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31.08.2020

Profi-Sounds für die Keyboard Workstation

Drei Sounddesigner verraten ihre Erfolgsrezepte

Keyboard-Workstation auftanken mit neuen Klängen

Sie ist der Allrounder seit vielen Generationen: Die Workstation ist das Hauptinstrument vieler Live-Keyboarder. Mit der Workstation lassen sich alle Arten von Sounds, angefangen bei Pianos aller Gattungen, Orgeln, Synthesizerklänge aller Couleur bis hin zu exotischen oder orchestralen Sounds alles per Knopfdruck auf hohem Niveau abrufen. Zusammen mit einer stimmigen Hardware, die viele sinnvolle Spielhilfen integriert und damit spontane Sound-Eingriffe ermöglicht, wird das Gesamtpaket für den Soundkonsum perfekt. Erfreulicherweise haben sich einige Sounddesigner auf den Korg Kronos, Yamaha Montage und Roland Fantom spezialisiert und liefern neue Sounds für diese Flaggschiffe quasi maßgeschneidert für Live-Gigs im Coverbereich und als Inspiration im Studio.

Wer bietet neue Sounds?

Als Soundanbieter für Keyboard-Workstations etabliert haben sich drei Firmen: KApro ist das Unternehmen von Kurt Ader aus Mannheim, bei dem Korg-Workstations im Fokus stehen. Mit Herstellern wird eng kooperiert, was auch mittels Videokonferenzen per Skype oder Zoom geschieht. Auf Yamaha-Produkte spezialisiert ist Easy Sounds alias Peter Krischker aus Hamburg, dessen Geschäft seit kurzem von Hans-Peter Henkel weitergeführt wird. Sie vertreiben ausschließlich Eigenproduktionen, stehen in engem Kontakt mit Yamaha und veröffentlichen mit dem Hersteller gemeinsam den „Yamaha Music Production Guide“. Der dritte Experte im Bunde ist Francis Capistrano aus Australien, der mit Narf Sounds insbesondere in Coverband spielende Keyboarder unterstützt. Capistrano ist daneben Moderator zweier Facebook-Gruppen („Kronos Enthusiast Workshops“ und „Roland Fantom Users“). Wie bei einer Software gibt es auch bei Soundware eine Beta-Version: Easy Sounds bittet dabei befreundete Musiker während der Finalisierungsphase um Feedback. Ähnlich verfährt auch Narf Sounds. Die neuen Programme werden sogar live und mit verschiedenen Lautsprecher-Systemen getestet. Kurt Ader testet seine Sounds selber kritisch und das sehr oft, bis die finale Version erscheint.

Wo liegen die Preise und wo werden neue Sounds angeboten?

Die Preise für Soundpacks unterscheiden sich: Bei Narf Sounds beginnt es bei etwa 20 USD und endet bei rund 190 USD, Die Pakete sind als vorgefertigte Sets für Live-Coverband-Gigs konzipiert. Easy Sounds unterscheidet zwischen „Legacy“ (Sounds älterer Produktionen) und „Premium“. Die aktuelleren Produkte liegen zwischen ungefähr 30 € und 80 €. KApro verkauft Software im Korg Online Shop. Hier sind die Libraries eine EXs138 KApro "Outer Space Ambience" und KApro’s Bestseller, das Set EXs19 KApro`s "Private Collection“, ist für Kronos-2 Besitzer kostenlos. Ansonsten bewegen sich die Soundbibliotheken in einer Preisspanne zwischen 19 USD bis 249 USD. Eine feste Anzahl an Sounds pro Set gibt es nicht. Beispielsweise achtet Easy Sounds vielmehr auf eine effektive Belegung der Flash- und RAM-Speicher, sodass mehrere Sets gleichzeitig im Gerät verfügbar sein können. Die letzten Premium-Bibliotheken hatten mindestens 128 und maximal 400 Performances. Bei Narfsounds gibt es Bundles, die alle Klänge für eine bestimmte Workstation beinhalten.

Während Easy Sounds und KApro schon lange im Business sind, ist Francis Capistrano von Narf Sounds erst seit 2017 aktiv, nachdem zwei Jahre zuvor eines seiner Youtube-Videos zu verstärkter Nachfrage führte. Für seine eigenen Auftritte programmiert Capistrano aber schon seit Anfang der 1990er Jahre. Etwa zu dieser Zeit startete Peter Krischker mit Easy Sounds und offerierte Klänge für Yamaha SY99/85 und Korg M1 und 01W. Zehn Jahre früher ging Kurt Ader an den Start, als er zu Beginn der 1980er Jahre ein Set mit 64 Programmen für den Jupiter-8 erstellte, das von Roland beauftragt wurde. Wir bitten die drei Sound-Unternehmer um Stellungnahme.

Worauf kommt es bei der Programmierung neuer Sounds an?

Auf die Frage nach den wichtigsten Kritieren bei der Programmierung eines neuen Sound-Sets äußern Easy Sounds, KAPro und Narf Sounds deren Prioritäten:

Easy Sounds kommentiert:„Das wichtigste Kriterium ist sicher die Inspiration der Kunden durch den neuen Content, den eine Soundlibrary bietet. Darüber hinaus liegt ein Augenmerk darauf, die bereits vorhandenen Presets eines Instruments in den Kategorien zu ergänzen, für die es unter den Kriterien Qualität und/oder Quantität sinnvoll erscheint“, kommentiert Easy Sounds und betont: „Ein wichtiges Ziel ist es auch, den Musiker beim ersten Anspielen der Sounds musikalisch zu inspirieren. Wir haben darüber hinaus seit der Markteinführung des Yamaha MONTAGE und MODX die ausgesprochen leistungsstarke Controller-Matrix intensiv in unsere Programmierarbeit einbezogen. Damit wird dem Kunden ein schnelles Bearbeiten der Performances (Stichwort „Quick Edit“) ermöglicht, ohne dass dafür in den Edit-Mode mit nicht selten komplexen Menüstrukturen gewechselt werden muss. 

Kurt Aders Prioritäten mit KApro sind diese: „Neben dem Ziel, dass meine Sounds inspirieren, ist es mir wichtig, dass der Sound mit sehr vielen Samples auf der gesamten Klaviatur liegt (mindestens 61 Tasten, oder mehr) und nicht nur nach oben und unten gestretcht wird. Dadurch erhält er seine Authentizität. Auch lege ich Wert auf höchstmögliche Klangqualität und sample in der höchstmöglichen Auflösung des Kronos. Weiterhin müssen wichtige Controller wie z. B.: Filter, ADSR, Aftertouch, Transpose, SFX (Hall, Delay und sonstige Effekte) intuitiv regelbar sein und interaktiv gesteuert werden können, was durch die Architektur des Kronos mit dessen vielen Echtzeitreglern, Tastern und Fadern möglich ist. Der Korg Kronos bietet dafür eine echte Spielwiese“

Narf Sounds schlägt konzeptionell ebenfalls einen anderen Weg ein: „Ich versuche, so nahe wie möglich an die Cover-Sounds heranzukommen und gleichzeitig in der Lage zu sein, die Sounds mit einer einzigen 61-Tasten-Version einer bestimmten Workstation effizient und intuitiv live auf der Bühne zu spielen.“

Die Keyboard Workstations der Profi-Klasse bieten ein riesiges Potenzial für Klänge aller Art mit unterschiedlichen Tonerzeugungs-Systemen.

Durch ihren komplexen Aufbau und die vielen Möglichkeiten sind sie beliebt bei Live-Keyboardern, im Studio und bei Sounddesignern.

Welche Soundtypen sind besonders gefragt? 

Orchester, Synthesizer und Sounds für Coversongs. Jeder Sounddesigner bedient natürlich seine Klientel.

Bei KApro sind es akustische Instrumente. Kurt Ader meint: „Bei den Workstations geht es meistens um Orchester-Samples. Die sind extrem gefragt, da der User auch kaum Möglichkeiten hat, diese selbst zu sampeln, was außerdem auch mit einem großen Kostenfaktor verbunden ist. Wir von KApro haben da mittlerweile einen sehr großen Fundus an hervorragenden Samples. Weiterhin werden immer wieder neue Pianollänge, Chöre und auch diverse Synth-Sounds gewünscht.“

Easy Sounds hat die Erfahrung gemacht, dass Klänge mit Vergangenheit gefragt sind. Peter Krischker bestätigt: „Sounds unter dem allgemein gültigen Begriff „vintage“ sind sehr beliebt. Analoge, virtuell-analoge oder modulare Synthesizer haben in den letzten Jahren eine Art Comeback gefeiert. Eine Sound-Expansion beispielsweise dieser Art wird in einem digitalen Synthesizer gern angenommen. Für MONTAGE / MODX ist natürlich auch die digitale FM-X-Engine ein Schwerpunkt, dem wir uns mit inzwischen zwei sehr umfangreichen Soundsets gewidmet haben.“ 

Narf Sounds als Anbieter für Cover-Sounds meint: „Die Nachfrage nach Synthesizerklängen für Pop- und Rocktiteln aus den 1980er Jahren ist bei mir sehr stark nachgefragt, weshalb ich einen Schwerpunkt auf diese Art von Sounds lege“.

Die Bedienoberflächen der Workstations steuern die verwendeten Systeme der Workstations. Dazu gehören Hardware-Controller und das Display, Elemente, die Übersicht während des gesamten Programmierprozesses bieten.

Wie wichtig sind Split- und Layersounds und die Controller-Belegung?

In diesem Punkt sind sich alle drei Soundanbieter ziemlich einig: Tastatur-Verteilungen (Splits) und Klangschichten (Layer) sind bei Workstation-Anwendern sehr gefragt.

Narf Sounds bestätigt: „Sehr wichtig! Es ist die einzige Möglichkeit, mehrere Klänge für einen bestimmten Song auf einer Tastatur spielen zu können. Das Erstellen von Split-Kreationen ist ein wesentlicher Teil meiner Programmierung“.

 Easy Sounds knüpft an: „Diese Art von Performances sind immer ein wichtiger Bestandteil unserer Soundlibraries und werden von Live-Musikern sehr geschätzt, da sie entsprechende Programmierarbeit oft komplett ersparen, oder durch einfache Anpassungen erleichtern.“

KApro erläutert in Bezug auf die Korg-Workstation: „Das ist ganz enorm wichtig! Ich bin kein großer Freund von Combis, denn Kombinationen aus einzelnen Programmen fressen ganz klar Stimmen! Combi Sounds sind natürlich wichtig, aber ich glaube, dass sollte sich der User selbst so legen wie er es braucht. Ich programmiere die Programs schon so, dass es so klingt wie in einer Combi oder einem Split-Sound. Das hat schon seinen Reiz denn so steht die gesamte Polyphonie des Instrumentes zur Verfügung.“

Auch die Instrumenten-spezifischen Spielhilfen werden bei der Programmierung berücksichtigt:

Easy Sounds sieht dies als ein Schwerpunkt: „Wir realisieren durchdachte Controller-Konzepte, die alle verfügbaren Controller - physisch oder nicht-physisch - einbeziehen und dem Musiker damit ausdrucksstarkes Spiel ermöglicht sowie entsprechende Flexibilität gewährleistet.“

Auch für KApro ist das wichtig und Kurt Ader erklärt: „Die Belegung der Controller ist immens wichtig, denn dadurch kann der Sound zu noch mehr Leben animiert werden. Das ist die Aufgabe der Controller und Spielhilfen. Deren vielschichtige Belegung nimmt mitunter viel Zeit in anspruch, aber es lohnt sich es zu tun. Ich hasse es, wenn ich irgendeinen Synth anteste und sehe, dass die Controller überhaupt nicht belegt sind! So etwas sehe ich als nicht richtig fertiggestellt!“

Narf Sounds legt Wert auf eine einheitliche Belegung der Controller, was es dem Anwender leichter macht sich in unterschiedlichen Soundsets zurecht zu finden: „Ich finde es enorm wichtig die Controller mit nützlichen Funktionen zu belegen, die sich in meinen Soundsets stets wiederfinden.“

Gibt es persönliche Favoriten und auf welches eigene Produkt bist du stolz?

Bei Narf Sounds sind es „Sounds von Van Halen und Queen“. Angetan ist Francis Capistrano von seinen jüngsten Produktionen: „Nach einigen Jahren habe ich nun das Gefühl, dass sich meine Programmiertechnik verfeinert hat. Es ist ein ständiger Lernprozess für mich und die aktuelleren Sets sind das Ergebnis dieses ständigen Lernens“.

Peter Krischker und Hans-Peter Henkel von Easy Sounds meinen: „Bei uns sind es einerseits live-tauliche Keyboard- und Synthsounds, andererseits aber auch chillige und abgefahrene Electronic- und Dance-Klänge.“ Wie bei Narf Sounds ist man angetan von der zuletzt veröffentlichten Library, „weil das so viel Zeitaufwand und Herzblut drinsteckt, dass das bis zur nächsten Produktion vorhält“.

Kurt Ader von KApro hat ein anderes Faible: „Meine Vorliebe sind ganz klar Orchesterklänge, aber natürlich mag ich auch sehr gerne außergewöhnliche Synthesizer-Sounds. Brot- und Butter-Presets gehören nicht zu meinen Favoriten, obwohl ich die oft programmieren muss.“ Er schätzt selber alle KApro Orchester-Libraries, weil keine der anderen gleicht. Und auch wie Narf Sounds und Easy Sounds mag er weiterhin immer die letzten Produkte, die er gerade fertiggestellt hat, so z. B.: EXs278-EXs279 KApro Legendary Blue (ein Mix aus PPG, Waldorf Wave und Prophet VS).

Easy Sounds: „FM Xplorer“ für Yamaha Montage / MODX

KApro  EXs278-EXs279 Legendary Blue für Korg Kronos

Narf Sounds: Roland Fantom Famous Covers Set 1 Synth Keyboard Sounds

Wohin entwickelt sich der Soundmarkt für Workstation-Anwender? Sind Laptops eine Konkurrenz? Gibt es Wünsche zu einer nächsten Produkt-Generation?

Kurt Ader von KApro ist sich sicher: Durch den Korg Kronos hat sich sehr viel verändert, denn er ist die einzige Workstation, die Samples streamen kann und somit technisch mit einem Laptop mithalten kann. Außerdem finde ich es immer noch schöner auf der Bühne, wenn da kein Laptop zur Tonerzeugung steht. Anstelle des Analog-Hypes hätte ich mal gerne wieder etwas neues Innovatives. Bei den nächsten Workstations wünsche ich mir viele Eingriffsmöglichkeiten wie z. B. bei der Korg Wavestate, oder auch die Granular Synthese vom Waldorf Quantum, vielleicht in Verbindung mit Elastik Audio, oder mal ein ausgefeiltes Physical Modeling wie damals im Yamaha VL1 oder VP1. Heutige Prozessoren der heutigen Zeit können ja wesentlich mehr als früher. Zudem hätte ich gern polyfones Aftertouch… ach ja, meine Wunschliste wäre sehr lang...“

Bei Narf Sounds wird sich der Laptop auf der Bühne kaum behaupten: „Mit Soft-Synths und verschiedenen Keyboard-Controller-Optionen erzielt man unterschiedliche Ergebnisse in der Spielbarkeit, abhängig von der Rechenleistung des Setups oder der Qualität des MIDI-Controllers. Die Hardwaresynths haben als Musikinstrumente ihre eigene ausgeprägte Charakteristik. Beim Spielen eines Korg Kronos oder einer Yamaha-Montage entsteht ein gewisses Spielgefühl, das man etwa bei MainStage oder Omnisphere mit einem allgemeinen Controller nicht bekommt. Die technische Zuverlässigkeit ist zwar erheblich verbessert worden, liegt aber auch bei Software plus Laptop immer noch nicht bei 100%.

Auch Easy Sounds ist der Meinung, dass „viele Musiker für die Bühne die reine Hardware-Plattform der Kombination mit Software vorziehen. Wenngleich moderne Notebooks heute sehr stabil arbeiten, ist das Vertrauen hinsichtlich Absturzsicherheit in einen Hardware-Synthesizer noch immer ein wenig größer. Darüber hinaus erspart es Arbeit beim Setup und Platzbedarf ist möglicherweise auch ein Kriterium. Ein kommender Trend ist schwer abschätzbar. Authentische Analogsounds erscheinen wie ein Dauerbrenner, aber auch digital-analoge Varianten werden wohl nicht aus der Mode kommen. Wie auch immer, als Sounddesigner freuen wir uns über innovative Klangerzeugskonzepte. Die Erweiterung von FM zu FM-X oder das mit den letzten OS-Updates für Yamaha MONTAGE / MODX veröffentliche Feature „Smart Morph“ sind gute Beispiele. Weiterhin ist natürlich Speicherplatz für Samples immer ein Kriterium – so auch der Parameterzugriff direkt über das Bedienfeld eines Synthesizers. Eine flexibel programmierbare Controllermatrix, mit der sich entsprechende Layouts realisieren lassen, steht ebenfalls recht weit oben auf der Wunschliste.“

Schlusswort              

Es ist ein bleibendes Geschäft: Das Angebot an kommerzieller Soundware für die angesagten Workstations von Korg, Yamaha und Roland wird immer größer. Solche Klangprogramme, teilweise inklusive Sampling, erstellt man nicht eben einmal selber. Gut also, dass es Spezialisten gibt, die diesen Job übernehmen. Wer von den Werksklängen seiner Workstation genug hat und sich neues Soundfutter für seine Projekte wünscht, kennt nun drei wichtige Adressen: KApro, Easy Sounds und Narf Sounds. Dabei freut sich jeder Sounddesigner letztlich auch einmal auf ein persönliches Feedback. Ein kurzes Hallo mit einem Lob, oder Soundwunsch erfreut auch den Programmierer, denn letztlich macht er seine Arbeit vor allem mit und aus viel Leidenschaft und nicht allein wegen finanzieller Interessen.

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