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Test
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12.06.2012

ProjectSAM Orchestral Essentials Test

Orchester-Library für Kontakt

Ein schlagkräftiges Fliegengewicht

Ein nicht unübliches Merkmal von Orchester-Libraries ist deren Neigung zu „elefantösem“ Datengewicht. Die Vienna Symphonic Library (kurz VSL) hat schon längst die 500 GB Marke geknackt, und auch der amerikanische Hersteller East West lässt sich mit den Einzelpaketen der Hollywood Strings und Hollywood Brass nicht lumpen: Eine Lieferung auf Festplatte in diesem Bereich ist gang und gäbe, und selbst die abgespeckten Special- bzw. Gold-Editions der beiden Sample-Hünen beanspruchen im Schnitt etwa 50 GB an Festplattenspeicher für sich und können bei ausufernder Nutzung so manchem System die Schweißperlen auf die virtuelle Stirn treiben. Wie kann es da sein, dass ein niederländischer Hersteller namens ProjectSAM einfach so behauptet, dass eine nur 7 GB große Library, die auf einer einzelnen DVD Platz findet, in diesem grenzenlos erscheinenden Space-Race mithalten kann?

Man könnte den Herren von ProjectSAM natürlich einen Mangel an gesunder Selbsteinschätzung, allgemeine geistige Verwirrtheit oder schlicht und einfach eine große Klappe unterstellen. Die Ergebnisse, die sich mit den Orchestral Essentials realisieren lassen, sollten vorschnelle Kritiker aber umgehend zum Schweigen bringen, denn sie zeigen deutlich, dass ein beeindruckender Orchester-Klang nicht zwangsläufig mit tonnenschweren Sample-Pools in Verbindung stehen muss.

DETAILS

Installation und Autorisierung
Die Orchestral Essentials sind sowohl als Boxed-Version vom Händler der Wahl als auch als direkter Download von der Hersteller-Website erhältlich. Wer bereits registrierter Nutzer einer ProjectSAM-Library ist, erhält sogar einen kleinen Preisnachlass. In diesem Fall lohnt sich ein Blick auf die Website, da dort  in einem bestehenden Account die verbesserten Konditionen für jeden Fall konkret angegeben werden. Da es sich bei den Orchestral Essentials allerdings um eine Art Best of Project SAM handelt und kaum neue Instrumente enthalten sind, ist die Software wohl vorrangig für Neukunden interessant. Stark vergünstigte Angebote für ein Crossgrade von den Orchestral Essentials auf die großen Libraries, wie sie bei solchen abgespeckten Versionen häufig zu finden sind und bei denen man beinahe den kompletten Kaufpreis der kleinen Version wieder herausholt, gibt es leider nicht. Pro Library lassen sich in einem solchen Fall maximal 50 Euro sparen. Doch das nur am Rande.

Die Library setzt Version 5 des Native Instruments Kontakt Samplers voraus, beinhaltet aber wie üblich den kostenlosen Kontakt Player 5. Für PCs wird demzufolge ein Windows 7 Betriebssystem vorausgesetzt, wobei Kontakt 5 meiner persönlichen Erfahrung nach auch unter Windows XP immer noch anständig läuft. Für die Mac-User ist ein Intel-Mac jedoch schon seit Version 4 des Samplers Pflicht. Die Installation vollzieht sich wie bei den meisten Kontakt-Instrumenten schnell und unproblematisch, die Online-Autorisierung über das NI Service Center setzt einen entsprechenden User-Account voraus, der aber in kürzester Zeit eingerichtet ist. 

Ein bisschen was von allem
In ihrer mittlerweile zehnjährigen Firmengeschichte haben die SAMs insgesamt sieben Libraries bzw. Teil-Libraries auf den Markt gebracht, die allesamt auf das Anwendungsgebiet von Film- und Game-Soundtracks zugeschnitten sind. Für die Orchestral Essentials hat sich der Hersteller bei diesem bisherigen Gesamtwerk bedient und, wie einst schon Doktor Frankenstein, die zweckmäßigsten Teile übernommen, um sie zu einem neuen und eigenständigen Wesen zusammenzusetzen. 

Das große Aushängeschild von ProjectSAM ist sicherlich die in zwei Teilen veröffentlichte Orchester-Library Symphobia. Genauso wie diese, basieren auch die Orchestral Essentials auf dem Grundgedanken, dass gemeinsam eingespieltes Material immer besser und authentischer klingt als im Nachhinein vom Anwender übereinander gestapelte Samples. Dies sorgt bei Streichern, Holz- und Blechbläsern für ein hervorragend klingendes Ergebnis und spart zudem Speicherplatz, geht aber auch mit dem ganz natürlichen Nebeneffekt einher, dass die Library beim Instrumentieren nicht so offen und flexibel ist, wie das bei den bereits angesprochenen großen virtuellen Orchestern der Fall ist. Beim Arrangieren mit Symphobia bzw. den Orchestral Essentials ist der Pinsel also immer etwas breiter, als man das von Software mit einem herkömmlichen Konzept gewohnt ist. 

Ein sehr häufiger Kritikpunkt an den beiden Parts der Symphobia-Library ist ein ausgeprägter Mangel an Percussion-Instrumenten. Die Gründe für diesen Punkt sind in der Marketingstrategie von ProjectSAM zu suchen, denn natürlich wollte man den damals bereits veröffentlichten Teilen der Percussion-Library True Strike mit dem Release von Symphobia nicht den Wind aus den Segeln nehmen. Für die Orchestral Essentials wurde nun eine mehr als ausreichende Auswahl an grundlegenden Elementen von den beiden schlagkräftigen Trommelspezialisten übernommen. 

Abgerundet wird das Paket durch stark reduzierte Varianten der Organ Mystique und der Concert Harp, die beide von vornherein viel kleiner als Symphobia, True Strike und das z.T. schon in Symphobia weiter verwurstete Orchestral Brass Classic Bundle sind. Die beiden Libraries steuern jeweils ein Instrument in Form einer Kirchenorgel (mit starrer Register-Einstellung) und einer Harfe (ohne spezielle Instrumenten-Effekte) bei. Generell liegen alle Instrumente der Orchestral Essentials in nur einer Mikrofonierung (von ursprünglich zwei bis drei) vor, wobei es sich größtenteils um die raumbetonte Stage-Variante handelt. Für die Percussion-Instrumente wurden dagegen größtenteils Samples ausgewählt, die in Close-Miking aufgezeichnet wurden. Der Umfang an speziellen Instrumenten-Effekten wie z.B. Clustern, Hits und Rips aus Symphobia, den Percussion-Experimenten aus True-Strike und den düsteren und erheblich bearbeiteten Sound-Design-Elementen wurde ebenfalls auf ein relativ geringes Maß ausgedünnt. Hier ein Überblick zu allen verfügbaren Instrumenten der Orchestral Essentials.

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