaten hörenswerten. Unsere Favoriten sind jedoch die Demos mit dem TAL-U-No-LX und dem Roland Juno-106.

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