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27.10.2020

Roland Juno-60 & Juno-106 – Soft-Synths im Vergleich

Was ist der beste Juno für die DAW?

Roland Juno-6, 60 und 106 Soft-Synthesizer im Vergleich: Features, Patches und Arrangements im A/B-Vergleich

Der Roland Juno-60 erscheint im Jahr 1982 wie sein direkter Konkurrent Korg Polysix als kostengünstige Alternative zu den großen Schlachtschiffen wie Jupiter-8OB-Xa oder Prophet-5. Seine sechsstimmige Klangerzeugung basiert auf nur einem DCO plus Suboszillator sowie einem resonanzfähigen 24dB-Tiefpass-Filter, das mit einem Hochpass ergänzt wird. Mit der Pulsbreitenmodulation und vor allem per eingebautem, leider nicht gerade rauscharmem Chorus-Effekt schafft er analoge Wärme und Lebendigkeit. Eine objektive Schwachstelle des Juno-60 ist die fehlende zweite Hüllkurve. Der zeitliche Verlauf von Filter und Lautstarke ist also nicht separat regulierbar.

1984 folgt dann der Roland Juno-106. Er umfasst eine gute MIDI-Ausstattung, mehr Speicherplätze und zeichnet sich durch einen etwas kühleren und leicht forscheren Klang aus. Einen Roland Juno-60/106 liebt man wegen seiner einfachen Sounds, die ihren eigenen Charme haben und im Arrangement musikalisch fast immer sehr gut funktionieren. Flächen, Strings und Organs, Leads oder Bässe liegen ihm, während man bei modulativen oder experimentellen Patches schnell an klare Grenzen stößt.

Angesichts der Gebrauchtpreise von über 2000 Euro für einen Roland Juno-60 freut man sich, dass der Roland-Klassiker längst als Software zu haben ist – sehr kostengünstig und DAW-tauglich. Natürlich wird das Original immer ein wenig anders klingen, in vielen Home- und Projektstudios ist eine Emulation aber meist die praktischere Alternative. Wie gut und authentisch diese Software-Instrumente klingen, verdeutlichen unsere Soundvergleiche mit insgesamt 36 Hörbeispielen.

Lässt man samplebasierte Instrumente und Bibliotheken außen vor, konkurrieren vier Hersteller: Roland selbst lässt den Juno-60/106 nicht nur als Hardware mit dem Boutique-Modell JU-06A (https://www.thomann.de/de/roland_ju_06a.htm) aufleben, sondern auch als Plugin innerhalb der Roland Cloud. Zu einem Klassiker selbst ist der TAL-U-No-LX des Schweizers Patrick Kunz alias TAL-Software geworden. Das gilt erst recht für u-he Diva von Urs Heckmann. Mit dem DCO-106 stellt Cherry Audio den jüngsten Kandidaten unseres Quartetts vor.

Preiswerter Juno-106: Cherry Audio DCO-106

Cherry Audio, eine kleine Firma aus Kalifornien, ermöglicht mit dem DCO-106 einen preiswerten Einstieg. Regulär kostet das Software-Instrument nur 39 USD. Schon der erste Blick auf die ansprechende Benutzeroberfläche verrät, dass der Roland Juno-106 detailgetreu abgebildet wird. Erweitert werden der LFO (mit sechs Wellenformen und Tempo-Sync) sowie die Effekte, die neben dem obligaten Chorus einen Reverb (drei Algorithmen: Room, Plate, Hall) und ein programmierbares Delay enthalten. Nützlich für Techno und Co. ist die Chord Memory-Funktion. Der bis zu 16-stimmige Cherry Audio DCO-106 für Windows und Mac OS läuft als Plugin und Standalone. Unter seinen 330 Factory Presets sind auch die Patches des originalen Juno-106 enthalten, zu dem er klangdatenkompatibel ist.

Klassischer Juno-60: TAL-Software TAL-U-No-LX

Eine bewährte Juno-60 Emulation stammt von TAL-Software. Der TAL-U-No-LX für Windows und Mac OS (Linux optional im Angebot) ist mit rund 60 Euro sehr moderat kalkuliert und vermittelt optisch wie klanglich ein schönes Retro-Feeling. Eine Portamento-Funktion und verschiedene Filter-LFO-Wellenformen kommen hinzu. Alle Parameter und Funktionen der bis zu 12-stimmigen Tonerzeugung sind automatisiert (MIDI Learn). Zusätzliche Effekte wie Hall oder Delay sind leider nicht integriert. Es finden sich für den TAL-U-No-LX viele kostenfreie User-Patches sowie erlesene Designer-Klänge.

Erhabener und flexibler Juno-Typ: u-he Diva

Eigentlich verkörpert u-he Diva keine klassische Juno-Emulation, sondern vereint einige einzelne Komponenten namhafter Analog-Synthesizer (Moog, Roland, Korg, Oberheim) zum fairen Preis von rund 160 Euro. Oszillator, Filter und Hüllkurve sind als austauschbare Module angelegt. Nimmt man die Konstellation „DCO (Filter) - VCF/Cascade (Filter) - Analoge (Hüllkurven)“ oder das entsprechende Template entspricht Diva einem virtuellen Juno-60 plus zwei simultan nutzbare Effekte. Es gibt Hunderte erstklassiger Presets, eine Bibliothek speziell mit Juno-60 Patches ist aber nicht vorhanden.

Perfekter moderner Juno-106: Roland Juno-106

Mit dem Juno-106 aus der Roland Cloud erscheint ein Spitzenkandidat zum stolzen Preis von über 160 Euro, was die Emulation des klassischen Roland-Synthesizers angeht. Er ist ebenso als Abonnent der Roland Cloud zu bekommen, lässt sich zusammen mit der Plug-out-Hardware System-1/8 und auch innerhalb des Software-Synthesizers Zenology Pro verwenden. Die skalierbare fotorealistische Oberfläche des Roland Juno-106 animiert zum Klangschrauben, wozu zwei separate Hüllkurven zur Verfügung stehen. Eine dreifache Effektsektion (Modulation/Distortion, Delay, Reverb) rundet den Sound ab.

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