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07.04.2020

Rock am Ring soll trotz Corona stattfinden

Leichtsinniges Statement oder Versicherungs-Zwang?

Die Corona-Krise hat die gesamte Live-Musik-Branche innerhalb weniger Tage komplett auf den Kopf gestellt. Nach wenigen Tagen der Größen-Beschränkungen, in denen nur noch Konzerte und Auftritte mit weniger als 1000 Zuschauern erlaubt waren, kam die Industrie mitte März komplett zum Erliegen. Aktuell sieht es auch nicht danach aus, als könnten demnächst wieder Konzerte ganz normal stattfinden. Und genau in diesen Tagen sorgen die Macher des größten deutschen Musikfestivals für ein sehr verwirrendes Statement: Rock am Ring finde, ebenso wie Rock im Park, nach jetzigem Stand ganz normal statt. Wie jedes Jahr sollen am ersten Juni-Wochenende, also in nicht einmal zwei Monaten, über 100.000 Menschen an den Nürbugring in der Eifel pilgern. Was? 

Haben die Veranstalter von Live Nation komplett die Besinnung verloren, mag man sich bei einem solchen Statement völlig zu Recht Fragen. Mal abgesehen davon, dass eine tatsächliche Durchführung des Festivals höchstwahrscheinlich behördlich verboten werden wird, klingt eine solche Nachricht, die nun durch Magazine und soziale Medien geistert, grob fahrlässig. Statt sich zu solidarisieren, die Gesundheit von Mitarbeitern, Künstlern und natürlich den Fans in den Vordergrund zu stellen, wird stur weitergemacht und am Ende wohlmöglich der Gesundheitsbehörde die Schuld einer Absage in die Schuhe geschoben. 

Oder steckt doch etwas ganz anderes hinter dieser kuriosen Meldung? Höchstwahrscheinlich hat sich das Statement einer Live Nation-Sprecherin, welches lediglich auf Nachfrage einer Zeitung getätigt wurde, unabsichtlich wie ein Lauffeuer im Internet verbreitet. Auf der Website des Zwillingsfestivals heißt es seit kurzem, die Entwicklungen der Krise könnten nicht abgesehen werden und die Fans müssten doch noch abwarten, wie es nun weitergeht. Deutlich gemäßigtere Worte im Vergleich zur ersten Statement, das seit gut einer Woche im Netz kursiert. Der Grund für die unpassende Äußerung wird bürokratischer und vor allem versicherungstechnischer Natur sein. Eine Absage, bevor das zuständige Gesundheitsamt offiziell ein Verbot ausspricht, würde bedeuten, dass Live Nation sämtliche kosten selbst tragen muss. Die Absage wäre nämlich freiwillig erfolgt und nicht erzwungen worden. Die Frage, ob es nicht dennoch besser gewesen wäre, sich bis wirklich Klarheit besteht einfach mal bedeckt zu halten, bleibt dennoch. 

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