Hersteller_Roland Keyboards VA_DesktopSynth
Test
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11.12.2015

Praxis

Leider fehlt als Zubehör, wie in der gesamten Serie, ein Micro-USB-Kabel sowie ein Netzadapter hierfür. Das solltet ihr euch definitiv zusätzlich zulegen, sonst klappen die Verbindung mit dem Rechner und die Stromversorgung ohne Batterien nicht. Die Miniklinken-Ausgänge wirken auch nicht gerade professionell. Das Anschließen an das optional erhältliche 25 Tasten Minikeyboard K-25m ist hingegen spielend leicht. Das Flachbandkabel in den unterhalb liegenden Stecker des JX-03 gesteckt und schon kann ich dem Synthesizer Sounds entlocken. Über ein Kabel von Stereo-Miniklinke auf zweimal 6,3 mm Klinke verbinde ich das Modul mit meiner Soundkarte.

Wer kein Audiointerface zur Hand hat, dem hilft das integrierte des kleinen Rolands. Über die USB-Verbindung können neben MIDI- auch Audiodaten in beide Richtungen übertragen werden, wodurch man den Synthesizer direkt in der DAW aufnehmen und seine Ausgangsbuchsen zum Abhören von Audio aus der DAW nutzen kann. Dafür, und für die USB-MIDI-Korrespondenz, muss vorher der auf der Roland Website erhältliche Boutique-Treiber installiert sein. Ist das gemacht, steht einer Einbindung des JX-03 in meiner DAW als MIDI- und Audiogerät nichts mehr im Wege. Und das funktioniert tadellos und ohne lästige Einstellerei.

Sound

Und jetzt zum Sound. Vorweg muss ich sagen, dass ich den JX-03 in mein Herz geschlossen habe. Die Drehregler liegen zwar nah beieinander, sind aber im Vergleich zu den anderen beiden Boutique-Synthesizern JU-06 und JP-08, bei denen viele Parameter über Fader mit sehr kurzem Regelweg gesteuert werden, angenehmer zu bedienen und vor allem genauer justierbar. Leider besitze ich weder einen alten JX-3P, noch gibt es gute Software-Emulationen dieses Instrumentes, sodass ich zum JX-03 keine Vergleichssounds zeigen kann. Aber ich bin trotzdem beeindruckt, was man aus diesem Mini-Gadget herausholen kann. Nur solltet ihr aufpassen, dass die Gesamtlautstärke nicht zu hoch ist, da es sehr schnell zu Übersteuerungen kommt, die zu leichtem Kratzen und Klicken führen.

Die Presets des JX-03 klingen fett und warm. Genauso, wie ich es mir wünsche. Hier ein paar Beispiele:

Die Erweiterung um zusätzliche Schwingungsformen bringt den Vintage Sound des JX-3P in die Jetztzeit. Auch der schnellere LFO und die nun enthaltene Crossmodulation verhelfen zu extremeren Modulationen und interessanten Sounds. Zur Verbreiterung des Klangs spendiert Roland der kleinen Kiste zusätzlich einen Delay-Effekt. Und das klingt ebenfalls recht ordentlich.

So weit, so gut! Der Sound des JX-03 ist nicht alltäglich und passt somit sehr gut in mein Studio. Die Programmierung von Sequenzen, Bassläufe und Pad-Harmonien ist schnell erlernt und macht sich sehr gut als Abwechslung zu VST-Synthesizern, aber auch anderem analogen Spielzeug. Für einen günstigen Preis bekommt man mit dem JX-03 einen super ACB-Sound und bringt viel Achtziger-Flair ins eigene Studio.

Wegen der Vierstimmigkeit komme ich aber oft an die Grenzen, gerade bei lange ausklingenden Pads kommen abgeschnittene Noten häufig vor. Schade! Ich könnte mir vorstellen, dass eine mindestens sechsstimmige Version heutzutage leicht realisierbar und nur unwesentlich teurer gewesen wäre. Ein zweites Modul zu kaufen, ist meiner Meinung nach keine wirkliche Option, da man dann in eine Preisregion vorstößt, in der der Markt viele interessante Alternativen mit mitunter weitaus mehr Funktionen bietet.

Sequencer und MIDI

Der interne Sequencer ist über die 16 Preset-Auswahltaster leicht zu bedienen und läuft wie erwartet. Leider werden einige Optionen nur durch versteckte Tastenkombinationen erreicht, die ich erstmal erlernen muss. Auf der Oberfläche fehlen jegliche Hinweise zu den Funktionen. Shuffeln kann der Sequencer wie alle Roland Produkte, und das ist auch gut so! Wie schon vorher erwähnt, vermisse ich die Polyphonie des Originals und erreiche bei der Begrenzung auf maximal 16 Steps keine komplexen Sequenzverläufe, wie sie mit den 128 Steps des JX-3P möglich waren. Auch die Transposition von Sequenzen per Tastendruck ist nicht möglich, aber das zieht sich durch alle Boutique-Synthesizer. Note On, Note Off, Legato mehrerer Schritte und Gate Time beherrscht der JX-03 Sequencer – das war's! Wichtiger ist aber: Der kleine Synthesizer läuft richtig tight zu meiner DAW. Die Sequenz startet punktgenau mit dem Locator in meiner Software und ich kann mich auf das Schrauben und Modulieren des Sounds konzentrieren.

Wer gerne Reglerbewegungen aufzeichnet, Automationen mit der Maus einzeichnet oder gern mit externen Controllern arbeitet, der wird mit dem JX-03 ein neues Handwerk erlernen müssen. Denn das Steuern über MIDI-CC-Befehle ist nicht implementiert und die Regler des Synths senden keine Controller-Daten. Hier nimmt Roland das Wort „vintage“ ein wenig zu ernst, denn zeitgemäß ist das nicht, zumal der Synthesizer ja ohnehin durch und durch digital ist. Ich bin glücklicherweise mit den Retro-Synthesizern groß geworden und nehme gerne jede Reglerbewegung live in meiner DAW auf. Durch die besser bedienbaren Drehregler ist diese Art der „manuellen Automation“ einiger Parameter beim JX-03 für mein Empfinden auch unproblematischer als bei den mit Mini-Fadern bestückten JU-06 und JP-08. Manchmal wäre es dennoch schön, Automationen aufzeichnen zu können. Letztlich ist das eine reine Gewohnheitssache, aber es sollte beim Kauf berücksichtigt werden.

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